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Webmaster und Internet-Redaktor Martin Herzog
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Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit? Die (höhere) Bildungspolitik der Schweiz |
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Sapere aude – Habe den Mut, Dich deines Verstandes zu bedienen. Kant |
Bildung sei die Ressource des rohstoffarmen Landes Schweiz. Bildung sei DIE Waffe gegen Arbeitslosigkeit - Die Realität sieht anders aus: Bildung, d.h. meist eher Ausbildung, verschärft den Wettbewerb und verdrängt weniger Gebildete. Ein höherer Bildungsstand führt auch nicht, wie anhand der Schweiz leicht zu zeigen ist, zu höheren wirtschaftlichen Leistungen. West- und Südschweiz haben sowohl die höchste Bildungsquoten wie auch die höchste Arbeitslosigkeit. Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit?
(Fehlende) Bildung wird längst verwendet, um denen die sich umsonst um nicht existierende Stellen bewerben, dennoch die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Bildung ist aber als Selektionssystem, und Wettbewerb ist immer Selektion! höchst ungeeignet, ja ungerecht, da die Bildungsfähigkeit vom IQ abhängt und der nun mal normalverteilt ist. D.h. dass die Hälfte der Bevölkerung nun in Gottes Namen eben einen IQ von unter 100 hat. Da der IQ vererbt wird, gibt das weder Politik, noch Gesellschaft noch Wirtschaft das Recht, die Hälfte oder 3/4 oder 4/5 (= 80/20-Gesellschaft) der Menschen vom Erwerbsleben auszuschliessen. Bildung wird so nur zu einem weiteren Zwangsapparat, der die Probleme dieser Wirtschaftsform aber nie lösen kann, also nie lösen wird.
[Karl-Heinz Wedel: Der Mensch als Unternehmer seiner Arbeitskraft. Bildungsdiskussion zwischen Leistungswahn, Standortkonkurrenz und Individualisierung]
Auf Grund dieser Zusammenhänge forderte Ivan Illich bereits vor 35 Jahren einen gesetzlichen Schutz vor obligatorischer Bildung und vor Bildungszwang. Der Bildung darf kein prioritärer Status zugemessen werden - denn der beschränkt die Freiheit der Menschen, insbesondere derer mit geringeren Bildungsmöglichkeiten. Die Bürger müssen davor geschützt werden, auf Grund schulischer Beurteilung keine Arbeit finden zu können, da dies nicht bloss ihre Freiheit, sondern sogar ihre Existenz beeinträchtigt. Die Überbewertung von Bildung, von schulischen Qualifikationen, führt also zu einem Verstoss gegen das erste und wichtigste Menschenrecht, das Existenzrecht.
| Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch,
sonst hieße es ja Buchung. Dieter Hildebrandt, dtsch. Kabarettist |
Bildungswahn und Bildungschancen: Bildung fördert zwar soziale Ungleichheit - normiert aber Individualität. [8.3.07]
| Der Markt zahlt besser für Unterhaltung als für Bildung. Warren Buffet |
Der IQ, Schlüssel zur höheren Ausbildung, ist in der Bevölkerung breit gestreut. 50% liegen über einem IQ von 100, 50% liegen darunter. Wäre nicht so schlimm, würde er als Gabe der Natur aufgefasst, da er ja zum grössten Teil erblich bedingt ist, und nicht als Selektionsmittel missbraucht. Denn er bedeutet nicht, dass schwächer Begabte kein Verständnis hätten für Komplexeres, er bedeutet nur, dass man es ihnen länger erklären und verständlicher präsentieren muss. Da die Linke ihrem intellektuellen Dünkel verhaftet bleibt, überlässt sie leichtsinnig einen Drittel der Bevölkerung der SVP.
