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[nach Wolf Singer: Der Beobachter im Gehirn & Ein neues Menschenbild?]
Die Grundlagen des Denksystems, die Nerven an und für sich, haben sich bereits bei den Schnecken (s. Mollusken) entwickelt und blieben seit ca. 500 Millionen Jahren unverändert. Die spezifische Leistung des Gehirns beruht im wesentlichen auf den Wechselwirkungen zwischen einer sehr grossen Zahl von Nervenzellen. Das Zentralnervensystem besteht aus ca. 1000 Milliarden Neuronen:, was in etwa der Anzahl der Sterne in der Milchstrasse entspricht. Die Hirnrinde alleine besteht bereits aus 100 Milliarden Neuronen, in etwa die Anzahl Sandkörner in einem m3 Sand. Ein Kubikmillimeter Hirnrinde hat ca. 40'000 Nervenzellen, von denen jede 20'000 weitere Zellen kontaktieren kann. Total:1011 Nervenzellen, 1014 synaptische Verbindungen.
Die Arbeitsgeschwindigkeit des Gehirns wurde von
Brunak/Lautrup auf 1018 Operationen pro Sekunde
geschätzt, was 1993 noch 100 Millionen (108)
mal schneller als jeder heutige Computer war. Der schnellste Rechner leistet heute
allerdings schon 367 Teraflops, also 367'000 Gigaflops
(s. Top 500). 1 Gigaflop sind 1
Milliarde 10 9), dem Hirn werden hier also 1 Milliarde Gigaflops oder 1000
Teraflops (= 1 Pentaflop) zugerechnet. Allerdings enthält das menschliche Zentralnervensystem mehrere hundert Arten
von Neuronen. Der Rechenablauf ist nicht linear, nicht seriell, nicht ein Punkt nach dem andern, sondern
Parallel. Die Rohinformationen für das Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen
werden vorverarbeitet in alten Hirnzentren - und weitergegeben an Grosshirn.
Allerdings ist auch dieses auf paralleles Rechnen ausgerichtet und weist keinen
Herrschaftsbereich auf, der "von oben" interpretiert, kontrolliert, befiehlt.
Das Programm für Funktionsabläufe residiert also in der Architektur der Verbindungen zwischen Nervenzellen. Relevante Variablen sind hierbei die Topologie der Verbindungen zwischen bestimmten Nervenzellengruppen, die Stärke der Kopplung, die Polarität der Kopplung - Nervenzellen können sich gegenseitig erregen oder hemmen - und die integrativen Eigenschaften der einzelnen Nervenzellen.
Ein Teil des in Nervensystemen gespeicherten Wissens ist also tradiertes Wissen, das im Laufe der Phylogenese, im Laufe der Entstehung der Arten erworben und in den Genen gespeichert wurde. Wir wissen aber auch, dass sich funktionelle Architektur während der Individualentwicklung drastisch verändern und dass diese Veränderungen eine Folge der Interaktion mit der Umwelt sind. Das Gehirn erwirbt also während seiner Entwicklung zusätzliches "Wissen". Es gilt heute als erwiesen, dass das sich entwickelnde Gehirn dieser Wechselwirkung mit der Umwelt bedarf, um die in seiner Architektur angelegten Funktionen zu entfalten. S. 120
Für diese Leistung verbraucht es ca. 20 Watt, also 20% des Energiebedarfs des Körpers, was doch beträchtlich über dem zu erwartenden Durchschnitt nach Gewicht (ca. 1.4 Kg) liegt. Jeder von uns latscht also mit einem Bordcomputer rum, der die dreifache Spitzenleistung des Blue-Gene 11 vollbringt. Die Natur geht wirklich verschwenderisch um mit ihren Gaben .... Wäre das Hirn von der Wirtschaft gebaut worden, enthielte es einen perfekten, aber beliebig auswechselbaren, Chip für Auftrags-, Soll- und Pflichterfüllung, und einen kontrollierbaren, ein- und ausschaltbaren Chip für produktive Innovationen. Vermutlich gäbe es eben so viele inkompatible Lösungen wie Firmen, da man sich ob der Einstellung der Konsum/Sparvariablen nie einig geworden wäre, da jede Firma darauf besteht, für die eigenen Produkte das Signal "kaufen" zu maximieren - und bei allen anderen Ausgaben das Signal "sparen" zu begünstigen.
| Das Gehirn ist ein Apparat, mit dessen Hilfe viele
Menschen denken, daß sie denken. (Julian Tuwim, poln. Lyriker, 1894-1953) |
Das Denken von Erinnerungen und diese stark vom Lernen abhängen, ist keine Neuentdeckung der Hirnforscher. Pädagogen und Didakten bauen ihre Empfehlungen für Lehrer längst auf solchen Erkenntnissen auf. (S. strukturempfindliches Lernen).
Die Hirnforschung hat allerdings in den letzten Jahren zeigen können, dass Denkstrukturen keine ephemeren, rein geistigen Strukturen sind, sondern auf Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen und dort auf die aktiven Verbindungen zwischen Neuronen beruhen. So sind bei der Geburt zwar die Neuronen in vollem Umfange vorhanden - und werden mit der Alterung nur noch abgebaut, allerdings wird nach der Geburt eine Menge an Nervenzellen erst noch verbunden - während andere Verbindungen wieder getrennt werden. Fehlerhafte oder überflüssige Verbindungen und ca. 1/3 der Hirnzellen, werden später noch eliminiert.
Der Aufbau von Verbindungen muss innert einer gewissen, innerhalb der rechten, Zeit erfolgen, sonst wird er aussichtslos. So kann leider eine späte operative Korrektur des Sehnervs (bei Unterbruch) oder der nicht-parallelen Ausrichtung beim Schielen den entstandenen Schaden nicht mehr korrigieren. Die Signale werden dann nur noch als schmerzhaftes Rauschen empfunden, das keine irgendwie interpretierbaren Reize ergibt. Erfolgt die Operation des Schielens zu spät, kann das Hirn die Korrektur nicht nachvollziehen, bleibt also nach wie vor unfähig, stereoskopisch, d.h. räumlich zu Sehen.
| Eltern sagen ihren Kindern, was sie nicht tun dürfen,
und dann machen sie es ihnen vor. Robert Lembke |
Das Hirn entwickelt sich also in Spiralen. Gewisse Zustände müssen erreicht sein, bevor ein weiterer Entwicklungsschritt durch progressive Erweiterung der Schaltungen möglich wird. Nervenverbindungen die nicht genutzt werden, oder widersprüchliche Resultate erzeugen, also sinnlos oder funktionsuntüchtig sind, werden abgebaut. Da sich das Hirn also über zeitlich gestaffelte Phasen entwickelt, muss der rechte Reiz im rechten Mass zur rechten Zeit angeboten werden. Dazu braucht es allerdings weder Professoren noch Schulpolitiker, und vor allem nicht überehrgeizige Eltern: In den allermeisten Fällen wird es aber genügen, darauf zu vertrauen, dass die jungen Gehirne selbst am besten wissen, was sie in verschiedenen Entwicklungsphasen benötigen und dank ihrer eigenen Bewertungssysteme kritisch beurteilen und auswählen können. Kinder sind in der Regel genügend neugierig und wissbegierig, um sich das zu holen, was sie brauchen. Elternehrgeiz ist hier wenig dienlich, entscheidend ist nicht, was die Eltern wollen, sondern was das Kind mitbringt und will. (s. auch die Entwicklungsabhängigkeit der Lernfähigkeit bei Jean Piaget).
Gerade was die gegenwärtig in aller Munde verkaute Förderung von Sonder- oder Hochbegabten betrifft, ist es weitaus wichtiger (als Kinder mit Lehrüberangeboten in die Defensive zu treiben), dass Deprivationen vermieden werden. [S. 57]
Da sich nach meiner Erfahrung "Hochbegabte" ihren notwendigen Input meist leicht selbst besorgen können, sehe ich, ganz aus persönlicher Erfahrung, das Problem eher in der Bewältigung der kritischen Position als Aussenseiter, in die Hochbegabte geraten, falls sie ihre Begabung eher zum Denken als zum Gelderwerb einsetzen (s. Der Spinner). Hier sind zwei Faktoren am Werk, die sich ähnlich auswirken können:
Eine Überforderung durch zu viele Umweltreize, die nicht mehr zugeordnet werden können.
