CHINA

Geschichte Chinas, des Tibets und der Dsungarei (Xinjiang)

Chinas 22 Provinzen, 6 reichsunmittelbare Städte und Sonderverwaltungszonen - und 5 autonome Gebiete

Grundlagen: China ist nicht meine Spezialität (wie Russland, mit Ausnahme von Tadschikistan, also immerhin an der Russischen Grenze), ich war nie dort und kenne weder Land noch Sprache ... aber esse natürlich gerne chinesisch. Meine erste Verbindung zu China war also ein Auftrag, und eine seither gut besuchte Website eines Vereins, der sich längst aufgelöst hat (SIA: gte-chine). Dazu kommen Informationen aus der Holzwirtschaft (s. auch Holzmarkt & Lothar *): Tasmanien, das Urwälder abholzt um Schnitzel für 12$ die Tonne nach China liefern zu können. Schmuggel als Bedrohung der ostsibirischen Urwälder.* Eine Anfrage über 200'000 Tonnen Zellulose, die kürzlich über meinen Schreibtisch wanderte (die Schweiz produziert allerdings bloss 120'000 Tonnen pro Jahr!). Sowie Informationen aus meinen Handelsbeziehungen zum Irak. So hab' ich z.B. auf eine Offertanfrage betr. eines wassergekühlten 13 kVA-Generators (ein grosser, für kleines Hotel oder grosse Villa) in Deutschland ein Produkt für 10'000 Euro gefunden und vorgeschlagen. Kriegen wir für 3300 Euro aus Spanien oder der Türkei, war die Antwort aus Bagdad. Wenn ich dann allerdings das selbe aus China vorschlage, für 2200 Euro, dann traut man sogar in Bagdad der Qualität nicht so ganz (kauft's dann aber trotzdem irgendwann).

Dazu kommt, dass China eine der ältesten und ausdauerndsten Kulturnationen ist, weitaus älter und kulturell produktiver als Europa bis zur Neuzeit [s. historical background of economic development, Kulturtechnik *].

Bis heute ist aber China zu wenig bekannt und seine kulturellen Leistungen zu wenig geschätzt. Es waren z.B. die Chinesen, die bereits 600 v.Chr das Schwarzpulver erfanden, also Längen vor dem deutschen Mönch Melchior Schwarz, dem die Erfindung zugeschrieben wird. Ebenso kennt China die Armbrust seit 200 v.Chr, während sie in der Schweiz erst 1235 auf einem Bild auftaucht. Tell war also offenbar ein fortschrittlicher early user. (Der Quiz zu Schwarzpulver, Armbrust u.a. findet sich unter: Die Befreiung der Bauern durch die Demokratie und ihre Wiederankettung durch Zinsen und Niedriglöhne womit wir gleich auch bei einem äusserst aktuellen Problem Chinas wären. Der Aufbau einer dominanten  städtischen Gesellschaft hat in Europa im Mittelalter stattgefunden, der Umbau von einer landwirtschaftlichen in eine industrielle Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Obwohl China bereits Städte kannte und eine Hochkultur entwickelte, als man in Europa noch in Höhlen wohnte und sich die Köpfe mit Steinen einschlug, haben Industrialisierung und Verstädterung in China noch bei weitem nicht den selben Zustand erreicht wie bei uns. Und genau wie hier ist der Umbau, euphemisch Umstrukturierung genannt, brutal und ungerecht. Solange wir kein Recht auf Arbeit kennen, haben wir also wenig Grund, auf den Chinesen in Sachen Menschenrechten herumzutrampeln, denn die Unterschiede sind höchst graduell. In gewisser Beziehung ist uns die chinesische, äusserst leistungsorientierte Gesellschaft sogar überlegen, denn sie kennt traditionellerweise nicht bloss harte Arbeit und Wettbewerb, sondern auch Harmonie und Ausgleich.

Die Wirtschaft Chinas wächst seit 15 Jahren um rund 9.5% pro Jahr.

  Die ausländischen Direktinvestitionen haben in der Zeit um 600% zugenommen.

    Der Exportsektor wächst Jahr für Jahr um 20%.

       Und das Bruttosozialprodukt ist von 400 auf 1500 Dollar pro Kopf gestiegen.

Nach wie vor wird allerdings die Hälfte der chinesischen Wirtschaft vom Staat betrieben,

   der dafür auch für wenig effiziente Projekte Geld von den Banken kriegt,

      die darum nicht so im besten Zustand sind.

Der kapitalistische Tiger wurde in China freigelassen durch Deng Xiaoping [Reich werden ist ruhmvoll!], vor dessen kapitalistischen Ideen Mao lange gewarnt hatte. 1979 erklärte er, dass sich China noch nicht im fortgeschrittenen Stadium des Sozialismus befände, sondern nur im ersten. Damit ermöglichte er Kündigungen und die Reduktion von Sozialleistungen. Zuerst wurde den Bauern mehr Freiheit gewährt - und belohnte die Beamten, damit diese die Anstrengungen der Bauern nicht sabotieren. 1980 wurden für ausländische Investoren 4 Sonderwirtschaftszonen eröffnet, 3 davon  in Guandong. Zwischen 1985 und 1994 stiegen die Exporte aus Guangdong von 2. 9 Milliarden auf 50 Milliarden $! Für die chinesischen Fabrikarbeiter aber war die Entwicklung verheerend. 1986 wurde die Industrie dereguliert. Seit 1990 wurden 30 Millionen Leute aus den Staatsbetrieben entlassen, mit 30 $ Entschädigung pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Kranken- und Rentenversicherungen fielen weg. Wer seine Werkswohnung behalten wollte, musste sie kaufen. Arbeiter haben hier keine Rechte. Sie werden zusammengeschlagen. Sie werden eingesperrt. [Isabel Hilton: Made in China. Lettre International. Sommer 2005. S. 34-44].

Chinas "problemloser" Übergang vom autoritären Kommunismus zum autoritären Kapitalismus.

Was können wir von China lernen?

Besser zu essen!

Ian Burumas Antwort auf eine Frage von Kai Strittmatter. [Tagesanzeiger 31.12.04. S. 11]

Ein Drittel der Chinesen sei zu dick ... heisst es.
Novartis sieht darin eine Chance, mehr Medikamente abzusetzen.
Ich hoffe, dass sich die dicken Chinesen, die mir 1/3 des Landes bereits wieder sympathisch machen, davon nicht hetzen lassen.
Der Mensch wurde nicht auf die Erde geworfen, um möglichst schnell möglichst viel Abfall zu erzeugen und möglichst rasch ans Ende zu kommen. In diesem Sinne: Dicke an die Macht! Macht aus China und der Welt etwas gemütlicheres, als die gegenwärtige Hetzfabrik!

China ist zur Zeit Liebkind der Wirtschaft, dank seiner enormen Wachstumsraten von 6 bis 8% (Die Türkei zwar um 10%, ist aber doch etwas kleiner). China verfügt mit Indien auch noch über das stärkste Wachstumspotential, vor allem dank Bevölkerungszuwachs und liegt immer noch weit hinter seinem wirtschaftlichen Potential hinterher *. China zeigt uns aber auch, dass weder Bevölkerungszuwachs noch Wirtschaftswachstum problemlos sind.

Zur Zeit sind rund 300 Schweizer Firmen in China tätig, mit einem Investitionsvolumen von gegen 4 Milliarden [Jürg Wegelin: Die Schweiz erliegt dem China-Fieber. Cash Nr. 42, 14. Oktober 2004. S. 11 u.a.]. Fast die Hälfte davon hat ihre Ziele erfolgreich erreicht.

China ist auf dem Weg zum Wirtschaftsgiganten zu werden. Seine Nachfrage kippt bald alle Märkte aus dem Gleichgewicht. Wenn China wächst wird Stahl so knapp, dass Europa offenbar nicht mal mehr in der Lage ist, Münzen nachzuprägen. Wenn China Erdöl einkauft, gehen die Preise derart in die Höhe, dass die Opec sich nur noch die Hände zu reiben, aber nicht mehr schmutzig zu machen braucht. China verbraucht zur Zeit 5 Millionen Barrel pro Tag, 14% (40% laut Tagesanzeiger ?, 37% Pacific Views Org ... also auf jeden Fall stark) mehr als vor einem Jahr und fast gleichviel wie Japan - allerdings erst 1/4 des Verbrauchs der USA!

Der unaufhaltsame Aufstieg des kommunistischen Chinas ist ein "ironischer" Sieg für den Kapitalismus.

