
Um zu zeigen was Bildung und Flexibilität für Flexible und Gebildete am Ende bringt, hier mal ein CV aus einer anderen Perspektive als der gewohnten, also aus der eigenen, und nicht aus der Sicht der Personalchefs. Er soll Absichten, Wünsche, Träume und Vorstellungen aufzeigen die dahinter stecken - und nicht nur Erfolge, sondern auch das (relative, da bloss wirtschaftliche) Scheitern und die Gründe dafür.
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Die Berufswahl war relativ klar. Ich wollte mit und in der Natur arbeiten, Tendenz Forstingenieur. In der Gymnasialzeit hatte ich eine Phase mit starken Interessen an Biologie bis Biochemie. Da wir aber hier das Biozentrum vor der Tür haben und ich als Securitas-Nachtwächter ab und zu mir die Zeit nahm, die Aktivitäten genauer anzusehen, kam mir eher das Grausen. In der Branche arbeitet ein Forscher sein Leben lang an irgend einem Detail. Ob's dann irgendwen interessiert oder nicht, ob es zu wichtigen Erkenntnissen führt oder nicht, steht in der Luft. Nicht mein Job. [Zum aktuellen Zustand der Branche s. Die Grundlage der Pharmaindustrie und Biotechnologie: Geheimes Wissen, verschwiegenes Wissen, nur halbpatzig publiziertes Wissen .... - sich dauernd änderndes Wissen.]
Philosophie lag mir damals schon am nächsten, obwohl ich, von den Noten und von der Begabung her, eindeutig Chemie hätte studieren müssen. Da war ich ein kleines Genie ... mit einem guten Genius, der mich den grünen, brauen und violetten Dämpfe im Keller jeweils rechtzeitig entfliehen liess und die explosiveren Mischungen nur dann explodierten, wenn sie sollten.. Philosophie war mir allerdings suspekt, da man damit beruflich eigentlich nichts anfangen kann, ausser Lehrer oder Redaktor zu werden (wo wir ja heute währen, auch ohne Philosophiestudium ...). Zudem wurden damals noch Kenntnisse zumindest in Latein, bevorzugt auch in Griechisch vorausgesetzt. Da sich mein Sprachbegabung aber jeweils erst wirklich entfaltet, wenn ich eine Sprache so weit beherrsche, dass ich mein Denken darin formulieren kann, braucht es immer extrem lange Anlaufphasen (Spanisch 3 Jahre - Arabisch bis jetzt 21 Jahre, und noch nicht abgeschlossen, die Anlaufphase ....). Gut, also was praktisches und vielseitiges: Wieder zurück zur Forstwirtschaft. Dass man da Beamter wird hab ich irgendwie übersehen ... oder damit gerechnet, dass man das vielseitige und praxisorientierte Wissen dieser Ausbildung auch anderweitig anwenden könne.
Meine Lieblingsbeschäftigung, mein berufliches Ziel, war aber bereits damals die a) Entwicklungszusammenarbeit - oder b) die Forschung. a) zu wenig Erfahrung ... Sie kennen das ja vermutlich. b) zu wenig "Detailfreude". Ein potentielles Dissertationsthema wäre der Braunkern der Pappel gewesen. Mein Ansatz hätte die ökologischen Einflüsse, mögliche Verursacher, Möglichkeiten der Verhinderung untersucht. Der Professor bestand auf Untersuchung irgend eines Details bei der Tüllenbildung ... (Sie wissen nicht was Tüllen sind? Eben. So wichtig sind die meisten Fragestellungen in Dissertationen. Ein deutscher Kollege hat das jeweils anhand des, echt so vorkommenden Dissertationsthemas: Die Abnutzung des Papageienschnabels beim Picken von .... demonstriert.)
So brachte mich mein erster Job nach dem Studium 1980 als Landvermesser nach Saudi Arabien [Vermittler: Manpower]. Allerdings mit dem falschen Visum. Des weitern brachte ich es irgendwie fertig, den Flughafen in Jeddah ohne Kontrolle und vor allem ohne Einreisestempel zu durchqueren. Bis ich in Riadh ankam, hatte sich die Firma mit dem Sponsor auf den das Visum lief verkracht und ich war 3 Wochen später wieder zu Hause. Erfreulich daran, mit genug Geld für 3 Monate, die ich dazu benutzt habe, meine Spanischkenntnisse in Madrid zu perfektionieren.
In wenigen Wochen liess sich aber bereits der nächste Job organisieren: Chemische Reinigung von Pipelines im Irak. [Vermittler: Manpower]. Ein "giftiger" Job, mit tonnenweise Natronlauge, Fluoräure und dergleichen ... Da war ich ein halbes Jahr, kam mit Frau, ohne Kind, zurück, und musste dann die nächsten 3 Jahre ziemlich unten durch, so dass immer Geld da war: Bauleitung im Tiefbau für 12.-/h, im Stundenlohn. 100'000 m3 Erde bewegt und Naturgarten bepflanzt bei der Bezirksschule Rheinfelden. Dann knapp ein Jahr Sägerei + Holzbau. Bei einem Ausseneinsatz im Bau bei -20°C kriegte ich allerdings eine Lungenentzündung, das war dann doch zu viel an Natur. In der Not frisst der Teufel Fliegen, also hat der Herzog 2 Jahre lang Möbel verkauft und nebenbei sich als Berater im Naturgartenbau und Naturschutz versucht. Die meisten Biologen die heute ähnliches versuchen, wissen was das bringt, nicht viel.
1985: Nach 5 Jahren erhielt ich endlich Zugang zur Forschung und konnte mich 3 Jahre der Weisstanne widmen. [Vermittlung: pers. Beziehungen]. Untersucht wurde der Einfluss von Wassermangel, Luftverschmutzung und Kalidüngung auf den Prozess des Absterbens auf 4 genetisch unterschiedliche Provenienzen. Die Methode mit der der Versuch im Labor durchgeführt hätte werden sollen, war Schrott. Eine damalige US-Koryphäe der Trockenresistenzforschung zerschnipselte Nadeln und Blätter, legte sie in osmotische Lösungen unterschiedlicher Konzentration, und bewertete den Wasserverlust als Mass für die Trockenresistenz. Tönt ja alles gut und schön, der machte das auch schon ein Leben lang, und niemand hat ihn kritisiert. Aber Nadeln sind nun mal eben vor Wasserverlust geschützt auf Grund ihrer harten, dichten und mit Wachs bedeckten Oberfläche. So eine Nadel ist wie ein Schlauch. Schneidet man den auf, ist das auch kein Mass dafür, wie dicht er ist. In der Zeit habe ich ein beträchtliches Wissen über die Komplexität der Natur erworben - und die dadurch begründete Oberflächlichkeit genetischer Selektion. s. Baumphysiologie & Gentechnologie.
