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Martin Heidegger's Gedanken zum Denken:

Die Wissenschaft denkt nicht - und die Technik ist von Macht und vom Machen besessen.

[Was heisst Denken? /  Zur Sache des Denkens. Beide Max Niemeyer Verlag Tübingen. 1997
Holzwege. Vittorio Klostermann. Frankfurt a.M 1980]

Heidegger ist nicht grad einfach zu lesen und zu verstehen .... es sei denn, man wird sich klar, dass er ein Meister des topischen, systematischen Spieles mit Worten ist. Er verändert systematisch die Begriffe, beleuchtet sie aus allen Richtungen, bis sie ihren Gehalt, ihr Wesen, frei geben. Sucht man nicht gleich beim Lesen in jedem Wort und Satz einen tiefern Sinn, sondern lässt sich auf das Spiel mit Worten ein, gibt Heidegger viel mehr her, als von "einem alten Nazi" zu erwarten wäre. Er sollte also dringend, trotz seiner Verirrungen, mehr gelesen werden.

Denken

Sprachgeschichtlich hängt das Wort <Denken>, laut Heidegger, mit Gedanke, Gedächtnis und Dank zusammen. Ganz so seltsam wie uns dieser Gedanke heute erscheinen mag ist er jedoch nicht, denn Gedenken und Andacht bedeuten eben (für Heidegger): Das unablässige gesammelte Bleiben bei. Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens auf das, was überall im voraus schon bedacht sein möchte.

In das, was Denken heisst, gelangen wir, wenn wir selbst denken.

Wir vermögen nur das, was wir mögen. ... Um das Denken zu vermögen, müssen wir es lernen.

Alles Bedenkliche gibt zu denken.

Inter-esse heisst: unter und zwischen den Sachen sein, mitten in einer Sache stehen und bei ihr bleiben.

Das Bedenklichste ist, dass wir noch nicht denken; immer noch nicht, obwohl der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.

Die Philosophen sind die Denker.

Jeder Denker denkt nur einen einzigen Gedanken. Auch dies unterscheidet das Denken wesentlich von den Wissenschaften. Der Forscher braucht immer neue Entdeckungen und Einfälle, sonst gerät die Wissenschaft ins Stocken und ins Falsche. Der Denker braucht nur einen einzigen Gedanken.

Die Wissenschaft denkt nicht und kann nicht denken, und zwar zu ihrem Glück und das heisst hier zur Sicherung ihres eigenen festgelegten Ganges. ... Wissenschaftler kommen aus der Philosophie, indem sie diese verlassen müssen.

Das Gesetz des Denkens, seine Regel und Ordnung, ist die Logik:

Die Logik nimmt als die Lehre vom Logos das Denken als Aussagen von etwas über etwas. Der Grundzug des Denkens ist nach der Logik dieses Sprechen.

Da die Logik aber nicht ausreicht um Denken zu charakterisieren und anzuleiten, da Widersprüche immer und überall vorhanden sind oder aufscheinen, wird die Logik bald zur Dialektik. Für diese ist ein Logos in der üblichen Form der Aussage niemals eindeutig.

Eine weitere Grundlage des Denkens findet sich in legein (gr.), legere (lat.): auslegen, darlegen, vorlegen

Die < Legende> zeigt die Probleme der Logik, die nicht jeden beliebigen Haufen von Worten sinnvoll (logisch) ordnen kann, solange sie den Widerspruch verneint, ja sogar die Unentscheidbarkeit der dreiwertigen Logik.

Für solche Fälle kennt die Philosophie einen Ausweg. Man lässt die Widersprüche stehen, spitzt sie sogar zu und versucht, das Sich-Widersprechende un dadurch Auseinanderfallende in einer umfassenden Einheit zusammenzustellen. Man nennt dieses Verfahren Dialektik.

Die Lehre vom Denken heisst Logik - wo sie sich einem Gesetz fügt,
Dialektik, wo Widerspruch herrscht. Dieser lässt sich mit ja/nein nicht (oder bloss selten)auflösen.

Die Philosophie ist DIE Wissenschaft. - Die eigentliche Wissenschaft ist die <Wissenschaft der Logik>

das Meinen als das unmittelbare Sichrichten auf ..., das Meinen (minne) als das vertrauende Aufnehmen des Gegebenen und das Meinen im Sinne von: etwas als das Seine bei sich behalten und behaupten.

Allerdings wird unter Denken heute (das war offenbar schon vor einen halben Jahrhundert so, inzwischen hat sich die Tatsache mehr als bestätigt) meist Meinungen, Vorstellungen, Ueberlegungen, Vorschläge, Einfälle verstanden - während der mittelhochdeutsche Ausdruck <gedanc> weitaus mehr beinhaltete, nämlich Gemüt, Herz, Herzensgrund - also dem Innersten des Menschen entsprang.

  1. Die neuzeitliche Wissenschaft gründet im Wesen der Technik

  2. Das Wesen der Technik ist selbser nichts Technisches.

  3. Das Wesen der Technik ist keine nur menschliche Machenschaft, die eine menschliche Ueberlegenheit und Souveränität bei geeigneter moralischer Verfassung bändigen könnte.