The Economist

Wenn Europa und Amerika an die billige Massenproduktion denken, die in China möglich wäre und die Weltmärkte überschwemmen könnte ... will eigentlich gar niemand daran denken. Man würde sonst vielleicht erkennen müssen, dass mit den bewährten ökonomischen Modellen gar nicht so viel anzufangen ist, wie uns die Gelehrten immer gerne weis machen wollen. China selbst steckt bereits in der Falle. Immer grössere Mengen werden mit immer tieferen Margen produziert. Das nachkommunistische, kapitalistische China zeigt uns also die Schwäche des kapitalistischen Systems: Wenn das System voll läuft verdient niemand mehr und es wird auf Halde produziert. Die Marge wird erst zu tief um eine nachhaltig-pflegliche Wirtschaft betreiben zu können (s. Wald *), dann reichen die Gewinne nicht mehr, um Sozialleistungen zu bezahlen - und am Ende muss der Staat auch noch die Löhne für 1000.-Fr.-Jobs, übernehmen.

Vielleicht wachen wir eines Tages auf und merken dass Deng gar kein Verräter am Sozialismus war, sondern einfach darauf setzte, den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen zur Strecke zu bringen, dem alles überwuchernden Markt.

Bild "Morgenapell" von Michael Wolf, Bildagentur Laif. Gewann den ersten Preis von World Press Photo 2005 als Wirtschaftsbild des Jahres 2004

China wird zur Fabrik der Welt. Die Verlagerung der verarbeitenden Industrie nach China zeigt sich vor allem an den Transporten. Jeder zweite Container der in Europa anlandet, stammt aus China. Zu Beginn des Jahres 2005 hat Shanghai Rotterdam als grössten Hafen der Welt abgelöst. Los Angeles, Le Havre, Hamburg, Southhampton, Antwerpen und Rotterdam stossen an die Grenzen. [Auch wenn Sie durch den Rheinhafen von Basel spazieren fallen die Container aus China von weitem auf. Die Handelsbilanz zwischen der Schweiz und China ist allerdings ausgeglichen. Während Bekleidung, Elektronik, Möbel-Schmuck-Spielwaren, Büromaschinen und Lederaren-Schuhe zwischen 7 und 1% negative Bilanzen aufweisen seit 1990, ist sie für Elektrotechnik, Präzisionsinstrumente, Uhren, Pharma-Chemie, Metallerzeugung und Maschinenbau zwischen 1 und 12%, für Maschinenbau sogar 32%, im Positiven!]. Viele Schiffe nehmen den Umweg durch den Panamakanal an die Westküste in kauf, um im Osten nicht warten zu müssen. Natürlich müssen die Waren auch aus den Häfen weiter transportiert werden. Sie verursachen also auch verstopfte Strassen und überlastete Güterzüge.

Der Transport eines Containers von 6.1 x 2.4 x 2.6 Metern braucht 29 Tage von Shanghai nach Rotterdam und kostet rund 1400 $. In der Gegenrichtung 1/3, da nur etwas Schrott und Erz geliefert wird, um den Rohstoffhunger Chinas zu stillen. Werden heute rund 72 Millionen Container weltweit umgeschlagen (Zunahme 2004 9%), wird bis zum Jahr 2014 eine Verdoppelung erwartet.

Inzwischen plant China eine transeurasische Eisenbahn. Die Erschliessung Chinas (und Zentralasiens) mit der Eisenbahn brächte beträchtliche Verkürzungen der Transportdauer. Während dem ein Containerschiff 30 bis 35 Tage braucht von Shanghai nach Rotterdam oder Hamburg, würde ein Eisenbahnzug die Strecke in 14 bis 18 Tagen bewältigen. Der Schifftransport bleibt allerdings a) günstiger und b) müsste erst noch der grösste Zeitfresser beseitigt werden, die Zölle in Zentralasien (Holzlieferungen vom Norden (Kirgistan) in den Süden (Tadschikistan) benötigten 1996 noch Monate ...)

Was den Automarkt betrifft, beginnen es einige schon zu ahnen (Michael Resche: Der chinesische Drache tritt aufs Gaspedal. Tagesanzeiger, 12. Oktober 2004. S. 61). Bereits 2003 war China der viertgrösste Produzent von Autos. Der Automarkt wuchs in den letzten Jahren jeweils um 30 bis 70%. aber - Während die Produktionskapazität 5 Millionen Autos (PW & LKW) pro Jahr beträgt, beschränkt sich der Absatz auf 3 Millionen! Bis 2008 wird die Produktionskapazität bei 8 Millionen Fahrzeugen pro Jahr liegen, die Abnahmekapazität des Chinesischen Marktes aber weiterhin bei bloss 5 Millionen. Auf diese Autoschwemme sind weder Markt noch Hersteller in USA und Europa eingestellt. Die ausländischen Firmen die selbst in China investieren und produzieren, haben keine Entscheidung darüber, was mit den produzierten Wagen geschieht. Diese Entscheidung liegt bei der Regierung. Da die in China gekauften Autos häufig über Kredite finanziert werden, ist nicht mit einem starken Anstieg inländischen Verbrauchs zu rechnen - eher im Gegenteil. Erst 60 Millionen Chinesen, also rund 5%, verdienen nämlich ein Gehalt von 5000 Euro und mehr, das ihnen eine leichte Finanzierung erlauben würde.

Gerade was Überproduktion betrifft, geschieht in China offenbar ab und zu erstaunliches (auch wenn vermutlich bloss der Druckfehlerteufel dahinter steht). Der Tagesanzeiger meldet am 15. Februar (S. 6); 12'000 Internetcafés geschlossen.

Peking. - Die chinesische Regierung hat allein vom Oktober bis Dezember vergangenen Jahres 12572 Internetcafés schliessen lassen. Die Aktion habe das Ziel gehabt, "ein sicheres Umfeld für junge Menschen in China" zu schaffen. Die Internetcafés hätten zum grössten Teil in der Nähe von Schulden (sic!) gelegen. (AP).

Es handelt sich also um einen Bankerottos interruptus, was ja gar nicht mal so übel ist.

Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2004 3.2 Millionen Wagen neu zugelassen. Im Spitzenjahr 1999 3.8 Millionen. Dieser Überkapazität steht nun weltweit nicht eine boomende Nachfrage gegenüber, sondern weltweite Überkapazitäten von rund 30%. Volkswagen könnte aus dem Stand 1 Million Autos pro Jahr mehr produzieren. Opel ist bloss gut zur Hälfte ausgelastet ... und entlässt nun 12'000 Mitarbeiter. Wofür man allerdings nicht die Chinesen verantwortlich machen kann, denn die Überkapazitäten und das Problem bestehen seit einem Vierteljahrhundert. Überkapazitäten werden noch mehr gefördert durch production on demand.  Wenn es darum geht, flexibel jeden Kunden sofort nach Wunsch beliefern zu können, jeden Konjunkturzyklus maximal ausnutzen zu können, so wird die Balance zwischen Auslastung und Potential zum kritischen Faktor. (Do: Arbeit auf Abruf!)

 Überkapazitäten sind die Artillerie des Wirtschaftskrieges,
mit der Spatzen erschossen
und neu zu bestellende Felder gepflügt werden.

Tja ... aber all dies hat hier auch eine positive Kehrseite, für China, denn in kaum sonst einem Land wuchs die Wirtschaft so stark und nirgends gelang es so vielen Menschen, bitterster Armut zu entkommen ...

[Jeffrey D. Sachs  Das Ende der Armut. Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt. Siedler. München. 2005]. S. 192


Chinas Papierindustrie hat bereits die Produktion von Japan überflügelt und nimmt nun Weltweit den zweiten Rang ein, nach den USA, vor Japan und Kanada. Deshalb betreibt China auch enorme Aufforstungsprojekte. In den letzten 5 Jahren wurden mehr als 12 Milliarden Bäume gepflanzt und die Bewaldung von 16.5 auf 18.2% erhöht (= 1.67 Millionen km2. Zum Vergleich: Die Waldfläche der Schweiz beträgt 1.2 Millionen ha).

Zudem kaufen die Chinesen bereits in Europa wie den USA Marken (IBM, Siemens, Schneider, Produktionsverfahren, Know-How.