- Entwicklungspsychologie: Die Entwicklung des Individuums und der Gesellschaft [11.4.07]
- Ignoranz (Unwissen) und Wissen sind zwei Seiten der selben Medaille: Nur die periodische und temporäre Auflösung fester Begriffe, also von Wissen, ermöglicht neues Wissen. [9.4.07]
- Die beiden Faktoren die den Menschen am meisten antreiben (nebst Geld und Sex natürlich ...) INTERESSE/INTERESSEN [11.3.07] und Langeweile
- Bildungswahn und Bildungschancen: Bildung fördert zwar soziale Ungleichheit - normiert aber Individualität. [8.3.07]
- Sozialer Aufstieg durch Bildung - und das Aufkommen des akademischen Prekariats - am Ende des Mittelalters. [ 22.2.07]
- Bildung: Ihre Entwertung, ihre selektive Funktion und der Schabernack der "kulturellen Werte" der "Elite". [17.2.06]
- Kritische Gesellschaftstheorie: Nicht die Politik, die Wirtschaft dressiert den Menschen![s. speziell: Heutige gesellschaftliche Klassen und soziopolitische Lager] 4.2.07]
- Sozialpsychologie: Gruppenstrukturen, Gruppenmodelle, soziales Lernen, Gruppendynamik, Gruppentherapie [26.11.06]
- Geheimes Wissen, verschwiegenes Wissen, nur halbpatzig publiziertes Wissen .... - sich dauernd änderndes Wissen: Die Grundlage der Pharmaindustrie und Biotechnologie [26.8.06]
- Die Macht des Wissens: Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. [31.7.06]
- Gedanken zum IQ
- Was ist das eigentlich, der IQ ?
- Intuition und Kreativität
- Intelligenz, Präsentation, Erfolg
- Gehirn und Gedächtnis
- Zur Vererbung der Intelligenz
- Die Abhängigkeit des regionalen IQs von der Wirtschaftslage
| Hohe Bildung kann man dadurch beweisen, daß man die
kompliziertesten Dinge auf einfache Art zu erläutern versteht.
George Bernard Shaw, irischer Dichter, 1856-1950 |
Bildungspolitik der Schweiz für den tertiären Bildungssektor: Die Bildungs-, Forschungs- und Technologiesysteme (BFT-Systeme) der Industrieländer stehen unter grossem Reformdruck. Im Zuge der Weiterentwicklung von Wissenschaft und Technologie und ihrer wachsenden Fähigkeit, die Natur zu instrumentalisieren, nimmt ihr Rückhalt in der Gesellschaft ab. Darüber, welche Kurse erfolgreich sind, entscheiden je länger je mehr die Studentenzahlen. Beides dürfte dazu führen, dass für die Wissenschaften ein ihr wesensfremdes Element immer entscheidender wird, nämlich PR. Die (höhere) Bildungspolitik der Schweiz
Politische Institutionen des tertiären Bildungssystems der Schweiz: Obwohl in der Schweiz rund zwanzig Hochschulen und zahlreiche Forschungsinstitute bestehen, verfügt sie über kein Ministerium für Wissenschaft und Forschung, dafür eine Unzahl an wenig koordinierten Fach- und Beratungsstellen. Dies liegt vor allem an der weit gehenden Autonomie der Kantone im Bildungsbereich. Ein Versuch, etwas Übersicht in einem wenig übersichtlichen Bereich zu schaffen: Das tertiäre Bildungssystem der Schweiz
Die Ingenieure, ihre Ausbildung und ihr Arbeitsmarkt: Den Ingenieurswissenschaften kommt hierbei eine Schlüsselstellung zu, weil sie zwischen den (naturwissenschaftlichen) Grundlagen und der (praxistauglichen) Anwendung angesiedelt sind. Das Wissen des Ingenieurs umfasst nebst solidem, anwendungsfähigem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischem Grundlagenwissen auch Betriebswirtschaft und unternehmerische Fähigkeiten. Allerdings nimmt die Bedeutung der Ingenieure zahlenmässig ab - es sei denn, man rechne die Informatiker dazu. In Deutschland ist jeder fünfte Hochschulabschluss ein Ingenieursdiplom, in GB jeder siebte, in der Schweiz jeder zehnte (Tendenz abenehmend) und in den USA jeder vierzehnte. Die Ingenieure und ihr Arbeitsmarkt
Weiterbildung in der Schweiz: Im April 2000 gaben 39 % der in der Schweiz wohnhaften Personen im Alter zwischen 20 und 74 Jahren an, sie hätten innerhalb der letzten zwölf Monate vor der Befragung an Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen. Die meisten Personen nehmen aus beruflichen Gründen an Weiterbildungsveranstaltungen teil. Personen mit hohem Bildungsniveau sind in sämtlichen Bereichen des Wissenserwerbs übervertreten. ... 54% des öffentlichen Kursangebots wird von Migros bestritten, die 2003 sogar 22% des IT-Bereichs abdecken (38% IBM, 14% SAP). ... In der Weiterbildung bei bildungsfernen Schichten hinkt die Schweiz weit hinter Neuseeland, Dänemark, den Niederlanden und England her. Fortschritt braucht aber gut geschultes Personal auf allen Ebenen, nicht nur an der Spitze! Weiterbildung in der Schweiz
Nebenbei: Was es nebst den Anwendern höchsten Wissens eben so notwendig braucht, sind die Kritiker dieser Scholastik, die Intellektuellen. Mehr dazu demnächst in diesem Theater. Als Beispiel für gelungene, d.h. eben so verständlich wie amüsante, Präsentation von Wissen im angelsächsischen Stil, ist das Werk BILDUNG, von Dietrich Schwanitz [Eichborn, 2002].
