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Prostitution - Tochter der Armut, Mutter des höfischen Luxus - aber Resultat ganz einfacher, biologisch etwas hinterlistiger Faktoren

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Roland Girtler: Der Strich. Soziologie eines Milieus. Lit Verlag Wien. 2004
Christopher A. Faraone & Laura K. Mcclure (ed): Prostitutes and Courtesans in the Anscient World. University of Wisconsin Press. 2006
Carmen Hsu: Courtesans in the Literature of Spanish Golden Age. Ed. Reichenberg. Kassel. 2002
Nickie Roberts: Whores in History. Prostitution in Western Society. . Harper-Collins Publisher. Graphton 1992
Friedrich W. Stallberg: Prostitution als soziales Problem. Hoheneck Verlag GmbH, Hamm 1. 1988
aut. mult: De la Prostitution en Alsace. Histoire et Ancecdote. Le Verger Editeur. 1997]

Definitionen

Leicht
sagt man zu einer Frau, die die sexuelle Moral eines Mannes hat.

Nymphomanin
Ausdruck den der Mann gebraucht, um eine Frau zu bezeichnen, die öfter Sex haben will als er.
A whore is a woman who fucks for money. If you pay her enough she pretends to come.

Young 1970

Aufdringlichkeit:

Jossele wird gegenüber Rebecca etwas zudringlich. Diese faucht ihn aufgebracht an: Ich bin keine Hure!

Es hat ken Mensch vun bezahle gerett!

Eva en el Paraíso regalaba la manzana; después salió del Paraíso y empezó a venderla.

Vicente Huidobro

Una cortesana llena de melindres es tan repugnante como un ladrón económico.

Vicente Huidobro

Apropos Huidobro ... Enrique Fernandez Huidobro lebt als Kunstmaler und Emigrant in der Schweiz.

Huren, Prostituierte sind Frauen, die sich (mehr oder minder wahllos. s. Prestige) zum Zweck des Gelderwerbs den Männern zur Verfügung stellen.

Prostitution und Geld bedingen sich gegenseitig, der Verkaufswert der Sexualität ist bestimmend. Prostitution bietet nicht ihre TrägerInnen an, sondern eine Dienstleistung, die Ware (ohne h) Sexualität.

So ist Geld (oder kein Geld, also Schulden/Armut) der wichtigste Grund für den Einstieg in dieses Gewerbe ... das beileibe nicht das älteste der Welt ist, denn es ist ein städtisches Gewerbe. Waffen-Schmiede, Müller, Schuhmacher etc. gab es lange zuvor. Es sei denn, man bezeichne den Tausch von Wert/Geld/Nahrung/Sicherheit gegen Sex generell als Prostitution, dann geraten wir aber in Probleme, denn a) gab's und gibt's das bereits bei den Affen, b) wird's dann schwierig, eine "normale" Ehe von P... zu unterscheiden.

Wenn man Geld braucht, so ist es am leichtesten als Prostituierte, da braucht man nichts gelernt zu haben und verdient doch ganz gut. [Zitat eines Zuhälters. Girtler S. 28]

 

Synonyme für Prostituierte (vom lateinischen prostibilis: sich feil bieten. Hier erklärt sich auch gleich, was Pornographie ist, denn der Begriff leitet sich ab von porné, dem griechischen Wort für Hure. Pornographie (Vorsicht, hinter dem Link ist genau das, was vorne drauf steht, also nachher nicht motzen ...) ist also die Abbildung von Huren.

Luxusbereich: nicht mehr nur sexorientiert sondern oft Synonym für Geliebte, also zwar ausserehelich und teuer, aber mit verdeckter Gewerblichkeit):

Die soziale Position, das Prestige der Prostituierten wird bestimmt durch Unabhängigkeit und Exklusivität (sich die Freier auswählen können).

 

abhängig

unabhängig / selbständig Erwerbend

nicht exklusiv

Strassen-, Auto-, Lokalprostitution: Viele Kontakte in kurzer Zeit. Billigtarif

Eroszentren/Massagesalons: Müssen eine gewisse Anzahl Freier pro Tag bedienen, um ihre Abgaben zahlen zu können.
exklusiv  Luxusbordelle, Clubs Call Girls (Hetären, Mätressen, Kokotten), die Elite der Prostitution, die selbständig tätigen Sexunternehmerinnen in exklusiven Nischenbereichen - deren Engagement über sexuelle Hingabe hinaus geht .... aber nur von einer kleinen und gut betuchten Anzahl von Männern bezahlt werden kann.

