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Martin Herzog

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Gedanken zum IQ

Die (höhere) Bildungspolitik der Schweiz

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Wie entwickelt sich die ETH?

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Dipl. Forsting. ETH - Currculumsentwicklung

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Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit?

Nein - denn sie verschiebt sie auf die Schwächeren ...

und erklärt diese zu Unwerten (Invaliden)

(s. auch: Die praktische Bedeutung des IQ & Das Streben nach Glück in der Wettbewerbsgesellschaft - Lebensgeschichten vom hintern Ende des long tail
+
neuste Beiträge vom 24.9.06: Sozialstaat:  Sozialfürsorge, Sozialhilfe, Sozialarbeit - und die working poor - Sozialversicherungen
20.10.06:
Neoliberalismus nutzt Ausbildung als Selektions- statt als Befähigungs- und Förderungsinstrument)
17.2.06:  Bildung: Ihre Entwertung, ihre selektive Funktion und der Schabernack der "kulturellen Werte" der "Elite")
22.2.07: Sozialer Aufstieg durch Bildung - und das Aufkommen des akademischen Prekariats - am Ende des Mittelalters.

  1. Der Irrtum: Arbeitslose sind zu dumm - Bildung hilft weiter
  2. Wettbewerb um die reine Existenz macht In-Valid
  3. Die Vorteile der Arbeitslosigkeit für die Wirtschaft
  4. Nicht den Arbeitern, dem Kapital fehlt die Risikofreude
  1. Je höher die Bildungsquote, desto höher die Arbeitslosigkeit
  2. Lebenslanges Lernen - ein lebenslanger Kampf um Kompetenz und Marktwert
    1. Generation P - lebt von Anfang an prekär ... und sollte mehr sparen ...
  3. Frühenglisch, Frühfranzösisch, ... Frühverblödung
  4. Arbeit macht frei: Die verlogene Therapie der 1000.-Fr-Jobs

+ Design oder Inhalt?                                             +                     Randnotizen zum Thema "Scheissdesign" (= Schuldesign)

Immer mehr Schulabgänger ohne weiterführende Ausbildung, also meist "Realschüler", landen direkt auf dem Sozialamt, was ihre Chancen für ein einigermassen erfolgreiches, selbständiges, selbst-tätiges Leben von Anfang an ruiniert. Diesen "Leistungsschwachen" soll nun auf die Sprünge geholfen werden, indem die Ausbildungspflicht von 9 Schuljahren durch eine Ausbildungspflicht bis zur Volljährigkeit (18 Jahre) erweitert wird. Gut gemeint .... aber wie mein Mathematiklehrer schon vor 30 Jahren dozierte: + und - ergeben Minus, gut gemeint ist also schlecht. Man weigert sich einfach standhaft, die Tatsache anzuerkennen, dass Wettbewerb nichts anderes ist als Klassierung, also Bewertung, Auslese und "Verwertung" der Besten - bei der die Schwächeren schlicht und einfach auf der Strecke bleiben. Dabei könnte man das Resultat in der eigentlichen Domäne des Wettbewerbs klar sehen: Nur Spitzensportler will die Masse sehen. Alle die nicht an der Spitze sind, brauchen Unterstützung und kommen auf keinen grünen Zweig. Das Konzept "mehr Wohlstand durch mehr Wettbewerb"  ist von da her schon mal total verrottet.

Manche Kinder brauchen weniger die Disziplin eines Klassenzimmers als die einer nachahmungswerten Autorität.

(Christa Schyboll)

Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.

(Lord Halifax, brit. Staatsmann, 1881-1959)

Dazu kommt aber noch ein zweites Prinzip, das ich die Schizophrenität des Marktes nennen würde. Man will Spitzenleistungen und Spitzenleute - die sollen aber Güter und Ideen erzeugen, die sich in Massen absetzen lassen, also "mittelmässig" sind. Dadurch werden nicht nur die geistig Schwachen diskriminiert, sondern auch die Geister, die sich nicht auf Marktkonformität, oder eigentlich auf die "Produktionsgesinnung" dressieren lassen. Falls Sie das für ein Gerücht halten ... ist längst beschrieben, sogar quantifiziert, als Problem der generation p. Weder Presse noch Politik nehmen dieses ernst, da es sich ja bloss um eine Minderheit von 5 bis 8% der Bevölkerung handelt. Nun ja, aber diese Minorität zeigt deutlich genug, dass es eigentlich nicht um Bildung oder Wissen geht, sondern um "angepasstes Wissen", verwertbares Wissen ... die "rechte" Gesinnung des Wissens. Die überdurchschnittlichen Schüler werden durch jahrelange Schulung dressiert. Das in den letzten Jahren immer stärker zunehmende Genöle um die Förderung Hochbegabter könnte also nichts weiteres sein, als der Versuch, auch das Denken jener, die es beherrschen, in "die rechten Bahnen" zu lenken, also für die Produktion nutzbar zu machen und ihnen den kritischen Geist auszutreiben. Wer sich der Produktionsgesinnung verweigert, trotz bester Ausbildung, landet nämlich in präzise dem selben Topf wie die Leistungsschwachen.

Durch eine verlängerte Ausbildungspflicht - ohne ausreichend Arbeitsplätze, also Vollbeschäftigung (oder Voll-Teilzeitbeschäftigung) - werden die Jugendlichen bloss in eine Tretmühle gesetzt, wie Hamster: Leerlauf zwar ... aber immer brav im Käfig!

Wenn also schon die Elite der Sozialdienste, die SKOS-Experten, nicht 2+2 zusammen zählen können, was wollen Sie dann von den Kunden der Sozialämter erwarten?

1. Arbeitslose sind zu dumm ... Sie brauchen mehr Schulung

Schule ist zur Weltreligion eines modernisierten Proletariats geworden.

(Ivan Illich)

Bildung wirkt der Arbeitslosigkeit entgegen, unsere Arbeiter sind zu dumm, die Arbeitslosen brauchen Schulung ... auf dieser Hypothese baute das Konzept der Beschäftigungsprogramme bis vor einiger Zeit, da vor allem die weniger Qualifizierte von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Heute, das es auch Banker, Betriebsleiter und Berater trifft, die oft über eine weitaus bessere Bildung verfügen als das RAV-Personal, hört man nicht mehr viel davon. Wissenschaftliche Untersuchungen haben auch belegt, dass Kurse die Dauer der Arbeitslosigkeit eher verlängern, da die Kursbesucher sich logischerweise erst mal eher auf den Kurs konzentrieren und den absolvieren möchten, als auf Bewerbungen. Dass durch Bildung das Problem Arbeitslosigkeit nicht zu lösen ist, wurde in Österreich bereits 1989. festgestellt, während man hierzulande bis vor kurzem noch als Querulant galt, wenn man so einen Verdacht äusserte.

Das Ziel der sechziger und siebziger Jahre, mit einem egalitären Schulsystem mehr Chancengleichheit zu schaffen, ging nicht nur verloren, es hat sich ins Gegenteil verkehrt, denn die Expansion der Bildung hat die Ungleichheiten nicht beseitigt, sondern sogar verschärft.

Obige Graphik bestätigt nebenstehende Aussagen. In den USA hat der Wettbewerb dazu geführt, dass "Bildungsschwache", wozu hier bereits Maturanden und Studienabbrecher gehören, in den letzten 30 Jahren mit dauernd sinkenden Löhnen rechnen mussten. Nur für die Topleute ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

Fazit:

Bildung hilft bei der beruflichen Karriere nur dann wirklich weiter, wenn sie den Zugriff auf eine der gut bezahlten exklusiven Machtpositionen ermöglich.

Mehr gut Qualifizierte schaffen nicht mehr Arbeitsplätze - sondern sie verdrängen die weniger gut Qualifizierten von deren Plätzen, für die sie meist ausreichend qualifiziert waren. Dadurch wird der Bildungswettbewerb verstärkt und die Ausbildungskosten steigen an, ohne Mehrwert zu schaffen (mit Ausnahme der zusätzlich nötigen Ausbildungsstätten und AusbildnerInnen natürlich ...). Es ist logisch, dass Leute mit höherer Bildung und damit meist höherem IQ rascher wieder Arbeit finden, denn sie haben mehr Auswahl. Eine Person mit hohem IQ/Bildung können Sie in der Tat ebenso unter Nobelpreisträgern und Professoren finden, wie unter Hilfsarbeitern, während eine Person mit tiefer Ausbildung heute kaum mehr eine Anstellung als Hilfskraft kriegt. Es war eindrücklich, wie kürzlich in einer Fernsehsendung zur Arbeitslosigkeit eine Betroffene auf die Frage antwortete, was denn ihr grösster Wunsch sei: Eine Lehrstelle als Hilfsmalerin. Wie viel mehr Flexibilität will der Markt denn noch verlangen? Macht es wirklich Sinn, wenn hoch Qualifizierte diese Stellen besetzen, im Zeichen des Leistungswillens und der Flexibilität? Kein Witz, nach meiner Rückkehr von 6 Jahren Jemen hatte ich einige Reintegrationsschwierigkeiten (die mich bis heute verfolgen ...) und wurde vom Arbeitsamt als Hilfsmaler, Gehilfe für Umzüge, Hilfspacker "vermittelt" (Beim Hilfsmaler hab ich mich gewehrt - hätte es allerdings gemacht, wenn klar gewesen wäre, dass es bloss um 2 Wochen Aushilfe ging (die zwei Wochen fehlen allerdings dann einem Gehilfen irgend eines Betriebes. Den Möbelpacker hab ich gemacht. Zwischendurch ein bisschen körperliche Tätigkeit tut gut. Den Hilfspacker von der ETH wollte die entsprechende Firma nicht.). Wenn der Arbeitsmarkt also sagt, dass ein Akademiker, der in seinem Beruf nicht gebraucht wird, bloss noch zum Hilfsarbeiter taugt - wozu taugt denn der Hilfsarbeiter noch - dessen Arbeit zudem immer mehr durch Maschinen übernommen wird?

Arbeitslosigkeit entsteht nicht durch Dummheit der Arbeitssuchenden, sondern durch Dummheit der Betriebsleiter, der Manager. Es sind die Manager, die die grossen Betriebe führen und ihr Umfeld für die Firma, nicht für die Volkswirtschaft, optimieren. Die moderne Ökonomie hat zwar die Religion ersetzt, aber dabei aus einem komplexen Wertesystem ein monofinales gemacht: Geld, mehr Geld, Kapital, mehr Kapital, Shareholder Value als einziges ernsthaft anzustrebendes Ziel. Das ist keine zynische Randbemerkung von mir, dass ist "wissenschaftlich" (soweit man bei der Ökonomie von einer Wissenschaft reden kann ...) belegt.  (s. Cools, Van Praag). Die Kosten durch diese einseitige, systemisch mehr als suboptimale, Optimierung, trägt der Staat, der dafür von den selben, die die Kosten verursachen, auch noch angegriffen wird.

