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Webmaster und Internet-Redaktor Martin Herzog |
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Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit? Institutionen des tertiären Bildungssystems der Schweiz und ihr Bezug zur Praxis |
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Bildung ist in aller Munde. Von Links bis Rechts herrscht hier für einmal kaum Widerspruch. Alle wollen die Bildung fördern ... und alle übersehen total, das unser Bildungssystem auf Wettbewerb beruht, Lebenschancen auf Grund bürokratischer Entscheide, nämlich primär durch Intelligenz bestimmte Prüfungsnoten, zuteilt. Bildung ist nicht nur ein Mittel, hoch und weiter zu kommen. Bildung ist auch DAS Mittel, die alten Herrschaftsstrukturen zu erhalten, zu vererben. Ob all dem Lob der Bildung, insbesondere der Elite, sollte also das andere Ende der Gesellschaft nicht vergessen werden, diejenigen, die auf Grund natürlicher Gegebenheiten nur über einen tiefen IQ - oder ein tiefes soziokulturelles Kapital (vulgär als "Vitamin B" bezeichnet) verfügen. Denn sonst bleibt diesen irgendwann nichts anderes übrig, als, ganz "unkultiviert", die Verhältnisse der Unterordnung, der Fremdbestimmung, durch brachiale Gewalt zu korrigieren.
Auf dem Gebiet der orientierten Forschung sollen gemäss der Schweizer Regierung folgende Bereiche prioritär gefördert werden:
• Die Life sciences (s. z.B. http://www.lifesciencezurich.ch/ )
• die Geistes- und Sozialwissenschaften,
• die nachhaltige Entwicklung und Umwelt (... zu der Waldwirtschaft und Forstingenieure einiges mehr hätte beitrage können sollen als ihr in den gegenwärtigen Entwicklungsplänen der ETH zugestanden wird ....)
• die Informations- und Kommunikationstechnologien und
• die Nanotechnologie.
Eine zentrale Rolle spielen zudem weitere technische Kerndisziplinen wie etwa die Mikrotechnologie, die Materialwissenschaften (... bei denen zur Zeit mit dem Holzbau gerade eine hochrenommierte Institution an der ETH Lausanne abgeschafft wird!) oder die Medizintechnik.

Die Bildungs-, Forschungs- und Technologiesysteme (BFT-Systeme) der Industrieländer stehen unter grossem Reformdruck. Die Hochschulen sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die ihre weitere Entwicklung entscheidend mitbestimmen werden:
Bei der Finanzierung der Hochschulen wird die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Dies bedingt jedoch, dass den Hochschulen eine gewisse Autonomie zugestanden wird, die es ihnen erlaubt, strategische Entscheidungen zu treffen und sich so rasch als möglich an die Wissensentwicklung anzupassen. Die Spitzenforschung, die auf einer zunehmend komplexen Informationsverarbeitung beruht, gestaltet sich immer kostspieliger. Gerade kleine Länder, die auf Grund ihrer fehlenden kritischen Masse gezwungen sind, eine Auswahl zu treffen und ihre Kräfte zu bündeln, sind besonders gefordert, bei der Entwicklung ihrer BFT-Systeme Schwerpunkte zu setzen. Im Zuge der Weiterentwicklung von Wissenschaft und Technologie und ihrer wachsenden Fähigkeit, die Natur zu instrumentalisieren, nimmt ihr Rückhalt in der Gesellschaft ab. Soll auch in Zukunft eine Kontrolle der Wissenschaft gewährleistet sein, so muss sie erneut in der Kultur verankert werden, damit das Verständnis für wissenschaftliche Anliegen gefördert und ihre Errungenschaften hinterfragt werden können. Für die Zukunft stellt die Schaffung eines von kritischem Vertrauen geprägten Klimas einen wichtigen Aspekt der Wissenschaftspolitik dar. (s. science et cité)
Die Hochschulen sollen enger zusammenarbeiten als in der Vergangenheit und im tertiären Bildungsbereich eigentliche Netzwerke bilden. Damit soll das vorhandene Potenzial effizienter genutzt werden. Die Qualität muss gegenüber der Quantität Vorrang haben. Anerkannte Stärken und zukunftsträchtige Bereiche sollen prioritär gefördert werden. Wichtiger als das vollständige Abdecken aller Forschungsrichtungen ist Exzellenz in jenen Gebieten, in denen die Schweizer Wissenschaft tätig ist. Besondere Bedeutung wird dabei der gezielten Nachwuchsförderung, insbesondere der Frauen, beigemessen.
Für die Beitragsperiode 2000 – 2003 formulierte der Bundesrat fünf strategisch-politische Oberziele:
1. Aufbau schweizerischer Hochschulnetzwerke
2. Integration dieser Netzwerke in die internationale Zusammenarbeit
3. Förderung der Exzellenz in Lehre und Forschung
4. Verbesserte Valorisierung des Wissens
5. Ausbau der Leistungsfähigkeit der schweizerischen Hochschulnetzwerke
Beitragszahlungen: Die Leistung zählt
Die revidierten gesetzlichen Grundlagen sehen auch im Bereich der Finanzierung umfassende Neuerungen vor. Das bisherige «Giesskannenprinzip» wurde durch leistungsbezogene Subventionierungsmechanismen ersetzt. Die Grundbeiträge werden neu vermehrt abhängig von der Leistung in Lehre und Forschung ausbezahlt. Dabei gilt das Prinzip, dass das Geld den Studierenden folgt, die ihrerseits das beste Ausbildungsangebot wählen. Mit der Zuweisung projektgebundener Beiträge und nationaler Forschungsschwerpunkte werden Forschungsinstitutionen «belohnt», die Leistungen von besonderer und anerkannter Qualität erbringen. Die Fachhochschulen sollten durch den Aufbau nationaler Kompetenzzentren die Möglichkeit erhalten, ihre finanziellen Ressourcen zu konzentrieren.
