Beiträge aus Brainworker's Denkwerkstatt  

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Landwirtschaft und Bauern

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Nichtsdestoweniger (wto & Co(: Nicht zu schnell aufgeben und vor allem nicht zu billig verkaufen. Landwirtschaftsland wird zur interessanten Investition. Länder ohne ausreichende Nahrungsmittelversorgung sind weltweit auf Einkaufstour und beschaffen sich Land anderswo: Südkorea in Madagaskar und Afrika, China auf den Philippinen und in Laos, Saudi-Arabien in Indonesien, die Golfstaaten in Pakistan und im Sudan. Sollten in solchen Ländern Hungersnöte entstehen, dürfte das den internationalen Beziehungen ziemlich abträglich sein.

Zur Zeit DER Renner an der Börse: Der Outperformer KNOBLAUCH: Gold, Aktien, Eisen und all diese Dinge legten im letzten Jahr zwischen 50 und 100 Prozent zu. Knoblauch verteuerte sich um mehr als das Dreifache - auch dies dank der Nachfrage aus China. Knoblauch ist das beste natürliche Antibiotikum.

Ebenso zieht der Preis der Erdöls wieder an. Es wird bereits davor gewarnt, mit Heizölbestellungen zu lange zuzuwarten. Billiger wirds nimmer dieses Jahr (gesprochen am 26. Mai 09)

Milch ist am stärksten gefallen - hängt aber auch sehr stark vom Konsum in China ab - und China "funktioniert" eigentlich wieder. All zu lange dürfte also auch diese Flaute nicht anhalten.

Allerdings sind bei den Frühstückszutaten (Kaffee, Zucker, Kakau, Orangensaft und Weizen) dank tiefer Lagerbestände und schlechter Ernten die Preise bereits wieder massiv gestiegen:

Zucker und Kakao wurden noch im Januar wärmstens als Anlage empfohlen. Die Bauern die sich allerdings darauf verlassen haben, gingen baden, denn der Zuckerpreis ist, wie die meisten Agrarpreise, zyklisch, und war bloss 3 Monate später, also in weniger als einer Produktionsperiode, wieder auf der Hälfte:

So ähnlich wie China in Madagascar und weitern Afrikanischen Ländern, kauft auch die Schweiz (Glencore z.B. 300'000 ha in Paraguay, Ukraine und Kasachstan. Jean Claude Gandur 10'000 ha in Sierra Leone, für Zuckerrohr, mit dem Treibstoff hergestellt werden soll) Ackerland in andern Staaten:

denn Ackerland wird knapp- und die Preise steigen, sogar in den USA:

BIS 2050 MUSS DIE WELTWEITE NAHRUNGSMITTELPRODUKTION VERDOPPELT WERDEN!

Trotz gegenwärtigem Butterberg in der Schweiz also kein Grund, über Ueberproduktion zu lamentieren. Der Zustand ist mit Sicherheit bloss temporär. Der Butterpreis ist in den vergangenen 3 Monaten sogar um 30% gestiegen ....

wto-games summer 2008:

  • Mitte Juli: Doha-Gespräche vor dem Durchbruch. 50% der Schweizer Bauern vor dem Aus.
  • Ende Juli: Doha-Gespräche aus. 50% des jährlichen Wachstums (wohlgemerkt: der jährlichen Zunahme des internationalen Handels, nicht des Handels per se) des globalen Handels vor dem Aus.

Interessanterweise sind die Verhandlungen aber nicht an den widerborstigen "subventionsverwöhnten" Bauern der Schweiz oder Europas oder der USA gescheitert, sondern daran, dass auch Indien seine 650 Millionen Kleinbauern vor massiven Einfuhren schützen will, ja muss - und Chinas 800 Millionen Kleinbauern genau so. Da in Indien und China heute (fast) die selben betriebs-wirtschaftlichen Regeln gelten wie hier, wäre dort also mit 300 + 400 = 700 Millionen überflüssigen = arbeitslosen Bauern zu rechnen. Beide Länder sind noch im Aufbau, können also einen grossen Teil an Arbeitskräften absorbieren - haben aber das selbe Problem wie wir, mit der Beschäftigung wenig oder "falsch" qualifizierter (die Kenntnisse von Boden und Klima nützen in der städtischen Dienstleistungsindustrie wenig). Gerade dort haben die Bauern wenig von der Entwicklung profitiert und ertragen auf keinen Fall weitere Belastungen. Wer hier Stunk macht, ist vor allem der Grossexporteur USA.

ACHTUNG! mit dem Abbau der Landwirtschaft!!

Spätestens 2008 wird China zum ersten Mal mehr Getreide verbrauchen als es produziert!

Das Selbe passiert zur Zeit bei den Milchpreisen.

Die Milchpreise sind nun während 18 Jahren nur noch gefallen, die Lagerbestände auf ein Minimum reduziert, die Nachfrage, dank China, gestiegen. Eigentlich müssten die Preise darauf automatisch reagieren, was sie ja im internationalen Markt auch tun - bloss nicht bei den Bauern. Dass die Bauern streiken müssen, Milch vor die Schweine gegossen wird, zeigt weniger die üble Gesinnung und "Anspruchshaltung" der Bauern, als dass an der  Behauptung: Der Markt reguliere die Preise - eben doch nicht so viel dran ist. Der Markt ist nicht der liebe Gott, auch nicht der Teufel. "Der Markt" ist das komplexe und daher nicht präzise vorhersagbare System aus Kräften, Mächten, Verhandlungen - die über Angebot und Nachfrage entscheiden. Würde "der Markt" den Preis bestimmen, hätten die Bauern ja längst wieder zufriedenstellende Milchpreise ....