Sei's drum. Nach 3 Jahren hatte ich die Wissenschaften gesehen und wollte was Praktisches tun. Die, sofern ich mich recht erinnere einzige Bewerbung als Forstbeamter in Rheinfelden führte nicht mal zu einem Vorstellungsgespräch. Man kannte dich eben noch als Studenten, so ein Kollege. [Ich habe, ab dem 14. Altersjahr, jedes Jahr in den Sommerferien ein paar Wochen im Wald gearbeitet, auch noch als Student. Der Tätigkeit verdanke ich meine Postur, die nicht gerade dem entspricht, was man von einem Intellektuellen meist erwartet. Dies war ein Scheitern einer der ersten Karriereziele, das mir aber nicht so tragisch schien, denn die Welt ist offen ... und es war ja beiliebe nicht mein einziges Karriereziel]. Apropos Forstingenieur. Filz ist da nur das Vorwort. Als ich mich 1982 oder 83 mal in Liestal, Baselland, meldete, um meine Chancen dort zu prüfen, war die erste Frage: Woher kommen Sie? Aus Rheinfelden? Ja dann müssen sie in Aarau .... In Aarau seinerseits hiess es: Ja im Moment haben wir nichts, vielleicht nächstes Jahr, im Ostaargau. Ich hab dann jedes Jahr so ein oder zweimal nachgefragt, die Auskunft war immer die selbe. Allerdings hat mir dann mal ein Mitarbeiter des kantonalen Forstdienstes in Aarau gesagt wie man dort über mich redet: "Desinteressierter Typ!". Es wird also offenbar trotz klarer Absagen und lächerlicher Aussichten erwartet, dass man dauernd und mit ausreichender Unterwürfigkeit sein Interesse manifestiert. Dass man da seine Stärken einbringen könnte ... Pustekuchen.
1988: Nun endlich, nach 8 Jahren, kam ich in die EZ. Als APO (associated professional expert). [Vermittlung: Einige dutzend Bewerbungen ...] Also eine Art Praktikum, aber recht gut bezahlt. Da es in der FAO des öftern vorkommt, dass die Projektleiter so alt und bewährt sind, dass sie kaum einen Fuss vor das Büro setzen (können), kann man aus so einem Job einiges machen. War interessant. Allerdings nicht einfach. Da ich in den ersten 2 Jahren, brav nach Auftrag und zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber, Naturwälder im Jemen inventiert und Managementpläne verfasst hatte, wollte man von mir, dass ich damit weiter fahre. Dies war aber sinnlos, da sich im Jemen kein Schwein (Menschen noch weniger) für einen Managementplan interessiert, nicht mal wenn der auf Arabisch vorliegt. Ich hatte also einige Mühe, der FAO und der DEZA die Sache zu verklackern, bekam aber doch noch 3 x 1 Jahr Verlängerung um das Programm durchzuziehen.
Das Resultat lag dann erst weiter 4 Jahre später, 1998, als.Dissertation vor [Ich bin trotzdem kein Dr., da sie von der ETH abgelehnt wurde]. Ich hatte mich dafür 6 Jahre im Feld, in Jemen, + 4 Jahre über Literaturstudium, Korrespondenz, Analyse, Schreiben mit dem Thema Wissen und Handlung auseinander gesetzt. Es handelt sich um einen eher philosophischen Ansatz zur Entwicklungsforschung. [Weiterentwicklung: Webphilosophie: Eine recht pragmatische Wahrheit ergibt sich aus der akkuraten Inbezugsetzung, Vernetzung und Schichtung des Wissens.] Da man aber als Wissenschaftler keine Philosophie betreiben darf, war das natürlich ein Bruch mit der akademischen Welt, denn auch aus der Perspektive der darauf geschulten Philosophen kann da natürlich nicht einfach ein Ingenieur nun plötzlich Philosophie betreiben wollen. Härter zu ertragen war aber der Ausschluss aus der Entwicklungszusammenarbeit, meiner Leidenschaft. Dies ist allerdings vielen passiert, die mal im Nahen- und Mittleren Osten waren. Na, eigentlich bereits vielen, die schon nur über längere Zeit im Ausland waren. Irgendwie traut einem danach offenbar niemand mehr zu, auch anderswo von Nutzen sein zu können. Irgendwie sollte das all den Kritikern des Islam und der Region zu denken geben, denn die Freiheit des Denkens scheint hier nicht minder begrenzt als dort, bloss auf andern Gebieten. Dort ist sie eigentlich nur begrenzt, wenn es um die Kritik religiöser Grundsätze geht. Hier jedoch sitzt jeder in seiner eigenen Schachtel, sei es die Firma, die Partei, die Gruppe, der Clan, die Familie, die DAS Wissen repräsentiert ... an das sich andere gefälligst anzupassen haben.
Ich konnte einen grossen Teil der Arbeitszeit draussen, in den Wäldern, bei den Bauern verbringen und ihr Leben kennen lernen. Mein Interesse galt der Frage, wie sich die Idee der Waldbewirtschaftung, die dieser Gesellschaft fremd ist, einbringen lässt. Ich untersuchte also die verschiedenen Kommunikationsnetze und Informationsströme quasi "kybernetisch" auf ihr Steuerungspotential. Dies, weil Gesetze in diesen Ländern praktisch unwirksam sind, gerade weil sie vom Staat kommen, die Stämme aber recht freiheitsliebend, unabhängig und selbständig sind. Das Individuum geniesst in vielen arabischen Ländern eine weitaus höhere persönliche Unabhängigkeit und Freiheit - auch wenn die Staatsform Diktatur genannt wird, als bei uns.