  1. Das Denken führt zu keinem Wissen, wie die Wissenschaften

  2. Das Denken bringt keine nutzbare Lebensweisheit

  3. Das Denken löst keine Welträtsel

  4. Das Denken verleiht unmittelbar keine Kräfte zum Handeln

> Das Denken ist das Vorläufigste alles vorläufigen Tuns des Menschen

Nötig ist zu sagen und zu denken, dass das Seiende ist.

Parmenides

Hier der Grund, warum sich Heidegger vermutlich der Ontologie (II), der Seinslehre gewidmet hat, obwohl diese von Kant, insbesondere aber den Positivisten, als Metaphysik abgetan wurde. Gerade die Resultate des Denkens von Heidegger zeigen aber, dass, wenn Metaphysik als Schimpfwort gilt, ganz einfach andere metaphysische Prinzipien die Herrschaft übernehmen, ganz unkritisiert.

Wahrheit

Die Philosophie ist <das wirkliche Erkennen dessen, was in Wahrheit ist>

Eine wesentliche Weise, wie die Wahrheit sich in dem durch sie eröffneten Seienden einrichtet, ist das Sich-ins-Werk-setzen der Wahrheit (durch die Kunst).

Weil es zum Wesen der Wahrheit gehört, sich in das Seiende einzurichten, um so erst Wahrheit zu werden, deshalb liegt im Wesen der Wahrheit der Zug zum Werk als einer ausgezeichneten Möglichkeit der Wahrheit, inmitten des Seienden selbst  seiend zu sein.

Die Kunst ist das Ins-Werk-Setzen der Wahrheit.

Eine andere Weise, wie Wahrheit west, ist die staatsgründende Tat. Wieder eine andere Weise, wie Wahrheit zum Leuchten kommt, ist die Nähe dessen, was schlechthin nicht Seiendes ist, sondern das Seiende des Seienden. Wieder eine andere Weise, wie Wahrheit sich gründet, ist das wesentliche Opfer. Wieder eine andere Weise, wie Wahrheit wird, ist das Fragen des Denkers, das als Denken des Seins dieses in seiner Frag-würdigkeit nennt. Dagegen ist die Wissenschaft kein ursprüngliches Geschehen der Wahrheit, sondern jeweils der Aufbau eines schon offenen Warheitsbereiches und zwar durch das Auffassen und Begründen dessen, was in seinem Umkreis sich an möglichem und notwendigem Richtigen zeigt. Wenn und sofern eine Wissenschaft über das Richtige hinaus zu einer Wahrheit und d.h. zur wesentlichen Enthüllung des Seienden als solchen kommt, ist sie Philosophie.

<Gesunder Menschenverstand>, die <Wahrheit> der <Macher>

Der bisherige Mensch hat zuviel gehandelt und zu wenig gedacht. Das Ausbleiben des Denkens hat jedoch seinen  Grund nicht nur und nicht zuerst darin, dass der Mensch das Denken zu wenig gepflegt hat, sondern darin, dass sich das zu-Denkenende, das, was eigentlich zu denken gibt, seit langem schon entzieht.

Hier scheint Heidegger gleichsam in die östliche Philosophie abzutauchen, deren Grundprinzip ja heisst: Nicht machen - Machen zerstört. Wir werden im weitern allerdings noch sehen, dass auch er die Sache nicht so extrem angeht, aber doch das herrschende Extrem des "Macherismus" sehr deutlich macht - und das bereits vor über einem halben Jahrhundert. Der durch den <gesunden Menschenverstand> vorselektierte und strukturierte Wahrheit fehlt das Denken, das durch Meinen ersetzt wird:

In der jetzigen Rede vom einseitigen und eingleisigen Denken bedeutet das Wort "Denken" so viel wie "Meinen".

Der jetzige Mensch ist für die Gestaltung und die Uebernahme einer Erdregierung nicht vorbereitet. Denn der jetzige Mensch hinkt nicht hier und da, sondern seiner ganzen Art nach auf eine befremdliche Weise hinter dem her, was längst ist. Das, was eigentlich ist, das Sein, das alles Seiende im vornherein be-stimmt, lässt sich jedoch niemals durch die Feststellung von Tatsachen, durch Berufung auf besondere Umstände ausmachen. Der bei solchen Versuchen oft und eifrig zitierte <gesunde Menschen>verstand ist nicht so gesund und natürlich, wie er sich zu geben pflegt. Er ist vor allem nicht so absolut, wie er auftritt, sonder er ist das abgeflachte Produkt jener Art des Vorstellens, die das Aufklärungszeitalter im 18. Jahrhundert schliesslich zeitigte. Der gesunde Menschenverstand bleibt auf eine bestimmte Auffassung dessen, was ist und sein soll und sein darf, zugeschnitten. Die Macht dieses seltsamen Verstandes reicht bis in unser Zeitalter herein; aber sie reicht nicht mehr zu. Die Organisation des Sozialen, die Aufrüstung im Moralischen, die Schminke des Kulturbetriebes, dies alles gelangt nicht mehr bis zu dem, was ist.

Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören.
Sie heissen Holzwege.
Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es, als gleiche einer dem andern. Doch es scheint nur so.
Holzmacher und Waldhüter kennen die Wege. Sie Wissen, was es heisst, auf einem Holzweg zu sein.