Kommentar: Bildung wird also marktorientiert, die Nachfrage bestimmt. Die Vor-Wissenden entscheiden darüber was die Wissenden anzubieten haben. Die zu Prüfenden, von denen sich Lehrer und Professoren wohl kaum in die Curriculae reinreden lassen wollen oder können, müssen wohl oder übel (persönliches Wohl oder Uebel!) darüber entscheiden, welches Studium gut ist, und dies bevor sie wissen, worum es im Studium eigentlich geht, wie es von statten geht und vor allem, wie der Arbeitsmarkt nach Abschluss des Studiums aussieht. Hier fehlt (s. nächstes Kapitel, Politische Institutionen des tertiären Bildungssystem), eine Koordinationsstelle, ein Wissenschafts- und Bildungsministerium. Sind aber die Studentenzahlen entscheidend für die Finanzierung, erhält die PR im Bildungswesen mehr Einfluss als Wissen, obwohl die Entscheidung für eine Ausbildung sich lebenslänglich auswirken kann.
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, WEBDESIGN, Rheinfelden, 23.02.03
CRUS: Rektorenkonferenz der Schw. Universitäten
KFH: Konferenz der Fachhochschulen der Schweiz
EDK: Schw. Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren
BBT: Bundesamt für Berufsbildung und Technologie
AGAB: Schw. Verband für Studien- und Laufbahnberatung
http://www.unige.ch/intl/erasmus/ Studium ausserhalb der Schweiz
http://www.braintrack.ch Hochschulen aus aller Welt
http://www.studisurf.ch Portal für Studierende
http://www.students.ch/ Wohnungssuche, Jobs, Reisen
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Eine gute Grundlage zur Bewertung der Chancen und Probleme, die eine sich abzeichnende Förderung von Excellenz und Spitzenwissenschaft bieten, liefert Regina T. Riphahn in:
Die schweizerische Bildungspolitik unter Effizienz- und Wachstumsgesichtspunkten
WWZ - Universität Basel. 1. September 2003. Abgedruckt in Jahresbericht 2003 der Kommission für Konjunkturfragen. Beiträge zur "Volkswirtschaft", dem Magazin für Wirtschaftspolitik. 29. August 2003. S. 49-55
Generell ist das Bildungsniveau der Schweiz recht hoch. Der Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Abschluss auf Sekundarstufe II (Matur, Berufsmatur, Berufsbildung. s. Tabelle oben) zählt zu den höchsten in der OECD. Alleine von 1990 bis 2000 stieg die Bildungsdauer von 15.5 auf 16.5 Jahre. Die Tertiärausbildung allerdings ist unterdurchschnittlich, ebenso wie der Frauenanteil, obwohl dieser in den letzten Jahren beträchtlich angestiegen ist.

Rechts die Pisa-Studie (weiteres dazu unter Intelligenz wird vererbt), welche das Selbstbewusstsein vieler Eidgenossen doch einigermassen in Mittleidenschaft gezogen hat. Statt Spitze und damit weiterhin ein Sonderfall ausser- oder überhalb Europas zu sein, haben Schweizer Schulabsolventen offenbar mehr Mühe als der europäische Durchschnitt, den Inhalt eines Textes zu begreifen. In Mathematik spielen sie dafür in der Oberklasse, in Naturwissenschaften allerdings auch nur im Mittelfeld.
Was diese Leseschwäche betrifft, so wird sie gerne damit begründet, dass die Schweizer Schulen, nebst Luxemburg, den höchsten Anteil an fremdsprachigen Schülern haben, was deren Leistung natürlich beeinträchtigt. Übersehen wird allerdings meist, dass für die meisten Schweizer bereits Deutsch eine Fremdsprache ist, da das einheimische Schwiizerdütsch nadirlig nur sälte zum Schriibe bruucht wird ... äxgüsee, Schweizerdeutsch natürlich nur selten in schriftlicher Form zur Anwendung kommt.
Ein dritter Problempunkt könnte sein, dass sich die meisten Schweizer immer noch wehren, modern zu werden, während der Rest der Welt bereits langsam aber sicher die Postmoderne beerdigt. In diesem "Zwischenraum der Zeitgeschichte" bedient man sich gerne der als modern angesehenen postmodernen Beliebigkeit und Eventbezogenheit. Wo es aber keine Rolle mehr spielt, ob ich morgen das Gegenteil von dem sage, was ich heute vertrete oder auch gar nichts, wo vor allem die Präsentation zählt, spielt der Inhalt eines Textes ja auch keine Rolle mehr.
Lesefähigkeit kann auch, ohne lamentabel zu werden, aus zwei Perspektiven betrachtet werden, der des Lesers und der des Verfassers. Wenn Sie sich den einen (EINEN) Satz von Kant ansehen, den ich als Beispiel für grausliche Schreibe unter "Wahrheit die dumm macht" aufgeführt habe, dann sehen Sie sofort, dass man auch unverständlich schreiben kann, oder, dass es sich nicht in jedem Falle lohnt, unverständliche Sätze und Texte zu entziffern. Dies dürfte mit ein Grund sein, warum im Zeitalter des Internet, wo rasche Informationsbeschaffung zählt, gedrechseltes (nicht zu unrecht) links (rechts weniger, Populisten setzen ja geradezu auf Einfaches) liegen gelassen wird.