Erhalten zusätzlich zur ausgehandelten Bezahlung auch gerne Geschenke

Unterscheiden sich oft nur wenig von Frauen, die sich von wechselnden Liebhabern unterhalten lassen.

 

Tempelprostitution in Mesopotamien ....

Die Mär der Tempelprostitution bei den Assyrern stammt aus seltsamen Interpretationen des Gilgamesch Epos. Enkidu wurde zivilisiert durch Shamhat, die Saftig-Süsse-Leckere. Dies nicht nur durch sexuelle Initiation, sondern durch Essen, Trinken, Baden und Bekleidung. Der wilde Mann wurde durch diesen weiblichen Einfluss zivilisiert.

Das hat sogar Emanzen dazu verführt, die Tempelprostitutierte als freie Frauen, Dienerinnen der Göttin Astarte zu verklären. So insbesondere Nickie Roberts, die in der Tempelhure/Hetäre das Vorbild der freien Frau sieht, die über ihre Sexualität frei verfügt. Inannah/Ishtar/Astarte (Venus, Göttin des Morgensterns, der Fruchtbarkeit), die mesopotamische Hauptgöttin, wird von ihr der Mutter Erde gleichgesetzt. Im Gilgamesch-Epos wird der wilde Riese aus dem Wald, eben Gilgamesch, durch eine Tempelhure, die ihm zugleich mütterliche Liebe (Oedipus lässt grüssen ....), Zärtlichkeit, Behagen, mystische Erleuchtung und Sex zukommen lässt, auch erzogen zu einem kulturellen Wesen, also zum Mensch gemacht. Die Hure wird hier zur eigentlichen Schöpferin der Kultur erklärt, als zur Kultur erziehendes Wesen ... also ich denk, da hat der Feminismus mal wieder einen Purzelbaum geschlagen. Es ist absolut logisch, dass der Kontakt zu Frauen die Männer zu einem etwas kultivierteren Umgang verpflichtet, als wenn sie unter sich sind. Jeder der ein paar Jahre in einer Gesellschaft verbracht hat, in der Frauen und Männer streng getrennt sind, hat das aus eigener Erfahrung erlebt und kann den wohltuenden Einfluss von Frauen leicht nachvollziehen ... auch ohne den Einfluss von Sex. Frauen müssen auf keinen Fall zu Huren werden, auch nicht zu Edelhuren, um einen zivilisierenden Einfluss auf Männer auszuüben. Vermutlich war die "Süsse Shamhat" ganz einfach ein gebildeter Groupie, denn immerhin war ja Gilgamesch auch DER Held seiner Zeit.

Die Mär von der Tempelprostitution basiert auf Beschreibungen von Herodot, dessen Quellen höchst ungesichert sind. Herodot war Reiseschriftsteller, und hat des öftern über Dinge berichtet, die er nur vom Hörensagen kannte.  Allerdings betrieb er meist qualifizierten Journalismus und prüfte die Meldungen durch Befragungen oder Reisen zu den betreffenden Orten. Nichtsdestoweniger - es handelt sich bei Herdodot oft um Hörensagen, also um Journalismus.

Insbesondere zeigte die Analyse der Herkunft der Mär, dass es sich um einen Zirkelschluss verschiedener Orientologen handelt. quedesh wurde im Hebräischen als <Prostituierte> definiert, weil, qadistum im Assyrischen diese Bedeutung haben soll. Die Assyrologen iherseits jedoch berufen sich auf das  hebräische quedesh, das eben Prostituierte bedeuten soll.. Also ein klassischer Zirkelschluss. Zudem wurden derart viele Frauen mit dem Ausdruck bezeichnet, dass, wäre die Übersetzung zutreffend, die damalige Gesellschaft echt verhurt gewesen wäre. Es dürfte sich dabei also eher um eine leicht abschätzige Beschimpfung, wie Schlampe, promiskuitive Person (harimtu, kulmasitu = von Gott Entfernte), handeln, als um eine echte Berufsbezeichnung.