Das Konzept von avenir suisse ist damit, bloss ein Jahr nach dem Erscheinen, bereits veraltet uns unsinnig.

China und Nordindien trocknen aus, Südaustralien vertrocknet, Kanadas ländliche Gebiete veröden!!! In den USA hat Mais-Energie (Bioethanol) einen beträchtliche Preissteigerung ausgelöst, wodurch die Situation vieler Bauern und ländlicher Gemeinden verbessert verbessert wurde. Der Boom führt so auch Siedlungspolitisch zu andern Schwerpunkten ... aber zu Unruhen in Mexiko, wo Mais DAS Grundnahrungsmittel ist. Auch in Deutschland wird seit der Förderung alternativer Energien mehr verdient mit Energie-Weizen als mit Brot-Weizen.

Bereits für 2007/08 erwarten die USA ein globales Weizendefizit von 10 Mio T. Die Reserven reichen heute gerade mal für 71 Tage! Die Landwirtschaft ausbauen können praktisch nur noch Argentinien und Brasilien ... im letzteren Falle meist auf Kosten des Tropenwaldes.

Fazit:

Hände weg vom Abbau der Landwirtschaft!

oder, auf Bauerndeutsch: Vertreibt die Strukturvernichter mit den Mistgabeln von den Feldern!

 

 

Vorschlag für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln:

Gemüse und Obst für die Gesundheit - statt Pharma

Menschen mit tiefen Einkommen, also Einkommen im Bereich des Existenzminimums, leben von Reis, Nudeln, Speck, billiger "entvitaminisierter" Fleischwurst (10.- Fr das Kilo), Zwiebeln & Knoblauch (wichtig, da Abwehrstoffe!), Bohnen, Käse (wichtig als Proteinlieferant), Brot, Butter, Milch, Tee und Kaffee ... und Gewürze - leider aber keine frischen Kräuter - obwohl gerade diese eigentlich meist Heilmittel währen, also auch für die Gesundheit präventive Wirkung hätten. Nur in den wenigsten Küchen dürfte heute noch das Wissen vorhanden sein über die spezifischen gesundheitlichen Wirkungen von Pflanzen und Kräutern - und Fleisch! Praktisch alle Salate und Gemüse, sowieso die Gewürzkräuter, haben therapeutische Auswirkungen auf die Gesundheit!
 

Medizinische Wirkungen einiger Nahrungspflanzen:

Beeren, Früchte, Nüsse

  • Apfel: Anämie, Asthenie, Bronchitis, Durchfall, Fettleibigkeit, Frühjahrskur, Harnausscheidung, Haut, Herz, Magen, Nervosität, Rekonvaleszenz, Rheumatismus, Verstopfung.

  • Brombeere: Adstringierend (austrocknend, blutungsstillend), blutzuckersenkend, harntreibend, tonisch, wundreinigend. Hilft bei Angina, Diabetes, Durchfall, Heiserkeit und Problemen mit der Mundschleimhaut und Zahnfleisch.

  • Heidelbeere: Blasenentzündung, Blutkreislauf, Diabetes, Durchfall, Ekzeme, Hämorrhoiden, Harnstoff, Mund, Mundschleimhaut.

  • Himbeere: Abführend, adstringierend, appetitanregend, blutreinigend, erfrischend, harntreibend, reguliert Menstruation, schweisstreibend, gegen Skorbut, tonisch.

  • Schwarzer Holunder: Abszess, Arteriosklerose, Augen, Blasenentzündung, Bronchitis, Frostbeulen, Gertenkorn, Hämorrhoiden, Haut, Herz, Leber, Niere, Rheumatismus ...

  • Johannisbeere, rote: Appetit, Fettleibigkeit, Flechte, Frühjahrskur, Rheumatismus, Verstopfung.

  • Johannisbeere, schwarze: Arteriosklerose, Augen, Bluthochdruck, Brust, Cellulitis, Fettleibigkeit, Frühjahrskur, Gicht, Hals, Harn, Leber, Niere, Rheumatismus.

  • Sanddorn: Altern, Appetit, Skorbut (sehr reich an Vitamin C), tonisch, wurmtreibend.

  • Stachelbeere: Appetit, Durchfall, Frühjahreskur, Rekonvaleszenz, Verstopfung, Wunden.

  • Walnuss: Anämie, Asthenie, Augenbindehautentzündung, Darmparasiten, Diabetes, Durchfall, Frostbeulen, Haar, Haut-Geschwür, Oedem, Leber, Rachitis, Wachstum, Wunde.

Salate und Gemüse:

  • Kartoffel: Augen, Diabetes, Haut, Kolik, Magen, Sonnenbrand, Verbrennungen, Verstopfung.

