Rettet der Geist die Wirtschaft vor der Selbstzerstörung? Geist als zentrale Kontrollinstanz und Innovationsgenerator im Betrieb
Hauptzweck des Staates (zur Bedeutung des Gewissens ...)
Ignoranz (Unwissen) und Wissen sind zwei Seiten der selben Medaille: Nur die periodische und temporäre Auflösung fester Begriffe, also von Wissen, ermöglicht neues Wissen.
Die Strukturen des Gehirns und ihre Entwicklung geben einige wichtige Hinweise für die Kunst des Denkens
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[Mark Solms; Oliver Turnbull: Das Gehirn und die innere Welt. Neurowissenschaft und Psychoanalyse. Patmos. Düsseldorf. 2004]
Die wichtigste Aufgabe des Gehirns besteht in der Vermittlung zwischen Körper, Innen und Umwelt, Aussen. Dies ist ein Dauerjob, da sich die Umwelt andauernd verändert, dem Ich aber dennoch vertraut und nutzbar bleiben muss, da sie Quelle all dessen ist, was Körper und Geist brauchen.
Die wichtigsten Tätigkeiten dabei sind: Wahrnehmung (über die Sinne) - Kognition (Begreifen, Verstehen, Werten) - Gedächtnis (Speichern, Erinnern) - Aktion (Re-Aktion oder Handlung).
Der Unterschied zwischen Handlung und Reaktion liegt bei der bewussten Entscheidung. Nur eine bewusste Aktion wird als Handlung bezeichnet, eine unbewusste als Reaktion. Aber nicht nur das Bewusstsein, sondern vor allem das geistige Überprüfen einer Reaktion und ihr Bewerten sind Möglichkeiten, die den Menschen vom Tier unterscheiden. Wir können Handlungen mental ablaufen lassen, ohne wirklich etwas reelles "zu tun", und sie so auf ihre Wirkung prüfen, darauf, ob das was wir damit erreichen wollen, auch erreicht werden kann. Man nennt diesen Vorgang auch Denken. Er ist Menschen die gerne erst handeln, und dann sehen, was passiert, zutiefst zuwider.
Während dem Handlung bewertet, willentlich und bewusst sich entscheidet, ist die instinktive (unbedachte) Reaktion dort geboten, wo Schnelligkeit angesagt ist (s. Flucht).
Genetische Prädisposition und Adaptation an die Umwelt strukturieren das Hirn - und damit den Geist - gemeinsam. Genetische und Umwelteinflüsse wirken absolut untrennbar zusammen. Genetische Einflüsse sind auch alles andere als unveränderbar, was besonders deutlich wird auf einem Gebiet, wo wir eigentlich annehmen, dass die Genetik absolut klar unterscheidet, bei der Geschlechtlichkeit.
Eine alte Theorie betr. der Organisation des Gehirns ist der Lokalisationismus, d.h. die Annahme, das Gehirn sei wie eine Bibliothek oder ein Programm organisiert, so dass bestimmte Eigenschaften sich an ganz bestimmten Orten finden lassen. Diese Theorie entstand aus den Forschungen von Broca, nach dem eben das Broca-Areal benannt ist, und wo das Sprachzentrum lokalisiert sein sollte. Wenig später fand allerdings der Herr Wernicke das Wernicke-Areal, und dieses ist wiederum unentbehrlich zum Verstehen von Sprache - befindet sich aber ganz wo anders. Dann gibt es noch ein drittes Zentrum, das für Sprache unentbehrlich ist, und das für die Wiederholung von Sprache zuständig ist. Das mag etwas bedeppert tönen, aber wenn Sie daran denken, dass Denken eigentlich nichts anderes ist, als mit sich selbst zu reden, vielmehr zu argumentieren, dann vermögen Sie die Bedeutung eines solchen Hirnabschnitts zu ermessen.
Der Lokalisationismus wurde dann durch die Aequipotentialtheorie
ersetzt. Diese entstand aus der Beobachtung, dass der Ort von Schäden meist von
weitaus geringerer Bedeutung ist als deren Ausdehnung. Bei kleinen Schäden kann die Funktion
leichter auf ein anderes Areal verlegt werden. (Allerdings wurde dies an Vögeln
untersucht ... Zudem hat Broca, bei dessen Patient 1/3 des Hirns geschädigt war, bloss
die Auswirkungen auf die Sprache untersucht. Das Broca-Areal dürfte also
ebenfalls noch andere Funktionen haben.)
Wie erstaunlich flexibel das Hirn die wichtigsten Funktionen auf kleinstem Raum kondensieren und auch verlagern kann, zeigt der Hydrocephalus (Wasserkopf). In Lancet 370, S. 262 wird berichtet über einen Fall, bei dem die Hirnmasse zum grössten Teil durch Flüssigkeit verdrängt war, der aber normal seiner Arbeit nachging ... als Beamter und auch medizinisch unauffällig war. Allerdings betrug sein IQ nur 75, was immerhin bei ca. 5% der Menschen der Fall ist, die allerdings meist als "debil" bezeichnet werden.
Das heutige Wissen z.B. über das Sehen, legen nahe, dass auch hier zu stark vereinfacht wird: Sehen braucht nebst den Augen noch 3 unterschiedliche Areale des Hirns, deren Ausfall zu unterschiedlichen Sehstörungen führen können:
Die heutige Ansicht ist also, dass geistige Funktionen wie Sprache, Rechnen, Gedächtnis, Gestaltung, aus der Zusammenarbeit des ganzen Hirns hervorgehen. So wird ja auch die Verdauung nicht vom Magen alleine erledigt, sondern im Teamwork mit den Gedärmen, Leber (Galle), Pankreas (Verdauungssäfte) etc
Die Aufgabe der Neurowissenschaften ist heute demzufolge nicht mehr, Zentren zu lokalisieren, sondern die Komponenten der verschiedenen komplexen Systeme zu identifizieren, die hier zusammenarbeiten.
Als es möglich wurde xy-Chromosomen nachzuweisen, also die Geschlechter genetisch sicher zu unterscheiden, begann man Athlet/Innen zu testen, um zu verhindern, dass sich die von Natur aus grösseren und stärkeren Männer in weiblichen Domänen einen Vorteil verschafften. Der Test war kein Erfolg, denn man entdeckte schon bald Frauen, die wie Frauen aussahen und funktionierten, aber xy-Chromosomen aufwiesen. Es gibt also wirklich die Erscheinung, dass bei männlichen Genen eine weibliche Physiognomie ausgebildet wird, was vermutlich auf Testosteronstörungen zurückzuführen ist, wie es sie auch natürlich gibt (angeborene Nebennierenhyperplasie z.B. s. androgenes Syndrom).
2.1 Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Gehirn:
Anhand von Versuchen an Ratten konnte allerdings gezeigt werden, dass auch hier die Umwelt, also die Erfahrung, kräftig mitspielt. Bei den Ratten lecken die Weibchen Anus und Genitalien der männlichen Nachkommen, was offenbar die Testosteronproduktion stimuliert. Tun sie das bei weiblichen Nachkommen, vergrössert sich der INAH-3 - und die Rattenmädels versuchen andere Mädels zu besteigen. Umgekehrt bei den Jungs, die mädchenhaft werden und ihr Hinterteil hinhalten.
| dominante linke Hemisphäre männliches Denken |
untergeordnete rechte Hemisphäre weibliches Denken |
| verbal symbolisch verbal analytisch oder logisch propositional analytisch abstraktes Denken |
nonverbal oder perzeptuel visuell-räumlich visuell-räumlich perzeptuell oder synthetisch appositional holistisch visuelle Vorstellungen |
Entsprechend dieser Aufteilung wurde dann vor 25 Jahren von Alternativen noch humoristisch mehr "rechtes" Denken gefordert. Allerdings war die Aufteilung nutzlos für das Verständnis des Hirns, da keine Hemisphäre mentale Funktionen als solche beherbergt, sondern komplexe Funktionssysteme unterstützt, die allen unsern mentalen Fähigkeiten zugrunde liegen. Die grobe Vereinfachung wird hier der Realität genau so wenig gerecht, wie die banal-dämliche Aufteilung der Politik in links und rechts.
Es passiert praktisch nie, dass durch Hirnläsionen das gesamte Gedächtnis
beeinträchtigt wird. Das Gedächtnis besteht aus vielen "Aktenschränken" ...
Das Gedächtnis selbst ist kein einheitliches Speichermedium. Zumindest müssen RAM und Harddisk unterschieden werden, hier Kurzzeitgedächtnis/Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis genannt.