Gratisprostitution dürfte eh bloss ein Männertraum sein. Vermutet wird viel eher, dass es sich um ungebundene (unverheiratete) Frauen handelt, die diese Dienste anboten neben oder in Tempeln, da diese gut besuchte Zentren sind, wie im Mittelalter die Konzilien, an denen jeweils speziell Bordelle für die lüsternen geistlichen Herren aufgebaut wurden, in Badestädten, wo der Badebetrieb oft bordellähnliche Formen annahm - oder wie heute an manchen Messen (Gastromesse Basel), wo dergleichen genau so noch zum Dienst am Kunden gehört.

Die Prostitution wird hier erklärt aus dem Bedürfnis (der Männer), ihre Güter beieinander zu halten, Erbteilung also möglichst auf wenige Nachkommen zu verteilen, deren Abkunft gesichert ist. Dies verlangt absolute Kontrolle über die Ehefrau, deren Treue.
Dazu kommt aber der Drang, sich sexuell auch mit andern Frauen zu betätigen. Je schwieriger der Zugang zu Frauen als Trägerinnen der Erbschaft (biologisch wie materiell) ist, desto wichtiger die institutionalisierte und legitimierte "andere" Frau, die eben durch die Prostituierte repräsentiert wird: Toleriert, aber stigmatisiert - begehrt, aber geächtet.

 

Griechenland

Griechenland kannte ein äusserst freizügiges Sexualleben ... was die Männer betrifft. Vor allem die Knabenliebe war geschätzt ... und manch damals verehrter griechischer Philosoph würde heute als übler Päderast angesehen. Bekannt sind die Schilderungen Herodots betr. der Kurtisane Rhodopis, wie das Grabmal der Pytionike, das zwischen Athen und Eleusis so gut platziert und gross war, dass Passanten es gerne mit einem Grabmal einer der grossen Generäle des 5. JH: verwechselten (.... was ja nicht so schlimm ist wie's tönt, denn die verbreitetste Form männlicher Prostitution ist ja der Söldner (heute der Lohnsöldner), der nicht bloss seinen Körper, sondern sein Leben für Geld hingibt - ohne nach Sinn oder Gerechtigkeit des Krieges zu fragen, für den er engagiert wird.).

Solon soll durch seine Luststeuer - und eigene Bordelle - derart viel Geld gemacht haben, dass er damit seine Militärmaschine, den Hafen von Piräus und einen Tempel der Aphrodite finanzieren konnte. Solon ist uns eher bekannt als der Vater der Eunonomie, der guten Ordnung, als einer der sieben Weisen von Athen ... tja, na ja ... so ist es halt mit den Weisen ....

 

Rom

Rom kannte eine äusserst weit entwickelte und vielseitige, hoch spezialisierte Organisation der Prostitution:

Prostitution war auch hier ein Riesengeschäft. Caligula erhob drauf Steuern, mit denen er beträchtliche Einnahmen erzielte. Senatoren und hohe Staatsdiener betrieben Bordelle, die ihnen erhebliche Einkünfte brachten. Ebenso war es auch für die Ausführenden nicht bloss degradierend, sondern ermöglichte immer wieder einigen Frauen, der Sklaverei zu entkommen und auf dem Markt selbständig zu werden.

 

China

Was bei uns in den letzten Jahrhunderten ablief, also dass die reichen Herren ihre Potenz beweisen mussten, indem sie sich möglichst teure Konkubinen hielten, entwickelt sich zur Zeit offenbar in China: Ein Unternehmer muss in China eine Geliebte haben, sonst glaubt ihm niemand seinen Erfolg (Wei Wujun. Detektiv, der die selbigen im Auftrag betrogener Ehefrauen jagt).

 

Mittelalter bis zum frühen 20. JH

Nach dem Untergang Roms kam die Christianisierung, die mit Hölle und Teufel lange Zeit jede Lebensfreude verdammte, und Arbeit zu Busse und Auftrag machte, ein Konzept das allerdings erst durch Calvin und Zwingli (der richtige Name ...) perfektioniert wurde und uns heute noch beherrscht.

Die Kirche war nicht immer so weltfremd wie die spätere, die Sexualität als Übel verdammte. Für Augustinus waren Bordelle ein Bollwerk gegen die verwirrende Kraft der Libido - vergleichbar mit der "Bedürfnisanstalt" in der Verdauungsprodukte enden.. das kleinere Übel. Thomas von Aquin verteidigte sie im selben Sinne als kleineres Übel.