Die Schweizer Bildungslandschaft weist nicht nur das Problem unterdurchschnittlicher Lesefähigkeit seiner Absolventen auf, sondern mit dem letzten Platz bei Chancengleichheit auch eines mit vielleicht noch nachteiligerer Wirkung als Leseschwäche.
Chancengleichheit würde bedeuten, dass die eigene Begabung, Anstrengung und Leistung zählt, genau so, wie die Liberalen und Neoliberalen das immer erzählen. Tatsache aber ist, dass nach wie vor das Elternhaus über den Bildungserfolg entscheidet: Je höher der Status der Eltern, desto besser die Lesekompetenz. Der sozioökonomische Hintergrund der Schüler ist für den Lernerfolg entscheidender als schulische Aspekte.
Der Abstand zwischen den Besten und den Schwächsten ist in der Schweiz der höchste in Europa! In keinem Land prägt der Beruf der Eltern die Leistungen der Schüler so stark, wie in der Schweiz - gefolgt von Belgien und Deutschland. Dieser Einfluss scheint konstant zu bleiben.
Neuere Probleme der Chancengleichheit bei Wissenserwerb:
Die Erhöhung der Studiengebühren
Die Selektion durch Vorgespräche, also ein Übergang zum Guru-System
Die Verteuerung der Bibliotheksleistungen: Fernleihgebühren
Der enorme Zuwachs an Verdummungswissen
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Neuere Beiträge um Bereich Bildung, Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit:
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Von Bildung zu Herrschaftswissen: Die zunehmende Bürokratisierung von Wirtschaftsbeziehungen und innerbetrieblichen Abläufen hat auch zu Veränderungen der innerbetrieblichen Positionenge führt: Manager statt Firmenpatriarche, Veränderungen in den Qualifikationsanforderungen von Führungspositionen: Wissen in Betriebswirtschaftslehre und Marketing statt technischer Produktionskenntnisse. Die Folgen für die Mehrheit der Untergebenen sind nicht rosig, auch nicht mit immer mehr Bildung:
Erfolgreich durchs deutsche Schulsystem. Soziale Herkunft und Bildungsbeteiligung Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Thorsten Schneider, Berlin (Deutschland). Zürich, 2005 Alles klar? Betr. des faulen Zaubers der mit Bildungsförderung betrieben wird s. aktuell auch die Diskussionen um die Landwirtschaftssubventionen.
Sie können im
Forum zu diesen Thesen Stellung nehmen,
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Wer also aus einer reichen Familie kommt mit hohem Prestige und geringen finanziellen Sorgen, kommt also fast automatisch zu einer Bildungskarriere. Falls es am Geist hapert, sind die Mittel zur Förderung über Nachhilfestunden ja vorhanden. [Details s. Erfolgreich durchs deutsche Schulsystem. Soziale Herkunft und Bildungsbeteiligung Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Thorsten Schneider, Berlin (Deutschland). Zürich, 2005].
Fazit:
Das Bildungsniveau vererbt sich innerhalb der Familie ... genau wie er IQ. "Mehr Bildung" als Lösungskonzept für soziale Probleme, insbesondere für die Arbeitslosigkeit bildungsschwacher Schichten, zu verkaufen, ist Betrug.

Massnahmen zur Verwirklichung der Chancengleichheit:
Verringerung der "Klassenbildung" durch Schulwahl.
Kompensierung der Klassenbildung durch mehr Mittel für schwächere Klassen - statt für hoch-Begabte, die eh weniger Mühe und Arbeit haben. Mehr Mittel und Anstrengungen in Schulen mit hohem Anteil fremdsprachiger - die nebst sprachlichen auch höhere kulturelle Schranken zu überwinden haben.
Frühzeitige Einschulung (ab 2. Lebensjahr ...? ... steht da, ist nicht von mir. Ich mein, die übertreiben's.) und ganztägige Betreuung zur Kompensation familiärer Defizite und sozialer Ungleichheit.
Einheitsschule statt früher Selektion! Möglichst späte "Ausgrenzung" durch festlegen der Schullaufbahn.
Finanzielle Unterstützung privater Bildungsinvestitionen - die gerechtfertigt wären, weil der Kapitalmarkt bei der Finanzierung von Investitionen ins Humankapital versagt (nicht von mir, auch wenn's so aussieht. Steht bei Riphahn. Bemerkenswert!). Auch die OECD hat's bemerkt:
Die Schweiz kann sicherlich nicht als Land betrachtet werden,
dass finanzielle Lenkung nutzt um soziale Unterschiede auszugleichen. |
Womit sich Blocher's Mission doch eigentlich bereits erledigt hätte, nicht? Noch asozialer sollten wir kaum werden, denn die Kosten tragen nachher die Unterschicht und allenfalls die Gewerbler, nicht die Milliardäre.
An den Löhnen der Lehrer dürfte es auch nicht liegen, denn diese gehören in
der OECD zu den höchsten. Generell liegen die Bildungsausgaben der Schweiz,
auch gemessen am BSP, über dem Durchschnitt. Wir haben die höchsten Ausgaben
pro Schüler auf allen Bildungsstufen.
Übertrieben
teuer ist allerdings die Ausbildung auf der Tertiärstufe, wo ein Studiengang
mit rund 100'000$ doppelt so teuer kommt als in den andern 9 OECD-Ländern,die Zahlen vorgelegt haben. Verstärkend kommt hinzu, dass das
Stipendienwesen kantonal unterschiedlich geregelt ist, also auf jeden Fall
unübersichtlich und auch nicht unbedingt gerecht.