Der Chinesische Leistungswille stösst aber auch auf Widerstand. Chinesische Minoritäten besetzen wirtschaftlich dominante Stellungen auf den Philippinen, in Indonesien, Vietnam, Burma, Südafrika und manchen Südamerikanischen Staaten. Südafrika z.B. hat25'000 Stellen in der Textilindustrie an China verloren. Es importiert von China für 6 Milliarden Franken - exportiert für 2. China baut, mit eigenen Firmen und Angestellten, Strassen, Brücken, Spitäler, Schulen, Krankenhäuser, Freizeitzentren, Strom- und Telefonnetze - schneller und günstiger als die Europäer - und ohne auf Umweltstandards oder soziale Auflagen zu achten. Dies, wie die günstigen Medikamente und Technologien aus China, und die geringen Handelsbarrieren, erlauben es Afrika, seinen Rückstand im Aufbau der Infrastruktur aufzuholen. Es bezahlt dafür, wie früher schon, mit Rostoffen - und wirtschaftlicher Kolonialisierung. Allerdings macht der 24-Stunden-Arbeitstag auch den Afrikanern Sorgen ...

Umgekehrt ist zu sagen: Während dem China Erdöl gegen Infrastruktur und günstige Technologie eintauscht, erhalten die "Partner" der USA Kriege und Militärbasen für Erdöl.

Am 16. September 2004 wurde in Elche, Spanien, ein Chinesisches Schuhlager vom lokalen Mob niedergebrannt. Während in China eine ArbeiterIn für 150$ pro Monat täglich elf Stunden arbeitet, erhält nun ein Spanischer Arbeiter noch 7.50 pro Stunde, was ihn lohnmässig um 40 Jahre zurückwirft, aber nicht mal annähernd so günstig macht wie die Chinesen. So haben seit 2000 rund 300 Schuhfirmen in Elche dichtgemacht. 5000 Arbeitsplätze gingen verloren. Der Import Chinesischer Schuhe stieg um 50% auf 55 Millionen Paar Schuhe. In den ersten 40 Tagen des Jahres 2005 hat China bereits sechs mal so viel Schuhe nach Europa exportiert, als ein Jahr zuvor. [Mario Boselli: Importe aus China machen Sorgen. Tagesanzeiger, 19.02.05. S. 10]

Seit der Aufhebung der Importquote am 1. Januar2005 stiegen die Importe an chinesischen Schuhen um 681% - meldet der Tagesanzeiger am 9. Juni (S. 27).

Zur Zeit (April 05) kriegt die weltweite Textilindustrie das Schlottern und erwägt Schutzmassnahmen. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Importe von T-Shirts in die EU um 164% während die Preise um 26% sanken (was deutlich über der Marge liegen dürfte). China hatte 2003 einen Marktanteil von 17% des Welthandels an Textilien. Prognostiziert wurden damals bereits über 50% bis 2006.

China exportiert aber nicht nur Waren, sondern auch Arbeitskräfte. Die drittgrösste "Chinatown" Europas, nach Paris und Mailand, ist Prato, in der Nähe von Florenz. Von den 200'000 Einwohnern sind 20'000 Chinesen. Und obwohl die Arbeitslosigkeit mit 4% nur halb so hoch ist wie der Durchschnitt in Italien, ist manchem nicht so wohl in der Nachbarschaft von Leuten, die 12 bis 14 Stunden am Tag arbeiten ... und das noch erholsam finden, verglichen mit ihrer Lage im Heimatland. Die von Naomi Klein kritisierten Sweatshops sind inzwischen längst in Europa angesiedelt worden. Mit illegalen Zwangsarbeitern lassen sie sich hier offenbar noch billiger betreiben als in der Dritten Welt. China ist also bei weitem nicht die einzige "Bedrohung" auf die man achten sollte.

Sogar die Irakischen Unternehmer protestieren, da auch sie, mit Stromunterbrüchen und Versorgungsschwierigkeiten kämpfend, nicht mit China wetteifern können. Zudem behaupten sie, dass China seine Exporte mit 25% stütze. Die Irakische Regierung hat allerdings dort selbst für 1 Milliarde $ Spitalbedarf, Medikamente und weitere Güter eingekauft. Dafür schreibt China einen Teil der Schulden des Irak ab, und unterstützt den Wiederaufbau mit 25 Millionen $.

Kleiderexporte: China 61.5 Milliarden $ Kleiderimporte: USA 84 Milliarden $

Der überwiegende Anteil unserer Importe stammt aus dem Ausland.

Georg W. Bush:

Maschinenexporte: Europa 96.5 Milliarden / Japan 54 Milliarden Maschinenimporte: China 23 Milliarden

http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html

Wenn Sie sich den Film von CASH angesehen haben: China, Fluch und Segen, ist Ihnen da der Hans Strasser von der IMES, in der Schweiz berüchtigt für Outsourcing nach China, nicht auch sonst eher unangenehm aufgefallen? Dass er es löblich findet, eine Millionenstadt in einem Jahr hochzuziehen, ohne gross zu Denken oder sich mit Einsprüchen rumzuärgern, mag aus wirtschaftlichen Gründen verständlich sein, zeigt aber ein äusserst mangelhaftes Verständnis für demokratische Beteiligung, Mitsprache, politische Abläufe. Wenn er sich dann noch auf Aussagen hinauslässt wie: Wenn sie auf dem Firmengelände wohnen, dann hat man sie auch besser unter Kontrolle. Das ist gut für sie ...  dann tönt das schon ein bisschen wie Sehnsucht nach Sklavenhaltung. Die unwürdigen Bedingungen unter denen viele Chinesen arbeiten müssen, werden also auch von wirtschafts-autoritären (was die Vorstufe ist zu wirtschafts-faschistischen) Schweizern tatkräftig unterstützt. Im übrigen wird in China, auch und gerade von Schweizer Unternehmern, die selbe propagandistische Taktik verwendet, mit der der Kommunismus lange seine Anhänger vertröstet hat: Arbeitet hart, dann wird es besser. Wörtlich: Der Lohn heute ist schlecht. Aber wenn ich mich anstrenge, werde ich vielleicht befördert oder erhalte mehr Lohn. Also auch in der Marktwirtschaft kommen die leeren Versprechungen lange vor dem gerechten Lohn. Da braucht man sich eigentlich wenig zu wundern, wenn die Chinesen abkupfern, betrügen, stehlen und sonstwie versuchen ihr Scherflein zu erhalten. Die Haltung kommt offenbar nicht von nichts.

Allerdings spielt die Rationalisierung und damit meist Mechanisierung der Produktion auch in China. Durch die Privatisierung der staatlichen Industrie gingen auch in China (!) zwischen 1995 und 2002 über 15 Millionen Arbeitsplätze in der Industrie verloren. 60% der Universitätsabsolventen finden laut Pekinger Arbeitsministerium keine Stelle. 2.5 Millionen oder 1/3 der Abschlussjahrgänge 2005 und 2006 laut Handelszeitung No 10, 7.3.07, S. 16.  Da die chinesischen Studenten auch nicht bekloppter sind als die von Paris und Wien, steht der nächste "Tiananmen" vermutlich bereits vor der Tür.

Reichtum in China

China hat ca. 300'000 Dollarmillionäre, 400 Unternehmer mit über 60 Millionen Vermögen und 7 Dollarmilliardäre. Viele können ihr Vermögen allerdings kaum geniessen, da sie (oft zu recht) auf den Fahndungslisten stehen wegen Betrugs und anderer Vergehen. Die Entwicklung in China läuft zehn mal so schnell, wie bei uns in der industriellen Revolution des 19. JH (Aussage von Steve Vickers, International Risk). Das führt zu Ungleichheit und diese zu Unruhen. 200 Millionen Chinesen müssen mit weniger als 1 $ pro Tag auskommen - während China gleichzeitig den 3. Rang belegt als Absatzmarkt für Luxusuhren (warum die Schweiz so wenig Freude hat an den Luxussteuern auf Uhren ...). 2005 fanden 87'000 Protestaktionen statt mit mehr als 1000 Teilnehmern, was seit 1994 einer Vervierfachung entspricht.