1994: Im September 1993 lief mein Vertrag mit der FAO definitiv aus. Kontakte mit der UNESCO und GEF (Global Environmental Facility, UN) -Umweltorganisationen zur Einrichtung einer Biosphäre auf Sokotra oder des NPPA (National Parks and Protected Areas Network) fielen flach, da der Bürgerkrieg ausbrach und sich Experten kaum mehr ins Land trauten. Es lief definitiv nichts mehr im Jemen - genau so wie heute im Irak. Also packte ich meine Notizen und Disketten zusammen, hatte einige Mühe das Personal des Evakuationsfliegers zu überzeugen, dass ich die 25 kg brauche, weil 6 Jahre Arbeit dahinter stecken, und 10 kg nicht reichen, und flog in die Schweiz. Ich dachte mir schon, dass ich ein paar Monate brauchen würde um einen neuen Job zu finden. Aber ein grosser Teil der Bücher und des Materials aus dem Jemen blieb bis 2000 in der Garage ... Dann folgte Stellen suchen, international, Bewerbungen schreiben, Bewerbung zurück erhalten, Bewerbungen schreiben, Bewerbungen - etc. Sie kennen das vielleicht. So nach einem halben Jahr dachte ich dann, vermutlich stimme was nicht mit meinen Bewerbungen und liess mich [von Heidi ... hat zwar nichts gebracht, aber sie ist nett .... immer noch] beraten. Na ja ... uns so geht's seither weiter bis heute.
Trotzdem war die Geschichte irgendwie ein Erfolg: Ich war nach 3 Jahren der Forschung an der ETH in den Jemen gereist, mit der Idee, die Situation der Waldbewirtschaftung über eine multivariate statistische Faktorenanalyse klären zu können. Ich wollte wissen, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, ob Menschen Bäume pflanzen, sich um den Wald kümmern - oder eben nicht. Sie finden die Resultate einiger solcher quantitativer Ansätze im 1. Kapitel des Jemen Reports. Da aber die Statistik, auf Grund der nicht verfügbaren enormen Datenmengen, bei solch komplexen Fragen kaum mehr anwendbar ist, da mir auch bald aufging, dass Handlung nicht einfach passiert, weil irgend welche Faktoren danach schreien, musste ich deutlich komplexere Ansätze entwickeln. Sie finden das detailliert dargestellt in dem erwähnten Report. Kürzer und auf Deutsch unter: System der Wissenschaften, Planung und Management zwischen Sein und Sollen und vielen weitern.
1995/96: Da mir dann bald mal das Geld ausging suchte ich was Lokales, das mit Entwicklung zu tun hat, und trat in ein Beschäftigungsprogramm ein, das mir die Möglichkeit bot, den Einsatz von, eben Beschäftigungsprogrammen, für Tätigkeiten im Natur-, Wald- und Umweltschutz zu analysieren. [Vermittlung: pers. Anfrage] Tendenziell eine grauenhafte Erfahrung, denn die Mehrheit der Beschäftigungsprogramme argumentierte damals, vollen Ernstes, damit, sie seien wichtig weil die Arbeitslosen, "geregelte Tagesabläufe" brauchten und Pünktlichkeit sei wichtig und noch mehr so Sch... Ohne Witz, die Leute glauben das! Man sah (und sieht leider) solche Programme nach wie vor zu sehr als "Gegenleistung", als Zwang, als Dressur von "Wilden", die, nicht mehr in die üblichen zwanghaften täglichen Abläufe eingespannt, offenbar von totaler Orientierungslosigkeit bedroht sind. Dass es die dauernden Absagen sind, auch zu Jobs zu denen man hoch qualifiziert wäre, die demotivieren, deprimieren und desorientieren, darauf ist natürlich nur schwer zu kommen ... Offenbar ist das Problem noch heute nicht gelöst (s. Arbeitsvermittlung - Arbeitsmotivation - Arbeitsverpflichtung - Arbeitszwang - Arbeitslager?)
Das ist die westliche Form der Kulturrevolution und Umerziehung:
Motto: So weit kommt's noch, dass da einer sein Geld verdient mit etwas, das ihm Spass macht!
Die Situation der Arbeitnehmer begann sich ab 1990 rapide zu verschlechtern. Nachdem die einzige (?) Alternative, das sozialistisch-kommunistische System bis auf wenige Ausnahmen zusammen gebrochen war, sah das siegerische kapitalistische System nun wenig Grund, weiterhin Rücksicht auf das Lager der Arbeit zu nehmen. Es zeichnete sich damals bereits ab, dass immer mehr Firmen davon profitieren, ihre Angestellten nur genau so lange anzustellen, als sie diese produktiv einsetzen können. Dazu kam eine starke Verlagerung der Risiken mit den Konjunkturzyklen auf scheinselbständige "Outgesourcte". Dazu kam eine verfehlte Politik der Nationalbank, die die Zinsen immer dann auch noch anhob, wenn die Krise schon vor der Tür stand. Die starke Zunahme 95 bis 97 gab zu massiven Befürchtungen Anlass, dass sich dieser Anstieg nun fortsetze, bis die 20/80 Gesellschaft erreicht sei. Diese Befürchten waren natürlich genau so real, wie die Annahme, dass sich der Börsenboom von 97 bis2000 immer so fortsetze. Frustrierend zu sehen ist heute, dass wir Arbeitslosenzahlen haben wie in den Boomjahren 93/96-97 - und kein Schwein interessiert's, weil diese im Vergleich zu Deutschland immer noch Peanuts sind. Aber dies Berge sind die Ursache für die Kosten der Sozialwerke. Und diese Berge sind nicht auf Grund der Faulheit und der zunehmenden Ansprüche der Arbeitnehmer entstanden, sondern auf Grund der Rationalisierungsmassnahmen, die wenig produktive Arbeitskräfte, ohne nach den Folgen für die Gesamtwirtschaft zu fragen, einfach "freisetzen". Seit 3 Jahren haben wir nun diesen massiven Bestand an Arbeitslosen - obwohl die Börse boomte, obwohl der smi die selbe Höhe erreichte wie 2000, im besten Jahr aller Zeiten. Es ist nun kaum anzunehmen, dass die Arbeitsplätze zunehmen, nachdem der Höhepunkt der Konjunktur bereits überschritten ist.