Hier dürften auch die Fachhochschulen einen gewissen Ausgleich schaffen. Es ist allerdings darauf zu achten, dass das Niveau beiden Teilen des Namens entspricht und die akademische Neugier nicht zu sehr der fachlichen Ausbildung und der gegenwärtigen Spareuphorie geopfert wird. Eine Wirtschaft die nur durch dauernde Erneuerung überleben kann, darf nicht bloss ausführende Befehlsempfänger heran ziehen, sondern muss sich ein paar unabhängige Denker leisten können. (Detaillierte Analyse der gegenwärtigen Vorgänge bei den Forstingenieuren)
Mehr Bildung wird auf der einen Seite gefordert, während sich auf der andern die Zugangsbeschränkungen vermehren. In Glarus können 16 Primarschüler nicht in das Untergymnasium eintreten, obwohl sie die Prüfung bestanden haben, weil die Plätze, des lieben Geldes wegen, auf 44 beschränkt wurden. Der Kanton spart 200'000, die 16 verlieren ein Jahr, im besten Fall.
Der Kanton Graubünden macht das selbe, mit weniger medialem Getöse. Bereits seit 2004 werden die Plätze nach Noten verteilt (die letzten beissen die Hunde, d.h., die werden von den Hunden gebissen. Heil Wettbewerb!). Der Kanton spart 10 Millionen Fr.
Ergänzungen vom 5. Dezember 03 & 8. Mai 05. M. Herzog, Webphilosoph
Wettbewerb bedeutet eh Ausschluss. Ausschluss trotz bestandenem Wettbewerb ist aber Betrug, nicht mehr und nicht weniger. Auch hier bröckelt der Kapitalismus vom Rande her weg.
s. auch Forum demokratische Uni Basel Hat sich zwar aufgelöst, damit aber nicht die Probleme. S. Besetzungen 09
Wer nun den Eindruck hat, weil
werde die Bildungspolitik in der Schweiz nach demokratischen Grundsätzen erarbeitet, der irrt. Bereits die oben angeführten Begriffe wie Leistung, Ausbildungs-Angebot, Effizienz, Wachstum etc., zeigen deutlich, dass die Bildung auf das Geleise der Betriebswirtschaft geschoben wurde.
Das Problem, das bei einer betriebwirtschaftlichen Organisation von Bildung entsteht, lässt sich in einem Satz fassen:
Wo NPM (new public management) herrscht, wird Politik (und damit der Ort an dem Demokratie betrieben wird) durch betriebswirtschaftliche Entscheide, Entscheidungsstrukturen und Entscheidungsträger ersetzt.
Beim NPM wird das Globalbudget nach betriebswirtschaftlichen Kriterien gemanagt. Die Struktur entspricht der einer Aktiengesellschaft mit Verwaltungsrat (Universitätsrat), CEO (Rektor), und Direktoren, die schön säuberlich in getrennten Fächlein abgelegt sind, damit "von Unten" nichts hochkommt. In Basel etwa wurden die Fakultäten nach dem Motto divide et impera in Departemente zerbrochen, die
nun dem Rektor direkt unterstehehen, und
aus nicht weniger als 3 halben Professuren bestehen sollen, was zur Elimination von 2/3 der Basler Professuren führen würde. (Apropos halbe. Mit den halben Professoren wurden die halben Bundesräte offenbar längst sinngemäss ergänzt.)
Obwohl es sich bei Universitäten um öffentlich-rechtliche Institutionen handelt, fehlt nun der Öffentlichkeit eine Anlaufstelle, womit nicht eine Anlaufstelle für Auskünfte gemeint ist, sondern eher eine, an der Wünsche und auch Ansprüche der Gesellschaft an Bildung und Forschung formuliert werden können. Kurzum, der Öffentlichkeit fehlt nun der Steuerknüppel, mit dem sie die Organisation lenken kann, die am besten dazu geeignet ist, Vergangenheit, Gegenwart und mögliche zukünftige Entwicklungen einigermassen klar zu sehen..
Was gegen eine primär betriebswirtschaftliche Organisation von Forschung und Lehre spricht?
Forschung entstand aus Interesse, aus "Wunderfitz", aus Neugierde. Forscher wollten verstehen, wie etwas aussieht, wie es strukturiert ist, wie es funktioniert. Forscher wollten Lösungen finden für Probleme, die für sie relevant waren, also oft auch Problemlösungen für die Gesellschaft, oft auch Lösungen für Probleme, deren Lösung nicht rentabel ist, deren "Nichtlösung" aber noch grössere Probleme verursachen wird: s. Erdöl, Wachstumsabhängigkeit unseres Wirtschaftsmodells, Landschaftsverbrauch, etcetc. Forscher wollen in erster Linie verstehen. Verstehen was diese komplexe Welt zusammen hält, wie sie funktioniert , und wie weit wir sie selbst formen können, ohne dass sie dabei Schaden nimmt.
Die Universität wollte eine Orientierung in der Welt vermitteln und damit die Urteilsfähigkeit der Bürger stärken (s. Orientierungswissen, Wie liesse sich Politik auf Volkswissen statt auf Volksmeinung basieren?).
Im Gegensatz dazu zielt eine Bildungspolitik nach dem Muster des NPM direkt auf möglichst hohe Verwertungschancen von Ausbildung und Forschung, auf Vermarktbarkeit und auf potentielle private Aneignung von Wissen zum persönlichen Nutzen und Profit. Das Wissen, das solche Wissenschaft schafft, ist beschränktes Schmalspurwissen, das dem ökonomischen Grundsatz der monistischen Zielsetzung, also der geistigen Beschränktheit, gehorcht. Die Forschungsindustrie verlangt nach Absolventen, die über spezialisiertes Handlungs- und Produktionswissen verfügen, das direkt im Betrieb eingesetzt werden kann.