Die Kathedralen der Wirtschaft

Einerseits scheint die Aussage wieder zutreffend: ex oriente lux. Die Musik spielt heute vielleicht doch wieder im Osten. Das höchste Gebäude der Welt (Taipei 101, befindet sich in Taiwan.  Es hat den Petronas Tower in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur abgelöst (wird allerdings seinerseits 2009 durch Burj Dubai überholt werden.   http://www.die-wolkenkratzer.de/gegenwart.html

DIE HÖCHSTEN GEBÄUDE IN WENIGEN JAHREN:

2008

2009

2004

2007

2007

1997

1974
560m 541m 508m 492m 474m 452m 442m
Burj Dubai Freedom Tower Taipei 101 SWF Center Union Square Petronas Towers Sears Tower

 

http://www.die-wolkenkratzer.de/zukunft.html

Vergleichsweise bescheiden nehmen sich da die höchsten Schweizer Bauten aus:

2004 508 m Taipei101, Taipei (Taiwan)

1997 452 m Petronas Towers, Kuala Lumpur

1974 442 m Sears Tower, Chicago

1998 421 m Jin Mao Tower, Shanghai
2003 415 m TWO Internatinal Finance, Hongkong

(1972-2001) 417 m World Trade Center, New York)
1997 391 m Citic Plaza Guangzhou
1996 384 m Shun Hing Square Shenzhen

1931 381 m Empire State Building, New York
1996 374 m Central Plaza Hongkong
1990 367 m Bank of China Tower Hongkong
2000 355 m Emirates Office Tower Dubai
1997 348 m Tuntex Sky Tower Kaohsiung
1972 348 m AON-Center Chicago
1998 346 m The Center Hongkong

1930 319 m Chrysler Building, New York

1913 241 m Woolworth Building, New York


126 m Maag Tower, Zürich

105 m Messeturm Basel

90 m Sunrise Tower, Zürich

85 m Swissôtel, Zürich

72  m Hardau, Zürich

70 m Werd-Hochhaus, Zürich

70 m Stadtspital Triemli, Zürich

50 m Markthalle, Basel

Während sich offenbar USA, Fernost und Araber, wie Zürich und Basel, hier einen Wettbewerb liefern, bleiben die Afrikaner cool und machen bei dem Wettbewerb offenbar gar nicht mit, da sie eh wissen, dass sie den längsten ... haben. Heute stehen mehr als die Hälfte der gigantischsten Hochhäuser der Welt also in China und einigen Nachbarländern.

Ein ähnliches Rennen um "den grössten" läuft zur Zeit beim Bau von Teleskopen (auch wenn die neueren Modelle hier weitaus weniger phallisch wirken als die traditionellen. Na ja ...).

VLT: Very Large Telescope, zur Zeit die Spitze, hat Spiegel mit 8 m Durchmesser

E-ELT: European Extremely Large Telescope, geplant für 2018, soll Spiegel mit einem Durchmesser von 42 m erhalten. Die Kosten sind nicht mal so extrem, z.B. verglichen mit dem Irak Krieg ... oder den Beträgen die in der Bankenkrise verlocht wurden. Nur 800 Millionen €.

Als Ersatz für Hubble, mit bloss 2.4 m Spiegel, soll das <James Webb Space Telescope> mit einem Spiegel von 6.5 m ausgerüstet werden.

China ist hier nicht direkt dabei, exportiert aber kommerzielle Kleinteleskope, und baut ein riesiges Radioteleskop mit 500 m Durchmesser (seltsamerweise immer noch 75 m weniger als das grösste, der Russen.

Umwelt und Soziales

  • China ist ein aufstrebendes Land mit 1000 Millionen stolzen Chinesen.

Deng Xiaoping

  • Was nützen 1000 Millionen, von denen 900 Millionen in Armut leben und keine Arbeit haben? China ist ein hoch explosives Land, das kurz vor dem Kollaps steht.

Jeremy Rifkin

Andererseits leiden die Städte Chinas, vor allem deren Bewohner, unter derart extremer Verschmutzung von Luft und Wasser, dass gesundheitliche Schäden auftreten. Auch die Demokratisierung hat nicht mit der Industrialisierung schritt gehalten. Industriearbeiter werden oft eher als Sklaven denn als Mit-Arbeiter behandelt. Nike musste teuer dafür bezahlen, dass seinen Managern die sozialpolitischen Hintergründe egal waren. Seither gibt es die Compliance Industry, die dafür sieht, dass Mindeststandards eingehalten werden - und die Countercompliance Industry, die Hilft, solche Standards zu umgehen. Grossabnehmer haben hier eine negative Wirkung. Wal-Mart bezog 2003 Waren aus China im Wert von 15 Milliarden Dollar, was einem Fünftel aller chinesischen Exporte entspricht. Wer zu Walmart-Preisen produziert kann nicht Mindestlöhne einhalten, auch nicht in China, und dazu noch in Arbeitsschutz, Umwelt oder anderes wünschenswertes investieren. Merke: Billigpreispolitik hier zerstört natürliche und soziale Umwelt - auch ganz woanders. In den Stella-Schuhwerken z.B., die für Nike, Reebok und Timberland arbeiten, leisten die Arbeiter 60-Stundenwoche für 450 Yuan (43 Euro) im Monat - von denen 400 Yuan für Unterkunft abgezogen werden. Die Pionierzeit der Eisenbahnen vermittelt einen späten Gruss.

Auch Disney zeigt, dass es nicht immer die Chinesen sind, die ihre Landsleute ausbeuten. Im Disney-Park Hongkong, der dort auf eben so viel Interesse stösst wie Eurodisney bei den Franzosen und Europäern, werden nicht mal die eh laschen Chinesischen Arbeitsgesetze eingehalten.

China baut die grösste Solaranlage der Welt! Für 950 Millionen Franken soll ein Werk gebaut werden, das 100 Megawatt liefert.

2005 erliess allerdings der Volkskongress ein Gesetz, mit dem sich China verpflichtet, bis 2020 15% des Energiebedarfs aus sauberen Energien zu speisen. Dafür wären Investitionen von ca. 185 Milliarden $ nötig. Inzwischen fertig gebaut (10 Monate vor Termin! Das ist Effizienz!!) ist der 3-Schluchten-Damm, das grösste Bauwerk der Welt, der mit einer Leistung von 18 GW, 9% (Das z. Zt. grösste Wasserkraftwerk Itaipu (Brasilien) hat eine Leistung von 12.600 MW.) des Strombedarfs Chinas decken soll, womit der Verbrauch von 40-50 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr der Natur erspart bleiben.

Obwohl China noch bei weitem nicht so viel CO2 ausstösst wie die USA (pro Kopf. Als Land hat es soeben (Oktober 2008) mit den USA gleichgezogen!) - aber doch schon etwas so viel wie Europa - kann ihm die Entwicklung des global warming nicht egal sein. Bei den Diskussionen um Schäden durch global warming standen zuerst die untergehenden Inseln im Pazifik im Vordergrund - wobei Bangladesh einfach mal links liegen gelassen wurde, da die Rezepte, wie sie der Economist für den Pazifik propagiert hat, nämlich Umsiedelung, billiger als Beschränkung des Energieverbrauchs, bereits im Falle von Bangladesh offenbar nicht mehr gelten. Direkter betroffen und ohne grosse Möglichkeiten eines "Technofix" sind aber China, Indien, Pakistan und Zentralasien - Damit sind mit China, Indien und Zentralasien gleich drei der wichtigsten Baumwollieferanten bedroht. Da der Baumwollanbau in Zentralasien bereits ein ganzes Binnenmeer, nämlich den Aralsee ausgetrocknet hat, kann man sich die Folgen ausrechnen. Da immer weniger Schnee fällt im Winter, die Gletscher abschmelzen, fehlen auch die Schmelzwässer des Himalaja im Sommer, von denen grosse Teile dieser Länder mit Wasser versorgt werden, Wasser von dem vor allem die Landwirtschaft abhängt. Durch das Versiegen dieser Ströme im Sommer wären 40% der Weltbevölkerung betroffen ....

Chinas Bauern tragen die Hauptlast der Entwicklung

Man darf nicht vergessen, dass trotz Boom immer noch fast die Hälfte der Chinesen als Bauern äusserst kleine Flächen bearbeiten, nämlich 200 Millionen Bauernhöfe mit einer Durchschnittsgrösse von 0.65 ha. Entsprechend dieser "unproduktiven" Grösse liefert die Landwirtschaft auch in China nur 15% des BSP, und wird vermutlich, wie in andern Ländern, im Laufe der Entwicklung auf 3,2 oder gar 1% schwinden. China muss 20% der Weltbevölkerung ernähren, mit 7% der Landwirtschaftsfläche ... und beträchtlichen Problemen mit der Wasserversorgung. Man darf nämlich ebenfalls nicht vergessen, dass China a) kontinental and b) in den trockenen Rossbreiten, der subtropischen Hochdruckzone, gelegen ist. Einfacher ausgedrückt: Die Hälfte von China, nämlich der gesamte Westen und Nordwesten, ist Wüste oder Trockensteppe.

Wasserressourcen Wasserverbrauch

http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html

China ist zu einer darwinistischen Gesellschaft geworden. Es ist der nackte Egoismus, der die Chinesen antreibt. ... Ich weiss von jungen Chinesen die im Ausland reich geworden sind, aber nur Bilder ihrer neusten Autos nach Hause schicken, sicher aber kein Geld für ihre immer noch armen Verwandten. Deren Unterstützung, finden sie, sei Sache des Staates und nicht der Kinder.