Bildung wird längst verwendet, um denen die sich umsonst um nicht existierende Stellen bewerben, dennoch die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Bildung ist aber als Selektionssystem, und Wettbewerb ist immer Selektion! höchst ungeeignet, ja ungerecht, da die Bildungsfähigkeit vom IQ abhängt und der nun mal normalverteilt ist. D.h. dass die Hälfte der Bevölkerung nun in Gottes Namen eben einen IQ von unter 100 hat. Da der IQ vererbt wird, gibt das weder Politik, noch Gesellschaft noch Wirtschaft das Recht, die Hälfte oder 3/4 oder 4/5 (= 80/20-Gesellschaft) der Menschen vom Erwerbsleben auszuschliessen. Bildung wird so nur zu einem weiteren Zangsapparat, der die Probleme dieser Wirtschaftsform aber nie lösen kann, also nie lösen wird.

Dass gerade das institutionalisierte Bildungs-un-wesen sehr viel zur Verdummung der weniger erfolgreichen und mit weniger Geld begabten beiträgt, zeigte Ivan Illichs Kritik der Verschulungsideologie.

2 Die durch den Arbeitsmarkt zu Unwerten degradierten, die In-Validen

Interessant sind hier auch die anlaufenden Diskussionen zur Sanierung der IV (Invalidenversicherung). Hier zeigen sich eindeutig die äusserst negativen Auswirkungen eines Wettbewerbs um die Existenz.

Seit 1990 hat sich in der Schweiz der Anteil Invalider ("Unwerter" in seiner wörtlichen Bedeutung) fast verdoppelt.

 

Zählen wir diese 2% zu den knapp 4% offiziellen Arbeitslosen dazu, kommen wir dem europäischen Niveau doch schon recht nahe. Noch mehr, wenn wir all die Jugendlichen dazu zählen, die in irgend welchen seltsamen Schulverlängerungen, Weiterbildungen und Kursen rumhängen, aber eigentlich arbeiten möchten.

Ein weiteres Feld, das in der Arbeitslosenstatistik nach wie vor fehlt, sind die nicht bezugsberechtigten, sei es, dass sie wegen zu kurzer Beitragsperioden von Versicherungsleistungen ausgeschlossen sind - oder wegen zu langer Bezugsdauer (Ausgesteuerte) - oder gar wegen der berüchtigten Arbeitsmarktuntauglichkeit, formuliert als "Unvermittelbarkeit". Obwohl es eigentlich niemanden wundern dürfte, dass solche Klassierungen massiv aufs Gemüt schlagen, meint Bortoluzzi (SVP, was sonst): Es braucht etwas Druck. (womit er natürlich Druck auf die unerwünschten und als überflüssig erklärten Arbeitnehmer meint - statt Druck auf diejenigen, die deklassieren).
 

Ein immer grösserer Teil davon wird arbeitsunfähig auf Grund psychischer Erkrankungen. Na ja, wer kann das schon auf die leichte Schulter nehmen,  im Namen der Produktivität als "unwert" klassifiziert zu werden ...
 

Das Risiko invalide zu werden unterscheidet sich nach Berufsgruppen. Wie zu erwarten ist es bei leitenden Berufen weitaus geringer als auf dem Bau oder in der Industrie - aber bei Universitätsabgängern (die sich in den geistigen Gefilden doch mal verirren können. s. Der Spinner) doch 2.5 mal höher als bei Absolventen einer höheren Berufsschule, die die Bodenhaftung nie ganz verlieren sollten.

"Seltsam" ist die Position der Landwirte, die aus meiner Erfahrung bloss darauf zurückzuführen ist, dass diese sich einiges verkneifen können und müssen, bevor sie überhaupt zum Arzt gehen und oft noch mit 70 oder 80 auf Bäume steigen, bis sie eben mal runterfallen.

Ein deutliches Zeichen ist auch, dass Unselbständige ein vier mal höheres Risiko haben, Invalide zu werden, als Selbständige. Der Selbständige geht vielleicht bankrott, weiss aber dennoch, warum, und wird sich nicht in jedem Falle für Konjunktur- und alle anderen Marktprobleme die Schuld selbst geben und sich seinen "Wert" selbst absprechen. Dies geschieht durch betriebliche Strukturen, insbesondere aber Mobbing.

Die Probleme der IV sind also kaum mehr, als eine Folge des zunehmenden Wettbewerbs, eines Wettbewerbs um die Existenzberechtigung.

Dass eine betriebliche Quote für die Anstellung Invalider abgelehnt wird, lässt sich sachlich sicher begründen, aber ein "ungutes" Gefühl bleibt. Denn während die Betriebe für sich freie Entscheidung fordern, allenfalls Beeinflussung durch Beratung (und staatliche Zuschüsse ...) tolerieren, so wird auf der andern Seite doch permanent von "Motivation", ja oft sogar von Zwang geredet. Hier wird ganz offensichtlich vergessen, dass sich kaum jemand ohne "Zwang" zum Unwert machen lässt - und dieser Zwänge wären erst mal zu beheben. (s. insbesondere: Die praktische Bedeutung des IQ)


http://www.bsv.admin.ch/iv/projekte/d/Botschaft_5te.pdf

http://www.bsv.admin.ch/statistik/details/d/iv_05_d.pdf

3. Die wichtigsten Faktoren, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht nach ausreichend hohen Beständen an Arbeitslosen rufen sind:
  • Eine effiziente Wirtschaft braucht einen Bestand an Arbeitslosen als Wechselarbeiter, zum saisonalen Ausgleich wie zur Verkürzung des (Zeit-)Aufwands bei Stellenbesetzungen, als friktionale Arbeitslosigkeit von mindestens 2.5%. In den USA scheint dieser Prozentsatz noch etwas höher zu liegen. Die Arbeitslosigkeit erreichte dort ihr Maximum mit 10.8% nach 1981-82, 7.8% nach der 1990-91-Rezession und "bloss" 6.5% nach der Rezession von 2000-2001. 6% Arbeitslosigkeit wurden in den USA lange Zeit als optimaler Wert angesehen!

http://www.brainworker.ch/Arbeit/gute_arbeit.htm

  •  Haben die Angestellten eine starke Verhandlungsposition (bei Knappheit von Arbeitskräften), wird sich dies für sie positiv auszahlen. Andernfalls sind die Unternehmen und Unternehmer in einer vorteilhaften Position. Vorausgesetzt die Angestellten begehen in den Verhandlungen keine Fehler - sollte ihr Anteil an der Wertschöpfung das ökonomische Maximum darstellen.

Da haben wir's. Standartargument der Arbeitnehmer bei fehlenden Arbeitsplätzen, also Arbeitslosigkeit ist: Wir müssen Gewinne schaffen, nicht Arbeitsplätze. So weit so richtig. Aber es sind die selben, die Arbeitsplätze ab-schaffen, durch Restrukturierung. Volkswirtschaftlich (s. oben: Makroökonomisch) ein Desaster, da der Konsum einbricht, betriebswirtschaftlich ein doppelter Vorteil, denn nicht nur werden Personalkosten eingespart, sondern

- mit jedem zusätzlichen Arbeitslosen wird die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer bei den Lohnverhandlungen geschwächt!

(diesem, auf mikroökonomischer Ebenen positiv Wirkenden Punkt, steht allerdings auf der makroökonomischen Ebene dafür jeweils ein Konsument entgegen, der seinen Konsum minimieren muss.)

http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/shareholder_value.htm

  • Arbeiter müssen genügsam und damit auf dem Existenzminimum bleiben, sonst glauben sie derartigen Sch... nie:

Ihr müsst mehr, schneller, länger, besser, härter arbeiten, damit es Euch besser geht!

Die Heimarbeiter im Baselland hatten die üble Gepflogenheit, die heute noch Einwohnern der 3. Welt, insbesondere Südländern und Arabern vorgeworfen wird, nur so lange zu arbeiten, bis ihr Einkommen ausreichte. Das erhöhte den Aufwand, da eine Produktionserhöhung eine höhere Anzahl Webstühle erforderte - während die Herabsetzung der Löhne die Leute ganz einfach dazu zwang, länger zu arbeiten.

Geschichte der Stadt Basel

 

4. Nicht den Arbeitern, dem Kapital fehlt die Risikofreude

 

Die Frage, ob die Schweizer zu wenig gebildet, risikoscheu, unproduktiv, zu wenig innovativ oder flexibel seien, und darum das Wachstum stagniere, lässt sich einfach beantworten. Das liberale Musterland, die USA, "vergibt" einem Unternehmer das Scheitern, den Bankrott, die Schulden in bloss 1 (in Worten EINEM) Jahr. Die Engländer, treue Bundesgenossen, in 2 Jahren. In der Schweiz jedoch kann man für das Scheitern 20 Jahre lang zur Kasse gebeten werden - erhält also quasi "lebenslänglich" als Strafe.

 

Wer hier selbständig was probiert, erhält erstens mal kein Geld, riskiert sein ganzes Kapital und seine Zukunft, und wird im Falle des Scheiterns noch als Sozialschmarotzer verarscht. Stellen Sie sich mal vor, wie viele unternehmerisch Denkende Menschen hierzulande was versuchen würden, hätten sie die Chance, auch beim Scheitern nach nur einem Jahr ohne Schulden neu beginnen zu können?

 

Das Kapital, das selber am ängstlichsten und unflexibelsten agiert, versucht Mitarbeiter, Lieferanten, Natur, Umwelt, Gesellschaft und Staat bis auf den letzten Tropfen auszupressen - statt mal in den Spiegel zu schauen und zu bemerken: Aha ... daaaaa ist das Problem!

 

Also, liebe Arbeitslose, seit nicht so lieb zum RAV und den Tätern, lasst Euch nicht einreden, Ihr und Eure mangelhafte Ausbildung, Marktanpassung, Selbstpräsentation, Bewerbungsunterlagen, Euer zu hoher Lohn etc, etc, sei schuld, sondern werft den Vorwurf mal denen an den Kopf, die ihn wirklich verdienen. (Nicht mit einem darin eingewickelten Stein, denn sie sollten erst mal drüber nachdenken  können ...)

5. Je höher die Bildungsquote - desto höher die Arbeitslosigkeit

Wäre die Hypothese der positiven Wirkung von Ausbildung auf den Arbeitsmarkt und gegen die Arbeitslosigkeit auch nur tendenziell richtig, so müssten doch diejenigen Kantone mit der höchsten Bildungsquote über die am besten laufende Wirtschaft mit den geringsten Arbeitslosenquoten verfügen. Die Realität zeigt präzise das Gegenteil. Westlich vom Röschtigraben und im Tessin wird der IQ viel intensiver genutzt. Maturitäts- wie Studienquoten liegen weit über 20%, während diese in der Innerschweiz zum Teil sogar unter 10% liegen. Die Arbeitslosenzahlen zeigen allerdings präzise das selbe Bild, sie sind am höchsten in Genf und der Westschweiz, am tiefsten in der Innerschweiz. Die Graphik: Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Bildung macht dies deutlich: Je höher die Arbeitslosigkeit, desto mehr Bildung (erhöhte Konkurrenz um eine beschränkte Anzahl Arbeitsplätze) - oder umgekehrt - je höher das Bildungsniveau, desto höher die Arbeitslosigkeit (höhere Ansprüche).