Eine Fehlinterpretation von Denkanstössen durch Zwänge, welche die falsche Antwort zur richtigen deklarieren, also insbesondere "die Normalität", Presse, Bürokratie, Betriebs- und sonstige Verhaltensnormen.
Zu stark ändernde Umweltbedingungen, die heute eine Antwort als richtig erscheinen lassen, morgen das glatte Gegenteil. Diese Tatsache, die heute über alle Massen gegeben ist, dürfte weitaus mehr Hochbegabte zur Verzweiflung treiben als langweilige Lehrer.
...
Interessanterweise ist auch Singer bei der philosophischen Interpretation der Ergebnisse der Hirnforschung darauf gekommen, dass das wichtigste Problem hier weniger eine weitere Förderung schneller abstrakter Erkenntnisfähigkeit (=Intelligenz) ist, sondern die Behebung von Kommunikationsproblemen. Autismus etwa ist i.a. darauf zurückzuführen, dass es den Kindern nicht gelingt, die emotionalen Signale zu dechiffrieren, die ihre Bezugspersonen in Mimik und Gestik ausdrücken. Der Dialog mit der Umwelt bricht ab. Dies ist aber nicht die einzige pathologische Störung der Kommunikationsfähigkeit. Paul Watzlawik hat davon einen ganzen Katalog geliefert.
Somit stellt sich die Frage, ob wir genügend investieren, um die normalen Kommunikationsmöglichkeiten auszuschöpfen. Bildnerische, musikalische, mimische, gestische, tänzerische Ausdrucksformen transportieren ebenfalls Informationen, die sich in der rationalen Sprache nur schwer fassen lassen. [S. 58]
Was das rationale Verstehen betrifft, sind dennoch weitere Anstrengungen nicht überflüssig, denn: Unser Leben hängt davon ab, dass wir unsere komplexe Umwelt richtig sehen, begreifen, verstehen - und dieses Wissen auch vermitteln können. Dies gilt nicht nur für das Oeko-, sondern auch für die vom Menschen selbst geschaffenen Systeme wie das Gesellschafts- und das Wirtschaftssystem, die beide ebenfalls hochkomplex sind. Die eigene detaillierte Analyse des argumentativen, also sprachlichen Umgangs mit komplexen Systemen wie der Aufruf zu einer "intelligenteren Politik" (Wie liesse sich Politik auf Volkswissen statt auf Volksmeinung basieren?) wird von Singer bestätigt - und auf den sozialen Bereich ausgedehnt: Gerade die Informationen, die bei der Stabilisierung sozialer Systeme eine so wichtige Rolle spielen, lassen sich damit aber selbst bei hoher Sprachkompetenz nur sehr unvollkommen transportieren. (S. 59)
Mir scheint, dass eine Bewältigung anstehender Überlebensprobleme nur dann gelingen kann, wenn neben der rationalen Durchdringung der Systeme, in denen wir existieren, Kommunikationsverfahren gepflegt werden, die in der Lage sind, komplizierte Sachverhalte erfahrbar zu machen. Nur dann kann Wissen auch wirklich Handeln lenken. [S. 234]
Entscheidungen entstehen im Gehirn als Resultat von Selbstorganisationsprozessen, wobei Kompetition zwischen unterschiedlich wahrscheinlichen Gruppierungsanordnungen die treibende Kraft und kohärente Systemzustände die Konvergenzpunkte der Entscheidungstrajektorien darstellen. Es kann in Einzelfällen vorkommen, wie bei der Vase und den Gesichtern, dass sich das System mehreren Lösungen mit gleicher Wahrscheinlichkeit nähert. Aber in aller Regel konvergiert das System sehr schnell auf die wahrscheinlichste Lösung und trifft eindeutige Entscheidungen. [Der Beobachter ... S. 169]
Ganz anders sind die Entscheidungsstrukturen in unseren sozialen Systemen organisiert, nämlich hierarchisch. Die Datenerhebung erfolgt auf unterster Ebene, Datenverdichtung, -Selektion und Verarbeitung auf zunehmend höheren Ebenen, Entscheidung und Propaganda des Resultats an der Spitze. Das System ist effizient und übersichtlich bei einfachen, linearen Problemen. Bei komplexen mit Rückkoppelung dagegen meist untauglich, denn: Einfache Regeln sind in komplexen Systemen eben meist einfach ... falsch.
Aus der Hirnforschung ergibt sich so ein interessantes Resultat, das der gegenwärtigen Trend in Forschungspolitik diametral entgegen steht: Forschung muss der Neugier folgen können - ohne dass materieller Gewinn in Aussicht steht, da Unentdecktes nicht voraus gewusst werden kann. Durch die Einseitige Ausrichtung auf "Angewandtes", Praktisches, wird die Forschung vermutlich in Bahnen gelenkt, die weit ab liegen von den Erfindungen, die mal wieder neue ökonomische Kreisläufe, also neue Wachstumsbranchen ermöglichen werden. Das Neue entspringt ja meist der Phantasie - und nicht der Tätigkeit von Beamten die Forschen, und nichts anderes sind sie, die Forscher im Auftrag, egal ob im Auftrag des Staates oder des Kapitals.
Die Prinzipien nach denen die Vorgänge im Hirn ablaufen lauten:
Anfängliches Überangebot, Versuch und Irrtum, Konkurrenz und Beseitigung des Nichtangepassten.
Es könnte sich lohnen zu untersuchen, ob sich ähnliche Strategien auf die Entwicklung von Städten anwenden lassen. Die Prozesse, die die Architektur des Nervensystems während seiner Entwicklung formen, werden natürlich wiederum in der gleichen Weise wie das Lernen beim Erwachsenen durch Bewertungssysteme kontrolliert. Diese müssen nur wissen, was für das Gehirn als ganzes gut oder schlecht ist. Den Plan des voll entwickelten Gehirns brauchen sie nicht zu kennen. Tatsächlich gibt es gar keinen derartigen Plan, weder in den Genen noch sonstwo. Es gibt nur Regeln für lokale Interaktionen zwischen Komponenten: das Endresultat des Entwicklungsprozesses wird erst klar, wenn er abgelaufen ist, weil der Prozess selbstorganisiert ist. S. 198
| Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung
ändern kann. (Francis Picabia, frz. Maler, 1879-1953) |
Die Struktur des Gehirns gibt ein dialektisches, perspektivisches Vorgehen ja geradezu vor durch seine Zweiteilung, die sämtliche Signale, die ihm von den Sinnesorganen übermittelt werden, dazu noch über Kreuz verarbeitet. Dass einige wichtige Tätigkeiten, wie insbesondere das Sprechen (95% der Rechtshänder, 70% der Linkshänder auf der linken Hemisphäre) zudem asymmetrisch ausgeführt werden, führt zu komplexen "Verdrahtungen", deren Sinn eigentlich nur in der Perspektivität und Robustheit dieses doppelten Ansatzes liegen kann. Dem einäugigen Seen wie einohrigen Hören fehlt die Tiefe - dem eingleisigen Denken ebenso. Die Entwicklung der Gehirnhälften wird vom Oestrogenspiegel beeinflusst, was gewisse Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Prioritäten zu erklären vermag, Unterschiede, die dann durch äussere Einflüsse (Erwartungen an geschlechtsspezifische Wahl von Interessen und Beruf) meist verstärkt werden, aber auch abgeschwächt werden können. Dass Männer intelligenter sind, weil ihr Gehirn meist etwas schwerer ist, ist ein Gerücht, denn das Gewicht des Gehirns korreliert mit der Körpergrösse, die eben bei Männern auch meist grösser ist. Die treffende Antwort auf die Frage, ob Männer oder Frauen intelligenter seien, hat der britische Schriftsteller Samuel Johnson (18. JH.) gegeben: Welcher Mann? Welche Frau?
Mann darf das auch politisch interpretieren: Erst wenn das Bild, das Rechts sich von der Welt macht, links verarbeitet worden ist, erst wenn das Bild, das Links sich von der Welt macht, rechts verarbeitet worden ist - und beide sich zu einem Ganzen fügen, darf dieses als Abbild der Realität oder Vorbild für Handlung verwendet werden.