Junge Chinesen wollen nicht 3% mehr Lohn für alle, sie wollen 30% mehr - aber nur für sich allein.

Erwin Schurtenberger, China Experte. Tagesanzeiger Magazin 25-2005

Aber dennoch sind es nicht die Städter, die am stärksten leiden, sondern die Bauern, die als nongmingong (Bauerntölpel) ausgebeutet werden und verarmen. In China finden heute die selben Prozesse statt, wie bei uns im 19. JH., als die entmachteten Feudalherren oft gleich wieder als Politiker oder, seltener, als neue Industrieherren auftraten. Die Diskussionen um eine Begrenzung der direkten Demokratie, wie sie in der Schweiz in den letzten Jahren zunehmend geführt werden, zeigen deutlich, dass Industrialisierung, wie Wirtschaft generell, unter herrschaftlichen Strukturen besser gedeiht als unter demokratischen. Das dürfte vor allem daran liegen, dass ungleich verteilte Ressourcen für die Wirtschaft weitaus einfacher zu managen sind, als gleich oder zumindest einigermassen gerecht verteilte Ressourcen und Macht. Die Oekonomen nennen das das Pareto Prinzip. In China hat die ehemalige KP, welche die Revolution dank der Unterstützung der Bauern gewonnen hat,  heute die Funktion als Wirtschaftsführer übernommen und leitet, eben so autoritär wir sie früher Partei und Politik geleitet hat, einen gigantischen wirtschaftlichen Umbau im Stile des Manchester-Kapitalismus. China belegt durch diesen relativ "unproblematischen" Umstieg von autoritärem Kommunismus zu autoritärem Kapitalismus, dass Kommunismus und Kapitalismus bloss zwei Seiten der selben Münze sind. [s. http://www.brainworker.ch/Freiheit/index.htm#China *]

Während hier bald jeder für die Restrukturierung bezahlt, sogar das Kapital und die Kapitalisten, lasten die Kosten für den Umbau in China vor allem auf den 900 Millionen Bauern. Die Situation wurde von Wu Chuntao und Chen Guidi im Buch: Studie über Chinas Bauern beschrieben:

Die meisten Städter kommen aus den Städten nie heraus und denken, das ganze Land sei wie Shanghai oder Peking. - Die Bauern kommen in die Städte nicht hinein auf Grund des hukous-Systems der Aufenthaltsbewilligungen.

Die Verwaltung agiert brutal, Machtmissbrauch ist an der Tagesordnung, Funktionäre erpressen illegale Steuern und werden auch für Korruption nicht bestraft. Bei Protesten gegen korrupte Beamte werden die Kläger oft zu Tode geprügelt, Dörfer umgesiedelt oder verwüstet. Ähnlich wie beim Zusammenbruch der UDSSR entwickeln sich zudem maffiaähnliche Strukturen.

Trotz Wachstum und Wohlstandszunahme sinken die Preise für Landwirtschaftsgüter. Schulen und Ärzte kosten plötzlich Geld, der Verwaltungsapparat bläht sich auf. Die Wohlstandskluft ist in China heute grösser als in Indien. Während ein Städter 6 mal so viel verdient wie ein Landbewohner, zahlt er vier mal weniger Steuern.

Die Bauern Chinas erleiden also heute das selbe, was unsere vor hunderten vor Jahren durchgemacht haben. Sogar in der UDSSR, dem Arbeiter und Bauernstaat, waren durch Stalin 1932-33 die Ukrainischen Bauern enteignet und verknechtet worden. Da sie sich nicht unterwarfen, sollten sie vernichtet werden. Obwohl die Ukraine die Kornkammer der UDSSR war, starben in diesen Jahren über 5 Millionen an Hunger, während 5 Millionen Tonnen Weizen exportiert wurden. (Heute produziert die Ukraine ca. 20 Millionen Tonnen Weizen - bei einem lokalen Verbrauch von 25 Millionen Tonnen, und obwohl die Kapazität etwas doppelt so hoch ist (s.  http://www.fesukraine.kiev.ua/Dokument/dtreis-de.pdf ). Die Bauern, als Kulaken degradiert, sollten verknechtet und für die Industrialisierung (nicht bloss für den Kommunismus) gefügig gemacht werden.

Die chinesische Botschaft in der Schweiz verspricht Verbesserungen: http://www.china-embassy.ch/ger/4/t135930.htm

 Li Wuzhou äussert Zweifel: In der Stadt arbeitende Bauern, eine periphere Sozialgruppe

China agriculture and farming database: http://www.goldenlanterns.com/china-agriculture_resources.html

Agricultural Expert System for China: http://www.863ait.org.cn/english/default.asp

Einerseits ... andererseits scheint China aber nicht nur die Fabrik der Welt werden zu wollen, es beliefert auch immer mehr Länder mit Nahrungsmitteln! Die Kartoffelbauern in Tasmanien sind bereits beträchtlich unter Druck geraten durch chinesische Billigexporte in Länder der Region, die zuvor von Tasmanien beliefert wurden, wie nach Tasmanien selbst.

Die Selbstversorgung scheint bereits heute nicht mehr gewährleistet, und dies sogar beim Reis. Dabei ist allerdings auch in Betracht zu ziehen, dass China zwar 20% der Weltbevölkerung beherbergt, aber nur über 7% des weltweit vorhandenen Ackerlandes verfügt. s. Chinadossier: Bauern/Landwirtschaft

CASH berichtet am 6.4.06 über deutliche Preisanstiege bei Fruchtsäften, Zucker, Mais, aber auch Schwein und Lebendrind, präzise weil Chinas Landwirtschaft den Eigenbedarf a) nicht zu decken vermag und b) an Boden verliert, je stärker die Industrialisierung Raum gewinnt, und c), wie erwähnt, weil sich immer mehr Chinesen, diejenigen nämlich, die am Aufschwung teilhaben, Fleisch leisten können.

China belegt bereits heute Rang 1 in der Erzeugung von Getreide, Weizen, Aepfeln, Reis, Baumwolle, Schweine, Schafe, Fleisch und Fisch generell …. Zink- und Zinnabbau, Eisen-, Stahl-, Aluminium-, Dünger-, Zement-, Kunstfasern-Produktion … und Steinkohleerzeugung.

Dazu kommt, dass die Inlandpreise oft über den Weltmarktpreisen liegen (s. rechts Baumwolle). Der Eintritt Chinas in die WTO und Generell das Mitspielen von China auf den internationalen Märkten, könnte also für viele Rohstoffe, insbesondere auch Nahrungsmittel, also Landwirtschaftsprodukte, die von den Bauern lange ersehnten produktionskostengerechten Marktpreise ergeben.

Eine Erhöhung des Wertes des Yuan würde dazu führen, dass China noch schneller noch mehr importiert - auf Kosten der einheimischen Produzenten ebenso wie zu Lasten der ausländischen Konsumenten, die beträchtliche Preissteigerungen werden in Kauf nehmen müssen. [China’s WTO Entry and Its Impacts on Agricultural Sector. Dr. KE Bingsheng. Research Center for Rural Economy (RCRE). Ministry of Agriculture. People’s Republic of China]

Bildung wird in China zum "kapitalen" Problem

Bei einer Bevölkerung von 1.3 Milliarden weist China "nur" 15.62 Millionen Studenten (von denen 3 Millionen aus armen Familien stammen) auf, also Anteilmässig weniger als die Hälfte wie z.B. in Deutschland. Dementsprechend ist die Selektion, im wahrsten Sinne des Wortes, mörderisch. 2006 erhielten von 9.5 Millionen Abgängern der Mittelschule die eine Zulassungsbewilligung zur Zulassungsprüfung erhalten hatten, nur 2.6 Millionen, also ein Viertel, eine Bewilligung, zu studieren. Die Prüfungszeit und die Nachprüfungszeit führt in China jeweils zu einer massiven Häufung der Selbstmorde, entweder bei den Studenten, wegen Versagens, oder, wie bei den Vätern, weil diese die enormen Gebühren und Kosten für das Studium nicht aufbringen können und sich als nutzlos empfinden. [Man sieht hier deutlich, dass das Patriarchat auch Nachteile hat, denn es bedeutet Verantwortung].