Zahlen vom BfS: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/03/blank/data/01.html
1995/96 zeichnete es sich immer deutlicher ab, dass sich die Wirtschaft eines immer grösseren Teils der Arbeitskräfte voll oder zumindest teilzeitlich (saisonal bis über die untere Phase des Konjunkturzyklus) entledigt. Ich hatte also die Idee, dass da die Gemeinden, die Kantone, ev. gar der Staat, für Arbeitsmöglichkeiten sorgen müssten. Auch dazu hab ich ganze Bücher geschrieben ... aber gelöscht (müsste sie irgendwo auf alten zip-Disketten suchen ...). Es ist vielleicht einigermassen logisch auf den ersten Blick, fehlende Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft durch solche in Staatsbetrieben ersetzen zu wollen ... aber da ich "Staatsbetriebe" aus dem Forst, aus der Forschung, aus der Entwicklungszusammenarbeit und aus den Beschäftigungsprogrammen kenne, ist mir das ebenso ein Graus. Die betreiben nämlich präzise das Selbe, einfach mit andern "Berechtigungen": Das Wohl der Armen, des Staates, der Institution kann genau zu den selben Massnahmen führen wie reines Profitstreben. Also auch aus diesem Grunde nicht das Ei des Kolumbus. Zudem lassen sich unrentable Betriebe auch nicht erhalten, wenn sie nicht Privaten gehören. Ich bin also der Meinung, dass staatliche Betriebe genau so gut, aber auch genau so schlecht sein können (für die Angestellten) wie private. Allerdings müssen Staatsbetriebe auch wirtschaftlich nicht schlechter abschneiden als private, denn gerade die Aktiengesellschaft beweist ja, dass sich Eigentum und Kontrolle (fast) problemlos trennen lassen. Folglich könne sich auch der Staat eines Managementtyps bedienen, der nicht "staatlich", träge, beamtenmässig, bürokratisch ist, sondern marktorientiert und wirtschaftlich effizient.
Momentaner Stand meines Wissens:
Konsulent: Parallel dazu ergaben sich doch zwei Beratungsaufträge, erst in Tadschikistan, dann in Aethiopien/Tschibuti/Somaliland. [Vermittlung: einige Dutzend Bewerbungen] Trotz guter Resonanz im Feld, also am Projektort und eines Einsatzes des Doppelten der bezahlten Zeit, ergaben sich keinerlei Anschlussaufträge. Das Problem war absehbar, da der Zuständige schon vor der Konsulenz wusste, was rauskommt, rauszukommen hat. Ich hatte bereits 6 Jahre problematischer persönlicher Erfahrung in Sachen fuelwood production hinter mir, wusste, dass das so nicht funktioniert - musste aber doch so ein Projekt vorschlagen (sonst gibt's eben keinen Auftrag). Dazu wollte sich die Organisation nicht längerfristig festlegen. Eine Verhaltensänderung bei der Umweltnutzung lässt sich aber nicht in einem 3 oder 5-Jahresprogrämmlein erreichen in dem ein paar Bäume gepflanzt werden, sondern braucht einen etwas komplexeren Ansatz.. Die starke Abhängigkeit von Projekten die für Spender ansprechend sind, erlaubt nur selten, auf die wirklichen Probleme einzugehen und erlaubt fast nie, die Probleme so anzugehen, wie es vor Ort eben nötig wäre.
Noch mehr als bei den "Normalen" gilt dies bei den paternalistischen Organisationen mit "Missionsgeist", wie etwa die evangelikale World Vision, deren softheart-Konzept der Kinderpatenschaften, an die Spender getragen mit agressiv-emotionalem Marketing, nun noch von einem weiteren Entwicklungsgiganten, Plan International, auf dem Schweizer Spendenmarkt losgelassen wird. Diese tragen rein gar nichts bei zur Entwicklung von irgend was, sondern übernehmen einfach die Reparaturarbeit, die eigentlich der lokale Staat oder die Gemeinde leisten sollte, um sich selbst in ein gutes Licht zu stellen und einen Boden für ihre Mission zu schaffen.
Echt verschissen ist das Verhalten der meisten Entwicklungsorganisationen als Arbeitgeber. Die meisten arbeiten ja, unter dem Zeichen der Wohltätigkeit, mit Freiwilligen ... wobei die Leiter und Chefs natürlich auch dort "marktkonforme" Löhne beanspruchen. Auf Grund dieser wohltätigen Ausrichtung, alles zum Wohle der Begünstigten, konnten solche Organisationen Outsourcing, Teilzeitarbeit, Arbeit auf Abruf und alles was so nach und nach in den letzten 15 Jahren auch in "normalen" Betrieben durchgesetzt wurde, schon lange vorher, und ohne die geringste Kritik, zu Sparzwecken einsetzen. Der Konsulentenjob ist Arbeit auf Abruf. Diese beiden Aufträge wurden mehrfach, und um Monate, verschoben. Wenn dann allerdings die Organisation doch mal bereit ist, dann hat der Experte zu gehen, von einem Tag auf den andern. Das ist also nur denen möglich, die bereits gut in das Netzwerk, also den Filz, integriert sind. Fast immer handelt es sich auch um eine "Expertise im Auftrag". Man muss also erst sein Wissen, seine Erfahrung, seine Expertise über Jahre beweisen - und kriegt dann gesagt, was man zu sagen hat. Also werden Leute bevorzugt, die schon vor der Untersuchung wissen und akzeptieren zur Kenntnis nehmen, mit welchen Resultaten und Empfehlungen sie zurückzukommen haben.
Fazit Entwicklungszusammenarbeit:
Interessant
- aber ein Frust. Ein Knick in der Karriere. Ein Bruch. Ein Abbruch. Ein
Absturz. Ein Loch ...
Nebst den oben bloss angetönten Problemen musste ich bis 2002 erkennen, dass in der Entwicklungszusammenarbeit kein wirklicher Entwicklungsdialog herrscht, ja, sich dieser nicht mal herstellen lässt.
Alle Entwicklungsorganisationen sind in erster Linie Betriebe, die Entwicklungs-Aufträge übernehmen, oder "marktfähige" Entwicklungsprojekte formulieren.