Das RAM-Aequivalent führt aber dummerweise zu Missverständnissen, denn beim Menschen umfasst das Kurzzeitgedächtnis effektiv nur 7 (+- 2) Einheiten, die man sich merken kann ... weshalb es sinnlos ist, mehr Links auf einer Webseite als Portal anzubieten, da die meisten beim ersten Click schon wieder weg sind (falls sie überhaupt zur Kenntnis genommen wurden).
Dann gibt es aber noch einen andern Typ von Kurzeitgedächtnis, ein Puffer, in dem die Informationen für einige Zeit gespeichert bleiben, aber bei Nichtgebrauch nach und nach verschwinden. Dieser wird nach der alten Theorie allerdings dem Langzeitgedächtnis zugeordnet (artikulatorische Schleife), das vor wenigen Sekunden beginnt. Dieser Puffer gehört zu unserem erweiterten Bewusstsein. Hier etwa wird das sog. "Prüfungswissen" durch Büffeln gespeichert ... und es entfleucht daraus, ev. getrieben von ein paar Sieges- oder Verdrussbierchen, sobald die Prüfungen vorbei sind.
Das früher übliche Modell des Kurzzeitgedächtnisses wurde in den letzten 25 Jahren durch das Modell Arbeitsgedächtnis abgelöst, das folgende drei Systeme beinhaltet:
Ribots Gesetz des Zeitgradienten: Frische Erinnerungen sind die anfälligsten, die alten um so stabiler je älter sie sind. Die ältesten Erinnerungen sind die widerstandsfähigsten - Auch wenn sie nicht mehr bewusst da sind, dienen sie oft als Schablonen, nach denen neue Informationen klassiert, sortiert und beurteilt werden. Geschieht dies dauernd und unbewusst, produziert dies je länger desto mehr unangebrachte Reaktionen, und wird zum Arbeitsgebiet für Psychoanalytiker. Bei jedem Umkopieren hinterlassen sie Spuren, bei jeder Nutzung werden sie tiefer eingeprägt - was im Extremfall eben zu Altersstarrsinn führt, in dem Wissen zementiert und Lernen unmöglich ist. (s. strukturänderndes Lernen).
Und noch zwei wichtige Punkte für alle, die ab und zu lernen müssen oder wollen
Weitere Gedächtnistypen
und die zugehörigen Intelligenztypen:
Das charakteristische Merkmal des episodischen Gedächtnisses ist seine Bewusstheit - die immer in Verbindung mit Emotionen steht, da Bewusst sein an das Gefühl gebunden ist: Wie fühlte sich diese oder jene Begebenheit, Entdeckung, Tat an. Man müsste von daher eigentlich Descartes korrigieren, anstatt ich denke, also bin ich, sagen: Ich weiss dass ich fühle - also bin ich. Ich kann meine Gefühle in gute und schlechte unterteilen und bewusst bewerten.
Einige spezifische "Gedächtnisstörungen":
Verletzungen des Hippokampus führen dazu, dass man sich an Vorgänge nach der Erkrankung oder Verletzung nicht erinnern kann. (s. Hirnquetschung: Gott sei Dank reversibel. Alzheimer: setzt bei Hippokampus ein, greift aber auch übrige Hirnstrukturen an.).
Basisemotionen sind für das Überleben unverzichtbar:
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Platon
unterteilt die Seele in
drei Teile, von denen nur die Vernunftseele unsterblich sei:
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Das Such-System wurde lange Zeit als Belohnungs-System bezeichnet. Es drückt sich aus als Neugierde, Interesse und Erwartungen, dem Gefühl, dass etwas Gutes geschehen werde, wenn wir die Umwelt erforschen (Frauen gehen stundenlang shoppen) oder mit Objekten interagieren (Männer basteln, vorzugsweise an Motoren herum). Dieser Trieb hält die Medien in Gang, was allerdings auch zeigt, wie unspezifisch er ist und wie leicht er umgebaut werden kann zu einer Plattform für Marketing - womit die natürlichen Interessen der Menschen, die beileibe nicht alle auf Geld ausgerichtet sind oder besser waren, total verkrüppelt werden.
Traditionell ging es dem Such-System um Befriedigung der Appetenz, also Hunger, Durst, Sex - also ganz banal ausgedrückt um Wurst, Bier und Tussi. Die kleine Leere die da noch bleibt, wird mit Fussball (Zusehen) gefüllt. (Bei den Männern natürlich. Bei Frauen scheint das etwas komplexer zu sein ... Schuhe, Schuhe, Schuhe, Kleider, Kleider, Selbsterfüllung ... und jema(n)nd der dafür bezahlt).
Das Suchsystem wird über eine Reihe von Bedürfnisdetektoren im Hypothalamus aktiviert: Körpertemperatur, Durst, Hunger, Sex. Diese können allerdings auch durch perzeptuelle und kognitive Eindrücke aktiviert werden. ... was längst intensiv durch die Werbung ausgenutzt wird. Wirtschaftliche "Innovation" besteht längst vor allem darin, neue Bedürfnisse zu wecken - und seien sie noch so überflüssig - und dadurch neue "Produkte" erst möglich zu machen. (s. Moderne Ökonomie: Umgang mit Knappheit oder mit Überschuss, Überfluss und Überdruss?)
Das Lust-Subsystem ist ein Belohnungs- oder Verstärkungsmechanismus der auf - Befriedigung der Bedürfnisse - drängt. Er wird über Endorphine gesteuert. Es ist Vernetzt mit dem Gyrus cinguli und Rindenfeldern im Frontallappen, wie der Amygdala im Schläfenlappen. Das Suchsystem andererseits wird über Dopamin reguliert.
| Etwas ganz anderes ist aber die Lust durch Spiel.
Insbesondere Menschenbabies müssen spielen können! Wird das Spielverhalten
unterdrückt, kommt der Drang automatisch später wieder hoch - also Vorsicht mit
zu viel dressurorientierten Schulstunden bereits in frühster Jugend! Die landen
sonst alle an der Börse ... Auch die zunehmend epidemische Verbreitung der Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen werden zum Teil darauf zurückgeführt, dass Kinder zu wenig Gelegenheit finden, um sich beim Spielen, auch harten Spielen, auszutoben und zu erproben. |
Bei direkter Anregung der Endorphinausschüttung durch Elektroden entscheiden sich die Probanden (normalerweise Mäuse, Ratten etc.) meist für die Selbststimulierung, ohne den Umweg über Nahrungszufuhr, Trinken oder Vögeln, was dazu führt, dass sie rasch an Gewicht verlieren. Das Suchtverhalten, also die Umgehung notwendiger Suchstrategien durch direkte Zufuhr von Drogen, d.h. das Lahmlegen des Belohungssystems, ist die eigentliche Ursache von Drogensucht.
Die Erzeugung von Lust um der Lust willen erfüllt biologisch keinen Sinn. Die direkte Anregung des Such-Systems durch Kokain oder Amphetamine, die künstlich positive Erwartungen erzeugt, oder Heroin und andere Opiate, die die Lustzentren direkt stimulieren, schliessen den Geist quasi kurz, verhindern Suchen und Lernen.
Die "Bewusstseinserweiterung" durch Halluzinogene, die von der Beatgeneration und den Hippies gepredigt wurde, ist eine eher hiern-intern-theatralische und produziert, wie der Name dieser Gifte ja richtigerweise sagt, ausser Halluzinationen echt nicht viel. Bewusstseinserweiterung durch Drogen ist bullshit, denn diese produzieren weder echte Einsichten noch echte Gefühle, die mit den eben so unechten "Erfahrungen" im Drogenrausch verknüpft werden.
Noch ärger aber als die Selbststimulierung ist die Tatsache, dass das Such-Zentrum längst von der Suche nach Geldvermehrung beherrscht wird, zumindest bei den einen, bei den andern ist es die permanente Suche nach einem Job. Wo Geld aber das Interessens-Zentrum des Geistes usurpiert hat, ist der Geist im Arsch - eine Situation die längst zur Normalität geworden ist.
