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Martin Herzog

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Das Web dient gegenwärtig für Information, Austausch und Unterhaltung -

Wo aber liegen seine Chancen und Grenzen für Lernen, Argumentation und Diskussion?

  1. Thesen: Präsentation von Text und Kontext
  2. Antithesen: Argumentation
    1. Medienkompetenz
  3. Synthese
  4. Web-Lernen

1 Thesen: Präsentation von Text und Kontext

Das Internet scheint das ideale Forum für die Präsentation von Thesen, Meinungen, Behauptungen und Tatsachen – und damit für Diskussionen die auf Texten basieren. Es bietet viele Möglichkeiten - aber auch Einschränkungen, da es nur Symbole (Texte, Bilder, Ton) präsentiert, also nicht die Realität. Das Medium Internet hätte einige Vorteile für Argumentationen, die aber noch nicht genutzt werden.

2 Antithesen: Argumentation

Während die traditionelle wie die philosophische Argumentation linear verlaufen, also einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben, sind Gedanken und Argumente im Netzt als ganzem unorganisiert. Die Zusammenhänge sind unklar und müssen vom Nutzer erarbeitet werden.

Ziel der Rhetorik ist es, einen vorhersehbaren Effekt beim Zuhörer zu erzielen. Auch dort wo es nicht darum geht, dem andern seine eigene Anschauung aufzuprägen, sondern bloss sein eigenes Bild der Welt zu präsentieren, muss der Sprecher (oder Schreiber) in der Lage sein, seine Argumente in rationaler Folge zu präsentieren. Argumente werden so geordnet, dass sie die grösste Wirkung erzielen.

In der Rhetorik werden Argumente eher durch den Kontext bestimmt, die Zuhörer und den rhetorischen Zweck. Hier ist der Nutzen des Internets als Medium  einer konsistenten und konsequenten Argumentation, aber auch als Medium des Lehrens und Lernens, beträchtlich eingeschränkt. Ein philosophisches Argument kann, genau so wenig wie ein mathematischer Beweis, aus einer Wolke zusammenhangsloser Behauptungen bestehen. Insbesondere philosophische Arbeiten sind meist ein einziges grosses Argument.

    2.1 Medienkompetenz

Internet wie andere Medien liefern Informationen, manchmal sogar Wissen, die uns und unsere Entscheidungen zu technischen, das Wissensmanagement betreffenden, sozialen, persönlichen und auch demokratischen Fragen beeinflussen. Der Wunsch autonom zu bleiben, sich nicht unbewusst beeinflussen und lenken zu lassen, erfordert zunehmende Fähigkeiten im Umgang mit diesen Medien: Die Umkehrung der Zeitordnung von der Vergangenheit auf die Zukunft, welche die Neuzeit kennzeichnet, erfasst auch das Medium des Wissens. Sie bewirkt, dass die kollektive Wirkung des Wissens sich nicht mehr in der Tradierung der bestehenden „alten“ Ordnung erschöpft, sondern sich in Richtung Steuerung transformiert, also in Richtung einer gezielten Veränderung naturwüchsiger Vorläufe auf politisch gesetzte Zwecke. Die revolutionäre Idee der Machbarkeit sozialer Verhältnisse gründet schon bei Machiavelli nicht mehr nur auf dem gezielten Einsatz von Macht, sondern auch von Wissen. [Helmut Wilke: Systemisches Wissensmanagement. 2. Aufl.Lucius & Lucius, Stuttgart 2001. S. 290]

Zur Medienkompetenz gehören:

[Meschenmoser, H: Lernen mit Multimedia und Internet. Basiswissen Pädagogik. Unterrichtskonzepte und –techniken. Schneider Verlag Hohengehren. 2002. S. 48]

3 Synthese

Brainworker's 1. Syntheseraport als E-Book (paypal+digital download wird eben - Febr.07) eingerichtet)

Das Internet bietet eine Menge an Vorteilen:

Dem entgegen steht die Bedeutung von Strukturen für Verständnis und Lernen (s. strukturierter Text incl. Kurzinfo) und generell die Gefahr, durch zu viele Verknüpfungen die Übersicht zu verlieren, durch zu viele Inhalte (kognitive Überlastung) das Verständnis zu überfordern. Der dritte Schritt der klassischen Dialektik, die Synthese, ist im Internet noch hochgradig unterentwickelt. Firmen wie Private erwarten häufig, dass diese durch knowledge- content- oder document management Systeme geliefert werde. Dies ist allerdings ein (Alb-)Traum, denn die Synthese erfordert die höchste Gedächtnisleistung, höher als Lernen (memorieren). Synthese als Sinnstiftung kann nicht von Maschinen erbracht werden.

Konsensbildung, die Befreiung von der Gebundenheit an spezifischen Kontext (oder an eine bestimmte Ideologie), ist auch politisch eine hohe Kunst. In der Wissenschaft fehlt diese noch weitgehend, denn problematisch ist hier nicht nur der Schritt von Information zu Wissen, sondern auch der Schritt von Einzelwissen, mit jeweils spezifischem Kontext, zu einem Wissen von allgemeinerer Gültigkeit. War das Konzept der Gravitation, der Apfel der vom Baum fällt, noch relativ einfach in den Alltag einzugliedern, so war die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht, für die Gesellschaft schon schwerer anzuerkennen. Da es sich in beiden Fällen um physikalisch belegbare Tatsachen handelt, musste "störendes" Wissen sich jedoch früher oder später einfach an das neue Wissenskonzept anpassen.