Marktfähig heisst, sie müssen finanzierbar sein (Durchführbarkeit ist sekundär, denn irgend was kann man immer machen, und sei es bloss eine "Expertise".)
Marktfähig heisst, dass weder lokale Bedürfnisse noch Vernunft noch ein Entwicklungskonzept als organisatorisches Prinzip dahinter steht, sondern bloss die Interessen derjenigen, die bezahlen.
Wer für "Patenschaften" einsteht und/oder über geschlossene Netzwerke arbeitet, agiert paternalistisch, d.h. bevormundend, besserwisserisch.
Die EZ besteht aus zwei finanzierenden staatlichen Institutionen die gleichzeitig kontrollieren - und vielen halbstaatlichen oder privaten Entwicklungsorganisationen, die längst zu professionellen Projektmühlen geworden sind. Über Entwicklung diskutieren heisst in der Konstellation also immer über Projekte diskutieren. Die Diskussion über Projekte steht immer unter dem Damoklesschwert: Wer kriegt das Projekt? Jede Diskussion über Entwicklung läuft immer über den Filter: Mach ich (privat oder als Organisation) einen guten Eindruck bei den Spendern?
Es gibt also keine ernst zu nehmende Diskussion über Entwicklung und empfehlenswerte Richtungen der Entwicklung.
Der status quo, der sich international vernetzende Kapitalismus, wird mit all seinen ungelösten Problemen exportiert, über Buchhaltung, Berufsbildung, Strukturbildung, Schulen, Kurse, Infrastrukturbauten, Darlehen etcetc. seco macht ein bisschen grössere Kuchen mit mehr Geld und weniger Leuten, deza macht ein bisschen kleinere Kuchen mit mehr Leuten und weniger Geld. Aber im Prinzip sind die Unterschiede vernachlässigbar.
Fazit: Einige dieser Entwicklungsbeamten hätte man längst an die Wand klatschen sollen. Bei einigen würd' ich's selber gerne tun ...
Ob ich's hinter mir hab? Denk schon. Kam erst kürzlich eine Anfrage rein betr. Tadschikistan. Ich liebe Tadschikistan. Das beste Land in dem ich war. Aber nun wieder ein paar Jahre in den Busch, Russisch und Tadschikisch (eine dem Persischen verwandte Sprache, also Indogermanisch - an der Grenze zu China) lernen. Nach ein paar Jahren doch wieder hier, ohne Geld (Freiwilligenarbeit), ohne Pensionskasse ... Inzwischen Brainworker und Diskussionsforen mehrere Jahre hintendrein, d.h. tot. Da musste ich sagen: Nein danke!
1997: Da es längst klar war, dass ich als Untergebener nicht brauchbar bin, versuchte ich den Einstieg in den Handel, als "freier" Vertreter im Bereich Recycling. [Vermittlung: persönliche unverbindliche Anfrage meinerseits.] Da gibt's ganz tolle Produkte, zu denen ich stehen kann, deren Verkauf ich gerne gefördert hätte ... aber auch viel mehr Anbieter und Konkurrenz. Es gibt überzeugende, hervorragende Lösungen für die meisten Abfallprobleme. Aber teurere Investitionen verlangen langfristiges Engagement (Rheinfelden diskutiert heute noch über ein Fernwärmeprojekt, zu dem ich 1997 gerne den Häcksler verkauft hätte. Biogas wird immer noch viel zu wenig produziert und wenn, dann meist in Grossanlagen.), wobei der Verkäufer ein beträchtliches Risiko eingeht, durch Direktbestellung, ev. anderswo, umgangen zu werden. Die meisten Betriebe haben eine Lösung, sie zu Neuinvestitionen zu bringen braucht Zeit und Überzeugungskraft - die über die Qualität der neuen Produkte hinaus geht, also doch schon als Überredungskraft bezeichnet werden kann. Und da hab ich, auch bei guten Produkten, Hemmungen, denn soooo viel besser als die andern sind die eigenen ja meist doch nicht ....
Das war so die typische Situation wie unter Arbeitsvermittlung - Arbeitsmotivation - Arbeitsverpflichtung - Arbeitszwang - Arbeitslager? beschrieben: Nonkonformität wird mit Abzügen bestraft - während der Markt eben gerade das Gegenteil, also Flexibilität in jeder Beziehung verlangt. Ich hatte eine 60 bis 70 Stunden-Woche, weil ich versuchte, selbständig was zum laufen zu bringen, und lieferte so im November bloss eine Bewerbung ab. Einstellung der Zahlungen. Prüfung der Vermittelbarkeit. etc. Einige von Ihnen kennen wohl auch das. Anyhow. Es lief nix, ich war kurz vor der Aussteuerung - und kam dann per Temporärbüro zu einer Aushilfsstelle AVOR/PPS bei den inzwischen bankrotten ARFA-Röhrenwerken in Möhlin. (Ich bin nicht schuld! Bin längst wieder weg von dort!!). [Vermittlung: Manpower]. Auch das eine prächtige Erfahrung. Also zuerst hatte niemand eine Ahnung, was ich da sollte. Dann assistierte ich bei der AVOR, wurde nach und nach in die Verarbeitung der täglichen Betriebsdatenstatistik eingeführt, und übernahm die nach ca. 1 bis 2 Monaten völlig. Mit dem Job hatte sich mein Vorgänger den ganzen Tag vertrieben. Ich rationalisierte, und brauchte am Ende noch 3 Stunden. Da ich als Temporärer im Stundenlohn arbeitete, hab ich mich so zwar selbst verarscht - aber wie Sie anhand von Brainworker/Diskussionsforen sehen, hab ich immer was im Denktopf am köcherln - also keine Lust meine Zeit mit sinnlosen Trödeleien zu vertun, auch nicht mit bezahlten.