Auch hier widerspricht Heidegger der Vorstellung, dass ein klares, durch Strategien oder gesetzte Normen beschränktes Denken ein geeignetes Biotop ist für das Denken. Denken braucht Freiheit. Denken braucht Vielfalt. Denken überlebt nur bei Diversität der Gedanken, also im Minimum bei dialektischem Vorgehen, nicht aber beim populistisch wirksameren schwarz-weiss-Denken, dem klaren ja/nein:

Im Bild gesprochen: für den Fisch sind die Tiefen und Weiten des Wassers, seine Strömungen und Stillen, seine warmen und kalten Schichten das Element seiner vielfältigen Beweglichkeit. Wird der Fisch der Fülle seines Elementes beraubt, wird er auf den trockenen Sand gezerrt, dann kann er nur noch zappeln, zucken und verenden. Darum müssen wir das Denken und sein Gedachtes jeweils im Element seiner Mehrdeutigkeit aufsuchen, sonst bleibt uns alles verschlossen.

Perspektivität und Vielfalt sind das Biotop des Denkens - nicht DAS GESETZT, DIE NORM!

Je ursprünglicher ein Denken ist, um so reicher wird sein Ungedachtes. Das Ungedachte ist sein höchstes Geschenk, das ein Denken zu vergeben hat. Für die Selbstverständlichkeit des gesunden Menschenverstandes aber bleibt das Ungedachte eines Denkens lediglich das Unverständliche. Das Unverständliche wird jedoch für den gewöhnlichen Verstand nie zum Anlass, über seine eigenen Verständnismöglichkeiten stutzig und gar auf seine Grenzen aufmerksam zu werden. Das Unverständliche bleibt für den gewöhnlichen Verstand immer das Anstössige, und dies wird ihm sogleich zum Beweis, dass etwas Unwahres und nur Angebliches ihm, der von Haus aus alles schon verstanden hat, zugemutet wird.

Nicht eine Normierung der Schulen und vor allem der Schüler wäre also angebracht, sondern eine Indvidualisierung. Diese Forderung ist ja nichts neues, sondern eine uralte Forderung jeder Pädagogik, die Menschen nicht nach einem theoretischen Bild formen soll, sondern aus den innern Anlagen, Bedürfnissen, Stärken und Interessen der Schüler, der Individuen. "Unangepasstheit" ist also eigentlich nichts das es zu beheben gäbe, insbesondere nicht im Falle von Intellektuellen und Hochbegabten, die ganz andere Zusammenhänge sehen, oder diese anders werten. Unangepasstheit müsste so entwickelt werden, dass die möglichen menschlichen Lebensformen/Lebensstile bereichert und so vielfältiger statt monotoner werden. Der Drang zur Technik, der längst den alten gesellschaftlichen Anpassungszwang ersetzt, zielt aber präzise in die andere Richtung, die Richtung der Normierung mit ihren Vorbildern wie dem homo oeconomicus, oder dem noch dämlicheren "man":

Zum "gesunden Menschenverstand" gehört jedoch das <man> [Sein und Zeit, S. 127]: Das Man ist überall dabei, doch so, dass es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, dass <man> sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. Das Man <war> immer und doch kann gesagt werden, <keiner> ist es gewesen. In der Alltäglichkeit des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war es.

Das "man" wie der Sachzwang, der sich meist seiner bedient, treten auf als Gesetz, dem es zu gehorchen gilt, als Norm über die nicht nachzudenken ist. Aber sogar göttliche Normen sind immer wieder hinterfragt und neu interpretiert worden, warum sollen gesetzliche Normen, oder gar die absurde Norm des "mans" einfach hingegnommen werden? (s. moralische Entwicklungsstufen nach Kohlberg) Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund - ausser dem der Herrschenden, ihre Herrschaft über das jeweilig aktuelle System zu behalten. Hier passiert gerade gegenwärtig ein grosser Schwindel, lebenslanges Lernen genannt, das jedoch nicht Wissen meint das über Denken geschaffen wird, sondern immer ausschliesslicher rein technisches, anwendbares Produktionswissen. Das notwendige lebenslange Lernen müsste aber eigentlich lebenslanges Denken, Entlernen, neu Lernen genannt werden, das immer wieder "Tat-Bestände" kritisch hinterfragt und wo nötig ab- oder umbaut. (s. Konstruktivismus)

Wir Heutigen zumal können nur lernen, wenn wir dabei immer zugleich verlernen; ... wir können das Denken nur lernen, wenn wir sein bisheriges Wesen von Grund auf verlernen. Aber dazu ist nötig, dass wir es zugleich kennen lernen.

Der Lehrer ist den Lehrlingen einzig darin voraus, dass er noch weit mehr zu lernen hat als sie, nämlich: das Lernen-lassen. Der Lehrer muss es vermögen, belehrbarer zu sein als die Lehrlinge. Der Lehrer ist seiner Sache weit weniger sicher als die Lernenden der ihrigen. Darum kommt es beim Verhältnis von Lehrer und Lernenden, wenn es ein wahres ist, niemals die Autorität des Viel-Wissens und der autoritative Einfluss des Beauftragten ins Spiel.

 

Wissenschaft, speziell Betriebswirtschaft, als Grundlage des herrschenden Funktionalismus

Das Ende der Philosophie und die Aufgabe des Denkens

Die Wissenschaften kommen aus der Philosophie her, indem sie diese verlassen müssen.