Die heutige Strategie der möglichst raschen (privaten) Verwertung von Forschungsresultaten setzt allerdings Wissenschaft ein für einen Zweck, zu dem sie selbst keine Beziehung hat. Handlung beruht nicht nur auf Motiven, sondern, als unerlässliche Ergänzung, auch auf vernünftiger Überlegung (prudentia/phronesis, Klugheit) und wertorientierter Entscheidung (Weisheit). Handlungsentscheide, von deren Wirkung die Bevölkerung betroffen sein wird, sollten (theoretisch) in einer demokratischen Gesellschaft auch auf demokratischem Wege getroffen werden. Handlungsentscheide sind weder Sache der Wissenschaft noch können sie völlig der Wirtschaft überlassen werden, um so weniger, je stärker sie sich auf andere auswirken. Handlungsentscheide erfordern das rechte Orientierungswissen ... und präzise dies war mal Aufgabe der Universitäten. Fällt dies dahin, sollten wir dringend mal darüber nachdenken, wie weit uns wohl die einseitige Orientierung am Profit bringen wird.
Gerade in Basel soll die grösste "Burg des Wissens" der Schweiz entstehen. Obwohl sie ein ganzes Stadtviertel umfasst, gibt sie erstaunlich wenig Anlass zu Diskussionen. Novartis Campus repräsentiert ganz real den Schritt von dem, was bisher als Forschung und Wissenschaft galt, zur privaten Anhäufung und Sicherung von Wissen hinter Burgmauern. Hier soll kein offenes Feld der Forschung geschaffen werden, sondern eine Burg mit Mauern, hinter der neue Wissensfeudalherrschaften über Patente, patentiertes Leben, begründet werden. (s. auch: Die Privatisierung der Agora und des kulturellen Gemeinguts). Dass man in Basel so schweigsam ist, dürfte nicht bloss daran liegen, dass es sich bei dieser Industrie um den grössten Steuerzahler des verschuldeten Kantons handelt, sondern auch daran, dass diese Industrie eine geballte Finanzmacht darstellt, die den gesamten Forschungsplatz Schweiz finanziell auf die hinteren Ränge verweist:
Novartis und Roche haben alleine ein Forschungsbudget von 10 Milliarden Fr, wovon allerdings nur ca. 3.4 Milliarden Fr. in der Schweiz eingesetzt werden. Nichtsdestoweniger macht dies die restliche Forschung der Schweiz zur Zwergenwerkstatt, denn die Schweiz gibt für ihre 10 Universitäten 2.5 Milliarden aus, für die beiden ETHs nochmals 1.7 Milliarden - und für den Nationalfonds, der die gesamte Schw. Forschung fördern sollte, mickerige 500 Millionen. Total also 4.7 Milliarden. (s. Öffentliche Forschung - private Forschung)
Wen wundert es bei diesen Verhältnissen, dass Basel (weil's sonst Zürich gern übernimmt) sich auf Auftragsforschung und -Lehre im Dienste dieser bioindustriellen Forschung einstellen will. Hier spielt zur Zeit die Musik. Im Sinne der Marktwirtschaft, der Anpassung an den Markt, hat die Universität die Aufgabe, dieser Industrie nachhaltig und ausreichend intelligente Hamster zur Verfügung zu stellen, die ihre Räder am Laufen halten.
Hier ist Vorsicht geboten, nicht nur weil eine derartig einseitige Ausrichtung immer Gefahr birgt (in den 80ern war die Basler Chemie berüchtigt dafür, dass kaum ein Angestellter innerhalb der Firma älter als 42 wurde ...). Hier ist ganz eindeutig zu fordern:
Keine exklusive Konzentration der Bioindustrieforschung in Basel!
Denn:
Irgend jemand sollte all die tollen Erfindungen unvoreingenommen auf Risiken überprüfen. Innerhalb des Bio-Clusters dürfte für Kritik kein Platz bleiben, denn da geht's um Geld. Und wo's ums Geld geht, ist Kritik unverwünscht, da Kritik unter Umständen der wirtschaftlichen Verwertung abträglich sein könnte.
Martin Herzog, Basel, 28.10.05
p.s: Am 8. Februar 06 meldet AP, dass sich die wichtigsten Schweizer Wissenschaftsinstitutionen zum Prinzip des offenen Zugangs zu Forschungsresultaten bekannt haben, also die sog. Berliner Erklärung mit unterzeichnen. Daran sollt ihr sie messen ...
Die Volkswirtschaft hat sich in der Nummer 7/8 2006 unpolemisch dem Thema gewidmet: Wozu Patente?
Patente dienen dem Schutz des Erfinders, der Forschungsaufwendungen
Patente können aber auch die Forschung behindern: Unnötige Patente sollen verhindert werden. Die Patentgesetz-Revision zielt mit dem "Forschungsprivileg" darauf ab, die Forschung am Gegenstand patentierter Erfindungen zu verbessern, unabhängig vom Motiv der Forschung. Instrumente der Forschung sind von dieser Regelung ausgeschlossen (hier ein beträchtliches Problem der genetischen Forschung, da immer mehr Methoden der Zerlegung, Rekombination, Identifikation etc., also Methoden die auch die Forschungt nutzen muss, durch Patente geschützt sind. Um dominierende Markpositionen solcher patentierter Instrumente zu vermeiden und um einer Aushebelung des Forschungsprivileges durch privatrechtliche Übereinkommen zur Übertragung von Forschungsmaterial entgegenzuwirken, sieht der Gesetzgeber die Einführung des Rechts auf eine einfache rechtliche Lizenz vor.