Wenn das auch für andere komplexe Systeme wie Städte zuträglich ist, sollten wir in Zukunft drauf verzichten, Städte als Ganzes zu planen, wie das für Brasilia versucht wurde. Solche Lösungen können nur suboptimal sein. Ein vermutlich ertragreiches Vorgehen wäre es vielmehr, auf die "Vernunft" der Selbstorganisation zu vertrauen, gute Regeln für lokale Interaktionen zu erfinden, effiziente Lern- und Korrekturmechanismen einzuführen, für Reziprozität der Informationsflüsse zu sorgen, die Kriterien für zentrale Bewertungssysteme festzulegen und auf zentralistische Koordinationsversuche zu verzichten. S. 210
| Die Hirnforschung hat zwar gewaltige Fortschritte gemacht, vor allem
durch die Nutzung der
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) Allerdings sehen Sie aus den ersten Anwendungen, die sich daraus ergeben, welcher Art dieses Wissen ist: Der Homo oeconomicus ist tot. Es lebe der Homo neuroeconomicus. Da wir immer mehr überflüssiges erzeugen, wird es immer schwieriger, dieses ganze Karsumpel zu verkaufen. 70-90% aller neuen Produkte verschwinden innerhalb eines Jahres wieder vom Markt. 80% der von der Stiftung Warentest geprüften Güter erhalten das Label gut. Auch Qualität reicht nicht mehr für eine Differenzierung. Der Konsument muss immer mehr durch unbewusste Reize auf Konsum dressiert werden. Der rationale Entscheid bringt keine Umsätze mehr. Unbewusste Anreize sollen also den Kaufwunsch fördern, wie etwa der heute fast permanente Geruch nach frischen Backwaren in den Einkaufszentren, Bild- und Tonreize. Neuromarketing ersetzt Packards Movivanalytiker und Symbolmanipulatoren in der Werbung. Und jeder Berührungspunkt einer Firma mit den Menschen wird für Marketing genutzt. GDI Impuls. 1. 2008 |
Hier geht Singer nun aber in die Irre, da er das Konzept das zu einer
optimalen individualistischen Struktur führt, auf Städte ausdehnt, die, seit es
sie gibt, über ihre Umgebung geherrscht haben. Nach eben dem Prinzip haben sich
auch grosse, ja
riesige, dominante globale Unternehmen entwickelt. Erfolgreich für sie
selbst - immer etwas problematisch für die Umwelt. Man darf also die
Hirnforschung nicht zur Grundlage von Soziologie oder Politik machen - oder muss
die symbolische Verwandtschaft richtig deuten, also etwa die Stadt als
Neokortex, Sitz des kollektiven Bewusstseins und der rhetorischen
Sprachbeherrschung (Medien); die Wirtschaft als Parietallappen, der aus Reizen
einfache Reaktionen ableitet; Forschung und Presse als Parietal- und
Occipetallappen, die für uns sehen und hören; und die Landschaft als Kleinhirn
und Hirnstamm, deren Funktion uns zwar nicht bewusst ist, ohne die wir aber
sofort aus dem Gleichgewicht, ja aus dem Leben kommen. Singer, wie
Herzog-Demeuron in ihrem
Städtebaulichen Portrait, vergessen ob der grandiosen Herrschaft des
Gehirns/der Stadt, dass dieses ohne den lästigen Körper, samt stinkenden
Gedärmen und Arsch, nichts taugt. Während das Gehirn nur für das Individuum, das
es trägt, optimiert werden muss und sich das für seine Strukturen geeignete
Umfeld suchen kann und muss, muss die Stadt, am Ort wo sie ist, auch für ihr
Umfeld optimal funktionieren und bei Änderungen das Umfeld quasi mitnehmen. Wenn
Sie nun denken (wie ich auch grad ...), dass das Gehirn ja auch auf seine
Umgebung wirkt, so darf man das, auch als Intellektueller, nicht überschätzen.
Sie sehen das am einfachsten am Problem von Dialog, von
Diskussionsforen. Während ich hier sitze und in aller Rasanz alles Mögliche
durchdenken und abwägen kann (Meine Definition von Denken: Denken ist
Argumentation mit sich selbst), geraten Sie in einem Team, oder gar in einem
Forum, in dem sich Menschen treffen, die sich erst gegenseitig bekannt machen
müssen, sofort an die Grenzen der verfügbaren Zeit wie des kommunizierbaren
Wissenshintergrundes. Sobald nur zwei Menschen miteinander diskutieren, müssen
erst die gegenseitige Rangordnung, Macht, Status, Hintergrund, Sympathien,
Antipathien, Werthaltungen, Absichten etc. geklärt werden, man muss von jedem
Teilnehmer seine persönliche PR-Aktion über sich ergehen lassen - und dieser
soziale Teil der Kommunikation ist (leider, was Wissenschaft und Philosophie
betrifft) derart aufwändig, dass sachliche Resultate derart lange auf sich
warten lassen, dass die Beteiligten sich längst andern, akuteren Problemen
zugewendet haben, bevor sie zum Fazit kämen.
| Fazit: Der Mensch scheint weder als soziales noch als egoistisches Wesen prädeterminiert. Er entscheidet von Fall zu Fall, pragmatisch, utilitaristisch, eigennützig ... welche Haltung ihn weiter bringt. Die egoistische, autoritär-hierarchische Organisation ist einer solidarischen, vernetzten, in strategisch-taktischer Durchsetzungsfähigkeit und Geschwindigkeit weit überlegen.
Wichtig: Lassen Sie sich nicht den Bären aufbinden, dass die steigenden Sozialkosten ein Problem für die Wirtschaft sind, sie sind ein Problem, dass durch die herrschende Wirtschaftsform, die überbetont auf Wettbewerb, also Verdrängung basiert, erst eigentlich entstehen. Beispiel: Dadurch dass qualifiziertes Personal lernt Spargeln zu stechen, den qualifizierten Spargelstechern die Arbeit wegnimmt, wird kein Problem behoben. Das ist eher Dressur, die Schuldgefühle und gehorsame Unterordnung permanent bei den Verlierern des Wettbewerbs einpflanzen will. |
Was für das Gehirn als Ganzes gut ist - die Formulierung tönt ganzheitlich, akzeptabel, unproblematisch. Bereits die Erweiterung auf die Stadt: Was für die Stadt gut ist zeigt das Problem: Die Vernachlässigung der Umwelt. Da das Hirn das Ich bestimmt, könnte man die Formulierung auch so ändern: Was für mich gut ist, ist für alle gut - und peng, haben wir das neoliberale Credo. Das Problem, das dahinter steckt, ist leicht zu identifizieren. Es heisst Optimierung zwischen Wettbewerb und Solidarität. Während viele Tiere, denken Sie an Ameisen, bereits instinktiv auf eine dominante Solidarität angelegt sind, gibt es auch einzelgängerische, die sich nur zur Paarung und Aufzucht temporär verbinden. Oft wird das Männchen auch, wenn es seinen Dienst als Samenspender getan hat, gleich noch als Energielieferant verzehrt (Viele Männer fühlen sich im Scheidungsrecht ganz ähnlich ...). Der Mensch scheint widersprüchlich. Ist er nach Rousseau gut und sozial, wird aber genau durch diese Gesellschaft, die er bildet, dann verdorben, so setzt Nietzsche auf den eigenständigen Menschen, der sich aus den Spinnweben der Gesellschaft befreien will und sich seiner Macht bewusst wird. Fast 100 Jahre Kommunismus haben auch gezeigt, dass die soziale Neigung im Menschen offenbar nicht eine dominante ist. 150 Jahre Liberalismus haben andererseits gezeigt, dass ohne soziale Korrekturen auch die menschliche "Kultur" zu einem System von Unterwerfung und Ausbeutung wird. Ob der Mensch sozial und solidarisch handelt oder sich am Eigeninteresse orientiert, entscheidet sich also von Fall zu Fall. Dazu passt, dass das Sozialverhalten vom Neocortex gesteuert wird, es sich also um erlerntes Verhalten handelt.