Philosophie ist Metaphysik. Diese denkt das Seiende im Ganzen - die Welt, den Menschen, Gott - hinsichtlich des Seins, hinsichtlich der Zusammengehörigkeit des Seienden im Sein.

Die Philosophie wird zur empirischen Wissenschaft vom Menschen vor allem, was für den Menschen erfahrbarer Gegenstand seiner Technik werden kann, durch die ers ich in der Welt einrichtet, indem ers ie nach den mannigfaltigen Weisen des Machens und Bildens bearbeitet. Dies alles vollzieht sich überall auf dem Grunde und nach der Massgabe der wissenschaftlichen Erschliessung der einzelnen Bezirke des Seienden.

Es bedarf keiner Prophetie, um zu erkennen, dass die sich einrichtenden Wissenschaften alsbald von der neuen Grundwissenschaft bestimmt und gesteuert werden, die Kybernetik heisst.

Diese Wissenschaft entspricht der Bestimmung des Menschen als des handelnd-gesellschaftlichen Wesens. Denn sie ist die Theorie der Steuerung des möglichen Planens und Einrichtens menschlicher Arbeit. Die Kybernetik bildet die Sprache um zu (sic) einem Austausch von Nachrichten. Die Künste werden zu gesteuert-steuernden Instrumenten der Information.

Die Ausfaltung der Philosophie in die eigenständigen, unter sich jedoch immer entschiedener kommunizierenden Wissenschaften ist die legitime Vollendung der Philosophie. Die Philosophie endet im gegenwärtigen Zeitalter. Sie hat ihren Ort in der Wissenschaftlichkeit des gesellschaftlich handelnden Menschentums gefunden. Der Grundzug dieser Wissenschaftlichkeit aber ist ihr kybernetischer, d.h. technischer Charakter. Vermutlich stirbt das Bedürfnis, nach der modernen Technik zu fragen, im gleichen Masse ab, in dem die Technik die Erscheinung des Weltganzen und die Stellung des Menschen in diesen entschieden prägt und lenkt.

Die Wissenschaften werden alles, was in ihrem Bau noch an die Herkunft aus der Philosophie erinnert, nach den Regeln der Wissenschaft, d.h. technisch deuten. Die Kategorien, auf die jede Wissenschaft für die Durchgliederung und Umgrenzung ihres Gegenstandsgebietes angewiesen bleibt, versteht sie instrumental als Arbeitshypothesen. Deren Wahrheit wird nicht nur am Effekt gemessen, den ihre Verwendung innerhalb de Fortschritts der Forschung bewirkt. Die wissenschaftliche Wahrheit wird mit der Effizienz dieser Effekte gleichgesetzt.

Was die Philosophie im Verlauf ihrer Geschichte stellenweise und auch da nur unzureichend versuchte, die Ontologien der jeweiligen Religionen des Seienden (Natur, Geschichte, Recht, Kunst) darzustellen, die übernehmen jetzt die Wissenschaften als eigene Aufgabe. Ihr Interesse richtet sich auf die Theorie der jeweils notwendigen Strukturbegriffe des zugeordneten Gegenstandsgebietes. "Theorie" bedeutet jetzt: Supposition der Kategorien, denen nur eine kybernetische Funktion zugestanden, aber jeder ontologische Sinn abgesprochen wird. Das Operationale und Modellhafte des vorstellend-rechnenden Denkens gelangt zur Herrschaft.

Die Abschnitte mögen etwas ungewohnt formuliert und daher etwas schwer verständlich sein, heute. Die Aussage aber ist klar und zeigt den wirklich be-denklichen Zustand unser heutigen Geisteswelt: Nur noch was in der technischen Sprache der Wirtschaft "logisch" ist, ist sinnvoll. Alles andere Denken lehres Gebrabbel, für das man sich ein paar Professoren hält zwecks ihres Unterhaltungswertes und aus kultureller Tradition. Dummerweise fügen sich diese meist in die Rolle und bleiben entsprechend unkritisch. Was Heidegger hier kritisiert ist unser, wirklich unser, nicht bloss das vor 50 Jahren herrschende Modell des Denkens, das sich technisch-wirtschaflicher Funktionalität unterordnet. Dies ist um so leichter, als eben die Philosophie nur noch als quasi historisches Fach überlebt, oder in der Form der Logistik, wo sie noch Beiträge liefert zur weiteren Technisierung und Lenkung über die Kybernetik. Nach Strukturalismus und Konstruktivismus leben wir heute offenbar vor allem in einer Aera des Funktionalismus, bei dem, wie bei allen "ismen" immer zu fragen ist: Wem nützts, wer und was funktionieren wie und warum. Die vielzitierte <postmoderne Beliebigkeit> entpuppt sich hier als reine Narrenmaske:

Die Geschichtswissenschaft durchforscht z.B. ein Zeitalter nach allen nur möglichen Hinsichten und erforscht doch nie, was Geschichte ist. Sie kann das gar nicht wissenschaftlich erforschen. Auf historischem Wege wird ein Mensch niemals finden, was Geschichte ist; so wenig wie jemals ein Mathematiker auf mathematischem Wege, d.h. durch seine Wissenschaft, also zuletzt in mathematischen Formeln zeigen kann, was das Mathematische ist. Das Wesen ihrer Bereiche, die Geschichte, die Kunst, die Dichtung, die Sprache, die Natur, der Mensch, Gott - bleibt der Wissenschaft unzugänglich. Zugleich aber fielen die Wissenschaften fortgesetzt ins Leere, wenn sie sich nicht innerhalb dieser Bereiche bewegten. Das Wesen der genannten Bereiche ist die Sache des Denkens. Insofern die Wissenschaften als als Wissenschaften zu dieser Sache keinen Zugang haben, muss gesagt werden, dass sie nicht denken. Wird dies so ausgesprochen, dann hört sich das zunächst leicht so an, als dünke sich das Denken den Wissenschaften gegenüber überlegen. Dieser Dünkel wäre, wo er bestehen sollte, unberechtigt; denn gerade weil das Denken sich dort bewegt, wo es das Wesen von Geschichte, Kunst, Sprache, Natur denken könnte, es aber noch nicht vermag, weiss das Denken wesentlich weniger als die Wissenschaften. Diese tragen ihren Namen mit vollem Recht, weil sie unendlich viel mehr wissen als das Denken. Und dennoch gibt es in jeder Wissenschaft eine andere Seite, auf die sie als Wissenschaft niemals gelangen kann: das Wesen und die Wesensherkunft der Wesensart, die sie pflegt und noch anderes. Die Wissenschaften bleiben notwendig auf der einen Seite.

Das Ende der Philosophie zeigt sich als Triumph der erneuerbaren Einrichtung einer wissenschaftlich-technischen Welt auf der dieser Welt gemässen Gesellschaftsordnung. Ende der Philosophie heisst: Beginn der im abendländisch-europäischen Denken begründeten Weltzivilisation.

Ist nun aber das Ende der Philosophie im Sinne ihrer Ausfaltung in die Wissenschaften auch schon die vollständige Verwirklichung alle Möglichkeiten, in die das Denken der Philosophie gesetzt wurde? Oder gibt es für das Denken ausser der gekennzeichneten letzten Möglichkeit (der Auflösung der Philosophie in die technisierten Wissenschaften) eine erste Möglichkeit, die sie jedoch als Philosophie nicht eigens erfahren und übernehmen konnte?

Die Zeit des Weltbildes

Ergänzung zu Betrieb (S. 95):

Der Betrieb wird zum blossen Betrieb, wenn er sich im Verfahren nicht mehr aus dem ständig neuen Vollzug des Entwurfs offen hält, sondern diesen als gegeben nun hinter sich lässt und nicht einmal mehr bestätigt, vielmehr einzig den sich häufenden Ergebnissen und ihrer Verrechnung nachjagt. Der blosse Betrieb muss jederzeit bekämpft werden, gerade weil die Forschung im Wesen Betrieb ist.

In der Metaphysik vollzieht sich die Besinnung auf das Wesen des Seinenden und eine Entscheidung über das Wesen der Wahrheit.

Zu den wesentlichen Erscheinungen der Neuzeit gehört ihre Wissenschaft. Eine dem Rang nach gleichwertige Erscheinung ist die Maschinentechnik. Man darf sie jedoch nicht als blosse Anwendung der neuzeitlichen mathematischen Naturwissenschaft auf die Praxis missdeuten. Die Maschinentechnik ist selbst eine eigenständige Verwandlung der Praxis derart, dass diese erst die Verwendung der mathematischen Naturwissenschaften fordert. Die Maschinentechnik bleibt der bis jetzt sichtbarste Ausläufer des Wesens der neuzeitlichen Technik, das mit dem Wesen der neuzeitlichen Metaphysik identisch ist.

Man wird darunter (unter dem Begriff <Betrieb>, den man hier auch als <Paradigma> nennen darf) znächst jene Erscheinung verstehen, dass eine Wissenschaft, sei sie Natur- oder Geisteswissenschaft, heute erst dann das rechte Ansehen einer Wissenschaft erlangt, wenn sie institutionsfähig geworden ist.

Der Forscher drängt von sich aus notwendig in den Umkreis der Wesensgestalt des Technikers im wesentlichen Sinne. So allein bleibt er wirkungsfähig und damit im Sinne seines Zeitalters wirklich.

Das Erkennen als Forschung zieht das Seiende zur Rechenschaft darüber, wie es und wieweit es dem Vorstellen verfügbar zu machen ist. Die Forschung verfügt über das Seiende, wenn es dieses entweder in seinem künftigen Verlauf vorausberechnen oder als Vergangenes nachrechnen kann.

Der Grundvorgang der Neuzeit ist die Eroberung der Welt als Bild

Für diesen Kampf der Weltanschauungen und gemäss dem Sinne dieses Kampfes setzt der Mensch die uneingeschränkte Gewalt der Berechnung, der Planung und der Züchtung aller Dinge ins Spiel. Die Wissenschaft als Forschung ist eine unentbehrliche Form dieses Sicheinrichtens in der Welt.

Eine dritte gleichwesentliche Erscheinung der Neuzeit liegt in dem Vorgang, dass die Kunst in den Gesichtskreis der Aesthetik rückt. Das bedeutet: Das Kunstwerk wird zum Gegenstand des Erlebens, und demzufolge gilt die Kunst als Ausdruck des Lebens der Menschen.