Die Tätigkeit war in dem Sinne interessant, als sie mir den vollen Einblick bot in die Organisation eines mittelgrossen Industriebetriebes (ca. 120 Angestellte). Der Betrieb war wirtschaftlich schon damals in Schwierigkeiten, meines Erachtens vor allem, weil er von Dornach aus betrachtet einfach weit weg war, und nie voll integriert wurde. Die Rationalisierungsmassnahmen die man im Sinne hatte waren mehr als Hausbacken. Von mir (Angestellt als Aushilfskraft AVOR) wurde zwischendurch erwartet, dass ich "meinen eigenen Job überflüssig mache", also die Statistik so programmiere, dass sie sich völlig selber erledige. Ich bin aber kein Programmierer ... Der damalige Betriebsleiter war nicht so der Hellste. Versprach einem Angestellten eines, dem nächsten das Gegenteil, noch bevor der erstere aus der Tür war. ARFA produzierte in Möhlin Hochpräzisionsrohre, deren Masse und Oberflächenbeschaffenheit auf Bruchteile von Mikrometern stimmen mussten. Der Maschinenpark aber war recht alt, und mussten zum Teil mit Lappen und Holzkeilen in Form gehalten werden. Investiert wurde längst nicht mehr. Aber Konsulenten, meist "Amigos" des Swiss-Steel-Filzes (Swiss Steel gibt's ja inzwischen auch nicht mehr ....), gaben sich die Türklinke in die Hand, entwickelten aber völlig unbrauchbare Vorschläge - wie auch eine Betriebsphilosophie, die höchstens so weit von Nutzen war, als die Leitung das Gegenteil dessen tat, das darin stand. Das war der letzte Job der mir ausreichend Geld brachte für Ferien: 5 Tage in Prag. Die Betriebsstatistik wurde dann von einem andern Mitarbeiter übernommen und ich konnte mich wieder auf die Suche machen.
So zum Millenniumswechsel 2000 war's dann
definitiv klar: Bewerbungen sind sinnlos. Ich bin nicht vermittelbar. Ich passe in
keine Firma. Ich bin ungeeignet als Untergebener. Mit so einem Lebenslauf können Sie sich aufhängen
- egal wie viel Sie
studiert haben, egal was sie geleistet haben und leisten könnten. (s. Problem
Überqualifikation) Also muss ich selbst was tun.
Motto:
Wer keinem Trend folgen will, muss seinen eigenen Trend setzen!
Ich setzte auf Journalismus und absolvierte ein weiteres Praktikum (mit 45 das Dritte .... Generation P lässt grüssen). [Vermittlung: RAV]. Ich hatte zuvor für einige Zeit ein kleines Tauschbulletin der Region Basel publiziert und konnte bald die Redaktion der Monatszeitschrift ®evolution übernehmen, ein Organ der Freiwirtschaft Schweiz. Die Freiwirtschafter sind eine kleine Wirtschaftssekte die für eine zinsfreie Wirtschaft, Boden als Gemeineigentum (wie bei Henry George oder den Physiokraten) eintreten und fest daran glauben, dass sich Wirtschaftszyklen über monetaristische Massnahmen, insbesondere die Umlaufsicherung, einer Art Bargeldsteuer, eliminieren lassen. Ich hab eine Unmenge gelernt über die Diskussion mit Fundamentalisten wie auch über den Geldmarkt. Die Freiwirte sind harmlos, leider auch nicht sehr konstruktiv .... ja eigentlich absolut unfähig, ein bloss halbwegs tragbares wirtschaftliches Konzept zu entwickeln. Sie bleiben der immerwährenden Propaganda des immer selben uralten Konzeptes von Silvio Gesell verhaftet. Und wenn sie nicht gestorben sind, so predigen sie heute noch ... (Vor 6 Jahren lag das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 83).
Parallel
dazu ergab sich bei SGB/SMUV die Gelegenheit, einen wirklich tiefen
Einblick in die Lohnstrukturen der Schweiz zu tun.
[Vermittlung: Umgelenkte Bewerbung als Redaktor bei work] Absicht des Projektes
war die Einrichtung eines Lohnrechners. Wie man das macht, hab ich
rausgekriegt, aber ich versuche seither umsonst, die Daten für die Auswertung,
also die multivariate Berechung einer Lohnformel, zu kriegen. Zudem war man (wie
könnte es bei dem Typen anders sein ...) natürlich auch hier frustriert darüber,
was ich so rausfand. (s.Gibt
es den gerechten Lohn?) Warum? Wenn die Löhne primär durch die Produktivität bestimmt
werden, die für jeden Wirtschaftszweig recht spezifisch ist, dann haben weder
die Gewerkschaften noch die SP irgend was zu melden. DAS Problem ist aber, warum
ein Bankmitarbeiter, der weniger arbeitet, länger lebt, angenehmer lebt als ein
hart arbeitender Bauer, mit Leichtigkeit das Zehnfache verdient. Und das Problem
diskutiert heute kein Schwein mehr ...
Dann setzte ich auf Web...dingsbums, also man nennt es Webdesign, aber mir ging's von Anfang an um die Inhalte. Da entstanden hochkomplexe Flash-Präsentationen, wochenlange Arbeit ... die auch kein Schwein interessierten. Dann versuchte ich gezielt diejenigen zu bearbeiten, von deren Fachgebiet ich was verstehe, also Forst-Ingenieurbüros und Oekobüros. Ziemlicher Aufwand. Da kam dann natürlich umgehend die Frage: Können Sie Datenbanken einbinden? Also asp und JavaScript lernen ... um dann zur Kenntnis zu nehmen, dass ja ein Privater eh kaum eine Datenbank braucht, und schon gar nicht für den Aufwand bezahlen will oder kann.
Mein grösster Fehler war und ist aber, dass ich Web's als Publikation betrachte, als Veröffentlichung, mit der man etwas mitteilen will, wobei ich unter etwas eben schon etwas wichtiges und interessantes meine, etwas, das eine Wirkung erzielt. Die meisten Webbesteller möchten aber nur sich selbst präsentieren (s. Die grössten Foren) ... und da ist es dann extrem schwierig, zumal für einen Typen wie mich, denen zu erklären, dass sie sich vielleicht etwas zu wichtig nähmen, dass man vielleicht doch ein paar wirklich interessante Dinge brauchte, damit überhaupt Besucher kommen etc. Sie finden diese Erfahrungen "anonymisiert" unter dem Stichwort "Scheissdesign" sogar per Google.