Fazit aus wirtschaftlicher Sicht:
Gerade weil es sich beim sozialen Verhalten um ein erlerntes Verhalten handelt, ist dringend darauf zu sehen, welche Lehren hier von wem an wen verteilt werden. Traditionell geht das, in Kirche wie Wirtschaft, von oben: Seid gehorsam! Erfüllet Euren Auftrag!! Leistet über den Auftrag hinaus - damit euch das Himmelreich des hohen Lohnes und hoher Stellung zuteil werde. Traditionell gilt aber genau so, dass das Volk den hohen Herren immer mal wieder gezeigt hat, wie es selbst die Dinge so sieht, mit Sensen, Knüppeln und Helebarden, später mit Barrikaden und Molotowcoctails oder gar Entführungen. Hirnforschung macht also, genau wie die Evolutionäre Psychologie, darauf aufmerksam, dass eine soziale Haltung nur ausgebildet werden kann, wenn die "rechten" Anregungen geboten werden. D.h. soziales Verhalten muss zu persönlichen Vorteilen, zu Lust-, Macht-, Geld-, Ansehens- oder sonst einem Gewinn führen - oder, was genau so gilt, asoziales Verhalten zu Verlust derselben. Je kultivierter eine Gesellschaft wird, desto schwieriger hat sie es, Sanktionen klar und wirksam auszusprechen. Ein Bauer mit einer Mistgabel, ein Mob mit Pflastersteinen sind eben Argumente, an deren korrektive Wirksamkeit kein Werk eines Schreiberlings heran kommt. Steuererlasse hingegen, also Belohnung für die Organisation eines volkswirtschaftlichen Desasters, ist eine glatte Systemkatastrophe, denn die einzige Lehre die die Führer daraus ziehen können ist ja gerade: Je mehr Scheiss wir bauen - desto mehr kriegen wir. Liegt im System, egal ob es nun Wirtschaft oder Politik heisst, was falsch, dann muss man dort korrigieren, wo der Fehler entsteht, nicht dort, wo er sich auswirkt. Zweiteres ist zwar beliebt, als Symptomtherapie allerdings eben so unwirksam. Die Arbeitslosen sind nicht auf die Barrikaden gestiegen, um ihren Status als Arbeitslose zu erhalten - wohl aber die Unternehmer, die noch weitere Freiheiten fordern um noch mehr Verantwortung (und Personal) auszulagern.
Zudem arbeiten die Förderer von Wettbewerb und Deklassierung, die Förderer des eigennützigen Menschen (der ihnen die Nutzung der Solidarität zum Wohle der Firmen überlässt), nicht mit rationalen Argumenten, sondern mit tiefer sitzendem, mit Gefühlen, insbesondere mit dem Gefühl der Angst, der Angst vor Stellen- und Existenzverlust. Es wäre eigentlich nichts als eine Erfordernis der Gerechtigkeit, dass man den Herren auch ab und zu wieder ein bisschen Angst einjagt: Angst vor wirtschaftlichem Zusammenbruch, Angst vor Enteignung, Angst vor materiellen Verlusten (Streiks, Sabotage, neue gesetzliche Auflagen), Angst vor Achtungsverlust. Und die wäre am leichtesten zu nutzen. Man darf die hohen Herren nicht bloss dauernd Loben, gut bezahlen und noch mit nicht zu zahlenden Steuern belohnen für das Chaos das sie anrichten. Man muss sie an dem Resultat messen, dass ihre Einstellung in der Volkswirtschaft erzeugt, also am herrschenden Desaster. Wenn Grossbetriebe, die einzigen die heute noch rentieren (mit spezifischen Ausnahmen natürlich) Personal entlassen, so ist daran doch eindeutig die Fehleinschätzung, also die Unfähigkeit der Betriebsleiter, des Managements, des Verwaltungsrates, und nicht die Dummheit und Geldgier der Mitarbeiter schuld. Warum also müssen dann die entlassenen Mitarbeiter mit "Spargeln stechen" und ähnlichem Humbug bestraft werden - und nicht die Entlassenden!
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INFORMATIONSSYSTEM ARBEITSPLATZ-GEFAHRENSTOFFE (ISAG) ELEMENT: WEIB (engl. woman) |
Fazit aus der Perspektive des Gender-Problems:
Dieses erlernte Verhalten ist, was die Emanzipationsbewegung kritisiert, bei Männern und Frauen ein anderes. Männer sind die Verteidiger, die Nahrungsbeschaffer, die Aussenkämpfer - Frauen hüten Heim und Herd und halten die Familie zusammen. Man darf also annehmen, dass über lange Zeiten und in vielen Völkern die Männer für die Förderung des egoistischen Denkens, des Kämpfens ums Überleben, zuständig waren, während Frauen sich die Solidarität ihrer Männer und ihrer Familie sichern mussten und so auch ein Gefühl für Solidarität auf andere übertrugen. Insbesondere die Beziehung Mutter-Kind erfordert ja einseitig von der Mutter absolute Solidarität und Hingabe über lange Jahre. Da aber die wenigsten Mütter Heilige sind, fordern sie diese Vorleistungen an Liebe irgendwann irgendwie zurück und binden dadurch ihre Kinder an sich, was insbesondere beim Eindringen fremder Frauen in den Clan, die Frauen der Söhne, fast unweigerlich zu Zwist und Hader führt (Schwiegermuttersyndrom). Also auch ohne sexuelle Bezüge wie sie Freud stipuliert, sind die Verhältnisse zwischen Müttern und Söhnen einigermassen problematisch, da zweitere für erstere zeitlebens "Kinder" bleiben, undankbare Kinder, die man nicht von der Hand lassen kann. Dem erwachsenen Mann verursacht dies aber meist eher Unlust ... also nieder mit dem Oedipus, der seine Mutter heiraten will. Der soll bitte endlich erwachsen werden.
| Jedes Kind das etwas taugt, wird mehr durch Auflehnung
als durch Gehorsam lernen. Peter Ustinov |
Die andere Hälfte des Oedipus, der Wunsch, den Vater zu töten, könnte allerdings auch ohne obiges Ziel bestehen. Der Vater ist der Vorstehen der Familie, und wie bei den Affen irgendwann ein jüngeres, stärkeres Tier die Führung übernimmt, so muss sich der Sohn vom Führungsanspruch des Vaters befreien. Dieser Urtrieb, bei dem es um Macht geht, liesse sich weitaus besser fundieren, als die Geschichte mit Oedipus, die doch eher ein Einzelereignis war. Die Tötung des Vaters jedoch durchzieht Mythen, Religionen und Geschichte. Kronos tötet Uranos, Zeus zeigt sich bereits etwas gnädiger und verbannt Kronos bloss nach Elysion. Ähnliche Überlieferungen gibt es aus dem Nahen Osten, wo der Gott des milden Regens, Astar, den Gott des Gewitters und Sturms, al Maqah, ersetzt - aber dennoch ein Kriegsgott bleibt. Eine relativ friedliche Lösung kennt das Christentum, in dem Jesus kam um die alten Gebote des "Auge um Auge" durch das Gebot der Liebe zu ersetzen, und sich folgerichtig selbst töten lässt. 2000 Jahre, mässiger Erfolg ... Der Drang zur Macht durchseucht nach wie vor jegliches menschliche Verhalten, insbesondere die wirtschaftliche Organisation. (s. Thymos, Machttreppe). Hier werden extrem ungerechte (aber effiziente) Verteilungsmuster von Einkommen und Besitz, wie die Pareto-Verteilung, stabilisiert, hier findet diese Verteilung Akzeptanz - weil alle das Selbe anstreben, die Spitze, die Weltherrschaft, die jedoch nur einer erreichen kann. Es könnte gut sein, dass gerade durch die Versexung von Oedipus, als lustorientierter Mutterbeziehung, dieser Aspekt des Vatermordes, also des Strebens nach Herrschaft, der doch viel weitreichendere Folgen trägt, als zu anrüchig unter dem Deckel blieb und bleibt. Allerdings ... die Tatsache bleibt, dass α.Männchen weitaus bessere Chancen zur Paarung haben als der Rest des Alphabets. Womit eigentlich klar ist, wer schuld ist an der Erhaltung der alten Herrschafts- und Hierarchiestrukturen: Die Frauen! wzbw.
Apropos Therapie: Falls Oedipus in einigen Fällen wirklich ein Problem darstellt, so dürfte es keine bessere Therapie geben, als zu heiraten - und zu sehen, wie die Mutter zur Schwiegermutter wird. Nach dieser Erfahrung dürfte "Oedipus" genau so schnell die Kurve kratzen, wie Speedy Gonzales. Präzise dieses Problem zeigt, dass offensichtlich auch bei Frauen der Drang nach Macht und Beherrschung nicht zu vernachlässigen ist.