  • Brunnenkresse: Blutreinigend, fiebersenkend, harntreibend, stimulierend. Wirkt gegen Akne, Bronchitis, Haar- und Hautproblemen, Mund, fördert Appetit und Rekonvaleszenz.

  • Löwenzahn: Artheriosklerose, Cholesterin, Fettleibigkeit, Gesichtsfarbe, Gicht, Hämorrhoiden, Harnstoff, Haut, Krampfadern, Leber, Rheumatismus, Steinerkrankungen, Verstopfung.

  • Rauke/Rucola: Asthenie, Frühjahrskur, Haar, Impotenz (ahhh, darum gibts die überall bei den Südländern und Arabern)

  • Sellerie: fördert Auswurf (bei Erkältung, Angina), Bronchitis, Brust, blutreinigend, fieberhemmend, harntreibend, Fettleibigkeit, Magen, gegen Blähungen, tonisch.

  • Spinat: Akne, Anämie, Bluthochdruck, Mineralsalzmangel (Sportler, Schwerarbeiter), Rachitis, Rekonvaleszenz, Verbrennungen, Verstofpung, Wachstum.

Kräuter & Gewürze:

  • Dill: Entzündungshemmend, krampflösend. Hilft gegen Blähungen, Erbrechen, Schluckauf und beim Stillen

  • Koriander: Blasenentzündung, Darmparasiten, Durchfall, Niernentzündung, Rheuma, Verbrennungen, Verstopfung

  • Kümmel: Reguliert Menstruation und Laktation wie die Verdauung

  • Lorbeer: Antiseptisch, schweisstreibend, sedativ und stimulierend. Desinfektion, Rheumatismus, Schlaf, Schmerz, Verdauung.

  • Meerrettich: Anämie, Appetit, Asthenie, Blutandrang, Bronchitis, Gicht, Heiserkeit, Husten, Müdigkeit, Oedem, Rachitis, Rheuma, Zahnfleisch.

  • Melisse: Anämie, Appetit, Asthma, Gedächtnis, Leber, Lunge, Magen, Schlaf, Schwangerschaft, Schwindel

  • Minze: Appetit, Asthma, Blähungen, Husten, Kolik, Lunge, Magen; Migräne, Mund, Schluckauf, Verdauung.

  • Rosmarin: Asthenie (Schwäche), Asthma, Cholesterin, Gallenblase, Gedächtnis, Haut, Leber, Nervosität, Rheumatismus, Schlaf, Verdauung, Verstauchungen, Zahn.

  • Salbei: Asthma, Desinfektion, Diabetes, Fuss, Gesichtsfarbe, Haar, Lungenblähungen, Stillen, Tabakmissbrauch, Transpiration, Verstauchung, Wechseljahre, Zahnfleisch.

  • Thymian: Anämie, Appetit, Altern, Blähungen, Darmparasiten, Grippe, Haar, Husten, Keuchhusten, Krätze, Magen, Menstruation, Rekonvaleszenz, Rheuma,, Stirnhöhlenentzündung, Wunden.

etc, etc ... die meisten Pflanzen wirken für den Menschen also wahre Wunder.

Den Armen wird also das Leben verkürzt
durch die beschränkte Auswahl an zahlbaren gesunden
* Nahrungsmitteln!

Wie jedes Problem birgt aber auch dieses einige Chancen:

  1. Die Bauern gehören ja mit zu den Ärmsten (auch wenn sie bloss unter Geld-Mangelerscheinungen leiden, nicht aber was Nahrung und Vitamine betrifft.) Sie müssen mit enormen Subventionen über Wasser gehalten werden - aber, der grösste Teil der Subventionen geht an die Verarbeiter, damit sie billig exportieren können, kommt also den Bauern gar nicht zu gute - und der Steuerzahler erhält auch wenig für seine Leistungen.

  2. Übergewicht ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein gewichtiges Problem, insbesondere da es immer weitere Kreise bereits der Jugendlichen erfasst, in Deutschland jedes 5. Kind, in den USA 30% der Gesamtbevölkerung, in der Schweiz 40% der Männer und 22% der Frauen - und auch in Asien nimmt das Problem(kind) zu. Und wo es sich festgesetzt hat, wird man's nicht mehr los (ich spreche aus Erfahrung ...).

    Übergewicht betrifft vor allem Arme, also die unteren sozialen Schichten. Wenn Sie sich obiges "Diätprogramm" ansehen, verstehen Sie sofort, warum dem so ist - und warum das auch so bleibt, trotz tausend Empfehlungen mehr Gemüse und Obst zu Essen an Schule, Fernsehen und in allen andern Medien.

  3. Durch Subventionen verbilligte Nahrungsmittel die in den Export gehen, ruinieren die Existenz noch ärmerer Bauern in der 3. Welt.

Nun ist es für tiefe Einkommen ja seit längerem möglich, sich einen Teil der Krankenkassenkosten erstatten zu lassen. Es gäbe aber bessere Möglichkeiten! Warum nicht die Krankheit im Keime ersticken, insbesondere diejenigen, die durch Fehlernährung entstehen?