Eine vierte neuzeitliche Erscheinung bekundet sich darin, dass das menschliche Tun als Kultur aufgefasst und vollzogen wird. Kultur ist dann die Verwirklichung der obersten Werte durch die Pflege der höchsten Güter des Menschen. Im Wesen der Kultur liegt es, als solche Pflege ihrerseits sich in die Pflege zu nehmen und so zur Kulturpolitik zu werden.

Das Ende der Geschichte

In dem Wort "Gott ist tot" steht der Name Gott, wesentlich gedacht, für die übersinnliche Welt der Ideale, die das über dem irdischen bestehende Ziel für dieses Leben enthalten und des dergestalt von oben und so in gewisser Weise von aussen her bestimmen.

Die Weltflucht ins Uebersinnliche wird ersetzt durch den historischen Fortschritt. Das jenseitige Ziel einer ewigen Seeligkeit wandelte sich um in das irdische Glück der Meisten. Die Pflege des Kultus der Religion wird abgelöst durch die Begeisterung für das Schaffen einer Kultur oder für die Ausbreitung der Zivilisation. Das Schöpferische, vormals das Eigene des biblischen Gottes, wird zur Auszeichnung des menschlichen Tuns. Dessen Schaffen geht zuletzt in das Geschäft über.  > s. Betrieb

Untergang des Abendlandes, Verlust der Mitte, Verfall, Zerstörung, drohende Vernichtung der Welt: Man findet, die Welt sei nicht nur aus den Fugen, sondern sie rolle weg. ins Nichts des Sinnlosen. Nitzsche: <Die Wüste wächst.> Die Verwüstung breitet sich aus. Verwüstung ist mehr als Zerstörung. Verwüstung ist unheimlicher als Vernichtung. Die Zerstörung beseitigt nur das bisher Gewachsene und Gebaute; die Verwüstung aber unterbindet künftiges Wachstum und verwehrt jedes Bauen.

Also sprach Zarathustra:

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat zu schwirren!

....

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. "Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? - so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist kleiner geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
'Wir haben das Glück gefunden' - sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Nietzsche

Technik

...

Die Könige der Welt sind alt
und werden keine Erben haben.
Die Söhne sterben schon als Knaben,
und ihre bleichen Töchter gaben
die kranken Kronen der Gewalt.

Der Pöbel bricht sie klein zu Geld,
der zeitgemäße Herr der Welt
dehnt sie im Feuer zu Maschinen,
die seinem Wollen grollend dienen;
aber das Glück ist nicht mit ihnen.

Das Erz hat Heimweh. Und verlassen
will es die Münzen und die Räder,
die es ein kleines Leben lehren.
Und aus Fabriken und aus Kassen
wird es zurück in das Geäder
der aufgetanen Berge kehren,
die sich verschließen hinter ihm.

Rilke: Buch der Pilgerschaft

Denken und Kritik: Kritik ist second hand knowledge. Die Rolle eines Widersachers ist nicht die Rolle des Denkens. Denn ein Denken denkt nur dann, wenn es dem nachgeht, was für eine Sache spricht. Alles abwehrende Sprechen hat stets nur den Sinn, die Sache zu schützen.

Es scheint jedenfalls so, als schrecke man noch davor zurück, mit dem erregenden Sachverhalt ernst zu machen, dass die heutigen Wissenschaften in den Bereich des Wesens der modernen Technik gehören und nur dahin. Ich sage, wohlgemerkt, in den Bereich des Wesens der Technik, nicht einfach in die Technik. Noch liegt ein Nebel um das Wesen der modernen Wissenschaft.

Technik ist nichts Menschliches. ... Das Wesen der Technik durchwaltet unser Dasein in einer Weise, die wir noch kaum vermuten.

Wir alle wissen es noch nicht, welches Hand-Werk der moderne Mensch in de technischen Welt betreiben muss, auch dann betreiben muss, wenn er nicht Arbeiter ist im Sinne des Arbeiters an der Maschine. Auch Hegel und Marx konnten dies noch nicht wissen und nicht fragen, weil auch ihr Denken sich noch im Schatten der Technik bewegen musste, weshalb sie auch niemals in die Freiheit gelangten, um dieses Wesen zu bedenken.

Denn das Wesen der Technik ist nichts Menschliches. Das Wesen der Technik durchwaltet unser Dasein in einer Weise, die wir noch kaum vermuten.

So wichtig die ökonomisch-sozialen, die politischen, die moralischen und sogar religiösen Fragen sein mögen, die in bezug auf das technische Hand-Werk verhandelt werden, sie alle reichen nirgends in den Kern der Sache. Diese verbirgt sich in dem noch unbedachten Wesen der Art und Weise, wie alles, was im Herrschaftsbereich des Wesens der Technik steht, überhaupt ist. Dass solches jedoch bisher unbedacht blieb, liegt in der Tat zunächst daran, dass der Wille zum Handeln, d.h. hier zum Machen und Wirken das Denken überrollt.