Das Selbe lässt sich auch für Zürich-Stadt zeigen, die gleichzeitig die höchste Dichte an Akademikern aufweist (25.2% gegenüber 11.7%, dem Durchschnitt der Schweiz), aber auch eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote (s. Graphik u). Der positive Bildungseffekt wird also durch den negativen Stadteffekt (erhöhte Anspruchshaltung, geringere soziale Kontrolle) mehr als aufgehoben ... und auf dem Land haben Akademiker eh kein Brot.

Der Anteil an Akademikern in der Altersgruppe 25-34-jährige stieg von 1998 bis 2003 von 14 auf 20%, womit er nun dem Durchschnitt der OECD-Länder entspricht. Der Anteil derer die eine gymnasiale oder Fachmatur erwarben stieg in der selben Zeit von 23 auf 30%.

http://www3.stzh.ch/internet/fste/home/wirtschaft_top/kennzahlen.ParagraphContainerList.ParagraphContainer1.ParagraphList.0007.File.pdf/Kennzahlen_01_2005.pdf

Arbeitslosigkeit und Ausbildung  
     
Maturitätsquote Arbeitslosenquote MQ/ALQ
GE 32 5.1 6.3
TI 29 4.4 6.6
JU 24 2.8 8.6
NE 24 3.9 6.2
BS 22 2.5 8.8
FR 21 2.5 8.4
VD 21 4.1 5.1
VS 20 3.5 5.7
BL 19 1.8 10.6
ZH 19 2.9 6.6
CH 18 2.7 6.7
AR 16 0.9 17.8
GL 16 1.5 10.7
AG 16 2.1 7.6
SH 16 2.8 5.7
GR 15 1.6 9.4
ZG 15 2.3 6.5
SO 15 2.5 6.0
NW 14 0.6 23.3
SZ 13 1.5 8.7
BE 13 1.9 6.8
AI 12 0.5 24.0
LU 12 1.9 6.3
SG 12 2.2 5.5
TG 11 2 5.5
OW 9 0.6 15.0
UR 9 1 9.0

Die Maturitätsquote zeigt entsprechend dem Bildungsbedürfnis einen beträchtlichen Anstieg. Hier der Vergleich zwischen 1980 und 2004. In der bildungsschwächsten Region (- interessanterweise, und dem Titel hier entsprechend, mit der geringsten Arbeitslosigkeit ...), die Innerschweiz, erhöhte sich die Maturitätsquote von gut 5% auf fast 15%, in Genf von 20% auf 30%, im Schnitt also um knapp 10% - eine beträchtliche Aenderung - ausser bei Basel Stadt und -Land, wo sich diese Entwicklung vermutlich bereits früher abgespielt hat.

Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den zunehmenden Bildungsdrang der Frauen  Männer, die hier mit 22.8% (2007)weitaus stärker vertreten sind als die Männer mit 15.7%.

[Bildungsbericht 2006. S. 92]

Während der Punkt bei dem mehr Frauen mit Matura abschlossen als Männer 1990-93 erreicht wurde,
schliessen erst seit 2006 mehr Frauen als Männer das Hochschulstudium ab.

Mehr Bildung ist also kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit, sondern eine Folge davon. Mehr Bildung erhöht den Konkurrenzdruck und die Weiterbildungskosten - nicht aber die Zahl der Arbeitsplätze, oft zwar den Lohn, aber selten die Rendite (s. Bildungsrendite (folgt später)).

Löhne und Arbeitsplätze müssen immer wieder im Dialog mit "dem Kapital" ausgehandelt werden. Dafür brauchen wir starke Gewerkschaften ... mit gebildeten Funktionären, die aber so gut gebildet sind und über ausreichendes Selbstbewusstsein verfügen, dass sie Kompliziertes so einfach sagen können, dass auch die Hälfte der Bevölkerung, die ohne eigenes Verschulden mit einem IQ von unter 100 lebt, verstehen können, wo die Probleme liegen. Zur Zeit wird diese Schicht aber bloss von der SVP angesprochen.

6. Lebenslanges Lernen* - ein lebenslanger Kampf um Kompetenz und Marktwert

Wir müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen.

J.W. von Goethe

Der Slogan des lebenslangen Lernens, der uns seit Jahren von RAVs und andern Beratern um die Ohren gehauen wird, führt nicht zu einer Befreiung von Zwängen, sondern ist der Zwang einer dauernden Anpassungsleistung an den Markt mit seinen unvorhersehbaren Entwicklungen. Wer nicht mitmacht geht unter, wer den falschen Bildungsstrang erwischt geht ebenfalls unter ... und hat dazu noch Schulden. Diese Art von "Bildung" ist bloss reaktive Krisenverarbeitung. Die Aussage von Heinz Gruber (Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft. Momentaufnahmen zum lebenslangen Lernen in Oesterreich. www.lebenslangeslernen.at/downloads/Homepage_TagungLLL_Gruber.pdf ) macht Anspruch und Illusion deutlich:

Nur wer ständig dazulernt - und zwar im umfassenden Sinne des Wortes - wird beruflich und sozial adäquat auf die verändere Umwelt reagieren können und zugleich in der Lage sein, an einem Lebensentwurf festzuhalten, der mit individueller Sinnstiftung und der Kontinuität von Werten verbunden ist.

In einer Welt in der sich die Ansprüche an das Wissen rascher ändern als sich das neu produzierte Wissen verarbeiten und erwerben lässt, wird jeder Lebensentwurf zum Würfelspiel. Mitscherlich kritisierte bereits 1974, dass: Erziehung  vielfach eine Erziehung zu Vorurteilen, also zu Dummheit ist: Erziehung, planmässige Vermittlung, fordert häufig nicht auf zu denken, zu beobachten, abzuwägen, sondern in Konformität zu handeln, so wie es alle tun.

Das Arbeitsvermögen ist nichts, wenn es nicht verkauft wird.

Karl Marx

Der vermutliche Erfinder des lebenslangen Lernens, Johann Heinrich Zedler, bemerkte bereits1749 in seinem Lexikon, im Artikel zu "Oekonomische Zeitungen": Denn ein Mensch muss, so lange er lebt, in der Erkenntnis der Wahrheit zu seiner Glückseligkeit theils durch Erfahrung, welches entweder die eigene oder fremde ist, theils durch Nachdenken lernen, sonst wird er bald in diesem und jenem Stücke, sonderlich in der Gesellschaft der Menschen, die neben ihm sind, und immer weiter kommen, ein Ignorant, und sich sowohl als andern unnütze werden. [Richard van Dülmen, Sina Rauschenbach [Hrsg.]: Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. Böhlau Verlag Ag, Köln, Weimar, Wien. 2004. S. 578] Es ist hier nur eine "Kleinigkeit" ... aber beachten Sie, dass Zedler vor 250 Jahren das Denken noch erwähnte, während heute nur noch vom Lernen geredet wird! Gerade aus diesen Anfängen der Aufklärung können wir für die heutige Zeit wichtiges lernen:

Oft ist die Volksaufklärung in der Forschungsliteratur als gigantischer Disziplinierungsversuch aus ökonomischem Kalkül beschrieben und als "verhältnismässige Aufklärung" charakterisiert worden, die den neuen Adressaten zusätzliches Wissen nur insoweit zugestehen wollte, als diese es für die bessere Ausübung ihres Berufes benötigten. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts geschah aber der entscheidende Schritt zur Moderne: Lasst euch von niemanden überreden, dass ihr das Nachdenken über Religion und politische Gegenstände den Gottesgelehrten und Staatsmännern ohne Schaden überlassen könnet.

Nun ersetzen Sie mal die Gottesgelehrten (die Staatsmänner wären heute eh bloss noch Politiker ... Handelsvertreter der Partei-Meinung) durch Ökonomen - dann haben wir präzise die heutige Problemlage, in der wir uns immer noch an diese 200-jährige Empfehlung halten sollten!

Kritische Erkenntnishaltung im Interesse der nachwachsenden Generation sollte darüber wachen, dass Unterricht nicht zu schnell zur An- und Einpassung verkommen, sondern nach dem Sinn der vielen Tausend Unterrichtsstunden fragen.

Dennoch können wir uns nicht von der Entwicklung überrollen lassen. Um sich in der zunehmenden Informationsflut zurechtzufinden braucht es die Schlüsselkompetenz des kritischen Denkens, die Fähigkeit, relevante Informationen zu erkennen, Wissen von Werbung zu unterscheiden und Fakten von Manipulationsversuchen zu trennen. Lebenslanges Lernen dient also nicht nur dem Markt, aber es ist die beste Voraussetzung, um sich frei bewegen und ihn aktiv mitgestalten zu können. Ebenso ist eine aktive Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben ohne lebenslanges Lernen undenkbar. (H. Gruber)

Die Notwendigkeit einer Bildung für alle, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Erwachsenenbildung, wurde ca. 1970 erkannt. Bis 1973 hatten nur 34% der Bevölkerung irgend wann einmal einen Kurs besucht. Ebenso unterscheiden sich die Interessen an Bildung gewaltig (s. Kommunikationsanalyse):

Der Club of Rome forderte bereits ein partizipatorisches und antizipatorisches Lernen:

Die weitgehend durch staatliche Verordnung geregelte Grundausbildung wird zunehmend mehr zur Startvoraussetzung für unübersehbare Entscheidungsrennen hinsichtlich bestimmter späterer Tätigkeiten. … Das als Folge dieses Prozesses propagierte lebenslange Lernen heisst aus dieser Sichtweise lebenslange Bemühung um den individuellen Marktwert … Lebenslanges Lernen ist mit aller Doppeldeutigkeit lebenslängliches Lernen, ist die lebenslange Angst um Kompetenz; da es die ständige Erfahrung vermittelt, nichts bzw. immer zuwenig zu können und zu wissen. Diese infantilisierende Erfahrung macht das Subjekt auf dem Markt noch inferiorer, da sein ganzes Bestreben darauf gerichtet sein muss, dort wenigstens kurzfristig als vollwertige Arbeitskraft anerkannt zu werden. Anerkennung aber gibt, wenn die öffentlichen Institutionen diese nicht mehr über langfristig gültige Titel gewährleisten können, nur der Abnehmer von Qualifikationen, der Unternehmer also. Dies schlägt auf die Form der Weiterbildung in sichtbarer Weise durch. Bildung geschieht , auch von der Subjektseite her, nur nach kalkulatorischen Prinzipien des kurzfristigen Marktgewinns (die bildungsrelevante Seite der Job-Mentalität). Im Extrem: Die Qualifikation hat keinen Marktwert mehr, das Subjekt läuft ihm daher ununterbrochen nach. Nur noch ein kleiner Schritt ist es, von der zunehmend leichteren Verderblichkeit von Bildung (wie Bildungsmanager ihre innerbetrieblichen und ausserbetrieblichen Expansionstendenzen legitimieren) zur leichten Verderblichkeit derer, die gebildet werden. (Geissler, K.: Strukturelle Verschiebungen in der beruflichen Weiterbildung. Vernachlässigte Aspekte zum Thema Technik-Folgen. In: Bildung und neue Technologien. Symposion im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Lisop, I. (Hrsg.), Heidelberg 1986, S. 79 f

 

Es ist ausgemacht, dass Gott die Weiber nur geschaffen hat, um die Männer zu zähmen.