Des weitern wird das Suchsystem, das Interesse, vor allem in Mitleidenschaft gezogen durch seinen grössten Antagonisten, der, nein, nicht das Desinteresse oder die Ignoranz ist, sondern die Unterhaltung. Erlebnisgastronomie, Erlebnisdidaktik, Erlebnisuni, Erlebnisumwelt, Erlebnisarmut ... Das alles hilft sicher gegen Langeweile und Passivität, ersetzt aber die ureigentliche Funktion des Interesses, das Suchen nach Neuem, durch mehr oder minder passives, flaues, an Konsum orientiertes Erleben. (s. Kulturwandel durch Unterhaltung? Die EVENTualisierung der Nachhaltigkeit )
Vergleichen wir Solms/Turnbulls Basisemotinen mit denen nach Plutchik (s. Psychologie: Emotionen), entdecken wir ein paar interessante Unterschiede:
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5 Aspekte der 8 Grundemotionen von Plutchik |
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| Gefühl | Reiz | Erkenntnis daraus | Verhalten | Wirkung |
| Furcht (Angst - Panik) | Bedrohung | Gefahr | Davonlaufen | Schutz. Diese basale Emotion trachtet nach der Vermeidung von Angst und Schmerzen. |
| Zorn (Aerger, Wut) | Hindernis | Feind | Beissen, Schlagen | Vernichtung, Distanz schaffen. Ärger ist eine primäre Emotion. |
| Ekstase (Freude, Vergnügen) | potentieller Sexualpartner | Besitzen | Werben, Paaren | Drang nach Fortpflanzung - eine primäre Emotion |
| Kummer (Schwermut, Gram, Traurigkeit) | Verlust einer geschätzten Person | Verlassenheit | Weinen | Wiedervereinigung |
| Billigung (Vertrauen) | Gruppenmitglied | Freund | Pflegeverhalten, Teilen | sich anschliessen |
| Abscheu (Ekel - Langeweile) | abstossendes Objekt | Gift | Erbrechen, Wegstossen | Ablehnen: Diese primäre Emotion ist die Umkehrung der Einverleibung, der Inkorporation |
| Neugierde (Erwartung) | neues Territorium | Was ist da draussen? | Untersuchen, Kartieren, Organisieren | Erkunden, erforschen, beobachten |
| Erstaunen (Überraschung) | unerwartetes Objekt | Was ist das? | Anhalten, Alarmieren | Orientierung |
Neuromodulatoren modulieren Aktivitäten in Reaktion auf den Zustand des Körpers auf relativ globale Weise, durch Veränderung des Stimmungs-, Aufmerksamkeits- und Wachheitszustandes.
Neuromodulatoren/Neurotransmitter:
4.2.2 Wut - Zorn - gerechter Zorn
Wut und Ärger werden durch Frustration aktiviert, also durch Vereitelung zielgerichteten Verhaltens. Sie ist verwandt mit der Aggression, aber nur mit dem Aggressionstyp heisse Aggression, also Angriff, Kampf.
Die kalte Aggression geht dagegen eher mit Beutejagdverhalten einher und hängt daher eher mit Bedürfnisbefriedigung zusammen.
Die dritte Form des Aggressionsverhaltens, das männliche Dominanzverhalten, dürfte Folge des bei allen Tieren zu beobachtenden Balzverhaltens sein - und zugleich Ursache des heute allseits gelobten Wettbewerbsstrebens.
Da das Spiel um die Macht auf reinem Dominanzverhalten basiert ... was offenbar ein primär männliches Verhalten ist, ist es eben so logisch, dass diejenigen, die sich daran nicht beteiligen, also die Frauen, auch nicht an Machtpositionen gelangen. Wird hier Gleichberechtigung verlangt, so bedeutet das entweder, das Positionen, die sonst durch Kampf erworben werden, eher verschenkt werden ... oder, was vermutlich geschickter wäre, dass mal über Sinn, Zweck, Effizienz von Wettbewerb um Macht nachgedacht wird. Es gäbe auch andere Lösungen ...
Das Dominanzverhalten hat unterschiedliche Arten, wie es geprägt wird: Wettbewerb mit dem Nachbarn, wer hat das schönere und grössere Haus, den schönern Garten, das neuste und teuerste Auto etc. Wettbewerb an der Arbeit: Wer hat das Sagen in der Gruppe, mit wem redet der Chef meist, Wettbewerb um Lohn durch bessere Bildung ... denkste, da wirken andere Mechanismen (s. Bildungsillusion)
Das Dominanzverhalten macht die Besessenheit unserer Gesellschaft mit Besitz verständlich. Alles was erworben wurde ohne direkt gegen ein bestehendes Gesetz zu verstossen, soll legaler Besitz sein - so das liberale Idee betr. Verteilungsgerechtigkeit. Diebstahl macht Eigentum - die Umkehrung von Proudhons "Eigentum ist Diebstahl - gilt heute. Das macht absolut verständlich, warum konservative Parteien, die Parteien der Eigentümer, der Besitzer, der Habenden (inklusive vieler untertäniger Möchtegerne) eine solche Aversion gegen Staat und Gesetze haben - mit Ausnahme natürlich der der staatlichen Strukturen und Gesetze, die ihr Eigentum schützen.
Das macht auch verständlicher, warum die Bauern immer streitbare Gesellen waren und sinn. Als Selbstversorger können sie zwar mehr produzieren und sich des Marktsystems bedienen - sie können's aber auch lassen, was für die dann unterversorgten grosse Sorge bedeutet. Folgerichtig wurde das Land mit der Christianisierung von der Kirche beschlagnahmt (im Namen Gottes natürlich, nicht der Priester ...) - und die Bauern zu Untertanen. Da die Kirche selbst Schutz bedurfte (all zu viele Schlägertruppen konnte und wollte sie sich nicht leisten) vergab sie Land als Lehen an die Fürsten, welche dann die Drecksarbeit der Unterdrückung und Ausbeutung übernahmen. Mit dem Aufkommen des Kapitalismus wurde das System eleganter, kam ohne direkte persönliche Unterwerfung, also Sklaverei aus ... indem es die Bauern zu Zinssklaven machte, nachdem ihr Land wieder in die Hände von Fürsten oder Staaten gelangt war - oder sie den Bodenpreis über Generationen abarbeiten mussten. (Übles Beispiel Russland, wo der Boden 1860 an die Bauern verteilt wurde, wofür sie allerdings für 49 Jahre einen Grossteil ihrer Erträge abliefern mussten. 57 Jahre später, also grad mal 8 Jahre, nachdem sie ihre Schulden abgestottert hatten, wurde das Land dann verstaatlicht. Es wundert so wenig, dass der Geist des Kapitalismus in Russland deutlich als Ungeist auftritt.)
4.2.3 Furcht - Angst
Das Furcht-Angst-System ist eine überlebenssichere Basisemotion, da es instinktiv, reflexartig Reaktion auslöst, die Flucht.
Furcht-Angst zur Motivation politischer Meinungen genutzt, oder zur Motivation von Mitarbeitern, erzeugt also bloss (zwangsneurotische) Reaktionen - aber kein bedachtes Handeln.
Das Angst-System operiert mit stereoiden (Glukokortikoide).
Das Angst-System erzeugt die meisten psychischen Probleme, denn eine ganze Gattung psychischer Störungen, die Neurosen, basieren auf fehlerhafter, falsch geprägter, Angst-Orientierung die übermässige Hemmungen auslöst. Obwohl Hemmungen mit eine der Eigenarten sind, die den Menschen zu Menschen machen, können auch diese störend ausgeprägt sein, insbesondere wenn sie zwanghaft werden.
4.2.4 Panik
Das Panik-System entsteht durch das (kindliche) Gefühl des Verlassen-Werdens, wird also auch als Verlassenheits-Panik beschrieben. Für Kinder war dies überlebenswichtig, da sie ohne Mutter nie überleben, also rechtzeitig Alarm schlagen müssen, bevor sie verloren gehen. Dieses System wird wieder anders gesteuert, nämlich über endogene Opioide, Oxytzin und Prolaktin - was den Zusammenhang zwischen Panik und Bemutterungsverhalten zeigt. Diese Opioide vermindern, genau wie Morphine, das Schmerzgefühl. Die Trennung von einem Liebesobjekt intensiviert die Aktivierung des Panik-Systems, das die Wirkung der Opioide in diesem Hirnbereich reduziert. Deshalb werden Trennung und Verlust als schmerzhaft empfunden. Jungtiere lernen so recht rasch, in der Nähe der Mutter zu bleiben.
Das System beeinflusst aber das Verhalten der Mutter nicht weniger als dasjenige der Kinder. Eine erhöhte Ausschüttung in der Zeit der Geburt erleichtert die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Der Einfluss ist so stark ,dass die reellen Geburtsschmerzen so übertönt werden.
Dieses System ist überaus aktiv bei autistischen Kindern - die so wenig Anlass sehen, sich an irgend jemand oder irgend etwas zu binden.
Suchen, Wut, Furcht, Panik - diese Verhaltensmechanismen sind zwar fest vorhanden bei allen Menschen, aber die Ausprägung in der Persönlichkeit ist nicht genetisch festgelegt (Forscher, Mörder, Buchhalter, Feigling), sondern wird durch Lernmechanismen beeinflusst. Zum Schutz des Überlebens sind Fluchtmechanismen fest verdrahtet und findet instinktiv statt, da hier die Entscheidung (Löwe in Sicht! Wegrennen, sich verstecken - oder diskutieren?) schneller fallen muss als ein bewusstes Nach-Denken erlaubt. Obwohl der bedachte Reflex, verstecken, oder auf einen Baum klettern, vermutlich geschickter wäre als wegrennen, denn Löwen rennen schneller als Menschen).