Apropos Freud: Der ist offenbar lange vor mir schon andern auf den Keks gegangen, und zwar so gründlich, dass sein tiefenpsychologisches Konzept, speziell seine Form der Psychoanalyse, heute an den Hochschulen nicht mehr, d.h. nur noch als historischer Fakt, gelehrt wird. Philosophen, Literaten, Filmregisseure etc. sollten ihn also auch langsam in Frieden ruhen lassen, sonst werden wir den Stuss nie los - ein deutliches Beispiel für das Problem des Entlernens, das fast so schwierig ist wie neues zu erlernen..
Hirnstamm (Übergang zu Rückenmark, also vermutlich
entwicklungsgeschichtlich ältester Teil des Gehirns)
Probleme bei Beeinträchtigung:
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Fangen wir bei den primären, den
"alten" Bestandteilen des Nervensystems an, dem Hirnstamm und
Kleinhirn. Bevor da irgend was gedacht oder bewertet, und Kultur
geschaffen wird, muss das Nervensystem die Aufgaben erfüllen, die notwendig
sind, den Organismus am Leben zu erhalten und zu steuern. Die ältesten
Funktionen, über 500 Millionen Jahre alt, wie die Bestimmung von Herzschlag,
Bluttdruck, der Gleichgewichtssinn, die Bewegungskoordination und
Reflexe sind vom bewussten Denken am meisten entfernt. Sie ertragen keinen
"Freien Willen". Wie komplex die Steuerung der Bewegung auf zwei Beinen ist,
sehen wir an den immer noch relativ ungelenk und unsicher gehenden Modellen
der Roboter.
Dass dieses alte Hirn von seinen neueren Entwicklungen aber nicht vollständig getrennt ist, zeigen psychotische und neurotische Fehlleistungen, die ohne Organschädigung zu den selben Effekten führen können, wie Schädigungen an diesen Hirnstrukturen. |
Kleinhirn (CEREBELLUM) (Schädelbasis)
Probleme bei Beeinträchtigung:
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An der Basis des Grosshirns, das uns offensichtlich zu dem macht, was wir gerne sein möchten, liegt ein Störenfried, der uns ab und zu zeigt, wer wir sind und/oder sein möchten. Von hier stammen Phantasievorstellungen, welche das Bewusstsein, und die von ihm getroffenen Entscheidungen, genau so mit bestimmen wie Wahrnehmungen. Die Amygdala ergänzt bewusste Wahrnehmung durch Eindrücke aus dem neuroendokrinen und neurovegetativen System (Bauchhirn). Das Unbewusste ist kein verloren gegangenes Gedächtnis, denn es werden weder Sach-Wissen noch Prozess-Wissen gespeichert, die immer eine bewusste Phase durchlaufen, oft eine äusserst anstrengende bewusste Phase, wie etwa das Erlernen von Musikinstrumenten, Velofahren, Skifahren, Kunstturnen etc.
Die Amygdala liefert nicht nur dem Arbeitsgedächtnis Informationen auf der Grundlage von Phantasievorstellungen, sondern moduliert auch die Wahrnehmung der äusseren Wirklichkeit in den frühen Stadien und beeinflusst so potentiell die Eigenart der Information. ... S. 232
Unter pathologischen Bedingungen würde das Gewicht, das dem Beitrag des Szenarios von Phantasievorstellungen aus der unbewussten inneren Wirklichkeit zukommt, vorherrschen und das Subjekt immer mehr von Informationen entfernen, die aus der äusseren Wirklichkeit stammen. S. 235
Verdrängt werden Regungen, die mit unangenehmen Signalen aus dem Bauchhirn verbunden sind. Oft beruhen solche Gefühle auf ambivalenter Kommunikation und führen zu seltsamen Reaktionen (Neurose). Diese unbewusste innere Wirklichkeit trägt aber viel dazu bei, uns zu einzigartigen Wesen zu machen.
Grundlagen bei: François Ansermet, Pierre Magistretti: Die Individualtität des Gehirns. Suhrkamp. Frankfurt a.M. 2005
Gerade weil Wahrheit nicht durch Mehrheitsentscheidung entsteht, sollte man "die Normalität" ev. auch nicht überbewerten. Unter Hitler war es normal, Nazi zu sein, und äusserst unangepasst, also asozial, dem Trend nicht zu folgen. Gerade hier zeigt sich, dass der Mensch frei ist, denn auch wenn neuronale Prozesse deterministisch sind - es handelt sich um ein offenes System, wie Singer immer wieder betont. Wenn also nur ein Faktor Anlass zu Zweifeln gibt, kann das Hirn nach ergänzenden Informationen fragen - und, ganz entgegen anerzogener kultureller Präferenzen, die auf jeden Fall prägend sind, eben doch frei entscheiden. Diese Freiheit ist nicht durch das Denken an und für sich beschränkt, sondern bloss durch die Abwehrmassnahmen der Gesellschaft, die schräge Denker für Verrückt erklärt und aus Wirtschaft und Gesellschaft ausschliesst. Es ist primär die gesellschaftliche Meinungsdressur (durch Gruppenzwang, inklusive innerbetriebliche Dressur) welche die Freiheit behindert, nicht die Strukturen des Gehirns. Solange der "Charakter" nicht betoniert wird durch Unmengen an kleinkarrierten Vorschriften über Verhalten, Kleidung, Umgangsformen, Denkweise, Wirtschaft und Politik - also lernfähig bleibt, bleibt auch Freiheit möglich. Ein paar kritische Faktoren mehr - und der durch Hirnstrukturen vorherbestimmte Entscheid kippt - genau wie bei komplexen statistischen Modellen. Das Geheimnis der Freiheit des Denkens und Entscheidens liegt also darin, immer einen Rest kindlicher Neugierde zu behalten und sich durch wegweisende, ja deklassierende Antworten auf die Urfrage - WARUM - nicht davon abhalten zu lassen, der Frage nachzugehen, bis sie ausreichend klar beantwortet ist.
Gegemw$rtig lautet die dominierende Frage allerdings nicht: warum? - sondern: wie viel? Und die Antwort auf: mehr!
Wir brauchen mehr Umsatz!
Warum?
Wir brauchen eine höhere Rendite!
Warum?
Wir brauchen mehr Geld für Investitionen!
Warum?
Wir brauchen grössere Märkte!
Warum?
Wir brauchen mehr Geld!
Warum?
....
Und spätestens hier wird Ihr Gegenüber explodieren: Ja himmelarsch .... Sie .... also wenn Sie das ... sind sie Kommunist oder sonst so ein linker Spinner? etc.