Chinesische Universitäten verlangen pro Jahr mindestens Studiengebühren von 1250 Franken. Das durchschnittliche Jahreseinkommen in China beträgt aber nur 1460.- Franken pro Jahr (Wenn diese Angabe mit der unten, von 1940$ nicht übereinstimmt, so liegt das vermutlich daran, dass ein Durchschnitt aus hunderten von Millionen mit 300 $ pro Jahr und einigen hunderttausend mit einigen Millionen $ pro Jahr einigermassen schwierig zu bilden ist. Heute werden ca. 0,9% der Chinesen als US-$-Millionäre oder –Milliardäre eingestuft, das sind ca 11 Mio. Menschen. DZT Marktinformation China/Hongkong)

 

Fazit:

Frage an Radio Eriwan:
"Was ist der Unterschied zwischen einem Optimisten und einem Pessimisten?"
Antwort: "Der Optimist lernt Englisch, der Pessimist chinesisch."

Wenn die Chinesen für 200$ pro Monat bald die ganze Welt mit Gütern versorgen, wird sich unsere Dienstleistungsgesellschaft noch weiter in diese Richtung entwickeln müssen. Ist eine reine Dienstleistungsgesellschaft denkbar? Mit welchen Dienstleistungen können sich diejenigen Gesellschaftsmitglieder ihr Brot sichern, die entweder nicht über Kapital, oder Intelligenz, oder Charme, oder die unbedingt notwendige Gerissenheit verfügen? Mit welchem Spiel werden wir sie bei Laune halten, wenn die alte Leier der Produktivitätssteigerung unter Bergen vor Billigprodukten gar nicht mehr zu hören ist? Wer kann bei Billiglöhnen für Qualitätsprodukte bezahlen? ...

Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden, 9. Oktober 2004

  China Indien
   
Gesamtfläche 9'597'000 km2 3'287'000 km2
Bevölkerung 2005 1.3 Milliarden 1.1 Milliarden
Bevölkerung 2020 prog. 1.4      " 1.6      "
Landwirtschaft 14% 21%
Industrie 53% 28%
Dienstleistungen 33% 51%
Wirtschaftsleistung 3921 Milliarden $ 1643 Milliarden $
Durchschnittswachstum pro Jahr 5.2% 5.5%
Durchschnittseinkommen pro Jahr 1940$ 620$
Arbeitskosten für Mitarbeiter mit 2 bis 3 Jahren Erfahrung 14 Fr 7 Fr.
Korruption (Rang von 158) 78 88
Analphabeten 11% 41%
Absolventen von Ingenieur-Hochschulen pro Jahr 360'000 200'000
Energieverbrauch 2005 1139 Mio Rohöleinheiten 542 Mio Rohöleinheiten
Energieverbrauch 2020 prog 3685            " 981             "

Zahlen aus: Manuela Kessler: Indien schielt mit Neid auf das Vorbild China. Tagesanzeiger-Wirtschaft. 14.8.06. S. 23

Post-Fazit (18.04.05): Apropos Dienstleistungen ... Die gegenwärtige Annäherung zwischen China und Indien (> Chindia - mit einem Drittel der Weltbevölkerung!) macht auch in dem Bereich auf ein Problem aufmerksam. Seit längerem dominiert Indien im Dienstleistungsbereich, insbesondere was Computerprogramme (Bangalore) und Auskunftsdienste (Call Centers) betrifft. Indien und China umfassen mit 2.3 Milliarden Menschen den grössten Markt der Welt, ein Markt, der noch längst nicht so entwickelt ist, dass er, wie in Europa (Schweiz) und Japan an die räumlichen, personellen und andere Grenzen der Entwicklungsmöglichkeiten stösst, sondern ein Markt, der erst im Aufbau begriffen ist. Ein Schritt zur direkten Verbesserung des Handels ist die Öffnung des Natu-La-Passes (4729 müM), der 44 Jahre lang geschlossen war, weil Peking sich weigerte die Annexion Sikkims durch Indien, und Indien die Annexion Tibets durch China, anzuerkennen. Tibet wurde übrigens auch gerade durch die neue Eisenbahn erschlossen, wovon sich die Chinesen Wirtschaftswachstum versprechen, während dem die Tibeter zunehmende Kolonialisierung befürchten.

Anfang Oktober hat die Nachricht des englischen Personalberatungsfirma Mercer, dass Indien für 2006 mit der weltweit höchsten Reallohnerhöhung von 7.3% zu rechnen hat, bei den indischen IT-Unternehmen Besorgnis ausgelöst. Da die Löhne in China nur um 4.8% steigen sollen, wird mit Abwanderung des IT-Sektors nach Vietnam, China oder Bangladesh gerechnet. Eine weitere Lösung wäre es, die Betriebe in ländlichere Gegenden zu verschieben - aber dort wollen auch die indischen Spezialisten nicht hin, um so weniger, als sie nach wie vor sehr gefragt sind.

Lohnsteigerungen sind nicht die einzigen Probleme für den Export von China. Auch Bangladesh, wo die Löhne noch etwa halb so hoch sind, hatte gerade beträchtliche Aufstände, da sogar in diesen Hütten 100$ pro Monat nirgends mehr hinreichen. In Bangladesh ging es bei der Erhöhung der Minimallöhne allerdings bloss von 25 auf 45 Franken!

In China werden die Produktionskräfte hingegen zunehmend durch den eigenen Bedarf absorbiert. Produktion für den Export kommt an zweiter Stelle, insbesondere Produktion für Preisdrücker. Dazu kommt eine Verknappung der Transportmittel (Schiffe/Container), insbesondere da 2009 eine grosse Anzahl nicht mehr rentabler Schiffe verschrottet wurde.

Dazu kommt, dass in der Mode die Zyklen immer schneller, die Vorlaufszeiten immer knapper werden - wofür China definitiv zu weit weg ist, und wofür China sich immer weniger interessiert.


 

Der IMF (Internationaler Währungsfonds. Zahlen in: Indien und China spielen Pingpong. Die neuen Mächte Asiens mischen den Weltmarkt auf. Der Westen reagiert mit Protektionismus. Philipp Löpfe. CASH, 27. Okt. 2005. S. 10-11)) sieht die Entwicklung der nächsten 10 Jahre offenbar vor allem als Fortsetzung der letzten 10: Mit Europa geht es wirtschaftlich weiter bergab - mit China extrem aufwärts, mit Indien mässig aufwärts - und der Rest der Welt ist einigermassen uninteressant.

Appendix Table 2
Leading exporters and importers in world merchandise trade (excluding intra-EU trade), 2003   back to top
(Billion dollars and percentage)

Rank

Exporters

Value Share Annual percentage change  

Rank

Importers

Value Share Annual percentage change

2003

1 Extra-EU exports 1,099.2 19.3 17   1 United States 1,305.6 21.9 9
2 United States 724.0 12.7 4   2 Extra-EU imports 1,113.8 18.7 19
3 Japan 471.9 8.3 13   3 China 412.8 6.9 40
4 China 438.4 7.7 35   4 Japan 383.0 6.4 14
5 Canada 272.1 4.8 8   5 Canada 245.6 4.1 8
6 Hong Kong, China 224.0 3.9 11   6 Hong Kong, China 232.6 3.9 12
  domestic exports 15.6 0.3 –15     retained imports a 24.2 0.4 –1
   re-exports 208.4 3.7 14   7 Mexico 179.0 3.0 1
7 Korea, Republic of 194.3 3.4 20   8 Korea, Republic of 178.8 3.0 18
8 Mexico 165.3 2.9 3   9 Singapore 127.9 2.1 10
9 Taipei, Chinese 150.6 2.6 12     retained imports a 63.5 1.1 9
10 Singapore 144.1 2.5 15   10 Taipei, Chinese 127.3 2.1 13
  domestic exports 79.7 1.4 19            
  re-exports 64.4 1.1 10            
                     
11 Russian Federation 135.2 2.4 26   11 Switzerland 96.3 1.6 15
12 Malaysia 100.7 1.8 8   12 Australia 88.6 1.5 22
13 Switzerland 100.6 1.8 14   13 Malaysia 81.1 1.4 1

Irgendwie könnte es aber auch sein, dass hier die Perspektiven und Gewichtungen einfach ziemlich verschoben sind, weil alte Vorherrschaften abgelöst werden. Sehen wir uns die weltgrössten Exporteure an, so ist das nicht China (Rang 4, allerdings ohne Hong Kong und Taipei), sondern die EU, die USA und Japan, die jeweils ca 1/5 der Bevölkerung Chinas aufweisen. Nach Ländern ist die Sache noch extremer, da steht auf Platz 1 Deutschland, das 2004 für  915 Milliarden $ exportiert hat, gefolgt von USA (819), China (593), Japan (566), Frankreich (451), Niederlande (359), Italien (346), Grossbritannien (346), Kanada (322) und Belgien (309). Insbesondere zeigt die Tabelle rechts auch, dass China nicht nur massiv exportiert, sondern fast für den selben Betrag importiert, während die Schweiz und Europa massiv mehr exportieren als importieren - was die USA korrigieren, die den offenbar lästig gewordenen Konsum für Europa übernehmen .....