Vorschlag:

Diejenigen Bevölkerungsschichten, die sich frisches Gemüse und Obst schlichtweg nicht leisten können (von Frischfleisch ** gar nicht zu reden, bei den Preisen ...), erhalten vergünstigte Bezugsberechtigungen / Gutscheine, die sie an lokalen Märkten oder bei ihren lokalen Bauern einlösen können (vorzugsweise nicht Grosshandel, denn das Gemüse ist ja meist nicht all zu frisch). Damit wären nicht nur zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen, sondern gleich 3:

  1. die Bauern (zumindest Gemüse und Obst-Klein-Bauern) hätten ihre Existenzberechtigung nicht nur in Worten sondern auch in Geld zugesprochen,

  2. und die Armen können es sich überhaupt erst leisten, vernünftig und gesund zu essen.

  3. Die Landwirtschaft müsste nicht mit subventionierten Billigangeboten die Weltmärkte überschwemmen und damit Landwirte in der Dritten Welt, die noch ärger dran sind, in den Ruin treiben.

* Apropos Gesund: Dazu zähle ich nun z.B. den golden rice gewiss nicht. Aber dieser verdeutlicht das Problem. Genmanipulation ist ein kapitalintensives Unternehmen, dass zu zentralistischen Strukturen führt, dem Individuum aber nur Standardlösungen bietet. Dieses Problem, die gesunde Ernährung, liess sich aber über tausende von Jahren lokal lösen, und sie lässt sich weiter und mit viel mehr Gusto lokal lösen.

** Eine solche Idee scheint aufs Erste bloss Vegetarier anzusprechen. Dem ist aber nicht so. Wie die Skandale in Deutschland betr. Gammelfleisch zeigen, hat hier "billig" als Strategie schon beträchtliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Auch wenn man nicht soooo weit geht, vergammeltes Fleisch anzubieten, haben Billigwürste doch auch ihre "Nebenwirkungen".

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Export-Import.Probleme kartiert [http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html]:

Fleischexport - Europa, Australien und vor allem Neuseeland dominieren Fleischimport: Europa und Japan dominant, China erst am kommen. Indien "dummerweise" vegetarisch. (Tschuldigung, rein fleischmarktliche Wertung ...)
Getreideexporte: USA und Europa machen Afrika und Südostasien hin Getreideimporte: Japan, Petrolstaaten
Gemüseexporte: Eindeutig von Europa dominiert, China ein schwacher Abglanz. Da muss man schon sagen: Schutz der eigenen Produktion ja - aber Schutz der eigenen Exporte, die Bauern anderswo kaputtmachen, nein. Gemüseimporte: Relativiert die Aussage rechts, denn offensichtlich sind die Europäischen Exporte zum grössten Teil innereropäischer Art, die chinesischen jedoch werden noch nicht durch entsprechende Importe aufgefangen - aber dafür durch http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html. Seltsamerweise ist Indien auch hier schwach.

http://www.sasi.group.shef.ac.uk/worldmapper/index.html

 

Fast so Aktuell:      Agrarbericht 2006

[Zum Vergleich: Oesterreich: Grüner Bericht 2006 ]

Agrarbereicht 2005 / Agrarbericht 2005 Kurzfassung für Presse

Der Agrarbericht macht die enormen Veränderungen in der schweizerischen Landwirtschaft deutlich. Seit 1990 sind 2/3 (13'000) der Kleinstbetriebe mit weniger als 3 ha verschwunden, sowie 43% (11500) der Kleinbetriebe mit 3 bis 10 ha, und  29% (9000) der Betriebe mit 10-20 ha.

An deren Stelle sind 838 Grossbetriebe (> 50 ha) entstanden, 2782 ausreichend grosse Betriebe mit 30-50 ha und 1295 Betriebe, die immer noch unter der heute als kritisch empfundenen Grenze von 30 ha liegen. (s. Restrukturierung in der Landwirtschaft).

Positiv: BSE verschwand praktisch vollständig.

Negativ: 74% des eingeführten Rinds- und Kalbfleisches stammen aus Brasilien, d.h. von Böden die früher mal Tropenwald ... (na ja, sich gegen die Verwendung von Tropenholz zu engagieren, das in der Schweiz eh kaum mehr verwendet wird - 0.16% des in der Schweiz verwendeten Holzes - ist natürlich einfacher ...). Etwas mehr an schmackhaftere Rindern wie Limousin oder Charolais währe allerdings schon angenehm.
 

Warum die Bauern, trotz schwieriger Lage und grosser Unzufriedenheit mit der finanziellen Situation und den Zukunftsaussichten, ihren Beruf schätzen (apropos Beruf, das kommt ja von Berufung, also wozu sich einer berufen und geeignet fühlt, nicht wozu der Markt in auf Grund von maximalen Renditewerwartungen und monetärem Leistungspotential verdammt). ... und warum sie jammern.