Diese schnelle Reaktion kann zwar nachher nochmals überdacht werden, schliesst aber im Moment das kortikale Bewusstsein, als Wertung und Kontrolle, völlig aus. Da solche Reaktionen oft in frühester Kindheit geprägt wurden ("verdrahtet"), lässt sich bewusst oft kaum mehr feststellen, warum gewisse Dinge oder Vorgänge bei einzelnen Personen Angst auslösen. Das ist dann das Feld der Psychoanalyse.
Interessant ist, dass in den Grundemotionen weder Liebe noch Hass, weder Freundschaft noch Feindschaft, weder nachbarschaftliche Zuwendung noch Wettbewerb vorkommen - mit Ausnahme des Strebens nach Dominanz. Die Grundlage der Liebe, theoretisches Fundament des Christentums, scheint vor allem in der Angst vor dem Verlassen werden zu bestehen. Bei den Griechen war das noch anders, da erzeugten die Götter Psyche und Eros/Amor die Tochter Voluptas (Wohllust/Vergnügen).
Die Liebe kommt hier eindeutig zu kurz. Denn sie ist in der Natur (beim Menschen bin ich mir da nicht ganz so sicher ....) ein starker Faktor. Eines der eindrücklichsten Beispiele dafür ist das Brutverhalten der Kaiserpinguine (womit der biologische Sinn hinter der Liebe klar sein dürfte ...). Die Kaiserpinguine wandern auf dem Packeis über 100 km landeinwärts, damit sie sicher sind, dass ihr Brutplatz ihnen nicht unter dem A... weg schmilzt. Im kältesten Winter, bei stürmischer Bise und bei minus 50°C, legen sie die Eier und brüten sie aus. D.h. die Weibchen legen die Eier - verzapfen sich ans Meer um ihre Fettvorräte wieder aufzubauen, und die Männchen stehen in klirrender Kälte 64 Tage lang rum, immer das Ei auf den Füssen, in der Wärme der Bauchfalte. Wenn die Weibchen zurückkommen (min. 2 x 100 km im Pinguinwatschelgang) wird abgewechselt, und die Männchen gehen ans Meer um sich satt zu essen. Je grösser und hungriger die Jungen werden, desto näher kommt auch das Meer, da das Packeis abschmilzt. Dieses Jahrtausende alte Verhalten wird dennoch riskant, wenn die Eisschmelze, der globalen Erwärmung wegen, unberechenbar wird.
Auch Vertrauen wird hier nicht als Basisemotion gewertet, sondern bloss als Absenz von Furcht und Panik. Der Grund dafür, Vertrauen nicht als Basisemotion zu betrachten könnte auch darin liegen, dass es quer über alle Basisemotionen hinweg definiert wird. Einerseits als Gegenteil, Abwesenheit der Grundemotionen Wut, Furcht und Panik, andererseits, betreffend des Suchsystems, kann Vertrauen erst erwachsen, wenn das Suchsystem zuverlässig arbeitet, also verlässliche Prognosen erlaubt - was die heutige Vorherrschaft natur-wissenschaftlichen Denkens sehr gut erklärt.
Es steht zu vermuten, dass diese negative Auswahl ein Zeichen der "deformation professionelle" ist, denn die meisten Psychologen beschäftigen sich ja erst mit dem Geist, der Persönlichkeit, dem Charakter, wenn der in der Welt nicht mehr zurecht kommt - und als gestört bezeichnet wird, präzise wie bei der wiki-Präsentation von Charaktertypen:
Das Wort Charakter stammt von dem griechischen Wort χαρακτήρ (sprich: charaktér) ab und bezeichnete ursprünglich den Prägestempel für Münzen und Siegel sowie die Prägung selbst. Im Übertragenen Sinne benennt der Charakter das Erkennungs-Merkmal/Charakteristikum einer Person oder eines Gegenstandes. Weitere Bedeutungen sind die Ausprägung einer Persönlichkeit, die durch angeborene und anerzogene Eigenschaften gebildet wird [s. Charaktertypen]:
http://de.wikipedia.org/wiki/Charaktertypen
Präzise das Selbe gilt für das Modell des Menschen, den sich die Wirtschaft wünscht. Der Homo oeconomicus, beschrieben als rational entscheidend auf Grund von Preisen, ist ein selbstsüchtiger, egozentrischer, klein kartierter Buchhalter der keine Werte kennt sondern nur Preise. Gestalten wir die Welt nach dem Modell, müssen wir uns nicht wundern, dass sie so ist wie sie ist. Der christliche Versuch, Liebe zur herrschenden Emotion zu machen, ist gescheitert *. Positive Charaktereigenschaften wurden von der neuen Kriegerkaste, den Geldjägern, lächerlich gemacht. Der narzistische und insbesondere der zwanghafte Charakter herrschen, beherrschen uns mit ökonomischen Sachzwängen.
Um nicht einseitig zu sein ... der islamisch-arabische Versuch (wie der Kommunistische), den Nachbarn (stellvertretend für die Gemeinde, den Stamm, die Gemeinschaft) wichtiger zu nehmen als sich selbst, ebenfalls: Zuerst der Nachbar - dann das Haus.
Wir hätten hier nun bereits eine ganze Menge an Charakterisierungen dessen, was den Menschen aus dem Innersten heraus steuert: Angst (Furcht, Kummer, Depression, Panik ...), Zorn, Zwang, Abcheu <> Exstase, Liebe (Vertrauen, Zuneigung), Interessen (Erstaunen, Neugierde, Erwartungen, ... ). Das zeigt uns ein paar Probleme. Sobald sich eine dieser Steuerhebel verwissenschaftlich wird, wird er auch zugleich isoliert:
Die Sache liegt aber offenbar doch komplizierter, was in dem Falle eindeutig erfreulich ist. Wir müssen uns, um einen vollständigen Ueberblick betr. der potentiellen Steuermechanismen zu erhalten, also mit der Motivations- und Triebtheorie beschäftigen. Die Triebtheorie basiert vor allem auf Freud und wird heute kaum mehr verwendet ... es sei denn in der Trivialliteratur und von Hobbypsychologen. Daraus entstand das Konzept, mit dem leider heute noch hausiert wird, von Analphase, Oralphase. Freuds Lust- oder Libidoprinzip muss heute anders gefasst werden, eben präzise als positive oder negative Bewertung von Eindrücken durch Emotionen, also das, was was der Nucleus accumbens per Endorphinschub bewirkt.
Triebtheorie:
Entwicklungsphasen mit ihren spezifischen Belohnungssystemen:
Oralphase: Säuglings- und Kleinkindsalter bis zum zweiten Lebensjahr. Sie stellt die primitivste Stufe der psychosexuellen Entwicklung dar, in welcher der Mund als primäre Quelle der Befriedigung dient. Hierbei wird das Urvertrauen aufgebaut (im besonderen Maße zur Mutter). Störungen in den ersten vier Wochen dieser Phase (intentionale Phase) können zu einer schizoiden Persönlichkeitsstörung führen. Störungen nach der intentionalen Phase können zu einer abhängigen Persönlichkeitsstörung führen.
Narzisstische Phase: Das Kind entdeckt den eigenen Körper und entwickelt dabei Lustgefühle (Autoerotismus). Dieses Verhalten ist die Urform der Selbstliebe (Primärer Narzissmus). Störungen in dieser Phase können im Erwachsenenalter zu Verminderung des Selbstvertrauens und der Selbstachtung im Extremfall zu Depression führen.
anale Phase (von lat. anus: der After), die sich etwa vom zweiten bis zum dritten Lebensjahr vollzieht, erlangt das Kind zuerst durch das Ausscheiden von Exkrementen (Defäkation) und anschließend durch deren Zurückhaltung Befriedigung. Diese Phase trägt zur Reinlichkeitserziehung, zum Erlernen des sozialen Miteinanders, zur Konfliktfähigkeit und zur späteren Über-Ich-Entwicklung bei. Ungelöste Probleme können unter Umständen zur Herausbildung eines so genannten „analen Charakters“ führen, der durch Geiz, Pedanterie und übertriebenen Ordnungssinn gekennzeichnet sei (siehe auch zwanghafte Persönlichkeitsstörung).
phallischen oder ödipalen Phase (von. griech. phallos: das männliche Glied), die etwa vom dritten bis zum fünften Lebensjahr dauert, richtet sich der Großteil der Aufmerksamkeit auf die Erforschung des eigenen Körpers, sowie das Anfassen und Stimulieren des Penis oder der Klitoris. Das Kind identifiziert sich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, was zum Erwerb der jeweiligen Geschlechterrolle führt.