Inzwischen hab ich mehr Verständnis für solche Betriebe. Meist befinden sie sich ja ebenfalls in einer ziemlich prekären Lage der Scheinselbständigkeit, da sie total abhängig sind von Aufträgen einiger weniger Ämter, die sich so ihrer ausgelagerter Tätigkeiten günstig bearbeiten lassen. Gerade im Forstbereich dienen diese Kleinunternehmen als Puffer, wenn der Staat wieder mal Projektgelder kürzt, die Holzpreise fallen oder sonst wo Geld fehlt. Die haben also, genau wie die "Experten", zu denken und zu tun tun was man ihnen sagt.
2002: Meine Erfahrungen hab ich (zum grössten Teil ...) gratis und Franko jeweils dem Forstverein und den Entwicklungsorganisationen mitgeteilt, dutzende von Vorschlägen gemacht zur besseren Präsentation im Internet - mit der Wirkung, dass man das Gegenteil davon tat. Diese und weitere Erfahrungen in Sachen Diskussionsforen sind dort im Detail beschrieben.
Dazwischen, so alle Jahre wieder ... erhalt ich mal eine Anfrage zu einem Artikel über die Land- oder Forstwirtschaft, zwischendurch sogar zur Globalisierung.
Der beträchtliche Aufwand im Irak hat bisher
wenig gebracht. Die wirtschaftliche Lage ist katastrophal,
die Sicherheitslage ist katastrophal. Ich hoffte lange auf baldig eintretenden
Wirtschafts-Tourismus (Villa in Bagdad vorhanden bei Fatima, meiner Ex. Eine
Scheidung kann manchmal eine Beziehung verbessern ...) in dem ich meine Lokalkenntnis
für detailliertere Kartierungen oder Führungen anbieten könnte. (s.
Stadtplan von
Bagdad)
Am E-Book-Shop hab ich fast ein Jahr rumgeknorzt, da einem hier jeder sein Supershopkonzept für abertausende von Dollars verkaufen will. Nun hab ich ein günstiges, für 38 Fr. pro Monat, aber der Ertrag beläuft sich auf ca. 5$ pro Monat. [Neues Modell wird soeben eingerichtet: 11.2.07, und sollte demnächst funktionieren, mit bloss 3 Schritten. Kommt halt aus England ...]
Es wird Sie nun nicht arg verwundern, dass ich seit 2 Monaten die Miete nicht bezahlt habe, seit Juni die Krankenkasse nicht bezahlen kann, und noch 4.30 Fr. im Portemonnaie habe. Dazu kommt gerade heute noch eine Steuernachforderung aus Rheinfelden für 2003 von Fr. 49.30, also 1147% meines Gesamtvermögens ... Kommt dieses Jahr schon zum zweiten Mal vor. April-Mai hab ich von 100 Fr. gelebt, vorwiegend Reis, Nudeln und Käse. Ich hab 130 kg (in der Zwischenzeit gegen 120 tendierend), also von da her gesehen mach ich's noch lange, auch wenn nur noch Wasser da ist. Allerdings wird am 18. September das Telefon abgestellt, falls ich die 120.- nicht bezahlte, und dann bin ich am Arsch, da damit auch der Zugriff auf's Internet weg ist. ... Heute ist der 19. Ich bin noch da. Diese Telefonrechnung wurde von meiner Ex bezahlt obwohl sie seit 1998 umsonst auf Unterhaltszahlungen wartet (Na ja, sie hat als Verkäuferin auch meist mehr verdient als ich mit meinem Dipl. Forsting. ETH ...). Am selben Tag ist allerdings bereits die nächste Morddrohung eingegangen: Letzte Aufforderung. Energiesperrung. Bis spätestens 21.9.06 159.90 zu bezahlen. Weiterer Aufschub ist nicht möglich. Nun gut, denkt man, 160.- Fr. sind in der Schweiz doch keine Sache. Sogar die am schlechtesten bezahlten verdienen mit 3000.- im Monat jeden Tag fast so viel. Müsste also in 2 Tagen reinzuholen sein. Da meld ich mich also am Morgen bei Overall, der einzigen Taglöhnerei in Basel: Ja kennen wir Sie? Nein, so geht das nicht. Da müssen Sie sich erst anmelden, und dann sehen wir mal ... DAS ist die Effizienz und Freiheit des Arbeitsmarktes: Kontrollen, Ausschluss, Bürokratie, sogar auf der alleruntersten Stufe, wo man schlicht und einfach danach belohnen könnte, wird die erwünschte Leistung vollbracht oder nicht. Bei allen Vorbehalten gegenüber den USA - aber Liberalismus dort heisst eben auch, dass man jemandem eine Chance gibt zu zeigen, dass er sein Geld wert ist, und nicht für jeden Scheissjob bürokratische, in dem Fall wirtschaftsbürokratische, nicht politisch bürokratische, Hürden hinstellt. Als Versuchskarnikel bei der Pharma hab ich mich auch gemeldet ... (Vermutlich bin ich für den Job zu sichtbar ... mal sehen.). Nun will ich doch mal sehen, was das Arbeitsamt mit so einem Fall anstellt. Bei privaten Stellenvermittlern, ja sogar dem Sozialamt, kommt erst das Formular, die Bearbeitung, die Prüfung, die Verwunderung, die Rückfrage ... aber bis dahin sitz ich im Dunkeln. ... Konnte verschoben werden, auf den 6.10. Rechnung liegt nun beim Sozialamt. Dieses hat bestätigt, dass es sie übernimmt. Nun sollte man sich allerdings nicht darauf verlassen, wenn ein Amt zu irgend was zustimmt, dass es dann auch klappt. Gerade die Sozialämter sind überbelastet und und unterdotiert, da sie dem selben Hobby frönen (müssen) wie die Wirtschaft, dem Sparen. Am 11. Oktober klopft da also der Mann vom Elektrizitätswerk mit Nachdruck an die Türe ... obwohl er eigentlich nett ist und man mit ihm die Sache im Dialog gut klären kann.