Die Patentierung etwa von Gensequenzen, obwohl deren Funktion nicht bekannt ist, wäre ein reines Blockadepatent. Im übrigen wurden etwa in Deutschland schätzungsweise 95% aller Patente gar nie verwertet ...
Strategien:
Befürchtet ein Erfinder mangelnde eigene Verhandlungsmacht, kann er zum strategischen Patentieren greifen. Erwartet er dagegen mangelnde Anwendungserfindungen, wird er die freiwillige Veröffentlichung von Forschungsergebnissen bevorzugen.
Die Erteilung von Patenten ist eine volkswirtschaftliche Gratwanderung. Wenn einer Person oder Firma ein 20-jähriges Monopol zugestanden wird, ist die Gefahr gross, dass der Akteur infolge fehlender Konkurrenz und zulasten der Konsumenten eine ungerechtfertigt hohe Marge abschöpft. Der Patentschutz kann also nur dadurch legitimiert werden, dass die Innovation angekurbelt wird. Doch nimmt das jetzige Patentrecht diese Funktion wirklich war? ... Und in gewissen Bereichen haben Patente nichts verloren.
Der eingeschränkte Stoffschutz, wie er zum Beispiel in Frankreich verankert wurde, wird deshalb insbesondere von Forscherkreisen begrüsst. Kleine und mittlere Schweizer Biotech-Unternehmen vertreten die Ansicht, dass ein eingeschränkter Umfang des Patentschutzes die Innovation fördere, da sie Monopole einschränke. Auf der andern Seite steht die Pharmaindustrie, welche um ihre weit reichenden Patente und Pfründen bangt.
[François Meienberg S. 36]
| Der Erfolg der Generika begann 1984 in den USA. Dort
brachte in jenem Jahr der Hatch-Waxman-Act der Abgeordneten Orrin Hatch und
Henry Waxman den Medikamentennachahmern das Recht, für ihr Kopiegeschäft auf
die Unterlagen des Originalherstellers zurückgreifen zu dürfen, ohne dafür
bezahlen zu müssen. Hexal > Novartis Interessant ist, dass die grössten Nutzer dieser Rechte in der Schweiz den Kunden die eigentliche Absicht des Gesetzes, billige Medikamente, verweigern wollen, aus "forschungs-finanzierungs-politischen" Gründen. |
Gerade in dem Land das am leichtesten und liebsten patentiert, den USA (der Computerkonzern IBMerhielt am 11. Dezember 2001 sogar ein US-Patent auf das Reservieren von Toilettenplätzen)., kam man relativ früh dahinter, dass Patente auch nützliche und sinnvolle massiv behindern können ... und Pharmapatente eh oft zu leicht vergeben werden. Im sog. Hatch-Waxman-Act wurde deswegen Generikafirmen sogar ein Vorsprung verschafft, indem sie für 180 Tage das exklusive Recht haben, ein Nachahmermedikament zu verkaufen. Diese Gesetzgebung wurde durch Gerichtsauslegung auch angewendet auf die Erforschung von neuen, ähnlichen oder eben sogar kopierenden Medikamenten, die - nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist natürlich - als Generika angemeldet werden sollen. Die Auffassung von Merck wurde also bestätigt, wonach sich Pharmaunternehmen keiner Patentverletzung schuldig machen, wenn sie Erfindungen anderer Unternehmen für eigene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nutzen, sofern diese auf einen US-Zulassungsantrag für ein neues Arzneimittel abzielen. Nach dem Urteil des höchsten US-Gerichts dürfen Pharmaunternehmen künftig patentierte Substanzen nicht nur für die eigene klinischen Forschung, sondern ausdrücklich auch für Forschungsaktivitäten im Labor- oder Tierversuchsstadium nutzen, sofern diese der Vorbereitung der klinischen Studien dienen.
Der Umgang mit der Frage des Schutzes von Wissen ist logischerweise an Hochschulen und Universitäten etwas problematisch. So bejahen heute (F&E-Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen. Die Volkswirtschaft. Das Magazin für Wirtschaftspolitik. 1/2 2010. S. 50-53] nur gut 50% der Hochschulen die Frage nach dem Vorhandensein einer Schutzstrategie für Wissen mit "trifft vollständig zu" oder "trifft zu". Bei Universitäten sind es sogar nur 43%. Häufiger findet sich eine positive Antwort bei "weiteren Forschungseinrichtungen" (65%), den ETHs (59%) und Unternehmen (76%). Sofern eine Schutzstrategie vorhanden ist, handelt es sich meist um Patente oder der Verlass auf den erworbenen zeitlichen Vorsprung, die Komplexität von Produkten oder Dienstleistungen (also das Nichtwissen oder der Kannitverstan bei anderen.
> Hier können gewisse Probleme entstehen, wenn Wissen, das für weitere Forschung unentbehrlich ist, durch die Inhaber der Nutzungsrechte geheim gehalten, unverständlich gemacht oder verflälscht wird, um den Wissensvorsprung wirtschaftlich möglichst lange ausnutzen zu können. Da die Fachhochschulen und ihre Absolventen jedoch primär praktische und spezifische Probleme untersuchen, die für die Grundlagenforschung nicht all zu bedeutend sein dürften, dürfte dieses Problem hier auch ein eher unbedeutendes sein.
Kritik seitens der Hochschulen geht in die Richtung, dass die Anreize zu gering sind - Kritik von Seiten der Praxis, dass die Lizenzen für sie gratis sein sollten (nicht aber ihre eigenen für andere, natürlich). So ist der Abschluss eines für beide Seiten erfreulichen Kooperationsvertrages erste und wichtigste Bedingung für das Zustandekommen des Projektes.