Vom fünften bis zum elften Lebensjahr erfolgt in der Latenzperiode (von lat. latere: verborgen sein) die Befriedigung durch das Erlangen von Fähigkeiten und der Erkundung der Umwelt. Das Kind wird fähig, auf Lustbefriedigung zu verzichten, sie auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben oder in andere Energie, wie zum Beispiel in sachliches Interesse, umzusetzen (Sublimierung). Kulturelle Werte werden von Vorbildern übernommen (Lehrer, Nachbarn, Bekannte, Klubleiter, Trainer) und kognitive Fähigkeiten erworben. Die Schule und das Spielen mit Geschlechtsgenossen nimmt an Bedeutung zu, während die Sexualität verdrängt wird. Sexuelle Energie wird zwar produziert, jedoch in soziale Beziehungen und in den Aufbau einer Abwehr gegen die Sexualität kanalisiert.
Die genitale Phase (von lat. gens, gentis: das Geschlecht), etwa ab dem 11. Lebensjahr. Sexualität tritt in den Dienst der zwischenmenschlichen Partnerschaft. Damit ist sie nicht mehr nur eine Funktion, die man für etwas einsetzen kann – zur Lustbefriedigung oder Kinderzeugung –, sondern eine wichtige Form sozialer Interaktion und Kommunikation.
In der Regel hat das Kind dabei zu lernen, seine Triebwünsche zugunsten des Realitätsprinzips zurückzustellen.
Motivationstheorie:
Motivation ist der (rationale oder irrationale, vernünftige oder absurde) Grund, der eine Bereitschaft zum Handeln erzeugt. (Ich erachte hier die Fomulierung unter Wicki als falsch, die von Verhalten redet, denn Verhalten ist kausal bedingt, also unfrei, mechanisch, also nicht das, was dem Menschen möglich ist, nämlich Handeln auf Grund freier Wahl, Bewertung und Entscheidung. Motive sind auf ein Ziel gerichtet, also nicht kausal, sondern final. Und gerade hier begründet sich ein enorm wichtiger Unterschied zu den kausal bedingten Naturwissenschaften, eben die freie Wahl der Ziele, Zwecke und Wege, die der Mensch verfolgen will.
Ursprüngliche, primäre "Motive" (und nur die lassen sich als "synonym" erklären mit Motiv. Ein weiterer Fehler bei Wiki) sind Hunger und Durst, gefolgt vom Trieb Kälte und Hitze und andere unangenehme Umwelteinflüsse zu vermeiden, gefolgt vom Bindungs- und Herdentrieb, da insbesondere das Neugeborene sonst keinerlei Ueberlebenschancen hätte.
Empirisch am besten erforscht sind allerdings die sekundären Motive wie das Leistungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv - wobei letzteres eindeutig auf einem primären aufbaut.
Das Leistungsmotiv ist ein Bedürnis, ein gegebene Mass an Produktivität zu erreichen oder zu übertreffen (McClelland: Sich mit einem Tüchtigkeitsmassstab auseinandersetzen. Atkinso: mit Erwartungswerten).
Das Machtmotiv ist das Bedürfnis, Einfluss auf andere Menschen auszuüben, und
Das Anschlussmotiv als ein Bedürfnis nach positiven sozialen Beziehungen.
Wir sehen, dass zwei Motive Wettbewerb begründen, eines sozialen Ausgleich und Gerechtigkeit. Das Leistungsmotiv kann nur so lange als Antrieb (Motiv) dienen, als die Erfolgsquote, also zumindest das Erreichen des Normallmasses, höher ist als die Quote des Scheiterns. Wo die Kirschen zu hoch hängen, sind sie dem Fuchs zu sauer.
[Kurzantwort: Bei Männern häufig eine Frau, bei Frauen ein Mann - in Abhängigkeit von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit - sowie der dauernd reinquasselnde Geldtrieb und die Situation am Arbeitsplatz]
Unser Verstand kann als ein Stab von Experten angesehen werden, dess sich das verhaltenssteuernde limbische System bedient. Die eigentlichen Entscheider, die unsre Handlungen "freischalten", sitzen demnach im Zwischenhirn. Sie sind Experten für Erfahrungen und Emotionen, Sachwalter im Reich der Gefühle, selbst man sie nichts verstehen von komplizierten Ueberlegungen und Abwägungen. Trotzdem entscheidet allein das limbische System darüber, was wir am Ende tun, nämlich einzig das, was als "emotional akzeptabel" betrachtet wird. [S. 322]
Die starke, aber letztlich doch wechselseitige Abhängigkeit von Verstand und Gefühl erkärt, warum Menschen sich auf so wunderbare Weise nicht vorhersagbar benehmen. [S. 324]
[Richard David Precht: Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Goldmann. München. 2007]
Diese Vielfalt an hormonell verursachten Gefühlen trainiert das hochkomplexe neuronale Netz, das wir Gehirn nennen.
Glück, Unglück, Stress, Freude, Lust, Unlust, .... normalerweise zu Gunsten des positiven, ausser bei Umkehrung durch neurotische Störung: Lust an Strafe, Lust an Stress, Lust am Versagen, Lust am Untergang, kurzum Masochismus. Verknüpfung von Körperstrafen während der Pubertät mit Lusterlebnissen und ähnliche Grundlagen.
Die Psychologie beschreibt nun ihrerseits diese Vorgänge aus der Perspektive des Resultats, der Prägung (Konditionierung): Ereignisse oder Dinge die mit einem negativen Gefühl behaftet registriert sind, werden eher gemieden, diejenigen Aktivitäten die Lust schaffen werden gesucht.
Die Werbung bedient sich dieser Steuerungsmechanik (= Kybernetik des Geistes) intensiv indem sie Erwartungen, Hoffnungen, Träume verkauft. Ein Stück Seife dient ja längst nicht mehr der Reinigung, sondern verschafft Jugend, Frische, Abenteuer ...etcblablabla. Andere Güter verschaffen Ansehen und Status, andere, modische, sind quasi Sachzwang, wenn man dazu gehören will. Das Strafgesetz benutzt die selbe Steuerung, meist aber nur die straffende Seite. Die belohnende fehlt:
Psychologie und Psychoanalyse nutzen also bloss die Funktionsweise des Hirns, um die Psyche von problematischen Prägungen zu befreien - oder, im Falle von Werbung, wirtschaftlicher und politischer Psychostrategien, die Gehirne mit dem erwünschten Geiste zu imprägnieren.
Nicht (nur) die Verdrahtung des Gehirns verursacht Unfreiheit des Menschen (mit Ausnahme der Zwangsneurosen), sondern unterschiedlichste Prägungen. Hier bereits wird auch klar, wie stark die Bedeutung der Gruppe ist (s. Gruppendynamik), was Wertung betrifft, was Vermittlung guter oder schlechter Gefühle betrifft. Empfindet der Einzelne etwas als erfreulich (Schwul sein, links sein, Radfahren oder Offroader fahren ...), die ganze Gruppe aber als igitigit, wird er sich damit nicht mehr befassen, zumindest nicht in der Öffentlichkeit dieser Gruppe. Die Gruppe prägt mit, insbesondere natürlich die Familie, die Schule, die Nachbarschaft (früher zumindest, in ländlicher Umgebung) und der Arbeitsplatz. Dominant ist die Prägung durch den Betrieb auch, weil hier die gewichtigste Verbindung mit dem Geld-Belohnungssystem besteht, also am meisten Möglichkeiten der Prägung vorhanden sind. Diese Prägungen sind mit Sicherheit weitaus stärker als die durch Medien, die erst prägend werden, wenn sie Massen beeinflussen und Lemminge kreieren (s. Bush, die US-Presse und der Irakkrieg).
Die wichtigsten Prägestempel sind Familie und andere emotional nahe Partnerschaftsformen, Kultur, Tradition, Gemeinde-Staat, Schule, Aus-Bildung, Arbeit.
Da Dominanz eine Angelegenheit ist zwischen Personen, überlegenen und unterlegenen, nehmen sich diejenigen, die sich eher als dominierte ansehen, die dominierenden zum Vorbild ... und benehmen sich dann eben als die selben Arschlöcher, wenn sie in entsprechender Position sind. Da Geld und Besitz unsere westliche "Kultur", ja bald weltweit alle "Kulturen" dominant prägt, wird auch die Elite von der früheren herrschenden Geistes- (Priester, Philosophen) und Machtelite (Krieger) zur Geldelite. Die Plutokratie herrscht - setzt also das Vorbild, dem nachzustreben ist: s. Die goldene Horde.