Voltaire

Bildung, als Verständnis für die Vorgänge in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Umwelt, ist notwendig als Grundlage politischen Handelns und demokratischer Mitsprache. Bildung pervertiert jedoch unter dem grassierenden Oekonomismus immer mehr zur Investition, die es zielgerichtet einzusetzen und möglichst rasch zu amortisieren, d.h. zu Geld zu machen, gilt , da sie in 2 Jahren bereits nur noch die Hälfte wert ist. Hier wird zudem Bildung mit Ausbildung (Schulung, Training) verwechselt, oder gar mit Dressur. Leider ändern daran gerade emanzipierte Frauen auch nichts, denn es ist ein bevorzugtes Feld vieler Beraterinnen, Ihren Ratsuchenden das "richtige" Verhalten, Dresscodes und dergleichen mehr beizubringen, statt die Menschen zu befähigen, die Struktur gesellschaftlicher Rollen zu durchschauen und im Sinne ihrer eigenen Interessen zu verändern.

Die Förderung der Bildung erfolgt allerdings nur auf Grund von Kriterien des Arbeitsmarktes – nicht nach Neigung und anderweitigen Bedürfnissen der Kursbesucher. Bildung macht, 25 Jahre nach Freire, immer noch die Lernenden zu Objekten und verweigert ihnen ihre Rolle als interessenorientierte Subjekte.

* Übrigens auch dies eigentlich nichts neues auf der Welt, sagte doch bereits der chinesische Philosoph Laotse im  4-3 Jhd. v.Chr.:

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.

Johann Amos Comenius, ein bömischer Pädagoge, forderte ähnliches, allerdings als altersgemässe Schule, bereits im 17. JH:

Wie für das ganze Menschheitsgeschlecht die Welt eine Schule ist, von Anbeginn der Zeit bis zu ihrem Ende, so ist auch für jeden einzelnen Menschen sein ganzes Leben eine Schule, von der Wiege bis zur Bahre. Man muss nur jedem Alter das zu tun geben, wozu es geeignet ist, dann wird unser ganzes Leben bald von dem erfüllt sein, was wir lernen, tun und ins Werk setzen sollen. Wie nämlich jeder Tag, wie jedes Jahr seine Teile hat und diese wiederum ihre Abschnitte und ihre besonderen Aufgaben, so auch das ganze Leben.

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Rheinfelden, 18. Februar 2003

Eine der schlechtesten Voraussetzungen, die Sie für die Arbeitssuche mitbringen können, ist diejenige, überhaupt eine Stelle zu brauchen. Sie bekommen keinen Job, weil Sie keinen haben.

1. Bewerbungsschreiben: Vergessen Sie Parolen wie: "Man sollte immer mindestens zehn Bewerbungen laufen haben." In Zukunft soll gelten, dass Sie die Anzahl anhängiger Bewerbungen danach richten, wie viele Absagen Sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums ertragen können.

3. Persönliche Daten: Die Altersangabe sollte dem gewünschten Job angepasst werden. So wenden sich Stellenanzeigen von Werbeagenturen grundsätzlich nur an Kandidaten zwischen 17 und 21 Jahren. Ebenso empfehlenswert ist es, sich als hochmotivierten Twen darzustellen, wenn es um eine Position in der Consultingbranche geht.

5. Ausbildung: Die beste Ausbildung ist, gar keine. Dann haben Sie wenigstens keine falsche. Haben Sie eine Ausbildung, haben Sie nämlich immer die falsche. Haben Sie zu viel Ausbildung, sind Sie gefährlich: Sie könnten Ihren Chef aushebeln.
Oder Sie könnten eines Tages einen besseren Job annehmen und sich damit in den Augen Ihres jetzigen Vorgesetzten für den Rest Ihres Lebens vor Gott und den himmlischen Heerscharen versündigen.

6.1 Generation P ... für Prekär oder Praktikum ... oder bpetrogen, bpepisst. Von Zukunftsplanung kann keine Rede sein.

[s. auch: Sozialstaat:  Sozialfürsorge, Sozialhilfe, Sozialarbeit - und die working poor]

Persönlicher Rat für solche, deren Ausbildung und Erfahrung in kein Raster passen:

Wenn Sie an einem ähnlichen Problem leiden (wie ich übrigens auch, mit 51 immer noch ... liegt daran, dass man als Forstingenieur entweder sehr früh drin ist, im System, oder aber eben sehr früh raus, und zwar völlig, total, absolut, denn überall wo sie nicht im Wald arbeiten heisst es dann: Was macht der hier? Soll in den Wald! In diesem Sinne - gelobt sei die Flexibilität - wenn sie nicht bloss von Angestellten verlangt würde.), also wenn Sie eine Menge Erfahrung und Wissen haben die nirgends und niemand passen, dann pfeifen Sie mal auf das traditionelle Vorgehen bei Arbeitsämtern mit Profil, Stärken, Schwächen, da dieses auf ein präzises Jobprofil abzielt, dass Sie ja eben nicht haben, sondern durchsuchen Sie die Stellenanzeigen, international, ohne sich zu beschränken (Ich hab grad Heimweh nach dem Orient). Sie werden relativ rasch merken, dass es recht viele äusserst gut tönende und oft auch gut bezahlte Jobs gibt, in denen sich Ihr Wissen perfekt anwenden liesse. Vor allem werden Sie auch rasch rausfinden, dass es für recht harmlose Jobs mit mässigem intellektuellem Anspruch oft relativ hoch tönende Bezeichnungen gibt - aber immer auf Englisch natürlich! Wenn Sie die nicht kennen, finden Sie auch nix.

Und dann machen Sie aus Ihrem persönlichen Hintergrund etwas, das dem vom Markt geforderte Profil am besten entspricht und geben dem den rechten Namen.

In Italien wurde das Problem zuerst bewusst, in Frankreich hörbar formuliert - aber es besteht auch in der Schweiz. Während Politiker aller Couleur den Bildungs- und Forschungsplatz Schweiz  nicht genug loben können, währenddem alle ebenfalls die Bedeutung von Innovation und Fortschritt und Wachstum und Wettbewerb betonen, gehen diejenigen, die am meisten für die Bildung investiert haben, unter. Es mangelt an anspruchsvollen ... und bezahlten Jobs (sonst wäre genug zu tun ...). Der Staat ist seit Jahren auf Sparkurs - womit der wichtigste Träger für die meisten ausgebildeten Forscher flach fällt. Diese werden als Berufseinsteiger von der Praxis in Praktika abgeschoben, wo sie (fast) gratis (fast) alles machen (müssen.). Praktika sind offenbar ein weiteres Mittel zur fortschreitenden Hausfrauisierung der Wirtschaft.

CASH liefert am 13. Juli 06 nun auch Beispiele aus der Schweiz. Auch hier sind inzwischen 6% aller Universitätsabgänger und gar 8% der Fachhochschulabsolventen arbeitslos (Werte von 2004, 2005 in Auswertung]. Als netter Rat kommt dann noch: Die Jungen werden wieder das Sparen lernen müssen ... während in Hartz IV die Sparfreibeträge von 200 Euro pro Lebensjahr auf 150 gestrichen wurden. Wer also mit 50 arbeitslos und ausgesteuert wird, und vielleicht 50'000 Euro gespart hat, muss die verbrauchen bis ihm noch  7500 Euro bleiben, also 2 bis 3 Monate Miete und Lebensunterhalt. Bei DAX sind z.B. 42% der Stellen Praktika!

Von einigen Zeitungen werden die Leute grad nochmals verarscht, wie etwa in der Süddeutschen Zeitung: Schließlich sind die Probleme der Generation Praktikum nicht existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja erstmal leisten können – wirklich dreckig geht es erst dem, der jeden Job annehmen muss. ... Mag sein, dass in einigen Jahren auch die verzweifeltsten Vertreter der Generation Praktikum ihren Traumjob – und das heißt in diesen pragmatisch dürren Zeiten: irgendeinen Job – gefunden haben werden. Für ein halbwegs gutes Benehmen könnte es hilfreich sein, sich dann an die Demütigungen zu erinnern, die man auf dem Weg dorthin erfahren hat. Vermutlich arbeiten an der Süddeutschen auch ein paar "Praktikanten". So trottelige Stellungsnahmen sind sonst selten zu kriegen. Wo eine ganze Generation mit Leistungsforderungen immer schneller (Frühenglisch, Frühfranzösisch, Frühchinesisch, Frühdifferentialrechnung etc.) ohne Rast durch die Schule gehetzt wird - mit dem leeren Versprechen, nur mit Bildung komme man heute weiter - und dann mit dem Diplom in der Hand den guten Rat kriegt: Jetzt müsst ihr halt irgend was machen ... als wir noch jung waren ... (womit sie allerdings dann ihre Eltern zitieren, den die die jetzt an der Macht sitzen, wurden direkt durchgewinkt mit dem Diplom), während die Situation heute so aussieht:

Wenn ein begehrter Job zu vergeben ist, wenden sich die Arbeitgeber übers Internet an eine anonyme Masse, aus der sie per Rasterfahndung den „Wunschkandidaten“ heraus scannen. Dabei brüsten sich immer mehr Unternehmen wie früher nur Schauspielschulen mit der Anzahl der Bewerber für einen Job, um ihre Macht gegenüber dem Einzelnen zu demonstrieren.

Und präzise das sehen auch die Mitarbeiter. Wo sich Dutzende für eine Stelle vorstellen müssen, die alle besser qualifiziert sind als der oder die Auswählende, aber dennoch seufzend weiter gesucht wird mit dem Argument: Es gibt einfach kein gutes Personal mehr müsste man den/die Betreffende/n einfach mal den Spiegel vorhalten, sie allenfalls daran erinnern, was sie selbst vor 20 oder 30 Jahren wussten, als sie anfingen, denn bloss da liegt die Krux: Man will gleich die 20 Jahre Erfahrung mit, aber bei gefügigen Jungen, und ohne dafür bezahlen zu müssen.