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Bisher ist Wissen als Geschenk Gottes verstanden worden und war deshalb
unverkäuflich. In Zukunft ist es jedoch als eine Quelle des Profits zu
betrachten und entsprechend zu managen. [Charles Kleiber, Staatssekretär für Bildung und Forschung in: Le Temps, 11.10.1999] Die "Macher" sind am Werk. So soll die Universität neu zum "Ort der Wissensproduktion" werden, zum Ort, wo "Wissen produziert, valorisiert, distribuiert und vermarktet wird." H.H. Schmid, ehem Rektor Uni Zürich |
Die Schweizer Hochschulen produzieren nur noch Wissen, das auf dem globalen Markt Bestand hat. Damit verabschieden sie sich von Idealen, die einst Grundlage des Landes waren, sagt Hans Ulrich Jost, em. Prof. Geschichte in: Kalte Revolution an Schweizer Universitäten. [Tagesanzeiger 10.5.06, S. 10].
1946 gab der Bund 18 Millionen für die Atomforschung frei (man plante heimlich den Bau einer Atombombe), während sich die Geistes- und Sozialwissenschaften gerade mal mit 1.5% dieser Summe zufrieden geben mussten. [s. Geschichte der ETH]
Der Ausbau wurde jedoch weder zielbewusst eingeleitet noch konsequent an die Hand genommen. ... die Projekte waren unkoordiniert und versandeten bald einmal in der mit der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre einsetzenden Sparpolitik. (mit Ausnahme der ETH). Chaotische und ziellose Restrukturierungen hatten zur Folge, dass weder Lehrkörper noch Mittelbau entsprechend ausgebaut wurden. Nur in den Naturwissenschaften, an der ETH und in den Labors der Privatindustrie - die übrigens einen Grossteil der Forschung in der Schweiz trägt - entstanden einige wichtige Kompetenzzentren. Doch der wissenschaftliche Stand insgesamt, und insbesondere jener der Geistes- und Sozialwissenschaften, vermochte der internationalen Entwicklung nicht zu folgen. Der Bund blieb zwar nicht untätig, aber ein grosser Teil seiner Bemühungen beschränkte sich auf die Schaffung von Kommissionen, die Erarbeitung von Expertenberichten und die Redaktion von langfädigen, unübersichtlichen Botschaften. Das Credo hiess Sparen, Reorganisieren, und Effizienz, das heisst politikorientierte Kontrolle ohne Innovation.
Diese Hochschul- und Forschungspolitik wurde von einer Unzahl von Räten und Gremien begleitet. Dazu gehörte die Rektorenkonferenz, der Schweizerische Wissenschaftsrat (1965), die Kommission zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (1967), das Bundesamt für Bildung und Wissenschaft (1968), die Schweizerische Hochschulkonferenz (1969), der interdepartementale Koordinationsausschuss für Wissenschaft und Forschung (1969), der Rat der schweizerischen wissenschaftlichen Akademien (1981), die Gruppe für Wissenschaft und Forschung (1990), sowie noch etliche andere Gremien. Die Zahl der sich auf Bundesebene mit der höheren Bildung und Forschung beschäftigenden Stellen war schliesslich grösser als jene der Universitäten. (s. Politische Strukturen der Tertiär-Bildung)
Die neue Strategie der elitären Bildung zum Zwecke der Schaffung patentierten Wissens setzte gegen Ende des 20. JH. ein. Als erste mussten es, auch an der ETH, die "unrentablen" Branchen erfahren, wie etwa die Forstwirtschaft. Zukunftsorientierte Entwicklungen wie insbesondere das Management natürlicher Ressourcen, bei dem es notgedrungen um eine noch inexistente Wirtschaftsform, nämlich das Management geteilter Ressourcen, also um Allmendbewirtschaftung und service public geht. Hätten die Banausen statt meine Dissertation als "unakademisch" abzulehnen, etwas mitgedacht, könnte die ETH heute eine führende Position einnehmen in einem Wirtschaftsgebiet, dass es immer noch nicht gibt, obwohl es für das Schicksal unserer Gesellschaft entscheidend sein wird. Entgegen den Erwartungen sind in der Wissenschaftspolitik, genau wie sonst in der Politik, meist nicht die Hellsten, sondern die mit dem grössten Maul am Werke. Gerade der Umbau der Abteilung VI (Forstwissenschaften) hat gezeigt, dass dabei kaum zukunftsgerichtete Konzepte entstehen, da die neuen Strukturen primär aus der Notwendigkeit entstehen, bestehenden Professuren beizubehalten ... und ja nichts zu schaffen, was das eigene Wissen in Zweifel ziehen könnte. Die Konzeptionsarbeit war eine einzige Katastrophe ... präzise wie das WAP (neues Waldprogramm) - und in beiden Fällen dürfte das Scheitern am selben Problem liegen: Einige Besserwissen bestehen schon von Anfang an darauf, die Kontrolle über das Resultat zu behalten ... den Entscheiden also ihren Stempel aufzudrücken, also: Fehlende Demokratie, fehlende Kenntnisse in und Akzeptanz für partizipative Planung. Und die selben Leute wollen dann Studenten unterrichten in Gebieten, die nur mit partizipativer Planung zu managen sind, nämlich Landschaftsmanagement, oder, wo der Umgang mit den Betroffenen genau so diktatorisch, von oben herunter, gehandhabt wird, dem Städtebau.