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3 Milliarden Menschen, 43% der Weltbevölkerung, arbeiten in der Landwirtschaft

3, 2, 1, 0 … Wie die Bedeutung der Landwirtschaft schwand … und wiederkehrt

Von Martin Herzog ©

Abgedruckt, unter dem Titel: Coutdown der Gerechtigkeit in: BIO-Nachrichten, Zeitschrift für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung. Nr. 102. Juni 2006. S. 16-17]

- und die können nicht alle reich werden, auch wenn wir unsere 120'000 in der Schweiz noch verbleibenden Vollzeitstellen auf 0 reduzieren. Die Bauern haben aber nebst dem Bauern noch andere Funktionen zu erfüllen - und günstiger liefert diese Funktionen niemand. Man kann die Landwirtschaft also weder beliebig, noch nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien reduzieren. Ein gewisser Bestand ist nötig, und wie hoch der ist, darüber besteht bis anhin keine Klarheit. Eben so wenig darüber, wie der erhalten werden soll, wenn auch er noch als überflüssig erklärt wird, durch die Weltmarktpreise.

Dabei wäre die Lösung eigentlich nahe liegend: Wo zu viel Masse produziert wird, müsste mehr Varianz, also mehr Spezialitäten her. Dem stehen allerdings dummerweise (ja, sehr intelligent ist er nicht, dieser Markt) fast alle Marktgesetze entgegen, vor allem der Grössenvorteil ... wenn nicht sich die "kleinen" Spezialitätenproduzenten über Netzwerke zu grossen Anbietern und Nachfragern machen. Das brauchte aber eher mehr Kooperation als Wettbewerb ...

Der landwirtschaftliche Wandlungsprozess in Zahlen:

Randnotiz:

Holz wird

- weit unter Energiewert -

 verschleudert!

Zwischen 1996 und 2003 hat die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe um 17% abgenommen. Dabei handelt es sich vor allem um Betriebe mit weniger als 5 ha (39% Rückgang) und zwischen 5 und 10 ha (- 23%). Die Betriebe mit über 20 ha nahmen jedoch um 12% zu. Die landwirtschaftliche Nutzfläche verringerte sich so bloss um 1% - die Zahl der Beschäftigten jedoch um 14%, bei Vollbeschäftigten sogar um 25%.

Bei der nun anstehenden Reduktion der Landwirtschaftseinkommen um 520 Millionen, bei total 2.5 Milliarden also 20%, wird nun jeden Tag bis zu sieben (7!) Betriebe aufgeben müssen. 2005 sank der Verdienst (Achtung! Selbständigkeit, nicht Lohn!) pro Arbeitskraft von 39700 auf 38'000 Fr.  Das Einkommen der Betriebe sank um 5.8% auf 58'000 Fr.

Die Zahl der Biobetriebe stieg in dieser Zeit von 3300 auf 6124.

Der Rindvieh-Bestand nahm um 10% ab, dafür die Zahl der Hühner um 19%, die der Schwein um 10% und die der Schafe um 6% zu.

Diesen Trend beschleunigen, im Namen der Strukturanpassung, will die Motion von Joseph Leu (CVP). Diese schlägt vor, für die Direktzahlungen das minimale Arbeitsaufkommen in Standardarbeitskräften von heute 0.25 auf 0.5 bis 0.6 zu erhöhen. Das bedeutet, dass ein Kleinbauer, will er Unterstützung beantragen, zumindest Halbzeit auf dem Hof arbeiten muss. Diese Situation ist nicht gegeben bei Bauernhöfen mit weniger als 10 ha Land, bei Ackerbetrieben mit weniger als 20 ha Land. Kleinbetriebe, welche die Anforderungen erfüllen, sind heute zwischen 3 und 8 ha gross und erhalten ca. 10'000 Fr. an Direktunterstützung. Die Verschärfung der Anforderungen betrifft insbesondere die Bergbauern, von denen im Wallis ca. 1400, im Bernbiet ca. 2100 betroffen wären und vermutlich aufgeben müssten. Generell ginge es damit einem weiteren Sechstel der Landwirtschaftsbetriebe an den Kragen.

 

Gesamtarbeitsvertrag für die Hilfskräfte der Bauern - Gut gemeint - aber politischer Schabernack

Die Plattform für eine sozial nachhaltige Landwirtschaft verlangt einen GAV für die 45'000 in der Landwirtschaft tätigen Hilfskräfte. Der Plattform gehören 16 Organisationen an, unter anderem an: Bio Suisse, die Vereinigung zum Schutz der kleinen und mittleren Bauern, Kagfreiland, die Stiftung Konsumentenschutz, die Gewerkschaften Unia und GBI. Sie verlangen:

Die Situation:

2004 verdienten die Landwirte, also selbständig tätige, im Schnitt 40'000 Fr. pro Jahr, d.h. 3300 pro Monat (ohne 13.!). Die Unterschiede sind aber extrem. So verdienen Viehzüchter im Mittelland rund 20.- pro Stunde, in den Bergregionen aber nur 5.-, Bergbauern maximal 2000.- pro Monat, der Durchschnittsbauer 2500, und nur der Mittellandbauern 5000.- (s. http://www.brainworker.ch/Arbeit/ )

Es ist also höchste Zeit, sich der Lage der "Durchschnittsbauern" und insbesondere der Bergbauern anzunehmen, aber aller, nicht bloss der Angestellten. Wie bitte soll ein Bauer der selbst 2500.- verdient, als Selbständiger, und dafür die 2200 Stunden pro Jahr arbeitet, also einen Viertel mehr als die Durchschnittsbevölkerung, einem Angestellten, der dazu noch weniger arbeiten will, 3500.- bezahlen? Indem er seinen eigenen Lohn auf 1000.- reduziert?