http://www.wto.org/english/news_e/pres04_e/pr373_e.htm

Wer also unter China am meisten leidet, ist Deutschland. Deutschland ist also der wirtschaftlich schärfste Konkurrent Chinas. Unter der Perspektive müsste man das Gejammer über die wirtschaftliche Schwäche unseres Nachbarlandes (wie die eigene) ziemlich relativieren, denn die Grössenverhältnisse sind doch beeindruckend. Man muss sich hier doch ernsthaft fragen, ob "Konkurrenz" wirklich das rechte Mittel (oder bereits Wort) ist, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Konkurrenz versucht, andere zu übertrumpfen, der beste, stärkste, grösste, reichste zu werden. Ist es angebracht, dass ein Land mit gut 80 Millionen Einwohnern mehr Exportiert als ein Land mit 1.1 Millionen Einwohnern? Offenbar ist die Sache mit dem Export nicht das Gelbe vom Ei, was Wachstum betrifft. Auch hier deuten die Verhältnisse eher darauf, dass:

  1. Wirtschaftsräume sich eher von innen her entwickeln sollten, weil

  2. auch der Weltmarkt nicht beliebig viele Produkte schlucken kann.

  3. Deutschland sich vermutlich eher an China & Co halten muss, sehen, welcher Bedarf dort herrscht, welche Entwicklungsziele, um, eben gerade nicht in Konkurrenz (als Vernichtungskampf der Märkte um den Triumph der höchsten Exportquote), sondern als Kooperation, gemäss den von China verfolgten Zielen. Was kann die Deutsche (Schweizer undwoauchimmer) Wirtschaft dazu beitragen, dass China sich nachhaltiger und sozialer entwickelt - das wäre die richtige Frage. Nicht: Wie können wir China in die Pfanne hauen indem wir noch billiger und länger arbeiten als die Chinesen. (s. Definition der Freiheit als Entwicklungsfähigkeit *, n. Spencer-Brown).

Welche gewaltigen Einfluss das Exportpotential Chinas allerdings auf eine Wirtschaft haben kann, zeigt die Handelsbilanz Export/Import der USA mit China. In den letzten 20 Jahren stiegen die Importe von praktisch 0 auf gewaltige 250 Milliarden $, während die Exporte von gleichwertig bereits bis 1990 auf 1/3 sanken und nun nur noch 1/5 der Importe betragen. [s. Club of Amsterdam: Summit for the Future: Trade - Asian Leadership. Philosopher's Remarks].

2006 handelt es sich nicht um die Folgen eines Boykottes, sondern es sind erst die Monate Januar bis März berücksichtigt. [ http://www.census.gov/foreign-trade/balance/c5700.html ]


Geldpolitisches

China verfügt über schätzungsweise eine Billion Dollar an Währungsreserven. Eine Menge ... und auch wenn einzelne Schätzungen bis zu 200 Milliarden tiefer liegen, mehr als Japan. Mit dem Geld könnte China die gesamte indische Wirschaft übernehmen, deren Wert zur Zeit auf 775 Milliarden Dollar veranschlagt wird. Alle Asiatischen Länder (die es konnten) haben sich derart immense, wirtschaftlich unproduktive Reserven angelegt - um vor der politischen Einflussnahme des IWF (Deregulierung, Austerity, freie Marktwirtschaft etc.) unabhängig zu bleiben. Eine Folge davon ist, dass dem IWF die Kunden fehlen - und seine Strukturen den wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen nicht mehr angepasst sind. Belgien z.B. besitzt mehr Mitspracherechte als China. Asien, das heute einen Viertel der Wirtschaft bestimmt, hält nur einen Zehntel der Stimmrechte. Bei Anwendung eines Schlüssels per BSP würden allerdings die USA dort noch mehr dominieren als heute schon ...

Es könnte demnächst geschehen, dass China, auf Drängen der USA und des Euroraumes, den Yuan aufwertet. Dies würde allerdings nicht unbedingt die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen und das Handelsdefizit mit den USA verkleinern, sondern könnte nach und nach dazu führen, dass China zu freier Konvertibilität übergeht. Durch höhere Bewertung des Yuan kann es nämlich auch günstiger einkaufen, und sein Hunger nach Rohstoffen wie hochwertigen Produkten ist genau so enorm wie seine Produktionskapazität. Durch eine höhere Bewertung seiner Währung kann China auch günstiger Firmen im Ausland aufkaufen, und seine Arbeitskräfte dahin exportieren (s. Prato) Die Asia Times spekuliert sogar, dass bis 2020 der Yuan den Dollar als Weltreservewährung ablösen könnte, da immer dasjenige Land diese stellt, in dem sich das globale politische Machtzentrum befindet. Da Macht heute mehr von der Wirtschaft als von der Armee abhängt, und China bis 2020 die grösste Weltwirtschaft sein könnte ... dürfte Bush dann begreifen, dass der Terrorismus vielleicht doch nicht grad das grösste und dringendste Problem für die USA waren.

Eine Aufwertung des Yuan wäre in China vor allem ein Problem für die Bauwollproduzenten. Das mag banal tönen, da aber weite unterentwickelte Regionen im Westen genau davon leben, würde sich dadurch die Spaltung zwischen dem Wohlstand an den Küsten und der Armut im Zentrum und Westen noch mehr verstärken und die sozialen Spannungen kritisch. Das selbe gilt für die Zuckerproduzenten in Guangxi und Yuannan, die Soyaproduzenten von Heilongijang, die so schon nur die Hälfte verdienen ihrer Kollegen an der Küste. Die Situation ist also eindeutig zu komplex, als dass sich China auf Schnellschussthesen von Einspurökonomen einlassen dürfte.

Durch eine starke Währung würde China zu einem attraktiven Land für Kapitalanlagen, würde also noch mehr Investitionen anziehen und noch produktiver. China wird es also, egal was es tut, in den Augen der einen oder der andern falsch machen.

Des weitern scheint das Banksystem Chinas doch noch auf recht wackeligen Füssen zu stehen. Eine Krise könnte also sehr leicht dazu führen, dass der Yuan dann noch mehr abstürzt, anstatt höher bewertet zu werden.

Mit dieser Macht bekommen die Chinesen eben auch die Probleme der Macht. Sie könnten die ugly Americans in Sachen Verachtung ablösen. Die nationalen Rivalitäten mit Japan werden bereits wieder angeheizt, ebenso der Integrationsanspruch gegenüber Taiwan, und andere, weniger aggressive Tigerstaaten wie Thailand werden einfach überfahren. Warum China den Yuan trotzdem nur ungern aufwertet liegt an den daraus entstehenden internen Problemen. Eine stärkere Währung fördert den Import, und die ersten die darunter zu leiden hätten wären genau diejenigen, die bis anhin eh kaum vom Aufschwung profitiert haben, nämlich die Bauern.

INFLATION: Die Inflation hat in China 2008 den höchsten Stand seit 11 Jahren erreicht. Die Jahresteuerung betrug:

Während der grösste Teil der Welt hier von "importierter Inflation" reden mag, kann dies für China kaum gelten, da die Nachfrage von China ja einer der wichtigsten Gründe ist für die generelle Steigerung aller Rohstoffpreise.

Profitologisches

China wächst zwar mit Spitzenraten ... aber mit mässigen Renditen. Es wird zudem geschätzt, dass die Aufwendungen für Umweltschäden inkl. dadurch verursachte Gesundheitsschäden rund 10% des BSP betragen [Micheal Kuhn: Grün sein rentiert. HandelsZeitung Nr 26. 22. Juni 2005. S. 5] ... womit das reelle Wachstum etwa gleich hoch wäre wie hier, nämlich bei 0. Dies gilt aber nicht bloss für die Volkswirtschaftliche Rechnung. Auch die betriebwirtschaftliche zeigt oft recht mässige Renditen. Vielleicht ist die Idee, grosse Mengen an billigem Zeugs zu produzieren eben doch nicht das Gelbe vom Ei.