In Italien beträgt das Durchschnittsgehalt der unter 40-jährigen knapp 1200 Euro. 25% sind arbeitslos, im Süden sogar 60%. In Frankreich suchen 22% der unter 25-jährigen Arbeit. Der belächelte Aufstand richtete sich gegen eine neue Verordnung, mit der die Probezeit auf 2 Jahre verlängert wurde, wonach Entlassung ohne Grund möglich ist.

Generazione 1000 Euro ist eine Bewegung, die in Italien von Alessandro Rimassa und Antonio Incorvaria gestartet wurde:

Sie heissen Alessio und Laura, Marta und Paolo. Sie sind um die dreissig, haben Architektur oder Sprachen, Wirtschaft oder Informatik studiert. Sie arbeiten in Unternehmen, Medien oder an der Universität, sie haben Projektstellen, Zeitverträge oder eine feste Anstellung. Bei allen Unterschieden ist ihnen eines gemeinsam: Sie verdienen kaum mehr als 1000 Euro im Monat.  Von diesem neuen, best ausgebildeten akademischen Proletariat gibt es in Italien inzwischen über 2.5 Millionen + eine halbe Million freier Mitarbeiter und prekär selbständig Erwerbender (wie der Schreibende ...). Nicht nur das geringe Gehalt, auch der Mangel an beruflichen Perspektiven sorgen für Frust. Und dennoch haben sie ihre Lebensfreude nicht verloren. Mit Witz und einigem Improvisationstalent schaffen sie es gerade bis zum Ende des Monats über die Runden zu kommen und trotz ihres schmalen Geldbeutels die schönen Seiten ihres Low-Cost-Lebens zu geniessen. [Mario Lühe: Der Mangel an beruflichen Perspektiven sorgt für Frust. Tagesanzeiger, 30.5.2006, S. 49]

Miklós Gimes: Die verlorene Generation. Tagesanzeiger Magazin  26, 2006. S. 20-29

Auch Japan kennt die verlorene Generation, in Form der Freeters, die als Teilzeitkräfte weniger als 10 Fr. pro Stunde verdienen, damit aber kaum leben, geschweige denn Renten- und Krankenkassenbeiträge oder Steuern bezahlen können. Wer in Japan nach dem Studium nicht sofort unterkommt und ein paar Jahre rumtrödelt, hat keine Chance mehr auf eine gute Stelle (so ähnlich wie hier und in Deutschland, wenn Sie ein paar Jahre im Ausland gearbeitet haben, Entwicklungszusammenarbeit und so ...).  Obwohl sich die japanische Wirtschaft einigermassen von der langjährigen Deflationsphase erholt hat, sind dabei die kleinen Läden, mit ihnen die einfachen Jobs, verschwunden. Die wichtigsten Verlierer aber finden sich nicht mal in der Provinz, sondern in der jungen Generation, die keine Anstellung mehr fand und findet, als Teilzeitkraft Vollzeit arbeitet und sogar Ueberstunden leistet, aber ohne Prämien, ohne soziale Sicherheit und für wenig Lohn. 1/3 der Japaner arbeitet heute Teilzeit. Und, genau wie hier, zögern die Grosskonzerne, trotz boomender Konjunktur, mehr Leute fest anzustellen. Zwang zur Flexibilität, könnte man das nennen. Hat mit Freiheit wenig zu tun. Wer veräppelt wird sind natürlich auch in Japan nicht die Verursacher, sondern die Betroffenen.

Das entwickelte sich aus dem Problem, dass Japan noch lange das chuki-koyo-System pflegte, also die lebenslange Anstellung für die Kernbelegschaft. Die Unternehmen wollten dies ändern, aber die Regierung verbot z.B. den Arbeitsvermittlungsagenturen jemandem während des ersten Jahres nach Abschluss der Bildung einen Arbeitsplatz zu vermitteln. 1998 gelang es also nur 1/3 der College-Absolventen im ersten Jahr einen Vollzeit-Arbeitsplatz zu finden. Die andern, die Ausgeschlossenen, trugen die Last der Flexibilisierung, stellvertretend für die langjährigen Stelleninhaber - wofür ihnen allerdings nicht gedankt wurde - im Gegenteil:

Diese Generation wird veräppelt. Von der Politik mit faulen Sprüchen, von der Wirtschaft mit leeren Versprechungen, von den Eltern mit längst nicht mehr gültigen "Erfahrungen". Unsere Eltern sind meist unter einiges härteren Bedingungen aufgewachsen, zugegeben, und mussten nach dem 2. Weltkrieg alles erst (wieder) aufbauen. Aber - Aufbau bedeutet eben auch Arbeit. Daher der Spruch: Wer Arbeit will, findet immer was. Das war sicher so, aber historisch, in der Wirtschaftswunderzeit. Heute ist alles gebaut - und die Wirtschaft funktioniert dort, wo Mächtige am Werk sind, die ihre Feuden bereits beansprucht haben. Die Fakten sind, dass diese Generation die erste feste Stelle etwa mit 38 findet, und mit 40 zu alt, mit 50 definitiv überflüssig ist. Obwohl die politische Diskussion eine Verlängerung der Arbeitszeit bis 67 oder 68 verlangt, finden nur 30% der ausgesteuerten Arbeitslosen über 50 je wieder eine Stelle. Auch insgesamt sind es bloss 47% der Ausgesteuerten, die vom Arbeitsmarkt wieder angenommen werden.  30% werden von der Sozialhilfe abhängig, ein Anteil der doppelt so hoch ist wie vor 10 Jahren! [Daten: Daniel Aeppli, Sozialforscher. Publiziert in versch. Zeitungen].

Die Forderung des Marktes lautet also zur Zeit:

Mit 25 voll in die Karriere, mit 30 in Top-Position, Reserven anhäufen, und ab 40, spätestens ab 50 das Geld arbeiten lassen, da Du selbst eh keine Chance mehr hast (es sei denn, Du hast Beziehungen und wirst Verwaltungsrat). Scheissforderungen eines Scheissmarktes ...

Italien z.B. macht für den Zustand folgende Bedingungen verantwortlich:

  1. Konzentration der Industrie auf das Dreieck Mailand - Turin - Genua.

  2. Zerschlagung der Industrie durch Abbau des Kündigungsschutzes, mit Hilfe der Linken ...

  3. Noch vor 15 Jahren reichte es, wenn Italien Ideen gebar. Es wurde für den genialen Design bezahlt. Nach Verlust der Textilindustrie und weiterer Industrien an China fehlte die Entwicklung von Biotechnologie, Informatik etc.

    1. Olivetti, einst eine berühmte Marke, investierte in Tomaten ... und ging sang- und klanglos unter.

  4. Das italienische Unternehmertum besteht zum grossen Teil aus Familienbetrieben

  5. Italien hat nur 12% Universitätsabsolventen

  6. ....

Zynismus pur.

  1. Die Industrie ist längst und überall (ausser in China und Indien, wie den Schwellenländern) im Abbau begriffen.

  2. .... und da passt die SP mit ihrem neuen Wirtschaftskonzept und Zehnjahresprogramm perfekt rein.

  3. Die gelobten neuen Zweige sind ebenso kapitalintensiv wie personalextensiv.

  4. Familienbetriebe wären eigentlich das Ideal, gemessen an der Idee einer "Volks-Wirtschaft", denn welche Volks-Wirtschaft käme schon auf die absurde Idee, Löhne zu kürzen um die Profite der Reichen zu fördern?

  5. Und von den 12% Universitätsabsolventen sind ein beträchtlicher Teil arbeitslos oder ... s. Zitate oben.

* Trotz allem, die Umkehrung des Titels stimmt leider: Bildungsmangel begünstigt Arbeitslosigkeit:

Die Klassenunterschiede die z.B. gegenwärtig in den USA bestehen, beruhen in erster Linie auf Unterschiede in der Bildung. Es gibt wenig Hindernisse im Vorwärtskommen einer Person mit den richtigen Bildungsausweisen. Ungleichheit kriecht in das System als Resultat ungleichen Zugangs zu Bildung; der Mangel an Bildung ist die sicherste Verdammnis zu einer Zweitklass-Bürgerschaft.

The End of History and the Last Man. Francis Fukuyama.  Perennial 1992 S. 116

Allerdings beruht der erwähnte ungleiche Zugang zu Bildung

  1. auf der natürlich vorhanden Streuung der Intelligenz und
  2. auf der weniger natürliche Streuung des Kapitals der Eltern.

Als weiterer erschwerender Faktor, Bildung zielgerichtet einzusetzen, kommt heute die starke Marktabhängigkeit der Nachfrage nach spezifischen Aus-Bildungen hinzu. Diese ändert sich heute schneller, als es braucht, ein Fachgebiet zu erlernen.

Falls Sie der Meinung sind, dieses Problem fehlender Stellen für Höchstqualifizierte komme allenfalls, nebst Kairo, auch in Italien vor, nicht aber in der Schweiz, so fragen Sie doch mal ihren Taxifahrer, welche Ausbildung er hat (... allerdings besser nicht grad in dem Moment, wenn er sich verfahren hat. Das könnte er persönlich nehmen ...)
Das Problem der Generation p, der prekären Beschäftigung Studierter, wird von den Medien als vernachlässigbares Randproblem dargestellt. Sicher, es handelt sich nicht um eine Mehrheit, noch nicht mal um eine bedeutende Minderheit - aber - eine Minderheit, die auf das deutlichste zeigt, wie wenig mehr Bildung zur Lösung des Problems Arbeitslosigkeit beitragen kann.

Interessant ist, dass umgekehrt ebenfalls eine unbedeutende Minderheit aber definieren soll, was die wirtschaftlichen und politischen Ziele der Schweiz sein sollten. Wir haben hier vor allem zwei Minderheiten:

  1. Die Finanzfachleute und Kapitalvermehrer. Mit gut 130'000 Mitarbeitern bietet das Finanzwesen 3% der Stellen der Schweiz, sogar wenn man das Versicherungs(un)wesen mitrechnet, sind es bloss 5.4%. Dieses Gewerbe definiert aber die Entscheide der Politik mehrheitlich. Die Bauern sind da bloss ein willkommenes Ablenkungsmanöver.
  2. Die Biotechnologie beschäftigt in der Schweiz 14'000 Mitarbeiter, also 3.3% der Bevölkerung. Weitaus weniger dürften es in andern exotischen Bereichen wie Nanotechnologie und dergleichen sein. Aber - die ETH, die Standortspolitik der Gemeinden, die Steuerfreiheit, alles soll sich nach diesen Minderheiten richten.

Fazit: Dass die Generation p eine Minderheit ist, heisst noch lange nicht, dass sie nicht auf ein Problem ähnlicher Bedeutung hinweist, dummerweise aber halt vom andern Ende her, z.B. von der Position der Biologen her, die keine Tierversuche machen wollen, die nicht an Genen rumbasteln wollen, weil sie nicht Gott spielen wollen.