| Geld wirkt wie eine Droge: Warum Geld so eine überragende Bedeutung gewonnen hat, ist also weitaus weniger mystisch, als es scheinen mag. Der Nucleus accumbens belohnt Geist und Körper für "richtige" Aktionen durch einen Schub Glückshormone. Da es sich dabei um chemische Substanzen (Endorphine und Opiate) handelt, lässt sich nicht bloss der Nucleus accumbens austricksen und das mühselige Streben nach Glück durch Arbeit oder andere Tätigkeiten umgehen durch direkte Zufuhr von Drogen, sondern er lässt sich auch beliebig stimulieren, am erfolgreichsten eben durch Geld. Eine eben so banale wie eigentlich gefährliche, und daher denk-würdige Angelegenheit. Basis der Psychologie sind eigentlich Lernvorgänge. Das fängt an bei quasi mechanischer Konditionierung. Wir alle brauchen Jahre um als Kleinkinder zu lernen, uns nicht selbst voll zu kacken. Die Beherrschung dieser eigentlich einfachen, aber doch komplexen Fähigkeit (wie bekannter Weise der meisten Fähigkeiten ...), wird weitaus effizienter über ein Lohn-System angeregt, als durch Strafen. DAS Lohnsystem funktioniert nun aber eben über Geld ... und da hätten wir schon des Pudels, oder vielmehr des Problemes Kern. Da Geld eine extrem klebrige Substanz ist, neigt sie dazu, sich auf Haufen zu ballen. Diejenigen, die bereits sehr viel davon haben, vermehren es leichter, belohnen sich also übermässig, während dem anderen der Lohn und dadurch die Lust eines selbst erzeugten Morphinschubs entzogen wird. Vielleicht sollte man Überverdiener, die andern die Lust vergällen, einfach mal wie Drogensüchtige behandeln, statt sie als Heroen des wirtschaftlichen Erfolges anzubeten. |
Falls Sie Kinder hatten oder doch ausreichend Kontakt mit Leuten, die sich diesen Luxus noch leisten können und wollen, kennen sie diese Wachstumsphase, die alle Kinder durchmachen, und in der sie ihre Eltern mit warum-Fragen an den Rand des Wahnsinns treiben. Wie wir oben gesehen haben, braucht aber das kindliche Hirn hier diese Inputs, um die richtigen Vernetzungen herstellen zu können. Was denken sie, wie viele derartige Argumentationsketten das Hirn durchlaufen muss, um festzustellen, dass hier irgend was verborgenes dahinter steckt, nach dem man nicht fragen darf (da das Konzept auf Dauer eben weder sinnvoll noch auch nur halbwegs konsistent ist). Was also ist die Reaktion des Gehirns auf diese frustrierende Suche nach Antworten? Es verschiebt die Frage ins Unbewusste, es verdrängt sie. Gehen wir nach Freud und nehmen die Analyse von Max Weber ernst, dann handelt es sich also beim Kapitalismus um eine Substitution für verdrängte sexuelle Wünsche, eine Substitution, die, wie meistens, eben zu Fehlorientierung und unangepassten Handlungen, also Neurosen, führt. Kapitalismus ist also nichts anderes als eine kollektive Zwangsneurose. Die Aussage wird leider noch zementiert dadurch, dass das Gehirn längst auf Geld gleich reagiert wie auf Sex - oder Drogen, nämlich durch die Ausstossung von Glückshormonen durch den Nucleus accumbens.
Auch das primäre Problem des Kapitalismus, die freiwillige Einordnung in die stetige Verteilung der Unzufriedenheit, die Pareto-Verteilung, lässt sich durch die Hirnforschung begründen. Die Möglichkeit, andere zu bestrafen verursacht nämlich ebenfalls Befriedigung. Auf dem Streben nach diesem lausigen Glücksgefühl basiert also das ganze Brimborium um die Karriere. Proscht Nägele .....
Solch zwanghaftes Verhalten, dass sich eben aus Verdrängung ergibt, kann nur aufgelöst werden, indem die verdrängten Fragen und fehlenden Antworten wieder ans Licht geholt werden. Die Frage nach dem Sinn, die Frage warum, ist darum, genau wie das Denken als Ganzes, immer subversiv, respektlos, herrschaftsfeindlich, unangepasst, "nicht normal", da sie bestehendes Wissen überprüft und im Bedarfsfalle ändert. Genau aus diesem Grund kennt jede demokratische Verfassung die uns harmlos scheinende Grundsatz der Denkfreiheit und geht mit der Freiheit der Meinungsäusserung sogar weit darüber hinaus. Das Recht, nach dem Sinn zu fragen, ist die Basis der Freiheit. Diese Frage als absurd oder unzulässig zu erklären, beschränkt die Freiheit weitaus mehr, als staatliche Vorschriften (zumindest in demokratischen Staaten).
Da die Frage nach dem Sinn keine wissenschaftliche Frage ist, versteht es sich auch leichter, warum heute noch ein ganzes Volk (ca. 250 Millionen) mit Lügen über den Tisch gezogen werden kann: Weil der Irak uns bedroht, weil der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt, weil der Irak an einer Atombombe baut. Die Renaissance öffnete den durch klerikales Wissen zugemauerten Raum des Fragens im wissenschaftlichen Bereich, dieser jedoch lässt die Sinnfrage als Wertfrage aussen vor. Bei all den vorhandenen Tera-Penta-Bites an wahren, wissenschaftlichen Informationen, nutzt zielorientierte Rhetorik noch immer erfolgreich die alten Strategien und Taktiken einer Kommunikation die durch Angst wirkt, statt einer Kommunikation die Wahrheit sucht.
Was die Frage nach dem Sinn, Fragen generell, am meisten beeinträchtigt, sind Autorität und Disziplin, Menschen und Strukturen, die vorgeben, über alles wichtige Wissen zu verfügen, also Bürokratien. Hier darf man sich aber nicht von der Wirtschaft aufs Glatteis führen lassen, denn Bürokratien sind heute viel weniger im Staat, als in der Wirtschaft selbst zu hause (s. Max Weber). Die einzige Frage die der Bürokrat beantworten kann, ist die Frage nach dem wie. Die Frage nach dem Warum wäre sein erster Schritt zur Kündigung, da sie seinen Lebenszweck, seinen Auftrag, in Frage stellt.
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Oxytocin - die
soziale Droge: Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, also Glück
empfindet, wenn nicht alleine, liegt an einem weiteren dieser Zaubersäftchen
aus dem innersten des Hirns, der Hypophyse. Es wird ausgestossen während des
Orgasmus ... (tja, eben drum macht Sex spass, steuert das
mütterliche Verhalten (da sonst manche Mütter diese quängelnden Ungeheur
vermutlich fressen würden [wobei ich natürlich von Ratten rede ...]. Es
verhindert auch, dass sich der Köper an Opiate, Kokain und Alkohol gewöhnt,
deren Wirkung also erhalten bleibt. Diese Funktion ist wichtig, da eben dies
Opiate ja das Verhalten über Glückschübe steuern - was wiederum erklärt,
warum die direkte Zufuhr solcher Substanzen eine derart katastrophale
Wirkung auf die Psyche hat: Wenn das Verkehrsamt, um den gestressten
Autofahrern eine Freude zu machen, sämtliche Ampeln auf grün schaltet, hält
auch da die Freude nicht so lange an.
Drogenabhängigkeit ist also die Folge eines pharmazeutischen Eingriffs in die natürliche Steuerung des Körpers: Die Probleme die hier extrem auftauchen, dürften sich in gemilderter Form aber auch bei anderen Formen von chemischer Fremdsteuerung äussern, also den immer beliebtereren Antidepressiva für Erwachsene, die nicht ganz so weit gekommen sind, wie sie sich das vorgestellt haben, oder Ruhigstellern (Ritalin & CO) bei den Kleinen, für die niemand Zeit hat, weil Zeit eben Geld ist. Dazu haben sich auch die Verkäufe von Ritalin in 10 Jahren verachtfacht. Die Substanz ist geeignet für Tätigkeiten, die stark rational und strukturiert sind, Fleiss und eine hohe Konzentration erfordern. Das Fokussierte Bewusstsein bringt wenig Magie hervor. Das Zwischenmenschliche wird eher mühsam .... aber es schreibt und schreibt und schreibt. [Birgit Schmid: 10 Milligramm Arbeitswut. Ritalin ist die Modepille der Leistungsgesellschaft. Ein Selbstversuch. Das Magazin 33/2009. S. 8-15] Tja, eindeutiger Fall von Schizoidie. Man fragt sich, ob man den Zustand, der bei intellektuellen Spinnern normal ist (s. Kant), wirlich bereits der Jugend per Droge antun will? Ob da ein bisschen Hasch- oder LSD-induzierte Träumereien nicht bekömmlicher wären? Ich kann Ihnen das vielleicht an einem Beispiel verständlich machen, mit dem Sie selbst Erfahrung haben. Vielleicht haben Sie selbst Eltern oder Grosseltern, vielleicht sind sie auch selbst betroffen, die blutdrucksenkende Mittel nehmen. Ab einem gewissen Alter ist das ein dauerndes Spiel mit dem Gleichgewicht. Zu wenig Medikamente, Blutdruck geht ab in die Höhe - zu viel Medikamente, dem Patienten wird schwindlig ... da der hohe Blutdruck gerade bei Dicken offenbar nötig ist, das Gehirn ausreichend zu versorgen. Auch der sehr häufige Fall zeigt, dass diese chemische Steuerung nicht gratis ist. Ohne sie haut's einen vielleicht vorzeitig um durch einen Hirnschlag, mit ihr haut's aber einige dauernd um, was zu Knochenbrüchen und anderen Schädigungen führt. Eine "Lösung" von Problemen mittels depressionsverhindernder Mitteln dürfte so gesehen auch bloss dazu führen, dass diese irgendwann als geballte Ladung wieder hochschiessen.