Weiterbildung in Deutschland: 83% halten Weiterbildung für eine wichtige Hilfe, um im Alltag besser zurechtzukommen ...trainiert wird aber vor allem das, was produktiv macht. Schwerpunkte sind mit 7% für die Deutschen Computer, EDV, Internet, für die Ausländer Sprachen, mit 5%, Menschenführung für die Betriebe. Während von den Personen mit niedrigem schulischen Abschluss bundesweit 29% an Weiterbildung teilgenommen haben, sind es bei denen mit Abitur etwa doppelt so viele (59%). Weiterbildung in Deutschland
Das Web dient gegenwärtig für Information, Austausch und Unterhaltung - Wo aber liegen seine Chancen und Grenzen für Lernen, Argumentation und Diskussion? Der Aufbau einer geschlossenen, linearen Argumentation ist im Internet erschwert. Die Fülle an unkoordinierten Meinungen und Tatsachen macht eine bessere Medienkompetenz nötig. Während die Wissenschaften zwar enorm erfolgreich waren in der Analyse, der Zerlegung von Tatbeständen, hapert es bei der Synthese, der Integration, insbesondere Anwendung, von neuem und komplexerem Wissen, noch enorm. Dialektik im Internet
Für welche Arten des Lernens eignet sich das Internet? Programmierter Unterricht versus selbstgesteuertes Lernen: Auf Grund fehlender Strukturen und Reaktionsmöglichkeiten der Technik, auf Grund der sehr beschränken Kommunikationsfähigkeit des Mediums, ist es auch nur in Spezialfällen für Bildung tauglich, also vor allem dort, wo das Medium gerade auch das Übungsobjekt ist (Computer, Webtechnik etc.), und dort wo sich entdeckendes Lernen einsetzen lässt. Lernen im Internet
Selbst Lernen: Da die Motivation zum Lernen sowie der Lernprozess sehr stark von individuellen Gegebenheiten abhängen, wäre das ideale Lernen eigentlich das selbst gesteuerte Lernen. Diese vermittelt Methodenkompetenz, die Fähigkeit zur selbständigen Aneignung neuer Kenntnisse und Fertigkeiten, Wissen, wie man vorgeht, sich in ein neues Gebiet einzuarbeiten, wie und wo man sich Informationen beschaffen kann, welche Fragen man sich und andern stellen muss. Selbstgesteuertes Lernen
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Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und
Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überläßt? |
Orientierung - Planung, Kultur und Bildung zwischen den Polen Geld und Werte: Orientierungswissen ist ist für Entwicklung entscheidend, denn Orientierung, das Wissen, wohin es gehen soll, schafft Motivation und Motivation treibt an zu Handlung. Nun gibt es vier Faktoren, die Entwicklung leiten. Nach Parson lenkte die Wirtschaft mittels Geld, Politik mittels Macht, Gesellschaft über Einfluss und insbesondere die Kultur hatte die Funktion über Werte zu lenken. Heute wird die politische Macht ebenso vom Geld dominiert wie der gesellschaftliche Einfluss. Zur Korrektur der Orientierung an Geld-Macht bliebe also nur noch die Kultur, wenn diese nicht ebenfalls bereits völlig kommerzialisiert und EVENT-ualisiert wäre. Kultur müsste eigentlich die einseitige Orientierung an Geld wieder durch eine komplexere Wertorientierung ersetzen. Dazu gehörte auch mehr Bildung statt Ausbildung, denn Ausbildung, also Training, dient der Produktivität - Bildung dient jedoch einer nachhaltigen Entwicklung.
| Es gibt zwei Möglichkeiten Menschen zu formen:
Politik und Pädagogik. Nohl |
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Rheinfelden, 18. Februar 2003/25.8.04
Neu:
Die 68er Kulturrevolution - und wie die Folgen einer wirtschaftsbedingten Anomie der antiautoritären Erziehung untergejubelt wurden. 7.9.05