Nichts zeigt deutlicher wie die Sache mit der sozialen Dressur funktioniert, als die Ausrichtung der Massen auf die Elite. Trotz politisch unterschiedlicher Ausrichtung, übernimmt das breite Volk die Normen, die ihnen Die Exklusiven, die Traditionslinie von Macht und Besitz, das Milieu der wirtschaftlichen und hoheitlichen Funktionseliten vorgibt, namentlich:
Die Ausrichtung der breiten Bevölkerung auf diese "Elite" ist ein Effekt der An-Passung. In unserer doch recht darwinistischen Gesellschaft gilt das survival of the fittest - was weder den besten, noch den stärksten oder gar den intelligentesten meint, sondern den, der mit den herrschenden Verhältnissen am besten umgehen kann, der ihnen am besten angepasst ist, der, der am besten in die grosse Maschine passt (Vorzugsweise an exklusiver Stelle).
5.1 Geld hat längst die Steuerung des Geistes übernommen
Geld unterläuft nun, genau wie Drogen, dieses komplexe Steuerungssystem des Gehirns. Zufuhr von Geld führt, ohne Umweg, direkt zu Ausschüttung von Glückshormonen, also Opioiden und andern Endorphinen.
Geld usurpiert also das System gleichsam, da es alle Geschehnisse die mit Geldzufuhr verbunden sind, mit positiven Gefühlen verkleistert - alle die mit Geldverlust verbunden sind (Ausgaben, Kosten), durch sofortigen Drogenentzug, also Schmerzen, bestraft.
Kummer und Panik werden ausgelöst, wenn der Lohn nicht bis Ende Monat reicht, das Geld einen verlassen hat.
Abscheu, Ekel - oder zumindest profundes Desinteresse - erweckt alles, was dem Gelde feindlich gegenüber steht.
Auch rein potentielle Geldzufuhr wirkt ähnlich, da sie gleich Furcht auslöst. Man versucht vor den Ausgaben zu entfliehen. Schulden oder gar drohender Konkurs bewirken gleich Furcht und Panik.
Und sogar DER Urtrieb, DIE grundlegende Urmotivation, DAS SUCHVERHALTEN (= INTERESSE), wird total auf Geld ausgerichtet.
Gelderwerb ist alles - alles andere ist nichts.
Eine besondere Stellung kommt hier der aktiven Angst, der Wut zu die nicht auf Flucht oder Distanz drängt, sondern nach Angriff. Sie ist die Basis des Wettbewerbs ums liebe Geld. Unsere Gesellschaft ist also im wahrsten Sinne des Wortes, zwar nicht grad toll- ... aber geld- und besitzwütig.
Der Geldtrieb hat längst den früher (s. Freud) dominanten Sexualtrieb in Bedeutung und Wirkung ersetzt. Falls Oedipus den Vater erschlägt und die Mutter heiratet - tut er dies heute um der Erbschaft willen (oder weil er seine ach so liebe Mutter nicht enttäuschen darf: Oedipus rehabilitiert: Iokaste war auch mit dabei!).
Die Seele, ehemals interne moralische Orientierungs- und Kontrollinstanz, hat sich zwar nicht kaufen lassen, aber sie fusionierte mit dem Geldsystem, was enorme Einsparungen durch Synergien erlaubte, denn das ehemals recht komplexe Bewertungssystem (s. Wertekompass) konnte extrem vereinfacht und rationalisiert werden:
Der Betrieb steht hier im Zentrum, denn er ist die Städte, an der das Geld in reinster Form herrscht: Der Lohn bestimmt den Wert, den Rang, die Freiheit, die dem Menschen zugestanden wird. Die Position in der Gesellschaft entspricht meist der Position in der Firma - und damit dem entsprechenden Geld-Wert.
Dummerweise taugt dieses banale duale Bewertungssystem hier genau so viel wie in der Politik und der Hirnforschung, nämlich nichts.
Des weitern übersieht der Liberalismus, besonderes in seiner wieder geborenen Form, dem Neoliberalismus, dass die freie Marktwirtschaft, die auf Wettbewerb beruht, gerade darum nicht frei ist, da kein Wettbewerb zwischen gleichen herrscht, und insbesondere, da es nicht um die Erschaffung von Freiräumen geht, sondern um Dominanz. Das männliche Streben nach Dominanz und Vorherrschaft ist die Triebfeder der Wettbewerbswirtschaft. Wo einige dominieren, werden aber immer andere unterworfen - also unfrei. Das Konzept der auf Wettbewerb basierenden freien Marktwirtschaft ist also ein Oxymoron ... wie eine "liberale Diktatur".
Es wird also, nach der Emanzipation des Menschen durch die Demokratie von persönlicher Herrschaft in der Stammesorganisation und insbesondere der Sklaverei, wie von staatlicher Vorherrschaft , eine Befreiung nötig von der Herrschaft des Geldes. Besitz wie Geld sollen dienen - aber zur Zeit beherrschen sie die Besitzer selbst wie wie ihre Lohnsklaven.
Wenn Sie diese Frage weitergeben, wird die Antwort in den meisten Fällen lauten: Das sei eben so, dass sei die Natur, das sei wissenschaftlich erwiesen, dass etc. blablabla. Alles Mumpitz. Geld gibt es erst seit dem 7 JH b. C. Vorher wurden Gold, Silber, Muscheln und andere seltene Stoffe als Geldersatz genutzt. Papiergeld, also Geld ohne eigenen Wert, als reine Zahlungsversprechung, gibt es erst seit dem 9. JH in China. Die Chinesen, die übrigens auch das Pulver erfunden haben, das von Schwarz bloss kopiert wurde, waren also schon länger clevere Kerlchen .... In Europa wurde Papiergeld zum ersten Mal in Schweden genutzt, weil die Silbermünzen ausgingen. Als Zwischenstufe wichtig waren hier die Tratten oder Wechsel, die ebenfalls beglaubigte Zahlungsversprechungen darstellen. Also nix von wegen Naturgesetz - alles künstliche, kulturelle, vom Menschen geschaffene Konstruktionen. Die Natur und ihre Gesetze scheissen aufs Geld.
Ein weiteres Argument werden die lebenswichtigen wirtschaftlichen Funktionen des Geldes sein.
Und präzise da wurde ebenfalls der Bock zum Gärtner gemacht, denn Geld erfüllt marktwirtschaftlich seinen Zweck, die Wirtschaft in Gang zu halten, nur solange der Rubel rollt, also Güter für Geld - Arbeit für Geld und Geld für Güter im Kreislauf sind. Tut er dies nicht mehr, weil z.B. in einer Deflationsphase die Preise fallen, also heute niemand einkauft, weil morgen eh alles billiger ist, das Geld also als Wertspeicher beiseite gelegt wird, dann kommt der gesamte Wirtschaftskreislauf ins Stocken und die Passagiere (die Arbeitnehmer diesmal zuerst) landen auf der Strasse. Dass Geld zugleich Wertmassstab ist, aber bei Ausübung seiner Funktionen, sei es nun als Tauschmittel oder als Wertspeicher, den Wert dauernd ändert, nützt der Devisenmarkt um sich ein Scheibchen abzuschneiden.
Eine weitere Funktion, die hier nicht aufgeführt ist und die eigentlich immer verschwiegen wird, ist die des Geldes als Waffe und Herrschaftsmittel. Warum z.B. brauchte es den Euro? Um den Aufwand beim Geldwechseln zwischen den europäischen Ländern zu verringern? Bohnenblust. Was da heute alles an Mehrwert, Steuern, Ausgleichszahlungen etc. verrechnet werden muss, ist vermutlich ein vielfaches davon. Der Euro war und ist einzig und allein nötig, um dem Dollar paroli zu bieten. Die USA profitieren nämlich in ungebührlichem Masse davon, dass ihre Währung quasi Welthandelswährung ist. Sie können also, anders als "normale" Staaten, weitaus mehr Geld drucken und auf den Markt werfen, als ihre chronisch defizitäre Wirtschaft eigentlich erlauben würde - und die Seignorage einsacken. Optimaler wären mehrere Gelddypen, präziser 4 für die 4 verschiedenen Funktionen:
* Apropos Zinsfreiheit ... alleine die Idee, dass es eine zinsfreie Wirtschaft geben könnte, zeigt doch, wie absurd ein System ist, dass nur auf Geld, Zinsen, Wachstum und Profitsteigerung aufbaut. Die Idee der Zinsfreiheit sollte nicht einfach als absurd abgeschrieben werden, sondern vielmehr als Ausgangspunkt genommen für Ueberlegungen dazu: Was wollen wir eigentlich mit immer mehr Zins und Geld? Wofür leben wir? Ist der Mensch in die Welt gestellt, um Vermögen zu schaffen und zu mehren ... oder gab's da mal noch was anderes, was geistvolleres?