Weil der Teufel immer auf den selben Haufen scheisst, werden auch im "sozialistischen" China die Reichen reicher und die Armen eher ärmer. Der Gini-Koeffizient Chinas, der offenbar bei 0.45 liegt (Handelszeitung Nr. 6, 8.2.06. S. 10: Die Schattenseiten Chinas, von Jahn Höhn. Der Gini-Koeffizient der Schweiz liegt bei ca 0.3x) zeigt, dass das Land heute zu den ungerechtesten der Welt gehört.

Einerseits .... andererseits treibt der Boom der Küstenregionen auch die Löhne. Während ein Industriearbeiter in der Sonderwirtschaftszone Shenzen bei Hongkong im Schnitt rund 53'000 Franken pro Jahr verdient, liegt der nationale Durchschnitt bei ca. der Hälfte. Die ausländischen Investoren verlegen ihre Fabriken also zunehmend ins Landesinnere ... wenn auch noch nicht in den Westen oder gar die Berge, die entvölkert werden. Dies liegt am Zug der Städte, der insbesondere auch die bereits sehr knappen Frauen vom Land und besonders von den Bergregionen abzieht. China (wie Indien) fehlen eh rund 40 Millionen Frauen. In China der Einkindfamilie wegen, die praktisch nur noch männlichen Nachkommen eine Überlebenschance gibt, in Indien der Tradition der Mitgift wegen, die für das selbe Resultat sorgt. Frauen können also begüterte Ehemänner wählen - und einen angenehmeren. Aufenthaltsort als einen Bauernhof hinter den sieben Bergen ...

Beachtenswert ist, dass 2007 bereits 5 der grössten 10 Weltkonzerne chinesisch sind. Allerdings handelt es sich dabei vor allem um Zukunftserwartungen, denn diese Werte werden noch nicht durch entsprechende Umsätze gestützt.
 

Fälschungen, Kopien; Patentschutz, Urheberrecht, Copyright & Co

Man kann's aber auch anders sehen:

Wer in China nicht kopiert wird,
hat wohl keine guten Geräte auf dem Markt.

Beat Mettler. Vizechef Leister Ag. Spezialschweissgeräte. Wirtschaftszeitung Nr. 41.11.Okt. 06.  S. 22.

Ich versuch ab und zu, was geniales im Irak zu verkaufen, dass dort noch kaum bekannt ist, aber nützlich wäre. Erfolg = 0. Warum? A) von wegen Bakschisch und so. B) sobald etwas (also meist eine Art Maschine) einigermassen rentabel aussieht, wird es nach Syrien oder in die Türkei geschickt, um dort eine billigere Kopie herzustellen. Kriegen die das nicht hin, geht die Anfrage nach China ... und es gibt kaum etwas, das die Chinesen nicht billiger nachbauen. Mushkile .... wie die Araber da sagen. Die Chinesen sind da allerdings keine Pioniere. Bereits Geigy (heute Novartis) begründete seine Farbproduktion in der Schweiz unter Umgehung französischer Patente - und zur Umgehung französischen Grenzschutzes der eigenen Produktion.

Sehen wir uns die leidenden Geschäfte an, so wäre da z.B. Puma, das für 2 bis 3 Dollar in China produziert, und hier für gute 100 verkauft. Irgendwie darf man sich doch da schon fragen, wer denn da eigentlich der Pirat ist. Turnschuhe als schützenswertes geistiges Eigentum? Also hier in der Schweiz drückt die Bezeichnung "Halbschuh" für eine Person in etwa ähnliche Verachtung aus wie in Bagdad das osmanische Lehnwort "Kundere" (Schuh). Bevor wir also Schuhe zum Kulturgut machen und uns selbst verarschen ...

Personalpolitisches

Bei plus-minus 9% Wachstum wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden, im In- wie im Ausland. Die Kulturrevolution zwischen 1960 und 70 hat Lücken hinterlassen. Erst nach und nach wächst die erste Managergeneration heran. Dazu führt die Einkindpolitik nicht gerade zu Teamplayern - dafür aber zum selben Problem das in Europa herrscht, nämlich der Überalterung - verstärkt durch einen Mangel an 40 Millionen Frauen (männlicher Nachwuchs hat eine weitaus höhere "Überlebenschance", wenn nur 1 Kind erlaubt ist, als weiblicher ...). Manager in mittleren Positionen können zur Zeit in Schanghai, Peking oder Shenzhen zwischen 25'000 und 35'000 Dollar pro Monat verdienen. Vielleicht löst Frühchinesisch bald das Frühenglisch ab ... Ex oriente Lux.

Positiv für die Schweiz wirkt sich aus, dass chinesische Unternehmer lieber mit Schweizern als mit Amerikanern oder Japanern zusammen arbeiten.

Inzwischen (März 08) zeigt sich das Problem sogar bei den einheimischen Arbeitskräften. Da diese knapp werden, besonders die gut geschulten, und die Löhne steigen, ebenso die Mieten, wandern Betriebe, insbesondere Südkoreanische, bereits wieder aus China aus. In Schanghai wird, entsprechend dem Wirtschaftswachstum, eine jährliche Lohnerhöhung von 10% erwartet - sonst kündigen die Mitarbeiter. Insbesondere hoch qualifizierte Mitarbeiter sind in der Zwischenzeit sogar in Zug und andern Schweizer Standorten billiger zu haben als in Peking oder Schanghai!

China-Hysterie gehört seit dem 18. Jahrhundert bei westlichen Managern und Kaufleuten zu den periodisch auftretenden Krankheiten. Zu den Leitsymptomen zählt der irrationale Glaube, dass diese ungeheure Menschenmasse in direktem Verhältnis zur Grösse des zu erwartenden Profits stehe, vorausgesetzt man ist vor Ort. ... Was wäre wenn ... wir jeder chinesischen Hausfrau ein Klavier verkaufen könnten?

Isabel Hilton

M. Herzog, Basel, 20.6.05

Börsenhinterlistiges:

Unter AKONTO Berichtet der Tagesanzeiger am 15. Juli 2005, S. 51: Wachstum nicht gleich Rendite! und belegt, dass China, trotz hohen Wachstums, nur mässige Renditen erzeugt (s. Graphik links: MSCI China) Seit 1993 schrumpfte dort der Wert einer Investition von 100 $ auf gerade noch einen Viertel, nämlich 26.90 $ - während daraus in Brasilien 379 $ wurden. Die Entwicklung der Börsenwerte wird auf eine Überbewertung zu Anfang der 90er zurückgeführt.

Wie viel Nerven (und meist Geld ...) die chinesische Börse braucht, zeigt auch die Entwicklung 2006-2008. Nach rasantem Anstieg, bei dem sich die Werte verdreifacht haben, wieder ein Absturz auf die Hälfe ... (notwendige Erhöhung der Reserven bei Banken; hohe Verluste bei den staatlich subventionierten Preisen von Oel, Diesel, Benzin; Erwartung geringeren Wachstums (was China bei zur Zeit 12.8% eigentlich zu wünschen wäre).

Sieht man sich allerdings Brasilien präziser an, so zeigt sich eine beträchtliche Volatilität, also auch ein beträchtliches Absturzrisiko, denn immerhin wurde der heutige Wert schon 1998 erreicht, verfiel aber dazwischen fast vollständig. Unter den Bedingungen kann nur Geld verdienen, wer Geld hat, die Aktien also nicht plötzlich abstossen muss, sondern die Geduld aufbringen kann, bis sie (wieder) was wert sind. In China allerdings vermutlich noch länger als in Brasilien.

In der Zwischenzeit ist die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) allerdings die profitabelste Bank der Welt, mit einer Eigenkapitalrendite von 22.8% (die britische HSBC 13%, JP Morgan in den USA mit 8.7%, UBS von 26.4% 2006 runter auf -10.2% - minus 10.2%!).

. Was den Stahl betrifft, so scheinen die hohen Zuwachsraten ebenfalls bereits am Ende. Hat China vor kurzem noch 40 Millionen Tonnen Stahl importiert, so exportiert es heute bereits 10 - und hat selbst Mühe, die Produktion einzudämmen. Dazu kommt eine günstige Produktion aus Osteuropa, Russland und vor allem der Ukraine, mit tiefen Arbeits- und Energiekosten. Des weitern ersetzt Aluminium Eisen immer weiter, vor allem beim Autobau.

Millionäre und Milliardäre in Ostasien

 


Contribution for the Club of Amsterdam: The Summit for the Future: Trade - Asian Leadership: Global Trade in Open Source as well as Public Goods and Services:

From "Economy of Power" to a sustainable "Wise Economy"

 

* Die mit * markierten Links sind seit dem 23.01.08 nicht mehr am Netz, weil der Provider von www.diskussionsforen.ch, Genotec, Zensur ausübt - in eigener Regie.