Wird dieser GAV so durchgesetzt, erhöht sich der Druck auf die meisten kleinen Bauern enorm. Sie können sich gar keine Angestellten mehr leisten, d.h. die Restrukturierung, die bereits durch die Aufhebung der Zölle enorm beschleunigt wird, kriegt hier zusätzlich noch einen Raketenmotor verpasst, und das im Namen des "Sozialen".

Das echte Problem:

Bei allem Verständnis für das Problem der Minimallöhne und der Working Poor, bei aller persönlichen Unterstützung der Idee von Lohnerhöhungen, insbesondere bei tiefen Löhnen, so wird von den Gewerkschaften einfach unterschlagen, dass es "den Minimallohn" ganz einfach nicht gibt, genau so wenig wie einen gerechten Lohn. Dies wurde von mir bereits vor 4 Jahren, anlässlich einer Studie für den GBI (!), deutlich belegt, aber "verdrängt". Das Problem ist, dass diejenigen Branchen hohe Löhne zahlen können, die einen hohen Mehrwert mit wenig Angestellten erzielen. Diese Branchen sind also vor allem Banken, Versicherungen, Pharma, Energie, Presse. In diesen Branchen können einzelne Betriebe den Markt beherrschen, müssen sich also in keinster Weise einem atomistischen Wettbewerb stellen, wie dies die Bauern tun müssen.  Wo der Durchschnittslohn (meist Median) bereits 6 bis 8000 Fr. beträgt ist es kein Problem, einen Minimallohn von 3500.- zu bezahlen.

 Wo aber der Durchschnittslohn für Selbständige 2500.- beträgt,
ist ein Minimallohn (für Angestellte) von 3500.- brutto
nichts als politischer Schabernack.

Soll dieses Problem gelöst werden, müssen erst die Scheuklappen weg die verhindern, dass wir die Ungerechtigkeiten und die wirkenden Mächte in unserem Wirtschaftssystem erkennen wollen und können. Erst wenn wir sehen dürfen, dass dieses System weitaus weniger mit Wettbewerb als mit Marktbeherrschung durch Geld, Grösse, Wissen und Beziehungen zu tun hat, könnten wir an Lösungen denken. D.h. wir müssen leider anerkennen, dass die Göttliche Hand es längst aufgegeben hat, den Markt in irgend einem Sinne nachhaltig oder gerecht zu managen (wenn sie das je tat ...). Wir müssen ihren Job also übernehmen.

Es ist gut, dass das Problem der Löhne in der Landwirtschaft erkannt wurde, denn es war höchste Zeit. Es ist allerdings ein Witz, sich nun einseitig auf die Löhne der Angestellten zu beschränken. Wer in dem bestehenden System mit einem Minimallohn gegen die Bauern auffährt, macht sie nieder, da er den Strukturwandel enorm beschleunigt. Soziale Propaganda löst hier eigentlich keine Probleme, sondern verschärft den Abbau massiv.

Martin Herzog, Rheinfelden, 30.11.04

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Neuster Beitrag, mit einigen wichtigen Argumenten zum Thema "Schutz der Landwirtschaft" unter: GUTE ARBEIT: Wie kam sie abhanden, was bedeutet Gute Arbeit und wo können wir sie wieder schaffen? [15. August 04]. Auszüge:

 

Fazit 1: Wir sollten also nicht die landwirtschaftliche Infrastruktur opfern, weil kurz- bis mittelfristig die Rendite nicht stimmt, denn:

  1. begünstigt ein Absenken von Zollschranken für Landwirtschaftsgüter vor allem den grössten industriellen Landwirtschaftsproduzenten, nämlich die USA, und nicht die 3-Weltländer, mit Ausnahme von Brasilien, Argentinien & Thailand.
  2. geht die Landwirtschaft der USA immer noch derart rücksichtslos mit der Umwelt, vor allem dem Boden, um, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit starken Rückgängen der Ernte zu rechnen ist. Zudem beruht der so geliebte Marktpreis eben oft nicht auf Wettbewerb und Leistung, sondern, gerade auch im Falle der USA, auf Dumping. Es wird also nicht bloss zu Preisen angeboten, welche natürliche und soziale Umwelt ruinieren, es wird sogar zu Preisen angeboten, die nicht mal die vorteilhaften Kosten der Grossproduzenten decken, also durch Dumping. Dies hat bei einigen Landwirtschaftsgütern ein beträchtliches Niveau erreicht (OECD):
    1. Baumwolle: wird von den USA zu 48% unter Gestehungskosten verkauft

    2. Weizen        37%

    3. Reis            19%

    4. Mais           19%

    5. Soja             12%

    Mit solchen Billigangeboten werden sogar die Bauern in der 3. Welt unterboten - und ruiniert.

  3. nimmt im Bevölkerungsreichsten Land der Erde, in China, nicht nur Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu, sondern damit auch der Fleischkonsum. Fleisch verbraucht aber ca. das zehnfache an Input (Weizen, Getreide u. andere Futtermittel). Von daher ist mit einem starken Anstieg der Nachfrage zu rechnen.