Gemäss der Meinung von Zukunftsforschern entfernt sich die Wissensproduktion immer mehr von den Universitäten, die sich darauf beschränken, Wissen zu verwalten ... und zu verkaufen. Wissen das sich auf dem Markt zum Kauf anbietet, sich also prostituiert, dürfte kaum das objektive, aufklärerische, wahrheitsorientierte Wissen sein, nach dem wissenschaftliche und philosophische Forschung zu suchen hätten. Sie können das am besten selbst beurteilen, wenn Sie sich ansehen, wer wie Propaganda betreibt für Gentechnologie. Hier sind die Wissenschaftler, die Zusammenhänge und Probleme objektiv erkunden sollten, längst zu Propagandisten der Vermarktung geworden, die ihr Wissen prostituieren.
Bologna war zu Beginn keine schlechte Sache. Nun ist daraus ein hyperbürokratischer Studienbasar geworden. Mit Modulen und so genannten "Kreditpunkten" wird den Studierenden ein völlig unübersichtliches Angebot vorgelegt, das eher zum intellektuellen Surfen denn zu einem seriösen Studium einlädt.
Ich war grad am Summit for the Future in Amsterdam und hab da so nebenbei gehört, dass sich die Wissensproduktion immer weiter von den Universitäten entfernt. Ich hab mich dort noch etwas über die Aussage gewundert. Die wichtigsten Argumente der Vertreter dieser Theorie waren vor allem:
academic isolation leads to extremes
peer revied publications are incest
disciplinary thinking leads to dictatorship
In Anbetracht der Leistungen die die FH Zürich für Kunst und Gestaltung für den Tagesanzeiger-Kulturteil verbrochen hat, könnte man auch sagen: Disziplinär beschränktes Wissen ist bloss eine andere Form von Dummheit.
Aber wenn ich nun, ein paar Tage später, hier sehe, welcher Art das Wissen ist, das unsere hohe Schule anstrebt, dann wird es mir klar, denn dieses Wissen, das verkaufbare Wissen, ist derart einseitig, dass die Löcher in dem Käse grösser sind als der Käse dazwischen. Und die Löcher werden gefüllt, wenn's sein muss von "free content providern", wie z.B. Brainworker, dessen Besucherzahlen sich grad 200'000 Besuchern pro Monat nähern. Nicht alle Leute sind derart gut dressiert, dass sie sich ohne Gegenwehr auf Einbahn-Abstellgeleise führen lassen, auch wenn das Risiko beträchtlich ist.
Den meisten Lesern des Artikels von Jost dürfte das Wort emeritiert entweder nicht bekannt sein, oder nicht gross auffallen. Und dennoch steckt darin vermutlich die grösste Kritik unseres Wissenschaftsunwesens, denn so was wie Jost da schreibt darf sich wirklich nur leisten, wer nicht mehr auf eine Anstellung in dem Filz angewiesen ist.
M. Herzog, Basel, 10.5.06
p.s: Alles in allem ist das, die Sache mit dem öffentlichen Wissen, natürlich idealistisch, also ein Witz. In der Realität des Marktes ist Wissen längst zu einem entscheidenden Faktor für Wettbewerbsvorsprung geworden, wird also gehandelt, und wie bei allem was gehandelt wird, gilt auch hier die Devise: billig einkaufen - teuer verkaufen. Zudem ist nur Wissen das auf wenige beschränkt ist wirtschaftliche von Interesse, also geheimes Wissen, patentiertes Wissen. Warum wohl werden Bankiers nicht an Universitäten oder Hochschulen ausgebildet, sondern vorwiegend an bankeigenen Instituten? Warum wohl kaufen Pharmafirmen kleine Biotech-Betriebe für enormes Geld, obwohl die häufig weder produzieren noch verkaufen - ausser Wissen? Die Antwort in:
Geheimes Wissen, exklusives Wissen, verschwiegenes Wissen, nur halbpatzig publiziertes Wissen, sich dauernd änderndes Wissen - die Grundlage der Pharmaindustrie und Biotechnologie
ps.ps: Die Sache mit den Fachhochschulen ist unter konstruktivistischer Betrachtung noch problematischer als im ersten Ansatz (s.o.) gedacht.
Fachhochschulen wurden geschaffen, um die dort auszubildenden schneller und eben praktischer, also weniger theorielastig auszubilden.
Schön und gut, urteilt man nach Effizienz, Kosten, Produktivität, also nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten
eine mittlere Katastrophe angesichts der Tatsache, dass fehlendes theoretischer Überblick es den Absolventen unmöglich macht, über ihr eigenes Konstruktionswissen hinaus zu denken, dieses also aus einer Metaperspektive kritisch zu werten. Die Passung wird also jeweils nur im kleinsten, eben "disziplinierten" Bereich geprüft. Eine grössere Abstimmung findet nicht statt, geschweige denn eine globale Abstimmung. Die Wirtschaft hat sich damit gehorsame Leistungserbringer geschaffen, die produzieren und gar nicht auf kritische Ideen kommen können, weil sie den Überblick nicht haben, nicht mal, nein, vor allem nicht, über Theorien ... die den Überblick über Wissen oft erst ermöglichen. Ohne Theorie keine reflexive Theoriekritik.
Aktuellere Beiträge zur Wissenschafts- und Bildungspolitik:
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Sie finden diese Beiträge zur Bildungspolitik bei Google & Co nicht an derart prominenter Stelle, weil sie von einem offiziellen Amt oder einer Hochschule stammen, sondern weil Brainworker-Diskussionsforen inzwischen mit nun 120-200'000 Besuchern pro Monat offenbar zu vielen Bereichen aus Wissenschaft und Philosophie attraktiver informiert als manche dieser dürren Informationswüsten.
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