Und hier findet sich Bedenliches, das des Denkens bedürfte. Verstand Heidegger unter Technik damals vermutlich noch vor allem die Maschinentechnik, ev. Elektronik und Steuerungstechnik (Kybernetik), so ist heute die einflussreichste Technik die der Betriebs- und Kapitalwirtschaft. Wie alle Wissenschaften denkt auch sie nicht, sondern vollzieht, vollzieht das, was zu ihrem Raum gehört, ohne darüber hinaus zu sehen. Zur Mechanik der Betriebs- und Geldwirtschaft gehört vor allem der Auftrag. Jeder Auftrag erfordert gehorsam, Unterwerfung unter die vom Auftraggeber geforderten Prinzipien, Normen, ja Defintionen von Leistung. Da der Auftrag entlohnt wird, unter Umständen gar Gewinn verspricht, rennt ihm jeder nach. Das Auftragswesen ist das beherrschende Herrschaftswesen unserer Zeit - weshalb es von überreichen Rechtsaussen (s. Blocher) auch derart gelobt wird, da sie die Auftraggeber sind. Aus diesem Grund beherrscht das betriebswirtschaftliche Denken auch den politischen Diskurs - der sich eigentlich an volkswirtschaftlichen Zusammenhängen orientieren müsste. s. Die Dominanz betriebswirtschaftlichen Denkens in der Politik ruiniert  Volkswirtschaft, Volk und Kultur.

Freiheit von Getriebenheit ist Freiheit zum Uebermenschen

Der Mensch ist das noch nicht festgestellte Tier; das animal rationale ist noch nicht in sein volles Wesen gebracht. Um aber das Wesen des bisherigen Menschen allererst fest-stellen zu können, muss der bisherige Mensch über sich hinausgebracht werden. Der bisherige Mensch ist insofern der letzte Mensch, als er es nicht vermag, und das heisst, es nicht will, sich unter sich zu bringen und das Verächtliche seiner bisherigen Art zu verachten.

Nietzsche sieht im Bereich des wesentlichen Denkens, klarer denn je einer vor ihm, die Gefahr, dass der bisherige Mensch sich immer hartnäckiger auf die blosse Ober- und Vorderfläche seines bisherigen Wesens einrichtet und das Flache dieser Flächen als den einzigen Raum seines Aufenthaltes auf der Erde gelten lässt. <Der Mensch ist das noch nicht festgestellte Tier.>  Der Mensch ist das animal rationale, das vernünftige Tier.

Nietzsche wählt  für den über sich hinausgehenden Menschen einen allzu leicht missverstehbaren Namen. Nietzsche nennt den Menschen der über den bisherigen hinausgeht, den "Uebermenschen". Mit diesem Namen meint Nietzsche gerade nicht einen bloss überdimensionierten bisherigen Menschen. Gemeint ist auch nicht eine Menschenart, die das "Humane" wegwirft und die Willkür zum Gesetz hinauftreibt und eine titanische Raserei zur Regel macht.

Der Wille zur Macht ist Getriebenheit, also Besessenheit, also Unfreiheit

Wollen ist Herr-sein.wollen. Der so verstandene Wille ist uach noch im Willen des Denkenden. Zwar nicht insofern, als der Diener danach streben könnte, aus der Rolle des Knechtes herauszukommen, um selbst ein Herr zu werden. Vielmehr will der Knecht als Knecht, der Dienende als Dienender immer noch etwas unter sich haben, dem er bei seinem Dienst befiehlt und dessen er sich bedient. So ist er als Knecht noch ein Herr. Auch das Knecht-sein ist ein Herr-sein-wollen.
Der Wille ist kein Wünschen und kein blosses Streben nach etwas, sondern Wollen ist in sich das Befehlen.

Stärker bedeutet hier <mehr Macht>, und dies besagt: nur Macht. Denn das Wesen der Macht beruht im Herr-sein über die je erreichte Machtstufe. Macht ist nur dann und nur so lange Macht, als sie Macht-Steigerung bleibt und sich das <Mehr-an-Macht> befielt. Schon das blosse Stehenbleiben auf einer Machtstufe ist der Beginn des Sinkens der Macht.

Wollen überhaupt ist soviel wie Stärker-werden-wollen, Wachsen-wollen - und dazu auch die Mittel wollen.

Dies Darstellung Heideggers betr. Macht ist so ziemlich identisch mit dem, was ich als Machttreppe bezeichne, wobei allerdings bei dieser klar ist, dass oben wie unten irgendwo ein Ende sein muss. Diese <Enden> gehen zur Zeit allerdings beim Streben der Oberen nach immer mehr Geld und Macht, wie beim Treten der untersten auf den Alleruntersten, doch oft ziemlich verloren.

  1. Wo immer jemand das Ende aller Ge-Zeiten ankündigt, ist offenbar der Mond abgestürzt.

    mh

    Deshalb kann Nietzsche sagen: <Die Frage der Werte ist fundamentaler als die Frage der Gewissheit: letztere erlangt ihren Ernst erst unter der Voraussetzung, dass die Wertfrage beantwortet ist.>

d.h., wo DIE Werte durch die Wirtschaft bestimmt werden, findet jede Diskussion über Ethik auf abschüssigem Gelände statt, das mit Schmierseife eingerieben ist.

  1. Die Zeit kommt, wo der Kampf um die Erdherrschaft geführt werden wird, - er wird im Namen philosophischer Grundlehren geführt werden. [Nietzsche]

Der vorletzte Satz widerlegt den letzten, und damit auch das gegenwärtige Gelaber um das Ende der Ge-Zeiten.

Mit dem Beginn des Kampfes um die Erdherrschaft treibt das Zeitalter der Subjektivität in seine Vollendung.