    Vorerst scheinen die Chinesen aber nicht nur die Industrieproduktion der Welt übernehmen, sondern erst mal auch noch den Landwirtschaftsmarkt ruinieren zu wollen. Chinesische Broccoli und insbesondere Kartoffeln machen den Kartoffelbauern im Kartoffelland Tasmanien das Leben schwer.

    Am 6.4.06 berichtetCASH allerdings bereits über deutliche Preisanstiege bei Fruchtsäften, Zucker, Mais, aber auch Schwein und Lebendrind, präzise weil Chinas Landwirtschaft den Eigenbedarf a) nicht zu decken vermag und b) an Boden verliert, je stärker die Industrialisierung Raum gewinnt, und c), wie erwähnt, weil sich immer mehr Chinesen, diejenigen nämlich, die am Aufschwung teilhaben, Fleisch leisten können. Die Bauern könnten also in die glückliche Lage geraten, dass die steigende Nachfrage die Probleme der Überproduktion behebt - und die Preise für den Rohstoff Nahrungsmittel, entgegen dem üblichen Trend, steigen. (s. Warum sind Rohstoffpreise so tief?)

Fazit 2: Wir tun den Ländern der 3. Welt keinen Gefallen, wenn wir sie zu Billiglieferanten von Agrargütern machen, denn Sie müssen ihre agrarische Struktur überwinden und komplexere, arbeitsteilige, den Wettbewerb ums Überleben mindernde, Wirtschaftsformen schaffen.

zur Argumentation

Es ist erfreulich (für mich, denn ich bin da immer etwas im Dilemma ...), dass inzwischen auch die Entwicklungsorganisationen wenig Sinn in der Agrarliberalisierung sehen (Agrarliberalisierung hilft den Reichen). Nachdem die WTO die verkündete Steigerung der Wirtschaftsleistung durch Zollbefreiung von 539 Milliarden Dollar für die Entwicklungsländer und 293 Milliarden für die Industrieländer, korrigiert hat auf 157 Milliarden für die Industrieländer, 130 Milliarden für die Entwicklungsländer, drückt der zu erwartenden Ausgang der Verhandlungen diese Zahlen auf 96 Milliarden für Industrieländer und 16 Milliarden für Entwicklungsländer.

Die Einsparung der 235 Milliarden Dollar, die Industrieländer für die Subvention ihrer Landwirtschaft aufwenden, käme nicht den Entwicklungsländern, sondern Agrounternehmen, Grossverteilern und Konsumenten der OECD-Länder zugute, die bis anhin die Kosten getragen haben. Die Mehrzahl der Entwicklungsländer, die bereits heute mehr Nahrungsmittel importieren müssen als sie exportieren können, würde draufzahlen.

Peter Niggli, www.alliancesud.ch

Entwicklungshilfe erfordert also keine Vernichtung von Schweizer Bauern Diese dürfen weiterhin auf die WTO sch..., ohne als entwicklungsfeindlich gelten zu müssen.

Neuster Beitrag, 5.12.2006:

Wenn Sie Search benutzen und damit nach den Stichworten bauern, landwirtschaft ... auch engl. farmer, agriculture etc. suchen, erhalten Sie noch mehr Beiträge.

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Falls Sie was Wichtiges und Interessantes vermissen, oder falls Sie selbst interessante Infos zu landwirtschaftlichen Alternativen anbieten, so bitte ich um Hinweise und ergänze die Infos hier gerne.
Falls Sie für Ihr eigenes Produkt hier werben wollen, s.

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Interessante landwirtschaftliche Alternativen

 

- sind notwendig, da insbesondere Kleinbauern ihre Betriebe nur erhalten können, wenn sie eine Erwerbskombination betreiben, der Kleinbetrieb, obwohl er am meisten Arbeit macht, also quasi zum Nebenbetrieb wird:

Klassische Erwerbskombinationen:

Die Ursache dafür, dass bäuerliche Kleinbetriebe derart unter Druck kommen, liegt übrigens nicht darin, dass sie zu wenig leistungsfähig wären, sondern dass der Markt nicht Wettbewerb und Leistung belohnt, sondern Marktbeherrschung und Grösse.  (s. Skalenökonomie & Wirtschaftsmacht)

leichter zu halten, kein Verwertungsdruck für Milch, kein Mist:

Die Politik der SVP - tut Bauern weh [ http://www.kleinbauern.ch/ ]

Es ist allerdings nicht nur die SVP. Auch Toni Blääärr hat sich da kürzlich ziemlich vertan in Sachen Landwirtschaftssubventionen:

Es kann doch nicht sein, dass fast die Hälfte des EU-Budgets für Landwirtschaft ausgegeben werde, also sieben mal mehr als für Forschung, Ausbildung und Infrastruktur.

Er hat dabei schlichtweg unterschlagen (so berichtet die Wirtschaftszeitung vom 29. Juni, S. 10),  dass die Landwirtschaft der einzige Bereich der Union ist, der vollständig durch die Kassen in Brüssel bestritten wird. d.h. er hat geschwindelt. Würden die Ausgaben für Bildung und Forschung im gleichen Ausmass über Brüssel laufen, lägen sie 15 x höher als die Ausgaben für Landwirtschaft - also ein doch erträgliches Mass.