Heute haben wir aber ganz andere Probleme. Nehmen wir die besonders kritischen davon, Gentechnik und Atomenergie. In beiden Fällen drängen (viele, nicht alle) Wissenschaftler darauf, diese Kenntnis zu nutzen, kommerziell zu nutzen, und widerlegen Einsprachen betr. Gefahren eher mit Herrschaftsrhetorik, der Ueberlegenheit wissenschaftlicher Erkenntnis über Alltags- und anderes Orientierungswissen, als mit Beweisen. Die Integration solchen Wissens, seine Anwendung, liegt eben in dem diffusen Bereich zwischen Wissenschaft und Praxis, in dem es nicht mehr die wissenschaftliche Analyse ist die über richtig oder falsch entscheidet, sondern der dialektische politische Prozess und das Lernen aus Erfahrungen. Gentechnologie im Kontext eines Labors oder auch Freilandversuchs ist nicht das Selbe, wie Gentechnologie, welche fremde Gene schafft und in die Natur freisetzt , ein Prozess, der durch Menschenhand nicht mehr umgekehrt werden kann, seien seine Folgen auch noch so tragisch; welche dabei auch die natürliche Vielfalt massiv einschränkt, massiver als bereits durch die traditionelle Zucht geschehen, die bereits massive Probleme verursacht, da ihre Produkte des dauernden chemischen Schutzes bedürfen.

War die traditionelle Wissenschaft in ihrem Frage-und-Antwort-Spiel äusserst erfolgreich in der Analyse von Sachbeständen, waren Pädagogik und Didaktik bis anhin doch zumindest zufrieden stellend in der Lage, den Lernenden zu vermitteln, wie sie die richtigen Antworten finden - so scheint doch bei beiden die Heuristik, die Kunst die richtige Frage zu stellen, recht unterentwickelt.

Noch weniger Entwickelt ist die Kunst, Frage-Antwort-Systeme aus unterschiedlichen Kontexten (Umfeldern) zu koordinieren, also Synthesearbeit zu leisten. Hier steht die Wissenschaft erst am Anfang (optimistisch betrachtet), wenn es um das Zusammenwirken der kausal orientierten Naturwissenschaften mit den eher final orientierten Geistes- und Sozialwissenschaften geht.   s. systems analysis, topics, Synthesestufen beim E-Book

 

4 Web-Lernen

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Anfragen an: hewww@brainworker.ch

Denken ist die Verknüpfung von Informationen zu höherwertigen intelligenteren Informationen. Gut strukturierter Lernstoff wird viel leichter behalten als unstrukturierter. Kritisches Denken beruht auf der Fähigkeit, eine Fülle von Dingen in Beziehung zueinander setzen zu können. Bildung ist die Voraussetzung dazu.

 88% der Weiterbildung in der Schweiz ist berufliche Weiterbildung - und dies obwohl auch deren Erfolg bei grassierendem Stellenabbau zusehends schwindet. Ausbildung sollte dem Rechnung tragen, und derartige Abläufe nicht einfach als Sachzwänge aufnehmen, sondern wieder vermehrt, im Sinne der Aufklärung, selbstbestimmte Persönlichkeitsentwicklung fördern. Jedes Individuum steht unter ständig zunehmendem Druck, sich "mobil" an dauern ändernde Anforderungen anzupassen - ohne die geringste Garantie, dass die Lernleistung, welche diese dauernde Anpassung nötig macht, auch bezahlt, geschweige denn durch mehr Sicherheit oder bessere Einkommen honoriert werden wird.

Was das Lernen am Internet betrifft ( Für welche Art des Lernens eignet sich das Internet?), so zeigt sich generell, dass die Strukturlosigkeit des  digitalen Informationsangebots bei extrem hoher Informationsdichte äusserst hohe Ansprüche an das Lernvermögen stellen. Während es bei linearen Texten (Bücher, Kurse) schwierig ist, gezielt an Informationen zu kommen (und auch nicht jede linear oder hierarchisch gebotene Information  brauchbar ist), führt die lineare Darstellung doch zu quantitativ und qualitativ besserem Lernen - also ein eindeutiger Vorteil der E-Books über beliebig verstreute Texte.

Hyptertext (das Internet, Intranets, CDs ...) ist dort im Vorteil, wo die lernende Person ein Vorwissen mitbringt. Für Anfänger ist es schwieriger, den Durchblick zu kriegen, Experten jedoch können mit der chaotischen Struktur des Internets besser umgehen. Eine Kombination aus linearem Einstieg und mit einer Vertiefung in Netzwerken wird als optimal empfohlen. [s. Lernen lernen: www.geocities.com/Athens/Academy/9791/lerinhy1.htm ]

Martin Herzog, WEBDESIGN für Wissensanbieter, Rheinfelden, 27.03.03