5.2 Hemmung / Gemüt / Duldsamkeit / Gelassenheit / Ausgeglichenheit / Besonnenheit / coolness - die Grundlage der Freiheit, nein zu sagen - aber auch Neurosen.
| Hemmige Text & Musik: Mani Matter S'git Lüt, die würden alletwäge nie Es Lied vorsinge, so win ig jitz hie Eis singen um kei Prys, nei bhüetis nei Wil si Hemmige hei Si wäre vilicht gärn im Grund gno fräch Und dänke, das syg ires grosse Päch Und s'laschtet uf ne win e schwäre Stei Dass si Hemmige hei I weis, das macht eim heiss, verschlat eim d'Stimm Doch dünkt eim mängisch o s'syg nüt so schlimm S'isch glych es Glück, o we mirs gar nid wei Das mir Hemmige hei Was unterscheidet d'Mönsche vom Schimpans S'isch nid die glatti Hut, dr fählend Schwanz Nid dass mir schlächter d'Böim ufchöme, nei Dass mir Hemmige hei Me stell sech d'Manne vor, wenns anders wär Und s'chäm es hübsches Meiteli derhär Jitz luege mir doch höchstens chly uf d'Bei Wil mir Hemmige hei Und we me gseht, was hütt dr Mönschheit droht So gseht me würklech schwarz, nid nume rot Und was me no cha hoffen isch alei Dass si Hemmige hei |
Einer der ersten und bekanntesten Fälle der Gehirnforschung ist Phineas Gage, dessen Frontallappen bei einer Sprengung von einer Stahlstange durchschossen wurde. Er hat mit guter Gesundheit überlebt, aber: Gage ist launisch, respektlos, flucht mitunter auf abscheulichste Weise (wie es früher nicht seine Art war), nimmt auf seine Mitmenschen keinerlei Rücksicht, toleriert weder Grenzsetzungen noch Ratschläge, die seinen Wünschen zuwiderlaufen, ist bisweilen halsstarrig und trotzig, gleichzeitig grillenhaft und unschlüssig, schmiedet vielerlei Zukunftspläne, die er sogleich wieder verwirft. Sein Wesen hat sich so radikal verändert, dass seine Freunde und Bekannten sagen, er sein <nicht mehr der Alte>. [S. 18]
Bei Schädigung des Frontallappens entsteht Getriebenheit, Suche nach Lust, die vor Gewalttätigkeit nicht zurückschreckt. Dieses Auslöschen der Ueber-Ich-Funktion geschieht auch bei gewissen Läsionen des Hypothalamus und bei Periventrikularstörungen
Positiver Effekt - Die Befreiung von sozialen Zwängen: Manche Patienten mit Tourette-Syndrom weisen eine geradezu atemberaubende Assoziationsgeschwindigkeit und Assoziationsfreiheit auf.
Hier, im Frontallappen, wird der Mensch zum Menschen, denn hier bremst er willentlich instinktives Verhalten, um seine Reaktion erst bewerten - und allenfalls modifizieren oder unterdrücken zu können. Die Hemmung ist also der erste Schritt zum Überlegen, Denken.
Eben so wichtig, und deutlich älter als der Frontallappen, ist allerdings der Parietallappen, zuständig für die Integration unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen, nötig um ein einfaches Konzept zu bilden (Ursache - Wirkung).
Unter neurowissenschaftlicher Perspektive ist der freie Wille der den Menschen vor andern Lebewesen auszeichnet vor allem die Fähigkeit der Hemmung (wie von Mani Matter schon längst besungen), also die Fähigkeit zu entscheiden, ob man etwas tut oder nicht . und NEIN zu sagen. (... was nun nicht bedeutet, dass Menschen oder Parteien die dauernd nein sagen, die höchste Stufe der Evolution darstellen). Diese Fähigkeit ist im Stirnlappen loziert, der uns also zum Mensch macht.
Viele, ja der grösste Teil dieser Wahrnehmungen und Bewertungen verlaufen unbewusst und automatisch, auch die Reaktionen werden automatisch ausgelöst, ohne Einflussmöglichkeit des Willens. Das sind die meist vegetativ gesteuerten Reaktionen. Falls in andern Bereichen "automatisch reagiert" wird, also Wiederholungszwang herrscht, ist das ein Fall für Psychoanalytiker, Philosophen oder Politiker.
Hemmung geht aber eben über das Nein hinaus. Entscheidungen werden nicht als Reaktion automatisch durchgelassen, sondern gebremst, verzögert - um sie erst bedenken zu können. Denken ist so imaginäres Handeln, das die Folgen der Aktion erst im Geiste durchspielt, bevor es die Handlung initiiert. Hemmung, nicht Spontaneität, ist also Grundlage des Denkens. Fehlt diese Fähigkeit (Hyperaktivität), oder ist sie zu stark ausgeprägt, kann das Aktionssystem nicht mehr erfolgreich gesteuert werden - was schon wieder dem Psychologen Arbeit verschafft.
Hemmungen, die Verzögerung und bewusste Bewertung der Reaktion, sind also die Basis der Fähigkeit des Menschen, frei zu entscheiden - nach bestem Wissen und Gewissen - dafür oder dagegen. Der Mensch kann immer nein sagen - ausser er sei unzurechnungsfähig.
Hemmungen sind, genau wie das Suchsystem, eine Veranlagung die sehr leicht durch politische oder wirtschaftliche Interessen umgebogen werden können. Eliten, mit Unterstützung der Kirche (Erbschuld, ewige Verdammnis, Erlösung nur durch die Kirche möglich), redeten und reden den untern Schichten, den Dienern, der Mehrheit jeder Herrengesellschaft, immer ein, dass ihr Verhalten nur dann gottgefällig sei, wenn sie ihre Begierden und Ansprüche zügeln, sich mit dem zufrieden geben, was ihnen von den weisen Führern zugestanden wird.
Hemmungen werden auch heute jedes Jahr wieder gefördert, wenn es um Lohnerhöhungen geht. Das ist einfach, denn entweder steckt man grad in einer Rezession, die ist grad vorbei - oder steht wieder vor der Tür. (Bei den Löhnen der Führungsschicht ist es anders, da man dort entweder grad sehr viel leisten muss, wegen der Rezession, eine Rezession grad überwunden hat ... durch enorme persönliche Leistungen, oder bald überwinden muss (was die Firma dazu zwingt, das Abspringen durch höhere Löhne zu verhindern.)
Alles eine Sache der Perspektive ....
Wenn auch noch so perfekt dressiert durch positive und negative Gefühle, bleibt das Hirn wandelbar, denn auch Gefühle sind lernfähig. d.h. aber auch, dass die fest verdrahteten Schaltungen aufgebrochen und neu verdrahtet werden können.
Was das Problem der Willensfreiheit betrifft, so dürfte es eher dadurch verursacht sein, dass Willensfreiheit eben einen Willen voraussetzt. Der Wille wiederum setzt ein Ich, eine Identität, ein Selbstbewusstsein voraus: Wer sich selbst nichts zutraut, der entwickelt sich auch nicht. Und wer seine innere Freiheit nach Sartres Vorstellungen im vollen Umfang ausleben will, der überfordert sich schnell selbst. [Precht]
Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet.
Wer kultiviert ist hat Geist. Wer Geist hat, hat Kultur.
Leider wurde im Zuge der Vermarktung der Kultur zu "Events" die Sache um einiges schwammiger. Wenn Sie sich heute in der Zeitung oder im Internet ansehen, was da so unter Kultur geboten ist, so ist es alles was Lärm macht, viele Leute bringt, worüber man in Insiderkreisen für andere unverständlich schwärmen kann, was kreativ tönt ... und sich gut und teuer verkaufen lässt. In der heutigen Realität scheint Kultur beschränkt auf Unterhaltung, die sich vielen und teuer verkaufen lässt. Massenveranstaltungen, Events genannt, in Sport (Fussball, Olympiade, Rennen) sind längst Milliardengeschäfte, die jahrelang vorbereitet werden müssen und die teuer verkauft werden - als Werbeplattform.
Das ist leider ein ziemlich bekloppter Begriff von Kultur, denn eigentlich wäre Kultur ein pfleglicher, nachhaltiger Umgang des Menschen mit seiner Umwelt. Immerhin war die erste Form von Kultur die Agri-Kultur. (Im Detail s. Die Bedeutung von Kultur für die Entwicklung)
Kultur
wäre also eigentlich die optimale Verbindung
zwischen Natur und Geist,
die
beiden Teil-Systemen optimale Entfaltung erlaubt.