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Die Hirnkarte II (I)
.... ein Produkt der Lokalisationstheorie, die längst gestorben ist, darf heute nicht mehr all zu ernst genommen werden. Nach heutigem Wissenstand gehen geistige Funktionen wie Sprache, Rechnen, Gedächtnis, Gestaltung, aus der Zusammenarbeit des ganzen Hirns hervor.
Occipitallappen: (Hinterkopf).
Probleme bei Beeinträchtigung:
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Immer noch unbewusste, automatische Verarbeitung von Sinneseindrücken geschieht in Temporallappen für das Hören, im Occipitallappen für das Sehen. Hier treten bereits Speicher-, also Erinnerungsleistungen auf. Die starke Ausprägung dieser beiden Sinne erklärt sich dadurch, dass etwa der Tastsinn (oder gar der Geschmackssinn) höchst ungeeignet wären um festzustellen, ob ein sich näherndes Objekt eher als Nahrung geeignet ist - oder mich selbst als Nahrung betrachtet. Die Sinne erweitern also die verfügbare Information weit in die Umgebung des Organismus hinaus. Und bereits bei den ersten Jägern wie gejagten musste eine rasche Auswertung der Sinnesdaten erfolgen: Freund oder Feind, zugreifen oder wegrennen, fressen oder gefressen werden. Hier liegt der Ursprung aller Wissenschaft, die Kategorisierung, das Be-greifen, dass erst in einer späten Phase menschlicher Entwicklung erst zu phonetischer (Worte), dann zu graphischer Abstraktion (Schrift) durch die Sprache geführt hat. Interessanterweise werden Worte ja offenbar auf einer ersten Stufe, als graphische Eindrücke, im Occipitallappen verarbeitet. Dass Sehen der wichtigste, aber auch der verarbeitungsintensivste Sinn ist, sehen wir a) an den Wirkungen auf ein EEG, b) an der Tatsache, dass die Ausbildung der Sehrinde des Menschen bis ins Schulalter andauert. Da ein Sinn, etwa das Auge, nicht ausreicht, da dieses z.B. im Dunkeln wirkungslos ist, erweitern Geruchssinn, Gehör und Tastsinn die Chancen zu überleben. Auf Grund der dazu nötigen Nähe, spielen diese dann auch bei der Fortpflanzung eine recht bedeutende Rolle, insbesondere der Geruchssinn (s. Pheromone). |
Bei Hirnforschern dürfte sich die Begeisterung über gleichgeschlechtliche Heiraten in Grenzen halten:
Das Überleben der Art hängt von der Fähigkeit ab,
Soren Brunak, Benny Lautrup: Neuronale Netze: Die nächste Computer-Revolution. Carl Hanser Verlag. München, Wien 1993. [S. 40]
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Temporallappen: (Seitlich über den Ohren)
Probleme bei Beeinträchtigung:
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Die Tätigkeit des Occipitallappens zeigt noch weitere Tätigkeiten, die als Grundlage des Denkens unverzichtbar sind- aber offensichtlich enormer Anstrengung und sehr detaillierter Informationen bedürfen. Es handelt sich um Differenzierung und Assoziierung. Was unterscheidet sich - obwohl es gleich aussieht (Wal und Fisch) - was gehört zusammen, obwohl es ganz und gar nicht so aussieht (Wal und Fledermaus, sind beide Säugetiere, obwohl der eine schwimmt und der andere fliegt).
Parietallappen (Hinterkopf)
Probleme bei Beeinträchtigung:
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Der Parietallappen
verarbeitet dann bereits die unterschiedlichen Sinneseindrücke zu einem
Gesamtkonzept, richtet die Aufmerksamkeit dorthin, wo es angezeigt scheint,
führt gezielte Aktionen aus, die etwa die Koordination von Auge und Hand nötig
machen (Feinmechanik, Musik etc.) Einer der entscheidendsten Vorgänge beim Denken, nämlich die "Scharfeinstellung des Gehirns" für das Aussieben, Werten und Verknüpfen von Informationen, wurde also bereits sehr früh angelegt. Bei diesen Vorgängen werden allerdings nicht Informationen geschaffen, sondern "aktiv vergessen", wobei einige von ihnen Erinnerungsspuren hinterlassen, die als "freudsche Verdrängung" problematische Reaktivierungsversuche unternehmen. |
Frontallappen (Neokortex) (Stirn):
Probleme bei Beeinträchtigung:
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Was den Menschen aber erst zu
dem macht, was er werden kann, ist der Frontallappen. Er vollbringt
komplexe kognitive Leistungen und ist der Sitz des Bewusstseins
darüber, wer wir sind, wie unsere Umgebung aussieht und was wir darin und
damit tun. Hier wird die Sprache ausgeformt, die Triebe kontrolliert,
Reaktion aufgeschoben und durch Überlegungen/Wertungen zu freier Handlung
gemacht. Im Fronthalllappen begreift der Mensch die eigenen
Existenz im Zeitablauf, was
ihm noch gar nicht so lange gelingt (s. Halloween, die Wintersonnwende, die
Furcht vor der ewigen Verdunkelung). Hier werden Meinungen, Fakten
und Entscheidungen bewertet, Sinn und Unsinn von Aktionen beurteilt.
Hier sitzt also die Intelligenz, hier wird das Konzept vom eigenen Ich
entwickelt und hier entscheidet sich der Charakter, der uns erlaubt, uns in
das bestehende soziale Gefüge einzuordnen - oder eben nicht (s.
Def.
Asoziale).
Eine Schädigung des Frontallappens kann zum selben Phänomen wie die Mitgliedschaft bei der SVP führen: Sturheit und Beharren auf einfachen Lösungen. |
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Martin Herzog, Basel, 25.12.05
| Der Irrtum der
Hirnforschung betreffend fehlender Willensfreiheit:
- Der zurechnungsfähige Mensch muss in der Lage sein,
seine Triebe zu beherrschen, zu hemmen. (s.