Das ist aber nicht das einzige und längerfristig gesehen nicht das grösste Problem, das bei einem typischen Fall der generation p ansteht. Das grösste Problem für die Zukunft wäre die Pensionskasse - würde ich dieses Lebensmodell (akutelle Kommentare) so ernst und tragisch nehmen, wie man das allgemein, gutschweizerisch, eben so tut. Bei meinen ersten Jobs gab's ja die obligatorische Pensionskasse noch nicht. Bei der ETH (1985-88) schon, aber ohne Freizügigkeit, ich erhielt als für die 3 Jahre nur die Hälfte, ohne die Arbeitgeberbeiträge. Das Geld habe ich aber letztes Jahr aufgebraucht um die Sache mit dem E-Bookshop aufzubauen. Dann hab ich aus meiner Zeit im Jemen noch 20 oder 30'000 $ bei der FAO/UN in New York liegen, für die ich ab 60 eine Minimalstrente kiege. (Ich dachte, nach Abklärung mit vorgesetzten Stellen, dass ich bei dem Verein eine gewisse Zukunft hätte, drum die Wahl der Rente). Das war's dann, der Rest ist Peanuts (2000.- aus Temporärarbeit).
Fazit: Ich bin jetzt 51, hab keine Pensionskasse, kein Einkommen, die letzten
2 Monate weder Krankenkasse noch Miete bezahlt ... und da labern die Medien und
ihre Besserwisser
davon, wie wichtig Bildung und Flexibilität sei?
Da scheiss ich aber drauf!

Um aber weder Sie noch mich auf diesem pessimistischen Ausblick sitzen zu lassen, und Ihnen damit die Triebfeder der generation p wirklich zu zeigen, hier noch ein paar Empfehlungen - und ein trotz allem optimistischer Ausblick:
generation p könnte auch als Generation der Projektabhängigen beschrieben werden.
Projekte
Projekte
Projekte
- bestimmen das ganze Leben.
Projekte die kommen,
Projekte die sich nicht finanzieren lassen,
Projekte die nie verwirklicht werden - wie das Meiste im menschlichen Leben.
Mein Rat:
Während man das Hauptziel verfolgt -
immer zwei bis drei Notausgänge im Auge behalten,
also immer an 3 bis 4 Projekten arbeiten ...wovon mindestens 1 rentieren sollte.
1 Ich kann immer noch reich werden, hab grad wieder eine geniale Projektidee ...
Nach 3 Jahren beim Sozialamt (und Rückerstattung der Kosten dank Erbschaft), wo man sich ja um entwedernicht existierende oder nicht erreichbare Stellen bemühen muss, nie aber selbständige Tätigkeit vorbereiten darf, komm ich darauf zurück: Die gesamte Website Brainworker, Diskussionsforen, Club-of-Basel und Topologie wird neu gestaltet. Um der Idee des <Journals> endlich gerecht zu werden, sind vorgesehen:
2 Ich kann ausreichend Einkommen erzielen bis zu meinem mehr oder minder natürlichen Ableben. Allerdings bin ich auch, wenn's ums Verdienen geht, eine Oberpfeife. Geld geht mir so was von am Arsch vorbei. Hätte ich vor 4 Monaten, als ich Google adsense installierte (als Notausgang, da E-Books nichts bringen) etwas besser geprüft, hätte ich damals schon herausgefunden, dass tradedoubler etwa zehn mal so viel bezahlt - womit ich nicht nur finanziell sorgenfrei, sondern feudal gelebt hätte die letzten Monate. [Mir träumt's mal wieder von einem Steak ...]
Nach 3 Jahren beim Sozialamt (wegen Einnahmen aus eben dem Sch... von max. 300 Fr ... in 3 Jahren) fliegt der ganze Mist raus. Bringt nix bei Websites mit weniger als 1 oder 2 Millionen Besuchern pro Monat.
3 Die Chancen stehen aber ebenfalls gut, dass ich irgend wann das selbe Schicksal wählen muss, wie die Tagelöhner des 19. JH, also per Sprung vom Balkon oder einer Brücke in die "Transzendenz" hinüber wechseln. Nicht so tragisch ... Ich denke, dass sich auch Empedokles, ob er er in den Ätna sprang oder fiel? Ob er sprang um mit der Natur wieder vereint zu sein? Oder weil er es einfach überdrüssig war, dauernd zu denken und zu lehren - ohne Wirkung zu erzielen? Vielleicht hat er sich am Ätna auch nur am Bein verletzt und ist an der Infektion gestorben. Oder er ist ausgewandert ... Sisyphos wurde ja schon lange nicht mehr interviewt. Vielleicht ist es ihm eben dann doch mal verleidet, den Stein immer wieder auf den Berg zu rollen ...
Dank Erbschaft ist diese Klippe umschifft für die nächsten 12 Jahre, auf Existenzminimum, aber ohne Einsprachemöglichkeiten von Leuten die's besser wissen, aber dennoch nicht hinkriegen (> Beschäftigungsprogramme). Ich kann nun also frei arbeiten, was ich will, wie ich will, ohne Zwang. Angenehm, für mich zumindest ...
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Basel, 11.9.06/ 4.11.09
| Portfolio potentieller Berufsfelder in denen
ich über eigenes Wissen und Erfahrung verfüge und an
Aufträgen oder Anstellung interessiert wäre: in: Webpublisher / internet publisher // content redaktor-redakteur / online redaktor-redakteur / (medienautor) Redaktor Information- and/or Knowledge Broker |
out oder
Anforderungen am Markt meist zu spezifisch/einseitig
oder finanziell leider total unergiebig,
obwohl Leidenschaft oder
eigentlich keine Lust ...:
Analytiker [corporate communication / communication(s) manager (Kommunikationsspezialist) / Informationsbeauftragter / PR] |
p.s: Soooo post-modern wie das tönt ist es auch wieder nicht. Lesen Sie mal Martin Salander von Gottfried Keller. Der musste auch 3 mal bei 0 anfangen.
p.s.p.s: Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings zwischen mir und der heutigen Generation p. Die heutige Generation versucht eigentlich alles, sich anzupassen an die Wünsche der Wirtschaft hinsichtlich Ausbildung, Flexibilität, Arbeit ohne Lohn (Praktika), Zusatzausbildungen, Anpassung - während dem ich eigentlich immer versucht habe, die Dinge zu tun, denen ich stehen kann, und sie so zu tun zu tun, wie ich es für richtig halte, und das zu lernen, das mir wichtig scheint - also meist eine gehörige Portion Widerstand leisten musste. Der Umgang mit mir war und ist also nicht immer leicht. Um so ungerechter ist es eigentlich, heute sogar die "Angepassten" in die selben Probleme rennen zu lassen.