Die Breitseite die zur Zeit (Jan 07) der Tagesanzeiger gegen das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie  abfeuert, zeigt wie verankert das Dressursystem: Besser irgend eine Arbeit, auch ohne Lohn, als gar nichts tun, verankert ist, obwohl der Titel: Arbeit für Junge, die keiner will, zweideutig bleibt. Will keiner die Jungen oder keiner diese Arbeit? Auch wenn man Beamte nicht mag, sollte man ihnen recht geben, wenn sie mal recht haben, auch wenn's vielleicht nur Zufall ist. Praktika für 800.- / Monat sind nämlich eher Dressur auf Billigstlöhne als wirksame Eingliederung. Sie konkurrieren Arbeitnehmer, die diese Arbeit gegen eine halbwegs normale Bezahlung ausgeführt haben. Praktika wurden zuerst weidlich ausgenutzt eben gerade von Redaktionen, aber auch von sog. Non-Profit-Organisationen. Diese mag man allenfalls noch damit entschuldigen, dass die Praktikanten dort auf einem Gebiet wenig wissen und viel lernen, also doch persönlich deutlich profitieren. Kisten heben lernen ohne Rückenschaden, Gemüse und Obst kennen lernen, etc, tönt da aber eher wie ein Scherz. Um zu erfahren wie ein Beruf wirklich von Nahe aussieht, ein Beruf, der einen interessiert, gibt es nämlich längst die Schnupperlehre. DAS ist hier das ideale Instrument. Praktika die als Beschäftigungstherapie darstellen für die einen, aber eine günstige Gelegenheit für die anderen, Löhne zu sparen, werden vom Bundesamt zu recht als dubios angesehen. .

Bildungsfrust:

Die neuste Untersuchung der Unicef zeigt das extreme Frustrationspotential das Bildung mit sich trägt, gerade in hoch entwickelten Gesellschaften. In Japan, Frankreich und der Schweiz z.B. glauben noch über 40% der Jugendlichen mit 15 Jahren daran, auch ohne weiterführende Ausbildung einen einfachen Job finden zu können. Der Bildungswahn würde dies als Anmassung kritisieren, in der Bewertung des Wohlergehens der Kinder führt das zu Abzügen ... aber eigentlich ist es nur vorgezogener Realitätssinn, den sie als Erwachsene werden beweisen müssen, soll ihnen die Vermittelbarkeit nicht mal vom Arbeitsamt abgesprochen werden: Man kann immer Arbeit finden, auch ohne oder mit der falschen Qualifikation, so das Credo. Wer dem widerspricht, wenn arbeitslos, wird exkommuniziert. Man hat anzunehmen was zumutbar ist, d.h. also meist Arbeit, die weit unter dem erreichten Bildungsniveau und Potential ist.
 

Das dürfte doch mehr sein als bloss ein "Randproblem"

Für 7% (Schweiz) bis 14% (Extremfall Israel mit 25%, Irak noch höher ...) entpuppt sich diese Illusion aber bald als Illusion - und sie hängen ohne Weiterbildung wie ohne Arbeit rum - und das in hoch organisierten komplexen Gesellschaften. Auch das ist eine direkte Folge des Wettbewerbs ... und der Freiheit, Wirtschaft auch ohne das Volk betreiben zu können.

Noch tragischer sind die Totalverweigerer, deren Anzahl im Steigen begriffen ist. 9% der Schüler Deutschlands verlassen die Schule ohne Abschluss. 15% der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren haben keine Berufsausbildung und 26% aller Ungelernten sind arbeitslos. Jedes fünfte Ausbildungsverhältnis muss abgebrochen werden. Das Fazit das Faltermeier (Schulverweigerung - die zweite Chance packen, ZESO, Zeitschrift für Sozialhilfe. 1/2008. S. 28-29) daraus zieht, übersieht aber geflissentlich den Grund: Die Herausforderung der Zukunft heisst Bildung. ... Wir können unsere Gesellschaft nur dann zukunftsfähig ausgestalten, wenn wir jeden jungen Menschen seinen Leistungspotentialen entsprechend fördern und fordern. Wie eine tibetanische Gebetsmühle, immer wieder der alte Reim - ohne auch nur im geringsten die Ursache des Problems anzusprechen: Diese Schüler verweigern sich der Schule ja eben drum, weil sie das Werkzeug der Selektion ist, eines Wettbewerbs, in dem sie sich eh keine Chance ausmahlen. Sie können das mit dem Sport vergleichen. Wenn dem Sieger und sagen wir, sogar den nächsten 11 eines 100m-Rennens eine riesige Prämie versprochen wird, dann bleib ich z.B. trotzdem zu Hause, da ich mit 125 kg eh keine Chance habe (- es sei denn, es gälten Rugby-Regeln). Schule und Ausbildung sind ein Auswahl- und Dressursystem. Wer sich keine Chance ausmahlt, bleibt zuhause - dies ist die logische Folge von Wettbewerb, und nicht, dass dank Wettbewerb alle zu Gewinnern werden.

Dezember 08: Die Unruhen in Griechenland gehören eindeutig zu diesem Bereich. Die Jugend hält nichts mehr vom Bildungssystem, von der Politik, von einseitiger Bereicherung, an der eben gerade die Bildung rein gar nichts ändert. Immer mehr Hochschulabsolventen finden nicht mal Arbeit, geschweige denn qualifizierte Arbeit ... während dem "das Estabblishment" weiterhin einem veralteten Bildungsideal lobhudelt, von Leistung redet, aber "Einkünfte" über <kapitale Berechtigungssysteme> (shareholder value) und Korruption (chairholder value: s. Netzwerke: strukturelle Löcher http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/kapitalismus.htm#netzwerk) verteilt.

6.2 Generation d: Von <Demut> - oder "Demütigungen sind hinzunehmen"

Aussagen von Franz Schultheiss, Soziologieprofessor an der Uni St. Gallen:

Die Krankheit an unseren Schulen

ist der Wissenserwerbunterricht.

Der Pädagoge und Psychologe K.-H. Arnold 2001


7 Frühenglisch, Frühfranzösisch, ... Frühverblödung

Es scheint mal wieder an der Zeit, meinem Ruf als Querulant gerecht zu werden. Die begeisterte Zustimmung zu allem was mit Früh.... beginnt, ufert aus. Kanton um Kanton kann sich vor Begeisterung nicht mehr zurückhalten, die Kinder auf der Primarstufe nicht bloss mit einer, sondern gar zwei Fremdsprachen zu quälen. Motto: Kinder lernen rascher ... die Forschung von Jean Piaget hat gezeigt, dass .... blablabla. Präzise, aber grad anders rum. Piaget hat gezeigt, dass Kinder gewisse Zusammenhänge erst ab einem gewissen Alter begreifen, und das damit alle Lehrerattacken vor diesem Alter nichts als Kindsquälerei sind.

Dass unsere Jünglinge und Männer noch so kindisch sind, macht weil sie vorher nicht genug Erlaubnis gehabt haben, Kinder zu sein. So blühen die Bäume im Herbst, denen das Frühjahr die Blüte nicht gehörig hat ausbrechen lassen.

Immanuel Kant

Americans visiting Piaget ... almost always asked him the same question, so that came to be known as the American question: <How can we speed up development?> and Piaget's answer was loud and clear, that mostly it does not make sense to speed up development beyond what is natural to a child ...

Kurt Fischer 1989, zit. in Ursula Schneider: Das Management der Ignoranz. Nichtwissen als Erfolgsfaktor.

Das spezielle Problem mit Sprachen ist, dass sie meist an eine Kultur gebunden sind. Wer zweisprachig aufwächst, wächst auch meist in zwei Kulturen auf. Eindrücklich blieb mir da ein Beispiel bei einem Besuch in Biel/Bienne: Da spazierte eine Familie durch die Stadt, überquerte die Strasse, palaverte angeregt auf Französisch - und plötzlich regt sich der Papa über irgend was auf und beginnt deftig, auf Deutsch, zu fluchen. Aufgabe präzise dieser Altersgruppe, der 6 bis 12-jährigen, ist der Erwerb der Kulturtechniken, also bei uns primär Lesen und Schreiben (Fernseher und Computer bedienen, Fussball spielen etc.). Dazu kommt aber die Entwicklung der sozialen Kooperation, Spielen und Arbeiten im Team - und die Entwicklung des Selbstbewusstseins. Es fragt sich, ob hier, wo die 2. oder 3. Kultur doch meist eher virtuell ist, dann nicht auch die soziale Kooperation und das Selbstbewusstsein immer stärker virtuell, also angelernt, werden. [s. Entwicklungsaufgaben nach Havinghurst]

Ich geb' Ihnen ein paar Beispiele aus meiner eigenen Schulkarriere, die Sie leicht nachvollziehen können, falls Sie auch schon ca. ein halbes Jahrhundert miterlebt haben.

Ich war nie ein Genie in Sprachen, sondern hatte einen enormen Kampf mit jeder der 3 Sprachen die ich gelernt habe und auch heute noch einigermassen beherrsche (Französisch, Englisch, Spanisch + den 5, bei denen es beim Versuch blieb, bei tiefem Niveau - oder die wegen Nichtgebrauchs wieder entschwanden. Die erste die ich aufgeben musste, war Russisch, mit 13, die zweite Italienisch mit 14, die ich mit 24 wieder aufgenommen habe, die aber dann sich ungeheuer lästig mit Spanisch und Rumänisch verquirlt hat, dass ich's doch wieder lassen musste. Hebräisch scheiterte schon beim Alphabet und mit dem Arabischen kämpfe ich heute noch auf niedrigstem Niveau. Ganz anders mit Deutsch, in dem ich mich recht gewandt ausdrücken kann, wobei sich allerdings eine leicht übermässige Lässigkeit im Umgang mit Grammatik zeigt. Ganz anders im Französischen - aber erst nach 4 Jahren, als ich anfing, Bücher zu lesen und mich so wirklich mit Inhalten beschäftigen konnte (Matura 6+). Ganz anders Spanisch, eine Sprache, bei der ich 3 mal Anlauf nehmen musste, aber im letzten Gang in bloss 4 Monaten Benedikt + 2 Monate Madrid auf der obersten Stufe, Fortgeschrittene, mit 9.1/10 brillierte. Wen interessiert's heute, wie viele Sprachen ich spreche? Na? Richtig geraten: KEIN SCHWEIN! Aus der Erfahrung kann ich bloss sagen, man lernt Sprachen, und anderes Wissen, sehr leicht, wenn man's braucht, wenn man einen Sinn drin sieht, wenn man den Nutzen, die Anwendung sieht. Und das ist bei Primarschülern kaum gegeben. Die lernen, weil man ihnen sagt: Sonst wird nichts aus dir ... wobei sie dann bei Abschluss der Schule im Betrieb vermutlich sofort zu hören kriegen (wie ich in der ersten Woche meines ersten Jobs): Junger Mann, nun vergessen Sie mal alles was Sie gelernt haben. Hier geht's nicht um Theorien. Vermutlich müssen sich Schüler auch heute noch Sprüche der Lehrer anhören wie anno dazumals: Sie verstehen das heute noch nicht. Aber glauben Sie mir, es ist wichtig. Ich habe meine Schulbücher heute noch und sehe ab und zu rein. Was heute, wegen der extrem raschen Veränderung des Wissens, eh wie Hohn tönt, war schon vor 35 Jahren Habakuk. Ich hab z.B. meine ETH-Schulbücher 1988-94 noch in den Jemen mitgeschleppt, da dort der Forstdienst erst im Aufbau begriffen war, man sich also theoretisch hätte vorstellen können, dass etwas Schulwissen von Nutzen sein könnte. Auch das Habakuk. Der ganze Mist wanderte danach ins Altpapier.