Hemmungen) s. 5.2 Hemmung / Gemüt / Duldsamkeit / Gelassenheit / Ausgeglichenheit / Besonnenheit / coolness - die Grundlage der Freiheit, nein zu sagen. Warum die Behauptung Singers und anderer Hirnforscher nicht stimmt, dass die "feste Verdrahtung" der Neuronen und damit der Abläufe im Gehirn ein Beweise sei für die Unfreiheit des Denkens: Natürlich ist der grösste Teil der Nervenreaktionen und Aktionen voll automatisiert. Dies gilt nicht nur für das vegetative Nervensystem (wäre einigermassen mühsam, müssten wir Darmbewegungen, Herzschlag, aber auch Muskelkontraktionen und Entspannungen z.B. beim Gehen, bewusst überwachen. Die Automatisierung geht noch viel weiter. Durch das Training des neuronalen Systems werden auch psychische Reaktionen weitgehend automatisiert, weshalb uns gewisse Äusserungen einfach gleich mal nerven ... oder begeistern. Dies erfolgt durch automatische Konditionierung von Reaktionen, also die Erzeugung des "bedingten Reflexes". Nun ist es aber unvermeidbar, dass in unserer nicht sehr wohl geordneten Welt, immer wieder was verquert konditioniert wird, eine Konditionierung also verändert oder gelöscht werden muss. Das passiert auch andauernd, ohne dass wir es merken. Das Hirn lernt also. Und es ist präzise der Vorgang des Lernens, präziser des strukturändernden Lernens, der belegt, dass es auch in einem fest verdrahteten Gehirn Freiheit gibt. Ist der Vorgang des Umlernens und Umstrukturierens nicht möglich, entsteht eben das, was Unfreiheit produziert, nämlich zwanghaftes Verhalten, meist Neurosen genannt. Da die Rückmeldungen der Umwelt zwar zeigen, dass dieses Verhalten nicht zu den gewünschten Resultaten führt, das Hirn seine Reaktion aber nicht zu ändern vermag, entsteht Angst. (Auch hier wäre ein Vergleich mit der gegenwärtigen Situation der Oekonomie nicht verquert). Umstrukturierung & Strukturbildung beim Lernen: Das Gehirn stösst, angeregt über Nase, Ohren, Augen, Mund oder Tastsinn auf ein Problem, oder was, das sein Interesse erweckt. Quasi vollautomatisch werden Erinnerungen wach, kommen die ersten Anknüpfpunkte - als quasi rein mechanische Reaktion des Bordcomputers. Unfreiheit pur, sicher. ABER ... dann beginnen wir (inshallah ...) zu denken: Was weiss ich über dieses Objekt? Warum interessiert es mich? Was kann ich damit anfangen? Soll ich mich weiter damit beschäftigen? Welche Informationen brauche ich? Wo finde ich sie? Will ich rausfinden, was ist - oder ein bereits bestehendes Ziel (meiner selbst oder der Partei oder der Firma etc.) propagandistisch anstreben .... etcetc. Und da finden tausende von Gabelungen statt, tausende von Wahlverfahren und Wahlschritten - wiederum (Gott sei Dank) die meisten vollautomatisch. ABER - und das ist die Freiheit des Menschen - das Denken lässt sich jederzeit abbrechen oder in bestimmte Bahnen lenken. Man kann neue Informationen suchen und verarbeiten, was Neustrukturierung von Teilen des Gedächtnisses bedingt. Das wiederum führt zur Notwendigkeit der Anpassung alter Strukturen und zu neuen Prägungsvorgängen. Fazit: Gott sei dank ist der grösste Teil des Denkens unbewusst, denn sonst würden wir eben so hilflos liegen bleiben wie der Tausendfüssler, der sich plötzlich fragt, welchen Fuss er nun wohl als nächsten bewegen muss ...Wir können aber frei bestimmen, worüber wir nachdenken wollen, welche Informationen wir dem Denken zur Verfügung stellen, welche Resultate wir kritiklos akzeptieren ... und wo wir unser Denken lieber doch noch mal selbst hinterfragen. Ein Ideal, sicher, nicht der Normalfall, denn sonst gäbe es keinen Populismus, hätte es keine Nazis gegeben und auch keine faschistoide Islamisierung wie im Sudan seit Omar al Bashir (1989) - aber auch keinen Bush! Nichtsdestoweniger - wenn das Potential zur Freiheit nicht genutzt wird, heisst das noch lange nicht, dass es nicht da wäre, sondern höchstens, dass einige Leute ein beträchtliches Interesse daran haben, dass Menschen ihr Wissen und Denken auf die Produktion beschränken. (s. Produktionsgesinnung). Grundlage der Willensfreiheit ist also der Wille zu Wissen.
_______________________Wille und Macht - Freiheit und Hirnforschung: Das Libet-Experiment - Kritik am Libet-Experiment:Libets Versuch: Eine Patientin wurde in einen Lehnstuhl gesetzt und musste auf eine Uhr sehen, auf der ein grüner Kreis als Zeiger rotierte. Sie konnte nun frei entscheiden, wann sie das Handgelenkt bewegen wollte, und sollte sich den Zeitpunkt merken, zu dem sie den Entscheid fasst. An ihrer Hand wurde ein Messgerät befestigt, das den Zeitpunkt der effektiven Bewegung übermittelte, an ihrem Kopf eine Elektrode zur Messung der Gehirnaktivität. Die Messungen zeigten nun, dass die Elektrode am Kopf bereits eine halbe Sekunde vorher den Entscheid anzeigte, bevor die Frau sich dessen bewusst wurde, sich also den Ort des grünen Punktes der Zeitananzeige merkte. Die effektive Handbewegung erfolgte dann nochmals 0.2 Sekunden später. Libet schliesst daraus, dass der Entscheid bereits gefällt war, bevor die Patientin darum wusste, dass er also nicht frei, sondern vom Unbewussten getroffen (diktiert) war. Kritik in 3 Varianten:1) Die (Heisenbergsche) Unschärferelation des Denkens:Der Versuch macht also a) mal klar, dass es sich nicht um Denken handelt im traditionellen Sinne, sondern um Ablauf von Reaktionen. b) bedingt der Versuche eine Reihe von Schlaufen:
und all dies in 0.7 Sekunden. Zieht man den Zeitbedarf für diese Aktionen mit in Betracht, bleibt da wenig von dem Mysterium. Könnte die Versuchsperson z.B. den Entscheid fällen, die Uhr um 10-12-30 zu drücken, und es ist erst 10-11-55, dann hätte sie ausreichend Zeit für all die Abläufe, aber dann würden nur noch etwaige Unstimmigkeiten in der Koordination der Zeitablese und Handbewegung erhoben. Man könnte also auch den Versuch selbst für Schabernack halten.
2) Wenn ein Test einen Willensentscheid voraussetzt, darf es nicht wundern, wenn er einen Willensentscheid misst:
Die Versuchsperson hat also den Auftrag, frei eine Zeit zu wählen, zu der sie das Handgelenk bewegt. Gut, nun wählt sie also frei den Zeitpunkt, was bedeudet, sie legt den Zeitpunkt fest, an dem sie das Handgelenk bewegen will, um sich dann a) die Zeit zu merken wann das geschah, und b) wirklich das Handgelenk zu bewegen. Der Versuch misst also, wie lange ein Willensentscheid braucht um bewusst - und dann noch ausgeführt zu werden. Die Umkehrung, dass alle Entscheide vom Willen geprägt seien, sind insofern richtig, als sie wirklich den Willen benötigen, sich zu entscheiden. Dass aber deshalb der Mensch unfrei sei, ist, gelinde gesagt, eine Ueberinterpretation, deutlicher ausgedrückt: Habakuck.
Laut Precht ist bei Libet also der Wille am Werk, der den Entscheid zu seinen Gunsten bereits fällt, bevor er ins Bewusstsein dringt. Vernunft heisst nun aber eben gerade nicht, auf seine erste Eingebung hören, sondern die Sache betrachten, neu bedenken, versuchen, sie aus andern Perspektiven zu sehen, versuchen, die Auswirkungen auf sich selbst und andere zu ermessen, abwägen mit andern Werten etc. Vernunft ist Be-Denken. In ihrer Vollkommenheit, der Weisheit, die Suche nach dem rechten Mass in den vielfältigen Spannungsfeldern, in denen sich jeder Mensch befindet. 3) Kurz-Schluss darf nicht mit Denken verwechselt werden:Automatischer Entscheid nach inhärenter Präferenz, hat nichts zu tun mit Denken. Denken ist Argumentation mit sich selbst, also Re-Flexion, Wiederaufnahme des Gegenstandes und Beleuchtung unter verschiedenen Winkeln und Perspektiven. Das was Libet als "Entscheidung" bezeichnet, ist nichts als ein Kurz-Schluss. Das, womit die Kritik niedergemacht wird, ist nichts als ein zwanghaft (neurotisch) umgelenkter Kurz-Schluss bei dem der Funke nicht zum nächstliegenden Gegenpol durchschlägt, sondern zu einem nach anderer Präferenz (Selbstwiderspruch, Leidenssucht, Selbstbestrafung. s. Vielleicht ist das Ich ja eben dieser fest verdrahtete Chip, der erst mal egomanisch einen Entschluss fasst. Nein. Denn zum Ich gehört ebenso, dass willkürliches Verhalten an Bedürfnissen von und Auswirkungen auf andere gemessen wird. Zum ich gehört also auch der moralische Korrekturfaktor. Dass Menschen zu präferentiellen Entscheidungen neigen, wird ja bei der Mitarbeiterselektion weidlich ausgenutzt, und ist ebenso bei politischen Expertisen wohl bekannt. Je nachdem welche Partei eine Expertise bestellt, wählt sie den Professor, der das "richtige" Denksystem benutzt, also parteiinteressen "wissenschaftlich" stützen wird. |
A herd of buffalo can move only as fast as the slowest buffalo. When the herd is hunted, it is the slowest and weakest ones at the back that are killed first. This natural selection is good for the herd as a whole, because the general speed and health of the whole group keeps improving by the regular culling of the weakest members.
In much the same way the human brain can only operate as fast as the slowest brain cells. Excessive intake of alcohol, we all know, kills brain cells, but naturally it attacks the slowest and weakest brain cells first.
In this way regular consumption of beer eliminates the weaker brain cells, making the brain a faster and more efficient machine.
That's why you always feel smarter after a few beers.