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Martin Herzog

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Strategie und Evaluation des ETH-Bereichs

nach: Evaluation of the ETH Performance Mandate (ETH Domain). Report of the visiting Committee. May 26-31, 2002. http://www.gwf-gsr.ch/deutsch/def_version_june_12_Peer_Committee.pdf/  Position Paper of the ETH Domain. June 10, 2002. Position Paper of the Secretary of State for Science and Research, 15. Juli 2002 http://www.gwf-gsr.ch/deutsch/190602-Position-paper-SE_Peer-report.pdf / Evaluation of the ETH Performance Mandate (ETH Domain). Report of the Visiting Committee, May 26 - 31, 2002 http://www.gwf-gsr.ch/deutsch/Positionpaper-PeerReview-ETH-Rat.pdf . Alle unter: http://www.gwf-gsr.ch/deutsch/eval-ethrat.htm


Der ETH Bereich umfasst die beiden Hochschulen in Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL), sowie die Forschungsanstalten PSI, WSL, EMPA, und EAWAG. Die Expertengruppe empfiehlt, die Arbeit des WSL besser mit der EAWAG zu verbinden. Was die EMPA betrifft, so sei sie, vermutlich auf Grund der Umstrukturierung und der Suche nach neuen Aufgaben, zur Zeit etwas unsichtbar. Hier wird eine nähere Kooperation betr. Materialwissenschaften mit der EPFL vorgeschlagen. Eine Arbeitsgruppe wird bis zum 1.1.04 Vorschläge machen.

Ziel der ETH: Ein international hervorragendes Unternehmen zu bleiben das der Schweiz grosse Ehre einbringt. Aufgabe der ETH ist es, erstklassige Ausbildung und Forschung zu erbringen. Dazu muss sie weltweit zu den Besten gehören und die besten Professoren und Studenten aus aller Welt anziehen (sieht also offenbar den Bildungsexport als Marktnische).

Zum "Wert" all dieser Rankings ist zu sagen, dass sie primär auf der Anzahl von Nobelpreisen und der Anzahl von Publikationen in Fachzeitschriften basieren. Die Chancen stehen also gut, dass sogar, oder gerade, die Spitzenränge, enorm "unpraktisch" sind. (s. verschwiegenes Wissen).

Auf Grund der internationalen Verknüpfung in der Forschung und Wirtschaft heute arbeiten, war die Anpassung der Schweizer Strukturen an Internationale Normen (vermutlich) unumgänglich. Hier finden zur Zeit die grössten Veränderungen statt, bei der Ausrichtung auf ein forschungsorientiertes Studium, das nicht mehr mit einem Diplom abschliesst, sonder über die Stufe Bachelor zu Master und Doktor) führt. Märkte für Absolventen? [Zu den Problemen ausgebildeter Forscher am Arbeitsmarkt s. Wissenschaftler als Manager]

Zweitens scheint die ETH von Ihrer bisherigen Hauptrichtung, nämlich dem technischen Ingenieurswesen, abweichen zu wollen und strebt in Richtung Bio..., in Verbindung mit Lebensmittelwissenschaften und medizinischer Forschung, Nahrungs- und Gesundheitsingenieure also. [Das engineered food (= malbouffe) möge ihnen in die Gedärme fahren ...].

Um eine Empfehlung der Evaluationsmission druckst der ETH Rat sichtbar herum:  Empfehlung, nämlich der Forderung nach einer Verstärkung des Technologietransfers, sowie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung und Ingenieurswissenschaften.: Technologietransfer scheint nicht adäquat entwickelt und erhält nicht die Aufmerksamkeit, die er Verdient. Dies kann an Strukturen und Ausrüstung liegen, aber auch an der grundlegenden Einstellung und Werthaltung. Beträchtliche kulturelle Änderungen sind hier an der ETH nötig. Antwort: Die Schweiz sei ein kleines Land mit einer offenen Wirtschaft und leichtem Zugang zu den Universitäten. Zweitens geschehe der Transfer über global tätige Firmen ... (Pharma, Nestle, ABB?, etc.). Auch hier zeigt sich,  dass die ETH nicht nur auf Entwicklungen setzt, die umstritten sind (Gentechnologie), sondern auch auf Transferorganisationen mit wenig demokratischem Rückhalt und Attitüden. Überlegungen zu einer Optimierung der Technologienutzung in Bezug auf weniger qualifizierte Arbeitskräfte im eigenen Land, oder ein Technologietransfer zur Förderung der Wirtschaft der 3. Welt tauchen hier nicht mal am Rande auf. Die ETH ist eine Eliteschule, geführt von einer Elite (oder zumindest von Leuten, die sich als solche betrachten.) Dies zeigt sich deutlich im:

Machtproblem mit dem ETH-Rat: Die Entscheidungen seien top heavy und top down, liessen den Institutionen zu wenig Freiheit. Der ETH Rat sollte mehr unterstützen statt anordnen, sollte den Institutionen mehr Freiraum gewähren, sich selbst zu entwickeln. Dem Trend zu Topforschung und zur Vernachlässigung (Privatisierung) der Dienstleistungen, kann die Expertenkommission nicht viel abgewinnen, da es unsicher ist, ob sich die Forschung verbessert, wenn sie keine Dienstleistungen mehr erbringen muss. Nach ihrer Meinung sollte eigentlich beides auf relativ hohem Niveau möglich sein.

Weiter Punkte die zu Fördern sind:


Zur Entwicklung der Abteilung VI: Forstwissenschaften, s. Dipl. Forsting. ETH / Currculumsentwicklung / Landscape Management

Der Beitrag ist nicht ganz frisch, von 2002. Aber "bloss" 4 Jahre später erhält er eine weitere Begründung auf einem ganz anderen Gebiet, eben dem, dass von der ETH in den letzten Jahren am stärksten gefördert wurde. Die hochgradige Spezialisierung der Biowissenschaften, die hohe Konzentration der Betriebe, stellen ein beträchtliches Risiko dar, eine so hochspezifische Ausbildung längerfristig verwerten zu können.


Entwicklungsprojekt ETH 2020

Da sich die ETH als geschlossener Verein betrachtet, stehen die meisten Dokumente der Öffentlichkeit nicht zu Verfügung, sondern die muss sich mit einzelnen Auszügen begnügen

Offenbar ist auch innerhalb der ETH der Bush, pardon, Buschkrieg voll im Gange. "Zwei Fraktionen wohnen ach in meinen Gemäuern", wird der ETH-Präsident Ernst Hafen wohl klagen. Die eine, die er vertritt wie seine Vorgänger, der ETH-Rat (Präs. Andreas Zehnder) denkt an internationale Grösse, an Starprofessoren und Starstudenten und viel Geld, dass die Kooperation mit der Wirtschaft bringen soll. Aus dem Geist erwächst die Propaganda für Gentechnologie, Nanotechnik, Info... gaga etc. - und das Abstossen zu praktischer Bereiche wie der Ingenieurswissenschaften.

Die wichtigsten Absichten der "neuen" Strategie (die schon seit 30Jahren diskutiert und verfolgt wird) waren:

So einstimmig der Schuldspruch zur Zeit lautet > Hafen, so irrig ist er. Hafen war Direktor (richtungshaltender Antreiber) dieser Strategie, aber gesetzt war diese längst vor seiner Berufung. Natürlich ist er kein armer Ausgenutzter, er hat die Strategie selbst und aus eigener Überzeugung vertreten, aber die Urheber, Patrick Aebischer (Präsident der ETH Lausanne) und Alexander Zehnder (Präsident des ETH-Rates) sind auch nach seiner Kündigung noch da und dürften die Strategie weiter verfolgen, auch ohne ihren bisher besten Heerführer. :

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass eben die Forderungen, nach denen sich die Bildungspolitik der ETH richtet: Exzellenz und Renommee, eigentlich nur bedeutsam ist für zwei spezifische Straten der Studenten, nämlich die prestigeorientierten und die aufstiegsorientierten. Bei beiden handelt es sich um konservative Mittelschicht, die Wissen vor allem für zur Förderung ihres sozialen Renommees erwirbt, aber mit Denken relativ wenig am Hut hat. Insbesondere bei den prestigeorientierten Frauen, die hier dominieren, geht es hauptsächlich um den Titel, der ihnen Status und gesellschaftliche Anerkennung verleihen - oder bessere Chancen auf einen Partner mit Sozialprestige.

Die Forschungs- und Bildungspolitik nach solchen Kriterien auszurichten find ich einigermassen peinlich für eine Hochschule ...