Uns präzise hier haben wir das Problem. Während dem es vermutlich wenige gibt, die sich dagegen wehren würden, ihr eigenes Potential, ihr eigenes Ich, ihr eigenes Potential (s. Individuum) frei entfalten zu wollen, hat die Wirtschaft dieses Potential usurpiert - und entfaltet sich machtvoll, auf Kosten der individuellen Freiheiten. Den Individuen bleibt nur noch, sich möglichst rasch und billig an die unvorhersehbar wechselnden funktionellen Bedürfnisse der Produktion anzupassen.

Nicht das Amerikanische erst umdroht uns Heutige, sondern das unerfahrene Wesen der Technik umdrohte schon unsere Vorväter und ihre Dinge.

An die Stelle dessen, was der einst gewahrte Weltgehalt der Dinge aus sich verschenkte, schiebt sich immer schneller, rücksichtsloser und vollständiger das Gegenständige der technischen Herrschaft über die Erde. Sie stellt nicht nur alles Seiende als ein Herstellbares im Prozess der Produktion auf, sondern sie stellt die Produkte der Produktion durch den Markt zu. Das Menschliche des Menschen und das Dinghafte der Dinge löst sich innerhalb des sich durchsetzenden Herstellens in den gerechneten Marktwert eines Marktes auf, der nicht nur als Weltmarkt die Erde umspannt, sondern der als der Wille zum Willen im Wesen des Seins marktet und so alles Seiende in das Handeln eines Rechnens bringt, das dort am zähesten herrscht, wo es der Zahlen nicht bedarf. [Holzwege S. 288]

Was den Menschen in seinem Wesen bedroht, ist die Meinung, das technische Herstellen bringe die Welt in Ordnung, während gerade diese Ordnung jeden ordo, d.h. jeden Rang in die Gleichheit einer möglichen Herkunft von Rang und Anerkennung aus dem Sein zerstört.

Nicht erst die Totalität des Wollens ist die Gefahr, sondern das Wollen selbst in der Gestalt des Sichdurchsetzens innerhalb der nur als Wille zugelassenen Welt. Das aus diesem Willen gewillte Wollen hat sich schon zum unbedingten Befehl entschieden. Mit dieser Entscheidung ist es bereits der totalen Organisation ausgeliefert. Vor allem aber verhindert die Technik selbst jede Erfahrung ihres Wesens. Denn während sie sich voll entfaltet, entwickelt sich in den Wissenschaften eine Art des Wissens, dem es verweigert bleibt, jemals in den Wesensbereich der Technik zu gelangen, geschweige denn in ihre Wesensherkunft zurückzudenken.

Das Wesen der Technik kommt nur langsam an den Tag.

Die Metaphysik ist vor dem Positivismus des 19. und 20. Jahrhundersts so wenig zusammengebrochen, dass vielmehr die moderne technische Welt in ihrem unbedingten Anspruch nichts anderes ist als das natürliche Bewusstsein, das nach der Weise seines Meinens die ungedingte, sich selbst sichernde Herstellbarkeit alles Seienden in der unaufhaltsamen Vergegenständlichung von allem und jedem vollzieht.

Tja,, da haben wir's. Nix Positivismus oder Realismus als herrschende "Philosophie" der Zeit, sondern eine Metaphysik die von technischem Denken und Wollen geprägt ist, eine Illusion der Machbarkeit, deren Schöpfer sich jede Kritik als irrational verbieten, da sie als Herrscher des Systems daran verdienen.

Hier verstehen wir nun auch, warum es heute Philosophie eigentlich nicht mehr gibt: Sie wird nicht bezahlt. Für's Denken wird nur bezahlt, wer das in wohlgeordneten, wissenschaftlich disziplinierten Bahnen tut. Falls ausserhalb derselben, als Praktiker, dann nur, wenn's rentiert, wenn's die Produktivität steigert. Das Denken, als Verstehen-Wollen von Dingen, Funktionen, Zusammenhängen, Werten - ist zum Hobby degradiert worden. Philosophisches Denken ist grad so viel wert wie sein Unterhaltungswert, was in direkter Linie zu "Philosophen" wie Sloterdijk führt. Bedenkliches wird nicht mehr bedacht, nur noch Bezahltes.

Also auch wenn sich Heidegger von der Ideologie der Nazis täuschen und über den Tisch ziehen liess (oder einfach lieber seine Professur behalten und seine Existenz sichern wollte, also wie damals die Mehrheit der Deutschen, Schweizer, Holländer, Belgier, Franzosen, Spanier, Italiener, Oesterreicher etc. einfach zu feige war, hier das Wesen des Faschismus zu ergründen und publik zu machen. Heldenmut und Geist wachsen ja nicht auf dem selben Mist. Würde der Held die Folgen seines Tuns bedenken, dann gäbe es keine Helden mehr. Helden stürzen sich in Abenteuer, eben weil sie sich um die Folgen foutieren (s. den Helden des nationalen Stolzes, Saddam Hussein; oder den Helden weltweiter Verbreitung der Demokratie, George the Bush) er hat dafür auf der andern Seite einiges gesehen, längst gesehen, dass danach glücklich und vollständig übertüncht wurde mit Werbung, die gleich die Interpretation mitliefert, was denn der Mensch sei, wolle ... zu wollen habe.

Martin Herzog, Basel, 7.5.08