Heute ist das Wissen derart vielfältig und unübersichtlich, dass man Suchmaschinen braucht, um was zu finden (bei der Vielfalt von Brainworker sogar die Dinge, dich ich selbst geschrieben habe ...). Und es verdoppelt sich alle 2 Jahre ... Angebracht wäre also eher ein Lehrsystem des Lernens nach Bedarf, also des Lernen Lehrens, so dass ein (sicher notwendiger) Grundstock an Wissen bei Bedarf entsprechend erweitert werden kann, vor allem durch Selbst-Lernen.

Wer viele Sprachen spricht,
kann in vielen Sprachen Unsinn reden.

(Alexander Roda Roda, ung. Schriftsteller, 1872-1945)

Wie viel Wissen haben wir bereits in unsere Köpfe gefüllt, weil jeder Fachlehrer der Meinung war (und vermutlich immer noch ist) sein Fach sei das wichtigste, eigentlich das einzig wichtige, den Rest könne man vergessen - sogar wenn es sich bei den Fächern um echt mühsame Spezialitäten für Computerheinis, wie lineare Algebra, darstellende Geometrie, Matrizen; oder klimatologische Differential- und Integralrechnung, Statik von Balken, Stützmauern und Betonplatten(-Brücken ... dich ich so alle 10 Jahre mal brauche, wenn meine Ex-Schwäger mal wieder ein Haus bauen wollen in Bagdad) und dergleichen handelte ... ausser Statistik, der hatte natürlich recht (Nö, diesmal kein Scherz. Wenn Sie sich ansehen, welch' gequirlte Schweisse (in Piss-A-Qualität), heute aus Zahlen (speziell eben Pisa, ALL et. al, etc.) heraus interpretiert wird, dann müsste man jedem Akademiker mindestens 4 Semester Statistik obligatorisch verschreiben, auch den Geisteswissenschaftlern - und zum Ausgleich den Naturwissenschaftlern 4 Semester Hermeneutik.) Der Standardlehrerspruch: Sie werden das mal brauchen! ist, ich darf das heute sagen, ein Schwindel. Anhand der Inkonsequenz der letzten zwei Sätze sehen Sie deutlich die Problematik der Ausbildung  ...

Insbesondere Kinder sind keine Kübel, die es gilt, bis zum Rande mit Wissen zu füllen, dass irgendwelche Experten für wichtig erachten.

Nieder mit der Frühverschulung!

Die Graphik rechts (aus Rolf Oerter & Leo Montada: Entwicklungspsychologie. Beltz. PychologieVerlagsUnion. 4. Auflage 1998. S. 668] zeigt die Entwicklung der Gedächtnisleistung mit dem Alter. Wir sehen, dass diese gerade während der Primarschule stark steigt. Überall aber wo sich was verändert, geschieht dies je nach Person in unterschiedlichem Masse. Bei den einen wird also die Gedächtnisleistung schneller steigen, bei den andern langsamer. Dass diese zugleich als Leistung mit Noten bewertet wird, ist eigentlich höchst unsinnig, denn die Noten zeigen ja eigentlich bloss den gegenwärtigen Zustand der Entwicklung - beeinflussen aber die Entwicklung des Kindes selbst, bei tiefen Noten zudem höchst negativ. Also WENN Frühenglisch, Frühfranzösisch und dergleichen Unsinn mehr, dann nur ohne Notenwettbewerb, also ohne Selektionsdruck, denn ein solcher wäre Betrug an den Kindern, deren Gedächtnisleistung sich nun mal in Gottes Namen langsamer entwickelt.

Untersuchungen zur Wirksamkeit vorschulischer Förderung von Sprach- und andern Kenntnissen, wie die jeder Versuch, normale Entwicklungen zu beschleunigen, haben immer das selbe Resultat: Sie haben Erfolg ... aber der erreichte Vorsprung verschwindet relativ rasch wieder. Die Zeit die für solche unzeitgemässe, der Entwicklung nicht angepasste Schulung aufgewandt wurde, ist also im Prinzip für die Katz. Man hätte die Kinder also gerade so gut spielen lassen können - oder, durchs Spiel lernen lassen können. Aber unser systemimmanenter Drang nach dauernder Produktivität lässt Musse nicht zu. Lieber sinnlose Tätigkeit als gar keine oder gar Spass. Diese Einstellung verunmöglicht eigentlichen sozialen und geistigen Fortschritt.

Die Kurve macht auch deutlich, dass und warum wir von dem was uns im Alter von 0 bis 6 Jahren so passiert ist, im Allgemeinen nur das wissen, was uns später erzählt wurde. Aus diesem Grund sind Vorschulkurse die Wissen vermitteln wollen als übler Scherz zu betrachten.
Wichtig in dem Alter wäre vor allem das Erlernen der persönlich besten Lernstrategie. Erst zwischen 8-12 Jahren beginnen Kinder zwischen schwierig und leicht zu erlernenden Elementen zu unterscheiden - und für die schwierigeren mehr Zeit aufzuwenden. Das Wissen über ideale Lernstrategien ist selbst bei Jugendlichen und Studenten oft kaum vorhanden. Solches wäre vermutlich wichtiger als ein paar halb verstandene Vokabeln in einer ausserhalb der Schule kaum genutzten Sprache. Ziel: Der gute Strategieanwender:

  1. rasches Erfassen und Verarbeiten von Informationen

  2. aktive, gezielte flexible Anwendung unterschiedlicher Gedächtnisstrategien

  3. Einsatz eines breiten Weltwissens nebst dem strategischen Wissen, das Analogieschlüsse erlaubt.

  4. Kombinierter Einsatz strategischer, metastrategischer und Komponenten des Vorwissens bei Problemlösungsstrategien.

Kinder müssen zudem nicht bloss Schulwissen lernen, Kinder müssen in erster Linie leben - und aus Erfahrungen lernen. Erfahrungen die sie im Umgang mit Kollegen, Freunden, Eltern und andern Erwachsenen machen. Und sie müssen in der Lage sein, einen grossen Teil dieser häufig gefühlsmässigen Erfahrungen auch rational, d.h. denkend, zu bewältigen. Dabei spielen Musse und Spiel eine weitaus grössere Rolle, als ihnen die Lehrer- wie die Unternehmergilde zugestehen will. Warum fehlen in der Schweiz Ideen, Innovation, Risikofreude, die ja Voraussetzung für das ach so unentbehrliche Wachstum sein sollen? Eben drum, weil die gesamte Gesellschaft derart verschult ist, dass sich keiner mehr traut, eine eigene Idee zu haben, oder, noch schlimmer, diese auch öffentlich zu äussern. Apropos Verblödung ... das mein ich also ernst. Denn

Ob all dem Lernen von "Wissen", geht das Denken immer mehr unter.

Wenn es etwas gibt, dass wir wieder lernen sollten, dann: Zu denken!

Oder, wie ich in Amsterdam am Summit of the Future die Gilde der Top-Berater zu enervieren versuchte: Don't take advice - think!
[Musste beim Versuch bleiben, denn die Leute denken, sie begriffen also, was ich meinte, obwohl praktisch alle von einer Tätigkeit als Berater leben.]

M. Herzog, 22.5.06

Die neuste Entwicklung (um nicht zu sagen: der letzte Furz ...) auf dem Markt ist die Deutschpflicht für Dreijährige in Basel. Kleinkinder ohne genügend Deutschkenntnisse müssen obligatorisch in ein Vorschulprogramm, wo sie durch erfahrene Mütter mit Zusatzausbildung (was extrem an Merciers Das Jahr 2440 erinnert: Schriftsteller unterliegen nicht bloss staatlichen Regelungen, sondern werden tagtäglich von zwei tugendhaften Bürgern aufgesucht, die Überzeugungsarbeit leisten, bis sie ihre gefährlichen Grundsätze widerrufen.) Die einzigen die dagegen sind, sind natürlich die SVP, die aber aus meiner Sicht diesmal den richtigen Riecher haben, denn:

  1. bedingt die Beurteilung von "genügend" also bereits eine Prüfung. Bereits Dreijährige sollen also an das Selektionssystem von Ausbildung und Prüfung gewöhnt werden.

  2. haben immer wieder Kinder Probleme mit der Einschulung bereits im Alter von 5, bei 3 dürften diese Probleme extrem gehäuft auftreten.

  3. dazu kommt, dass die Kinder ja eigentlich erst mal / dazu ihre eigenen Sprache lernen müssen. Sie werden also gezwungen, sich gleichzeitig mit 3 Sprachen (Muttersprache, Deutsch, Schweizerdeutsch) rumzuplagen. Etwas verwunderlich, da man ja von den meisten erwartet, dass sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren, diese Sprache also eindeutig den Vorzug hätte. Wäre das Programm richtig und ernst zu nehmen, müssten also all diese Kinder einen zweisprachigen Unterricht erhalten. Hier läuft die Anpassungs- und Leistungsgesellschaft mit ihrem Bildungs- und Normierungszwang eindeutig Amok.

Es besteht der Verdacht, dass dieser Eifer primär der noch schnelleren Erzielung von Marktbereitschaft dienen soll. Gefördert wird dieser Trend auch durch Kinderhorte, die die Frauen (zur Billigarbeit) befreien wie durch das (ganz und gar nicht harmlose) HarmoS Konkordat der Konferenz der kantonalen Bildungsdirektoren, das zwecks Harmonisierung eine obligatorische Einschulung in die Kindergartenstufe bereits mit 4 Jahren fordert.


8. Der Artikel von Martin Beglinger: Die 1000-Franken-Therapie und die Stiftung für Arbeit [SfA] [Das Magazin No 38, 2005]

ist eine gottverdammte bodenlose Frechheit.

[Leserbrief, stark gekürzt und auf anständigen Wortgebrauch reduziert im Magazin No 41 publiziert, 15.10.05]

Outplacementtrainer auf die Frage nach dem Weg zum Bahnhof:

Besuchen Sie mein Seminar: Wege zum Ziel - von der Desorientierung zur Klarheit!

Coach:

Wenn ich Ihnen die Lösung vorkaue, wird das Ihr Problem nicht dauerhaft beseitigen.