Die copa-cogega, der Europäische Dachverband der Bauern, der 73 nationale Verbände und 15 Millionen Landwirte vertritt, bezeichnet Blairs Argumentation, besonders in Anbetracht des Erreichten, schlicht als fahrlässig, denn immerhin wurde in Europa, wie in der Schweiz, eine Abkoppelung der Beitragszahlungen von Mengen erreicht, dafür sind die Direktzahlungen abhängig von der Erfüllung von Umweltvorschriften. Der Verband rechnet damit, dass die Kosten von 0.65% (1988) des EU-BIPs bis 2013 auf 0.30% sinken werden.

Es ist erfreulich, dass trotz historischer Verbindung (die SVP entstand aus der Bauern, Gewerbe und Bürgerpartei), einige nun doch merken, welche Interessen die SVP eigentlich vertritt:

SVP-Präsident Ueli Maurer, im Hauptberuf eigentlich Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, vertritt so nebenher als Verwaltungsrat die Fenaco-Gruppe, einen der grössten Zulieferer der schweizerischen Landwirtschaft, die alleine mit Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und Kraftfutter rund 750 Millionen Franken Umsatz pro Jahr erzielt. Dementsprechend steht die SVP gegen das Gentech-Moratorium, und für die industrielle Landwirtschaft.

Die von der SVP in aller Härte durchgesetzten Mittel der Steuersenkung, Finanzentlastung, Kürzung der Direktzahlung, Abbau von Strukturen etc. belastet die Bauern überdurchschnittlich, vor allem aber die kleinen Bauern. Jährlich gehen in der Schweiz 2000 weitere Landwirtschaftsbetriebe ein. Die vollständige Umsetzung von Blochers Vorstellungen würde 50% der Schweizer Bauern die Existenz kosten. Das Selbe geschieht übrigens auch in den Forstdiensten (s. Empfehlungen Galileo, Diskussionen zum Thema neue Waldpolitik. Auch diese sollen auf "Halbmast" reduziert werden. Wie in der Forstwirtschaft pfeift die tonangebende Wirtschaftselite (nicht der böse Staat) auf Nachhaltigkeit; Multifunktionalität, gemeinwirtschaftliche Leistungen im Landschafts- und Umweltschutz wie der dezentralen Besiedlung. Das Volk vertritt die SVP hier offensichtlich aber nicht, denn dem Volk sind zu 67%  die tiergerechte Haltung und zu 62%  die umweltgerechte Bewirtschaftung äusserst wichtig, aber zu 43% auch die Landschaftspflege durch die Bauern sowie die Besiedlung abgelegener Gebiete, also eine Regionalpolitik die ihren Namen verdient und nicht das fördert, das eh wächst, nämlich Zürich.

Die SVP vertritt also von Oben die Interessen der Grossen, und sie tut das, in dem sie sich auf verlogenste Weise die Stimmen der Ohnmächtigen beschafft. So betrachtet ist die SVP schon die Partei für Verlierer, denn sie schafft sie und zertritt sie gleich durch ihre völlig asoziale Haltung.

Es ist erfreulich, dass dies zumindest von den Kleinbauern endlich erkannt wurde und auch offen kritisiert wird.

Martin Herzog, Rheinfelden, 10. Oktober 2004


Hier noch ein Flash-Filmchen von GRACE (Global Resource Action Center for the Environment) zur Entstehung industrieller Landwirtschaft und den damit verbundenen Problemen - THE MEATRIX. Ziele von GRACE sind die Abschaffung industrieller landwirtschaftlicher Grossbetriebe und die Förderung einer nachhaltigen, eher kleinbetrieblichen Landwirtschaft mit traditionellen Familienbetrieben.

Industrielle Landwirtschaft ist nicht nur ein globales Problem, sondern auch ein Schweizerisches, was spätestens mit dem Rinderwahnsinn, verursacht durch die artfremde Verfütterung von Fleischabfällen an Rindviecher durch Rindviecher. Dies soll allerdings kein einseitiger Vorwurf an die Landwirte sein, denn sie werden ja tagtäglich dazu angehalten, sich nach dem Markt zu richten, also billig, billiger am billigsten zu produzieren - obwohl Rudolf Steiner, österr. Anthroposoph, 1861-1925) bereits vor 100 Jahren gewarnt hatte: Es gibt Tiere, die kein Fleisch fressen, z.B. unsere Kühe. Wenn wir das Experiment machen könnten, eine Ochsenherde mit Fleisch zu füttern, so würden die Ochsen verrückt.
 

So hat die Vereinigung zum Schutz kleiner und Mittlerer Bauern (VKMB www.kleinbauern.ch ) die Absicht, folgende Petition einzureichen [Protestblatt.pdf]:

Wir wollen keine Tierfabriken!

In einer politischen Nacht- und Nebelaktion hat der Bundesrat die Tierhöchstbestände massiv erhöht. Damit wäre in Zukunft der Bau von Ställen für bis zu 1 500 Mastschweine, 18 000 Legehennen oder 27 000 Masthühner zulässig! Derartige Mammutanlagen verdrängen qualitätsbewusst produzierende Bauern, die Tiere in angepasster Bestandesgrösse artgerecht halten. Die beste Zukunftschance hat die Schweizer Landwirtschaft mit besonders tierfreundlicher Freilandhaltung!