Kultur wäre also im ursprünglichen Sinne, analog zur Funktion des Hirns, das gemeinschaftlich-geteilte Suchen nach einer Vermittlung zwischen der Innenwelt der Gesellschaft und deren Aussenwelt, der natürlichen Umwelt.
Zur Kultur gehört also insbesondere der "Modellbau" wie er stattfindet in Wissenschaft (Theoretisieren), Philosophie (Systematisieren) und Kunst - als Präsentation dessen, wie der Künstler gewisse Dinge sieht (Malerei, Plastik), empfindet (Literatur), hört (Musiker), riecht oder schmeckt (Kochkunst).
Kultur wäre also eigentlich die Kunst der optimalen Nutzung der Sinne und all dessen, was die (natürliche, soziale und kulturelle) Umwelt bietet - nicht der maximalen Erzielung von Einnahmen.
Motivationsproblem:
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Da SUCHE offensichtlich die primärste und wichtigste Emotion ist, ein Selbstbelohnungssystem erster Güte - und erst noch produktiv - scheint es um so verwunderlicher, dass Innovation heute nicht quasi von selbst geschehen soll, sondern organisiert und gefördert werden muss - im Namen des Wettbewerbs. Das Problem dürfte sein, dass diese Art von "Innovation" (meist alter Wein in neuen Schläuchen .... das Selbe in Grün, Rosa, Gelb etc) so uninteressant ist, dass die "Erfinder" durch massive Geldinfusionen quasi dazu gezwungen werden müssen.
Beschränkt wird hier das Denken, d.h. das Erschaffen von Geist, durch die Beschränkung des Diskurses, da über Machtpositionen festgelegt wird, (s. Foucault: Die Ordnung des Diskurses),
WAS in einem Wissensgebiet sagbar ist - was zugleich die Sprechenden auf ihre "Wissens-Disziplin" festnagelt
WER das Sagen hat, wer wann wie sprechen darf - und damit:
was gesagt werden SOLL - und was nicht gesagt werden darf - eine bedeutende Funktion jeder Kultur! (Nicht bloss Islamisten bringen anders denkende zum Schweigen ...)
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH. Basel 18.7.07
Im Kampf um Anteile in gesättigten Märkten gilt Innovation als Schlüssel zu Wachstum und Prosperität (s. Pharma- und IT-Industrie). Im Nahrungsmittelbereich förderten Innovationen bisher vor allem die höhere, schnellere, effizientere - und billigere Produktion von Nahrungsmitteln, was zu eben den Problemen führt, die die Landwirtschaft heute hat. Die Nahrungsmittelindustrie begegnete der Massen-Individualisierung der Gesellschaft mit Scheininnovationen/Pseudodifferenzierungen wie reduzierter Fettanteil, geschmackliche Variationen. Aber Achtung, jetzt kommt's: Doch Innovation gewinnt jetzt auch im Food-Sektor an Bedeutung. Der wachsende Anspruch an gesundes Essen und die Konvergenz von pharmazeutischen Produkten und Lebensmitteln lassen die Forschungsgelder schneller fliessen.
Die Visionen, die Zukunftsvorstellungen prägen, Geschichten über Technik, Wissenschaft und Menschen funktionieren als sog. Meme - Gedanken oder Iden die sich Wirkmächtig in der Gesellschaft verbreiten wie der Traum vom Fliegen oder von Robotern, die im Haushalt helfen. Welche Zukunft sich letztlich durchsetzt, entscheidet sich auf dieser Ebene der kollektiven kulturellen Imgagination.
Genug war die einzige Vision - Aber, Gott sei's getrommelt und gepfiffen - heute gibt's noch viel grauenhaftere, als Hunger:
Food trends: I
Individualisierte Lebensmittel, Esswaren, die Krankheiten verhindern, oder, jetzt kommt's noch schlimmer, Snacks, die glücklich machen. The Brave New World (Aldous Huxle) steht offenbar vor der Tür. In einer "economy of desire" prägen oft auch die Imperative des Marketings die Bedürfnisse des Menschen und damit den Fokus der Innovation. (Ich übersetze auf Deutsch: In dieser modernen Wirtschaft, in der nicht mehr Bedürfnisse, sondern Wünsche befriedigt werden sollen, prägen oft auch die Sachzwänge des Marketings die Bedürfnisse der Menschen und bestimmen dadurch, was an Innovationen möglich und erwünscht ist.) Denn Sehnsüchte sind zu einem wichtigen Treiber geworden. .. Dabei spielen die Emotionalisierung von Lebensmitteln und Food-Produkten, die uns verbessern, eine zentrale Rolle. (Heureka, Utopia ist da, man kann sich gesund und weise fressen - ganz ohne Anstrengung!).
Schon heute möchten die Food-Unternehmen nicht mehr primär Nahrung zum Überleben verkaufen, sondern ein Lebensgefühl. Die Konsumenten sollen nicht für Produkte zahlen, sondern für Erfahrungen - für Ekstase, Glück oder Entspannung. Vorderhand sind solche Emotionen noch Ergebnisse von neuen Geschmackserlebnissen und des Umfelds und keine Produkteigenschaften. Mit den Forschritten der Neurobiologie wird sich dies ändern. Damit rücken die Mechanismen zum Auslösen positiver Emotionen in den Fokus der Industrie.
Merke:
Emotionen sind Produkte des Umfelds, keine Produkteigenschaften, sollen es aber werden.
DIE Aufgabe von Hirn und Geist sind aber, sich in der gegebenen Umwelt zurechtzufinden. Wird diese Orientierung durch direkt applizierte Chemikalien in Nahrungsmitteln unterlaufen, führt das genau so zu einer Psychose wie direkte Drogeneinnahme, da die natürliche Steuerung von Hirn und Körper kurzgeschlossen werden.Dazu passend auch die Ideen von Carbonaro/Voltava: Symbole des Seins: Doch das Marketing versteht es noch immer nicht, mit <Sinn> als Kundenbedürfnis richtig umzugehen. ... Exzellenz definiert Luxus neu und antwortet auf die Suche der Masse nach Exklusivität. Dabei geht es nicht mehr um Symbole des Status, sondern um Symbole des Seins.
Dank Food-Farma erübrigen sich also Anstrengungen wie Kunst und Philosophie, Sport, Lernen, Arbeiten, denn man kann das Glück und den Sinn des Lebens ja einkaufen.
Dass ich hier nicht einfach masslos übertreibe, ersehen sie anhand des folgenden Abschnitts: Neben der Beeinflussung von wünschenswerten Gefühlszuständen wie Glück oder Wohlbefinden sind auch radikalere Veränderungen vorstellbar (s. Matrix, eXistenZ) Der Uebertritt von einer realen in eine virtuelle Welt könnte auch durch Food möglich werden: Beim Verzehr der Pizza wäre das Gefühl des Strandspaziergangs an der Riviera inbegriffen, beim Genuss einer Boullabaisse gäbe es Taucherlebnisse, und Red Bull verleiht eine semireale Flugerfahrung. (semi-real heisst vermutlich, dass man dabei vom Stuhl fällt).
In Lebensmittel integrierte Stoffe, die direkt ins Zielgewebe transportiert werden, lassen Faltenglättung durch ein Gericht aus Botox-Tomaten ebenso möglich erscheinen wie "nose job"-Rüben, Haarwuchs-spinat oder Wachstumsspargeln. (Falls die Operation schief geht brauchts dann einfach ein Muskelentkrampungssteak, eine Nasenzwiebel, Glatzenpolierhonig und Rückenschadenbohnen.)
[Stephan Siegrist: Wie die Vorstellungskraft unsere
Innovationsfähigkeit prägt. GDI-Impuls Herbst 2005. S. 95-98
http://www.collegium.ethz.ch/pub/05_gdi_sigrist_Herbst.pdf ]
Ja Herrgottsackzement, so ein Sch..., kann doch nicht sein. Da hab ich also verzweifelt nach irgend einem Hinweis gesucht, dass es sich bei der Darstellung um eine Satire, Persiflage, einen Witz oder so was handelt (moment, mal Datum checken ... nö Herbst, also mit 1. April ist auch nix. Der meint das also ernst. Der, das ist Stephan Siegrist, Biochemiker, Tätig am Kollegium Helveticum der ETH, einer der Top-Organisationen die eben den Geist pflegen sollten. Bei solchen ... wundert man sich nicht mehr, dass sich der Geist offenbar aus Helvetien verflüchtigt hat. Weiteres s. http://www.healthhorizons.ch/publikationen/index.htm
Ein wichtiger Teil geistiger Hygiene ist es also, solche Meme, wie die von Siegrist in Umlauf gesetzten, möglichst rasch und umweltfreundlich zu kompostieren.