Mediator:

Soll ich diese Frage für Sie als einen Punkt an das Flip-Chart schreiben?

Manager:

Fragen Sie nicht lange. Gehen Sie einfach los!

Zen Meister:

Immer geradeaus ... dann, nach etwa 800 m, die zweite Strasse rechts `rein.

weitere

Die SfA nimmt was sie kriegt. Arbeitet an Feiertagen, ihre Recyclingabteilung arbeitet in 4 Schichten ... wobei mancher Betrieb der gerne Schicht arbeiten würde und dies dringender müsste als ein Altwarenhandel, diese Bewilligung nicht kriegt.

Während von denjenigen, die noch vor der "Eingliederung" in den Arbeitsprozess stehen, wie auch von denjenigen, die darin flexibilisiert werden, beste Schulzeugnisse und lebenslängliches Lernen verlangt werden, putzt bei der SfA ein studierter Betriebswirtschafter Gusseisenteile: Ich habe keine andere Wahl.

Wer bockt, also ein Angebot nicht so toll findet oder es vorzieht, ohne solche Scheissarbeit arbeitslos zu bleiben, muss mit Kürzung der Sozialhilfebeiträge rechnen. Wer nicht froh und willig jeden Scheissjob zu jeder Bedingung annimmt, muss bestraft werden, verdient Strafe, denn geheiliget sei der Name des Marktes und seine Gesetze. SfA ist damit eine staatliche Unterstützung des Prinzips: Minimalisierung der Löhne und Arbeitskosten - Maximierung der Gewinne.

Was den Kern des Angebots betrifft, die Arbeitstherapie, so basiert die ganz offensichtlich auf uralten Managementmodellen, wie sie noch zu Zeiten unserer Grossväter üblich waren (La Patronne) - und nicht zuletzt, genau wie bei den Vorläufern, den Beschäftigungsprogrammen, auf sämtlichen trivialen Vorurteilen die je gegenüber Arbeitslosen geäussert wurden: Sie sind nicht pünktlich, sie stinken, sie trinken, sie sind frech, sie überschätzen sich .... Solches wird Kübelweise wieder aufgewärmt - und man muss sich wundern, wie wenige zu bemerken scheinen, wie sehr diese Scheisse stinkt.

Die Patronne Daniela Merz, Schwiegertochter gleichnamigen Bundesrates meint: Bei uns steht die Arbeit im Zentrum. Sie ist quasi die Therapie. Braucht jemand eine andere, dann soll er sie kriegen, aber nicht in der SfA.

Hier wird nun eindeutig der Esel vom Schwanz her aufgezäumt. Arbeitslosigkeit entsteht nicht einfach so, noch weniger kann man dafür die Arbeitslosen verantwortlich machen. Arbeitslosigkeit ist das Resultat betriebswirtschaftlicher Strategien (Je mehr Geld sich inzestuös an der Börse selbst vermehrt, desto weniger Arbeitsplätze bleiben, trotz beträchtlicher Gewinne.), und Taktiken: Je mehr Arbeitslosigkeit, desto schlechter die Verhandlungsbedingungen für die Arbeitnehmer betr. höherer Löhne und/oder besserer Anstellungsbedingungen.

Therapie wäre die rechte Methode diesen Misstand zu korrigieren, denn alle komplexen Systeme kann man nicht per Befehl oder Gesetz regeln, sondern man muss die erwünschte Entwicklung anstossen, aber die Details der Entwicklung dem System selbst überlassen. Bei Menschen, die ebenfalls recht komplex sind, ist das das Selbe.

Grundlage der Vorläufer der 1000 Fr.-Arbeitstherapie [die Therapie der 1000-Franken-Jobs], also der Beschäftigungsprogramme, war die Aussage: Arbeitslose sind zu dumm. Der "Erfolg" der Programme hat belegt, dass die Erfinder und Meister derselben zwar gerissen waren und mit dem Konzept viel Geld verdienten, dass in Wahrheit aber sie, und nicht die Arbeitslosen, dumm (im Sinne von Geistig beschränkt), waren, da das Konzept nicht nur frech sondern auch verfehlt war. Der Ausbildungsmarkt wird kaum je für jeden Betrieb präzise die Arbeitskraft liefern können, die genau die dort vorhandenen Maschinen und Arbeitsabläufe kennt, also ohne betriebsinternen Schulungsaufwand direkt eingesetzt werden kann.

Ökonomisch betrachtet ist Arbeitslosigkeit eigentlich nur ein zu hohes Angebot an Arbeitskräften bei zu wenig Nachfrage. DER MARKT der hier bestimmt, lässt sich allerdings personifizieren. Dieser "Markt" wird nämlich gestaltet durch die Firmenleiter, ihre Verwaltungsräte und die Börse. Wenn Betriebsleiter nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten optimieren und dabei volkswirtschaftliche Gesichtspunkte, wie eben den Arbeitsmarkt und die damit, über die Löhne, verbundene Nachfragesenkung, vernachlässigen, verursachen sie Strukturbrüche. Das seco neigt zwar dazu, Strukturbrüche ganz sec zu Strukturwandel  zu verharmlosen - wobei sie zu vergessen scheinen, dass "Strukturwandel" voraussetzt, dass neue Strukturen im Aufbau sind, welche arbeitslos G(? .. ich scheiss auf die neue Gramaddig ..)ewordene und Lehrstellen Suchende aufnehmen können. Und wo sind die?

Arbeitslosigkeit wird also in (fast) vollem Umfang durch betriebswirtschaftliche Entscheide verursacht. Fazit: Wenn schon Arbeits-Therapie, dann bitte für diejenigen, die das Schlamassel verursachen. Was aber die SfA betreibt ist nichts als Symptomtherapie!

Also wenn hier jemand therapiert werden muss, dann die Betriebsleiter, die CEOs, insbesondere diejenigen der Firmen, die zwar enorme Gewinne machen, dabei aber nicht bloss keine neuen Stellen schaffen, sondern, um noch mehr Gewinne zu machen, gleich auch noch Stellen abbauen. Wer das ist finden Sie sehr leicht raus in der Erhebung der Wirtschaftszeitung ... die teilweise auch vom Tagesanzeiger verbreitet wurde. [Handelszeitung Nr. 26. 29. Juni 2005. S. 65-71]

Man darf diese natürlich nicht bloss für ein paar Stunden oder Tage therapieren, sondern unbeschränkt, mit offenem Ausgang, immer mit dem Zweifel belastet, ob sie da je wieder rauskommen aus dieser Situation - denn das sind die Bedingungen der Therapierten dieser Zuchtanstalt, deren Arbeits-Therapie an andere Anstalten erinnert, die ihre Therapierten auch mit dem Satz empfingen: Arbeit macht frei!


Der Tagesanzeiger nervt sich am 7. Februar 06, da Avenir Suisse Bildung aus dem Katalog der Dinge gekippt hat, die dem Verein als wichtig erscheinen.

Die Entscheidung von Avenir Suisse, sich nicht mehr um Bildung zu kümmern, ist aber unter den gegebenen Verhältnissen absolut verständlich und richtig.

Im totalen Wettbewerb, jeder gegen jeden, hilft Bildung nicht weiter, nur Macht, Gerissenheit und Schlaumeierei.

Ausreichend frustriert nach der Lektüre? Gut, dann leg ich noch eins drauf: BILANZ 17/08, S. 79 sagt deutlich, welche Art von Bildung rentiert:

Auswirkung auf das Salär haben in der Regel nur Lehrgänge mit anerkanntem Abschluss.

Nicht lohnwirksam sind:

  • Kurse und Seminare, die der Entwicklung der Persönlichkeit dienen sollen.

  • Computerkurse

  • Sprachkurse

  • Führungskurse

  • Nachdiplomkurse an Hochschulen

  • Kurse die nicht mit einem anerkannten Abschluss enden.

Möglichherweise Lohnwirksam sind:

  • Nachdiplomstudien wie MBA oder MAS

  • Kurse an Weiterbildungsinstitutionen der Branche oder des Verbandes (fördern die Beziehungen ....)

  • längere Kurse auf Verlangen des Arbeitgebers

Lohnwirksam sind:

  • Lehrgänge der höheren Berufsbildung mit anerkanntem Abschluss

p.s: Wissenschaft und Meinung

Ganz egal ob obiger Artikel Ihre Zustimmung findet oder Sie nervt, er zeigt das Hauptproblem der Wissenschaften. Hier wurde die Hypothese geprüft, dass sich Arbeitslosigkeit mit Bildung vermeiden lässt, und auf Grund kantonaler Unterschiede klar verworfen. Arbeitslosigkeit, oder damit den ganzen Arbeitsmarkt, vom einen Faktor Bildung abhängig zu machen, ist aber, so wissenschaftlich es daherkommen mag, natürlich dümmlich.

1. gibt es Ausbildung und Ausbildung. Hier wurde die Basis der höheren Ausbildung als Mass genommen, was zu einem negativen Resultat führte. Im Artikel Weiterbildung in der Schweiz wurden alle Bildungsstufen erfasst, inklusive der Weiterbildung - und, wen erstaunt's, das Resultat ist positiv. Allerdings, und das ist Bevölkerung wie Politikern noch viel zu wenig bewusst, entscheidend ist das generelle Bildungsniveau, nicht alleine die Spitze. Eigentlich ist das ja logisch, denn was nützt es, wenn Genies geniales erfinden, aber niemanden finden der qualifiziert ist, es zu produzieren. Was nützt es, geniale Erfindungen zu produzieren, wenn den Anwendern die Nutzung zu kompliziert ist? Und hier liegt noch viel Arbeit vor uns, gerade was Computer und Internet betrifft.

2. hängt der Arbeitsmarkt von vielen Faktoren ab, von denen die meisten einen weitaus höheren Einfluss haben als die Ausbildung, wie z.B. die Konjunktur, die Konsumentenstimmung; wirtschaftliche Strukturen; Kreditmöglichkeiten, Zinsen, Geldmenge, Kapitalmarkt; gewerkschaftlicher Organisationsgrad und -Stärke; Aussenhandel  etcetc, und last not least die Übereinstimmung von Innovationsfreude bei Anbietern und Konsumenten, denn eine Gesellschaft die mit dem zufrieden wäre was sie hat, wäre glatt das Ende unseres Wirtschaftssystems.

Kurzum, obiger Artikel hat eine zu einseitige Perspektive. Die Lehre daraus:

Einfache Slogans sind in einer komplexen Welt meist irgendwie irgendwo falsch - egal ob sie von links oder rechts kommen.

WEBDESIGN für Wissensanbieter

 

Randnotizen zum Thema Scheissdesign wurden ausgelagert.

Ein Internet-Journal des Wissens kostet viel Zeit. Viel Zeit ist viel Geld:

Fazit: "Gratisaufträge" mit der Formulierung: "Sie sollten" werden kommentarlos mit "delete" beantwortet!