Insbesondere gestattete man ledigen Männern weitaus lieber den Besuch von Huren, als sie der Verderbnis von Onanie und Homosexualität auszusetzen - auch wenn das für die Kirche praktisch hiess, den Teufel mit Belzebub auszutreiben.

 

In der vorstädtischen Zeit wurde Prostitution von "Fahrenden" angeboten, wie auch später noch bei Feldzügen (Brecht: Mutter Courage / Brell: Au prochain)

Sesshafte Prostitution ist seit dem 13. JH. bekannt. Allerdings versuchte bereits 1254 Louis IX per Dekret die Prostituierten aus den Städten zu verjagen. Da ihm dies nicht gelang, wurden ihnen bereits damals spezielle Strassen und Quartiere zugewiesen.

Einerseits ... andererseits wurde es bereits ab dieser Zeit, Louis IX war da eine echte Ausnahme, zur Gepflogenheit und zum Beleg für den hohen sozialen Status, sich quasi auch einen Harem zu halten mit jungen und hübschen Konkubinen. Ja sogar der Bischof von Strassburg finanzierte 1309 höchstselbst ein Bordell. Hier im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und den Niederlanden florierte der Sexkommerz ganz besonders.

In Paris allerdings gab es bereits im 15. JH um die 4000 Prostituierte auf 100'000 Einwohner, also 1 auf 125 Männer (grob geschätzt), was ziemlich Spitze ist .... und auch heute nur in Basel, Zürich und Hamburg erreicht wird.

Einen Aufschwung nahm die Prostitution dann vor allem mit dem Aufkommen der Bäder, einer Gepflogenheit, die von den Arabern in Andalusien eingeführt wurde (also die Bäder natürlich, nicht die Prostitution .... obwohl, wenn man sich die Anteile der Prostituierten an der Gesellschaft ansieht. dann ist Prostitution im (offenbar eher schein-)heiligen Islamischen Bereich mindestens 50% höher als etwa in Europa, ja doppelt so hoch wie im Land der Hurensöhne, den USA:

Im 14. und15. JH kamen in den meisten Städten Vorschriften auf für spezifische Kleidung oder Zeichen, durch die sich die Prostituierten kenntlich zu machen hatten, wie ein kleines rotes Hütchen in Bern und Zürich, ein rotes Band am linken Arm in Lyon, ein kleines weisses Hütchen in Mantua, auf keinen Fall rote Kleider in Marseille, auf keinen Fall Seide, Pelz, Schmuck und Perlen in Paris etc

Im 14. und 15. JH. entwickelte sie sich in allen grösseren und vielen kleineren Städten in Frauenhäusern (prostibula, lupanaria). Insbesondere das 15. JH gilt als Jahrhundert der Bordelle, geographisch vor allem in Norditalien, Südfrankreich und Oberdeutschland. Bordellbesuche waren den unverheirateten Männern gestattet, nicht jedoch verheirateten, Priestern und Juden. Analverkehr galt als Sodomie und wurde mit dem Tode bestraft. Ebenso Prostitution/Verkehr unter Männern ... was man vermutlich auch nicht grad 1:1 nehmen kann, denn in islamischen Ländern in denen die Shari'a herrscht, gilt heute noch das selbe Gesetz ... und dennoch sind in vielen dieser Länder Schwule recht häufig ... sie hängen's bloss nicht an die grosse Glocke. Wenn Ahmadinedschad kürzlich in den USA kund tat, im Iran gäbe es keine Schwulen, so kennt er ganz einfach seine Landsleute sehr schlecht. Also ich wurde in keinem Land irgendwann derart oft von Schwulen angebaggert wie 1975 im Iran .... und das dürfte sich kaum geändert haben, einfach weil die Regierung seither islamisch wurde.

Robert Gernhardt: Vom Schönen, Guten, Bären. Haffmans Verlag. Zürich 1997. S. 376

Trotz dieser scheinheiligen Verbote befahl z.B. Sigismund, als er1414 Bern besuchte, dass alle Bordelle den Angehörigen des Hofes ihre Tore gratis öffneten. Die Kirche war da nicht besser. Als Papst Innozenz IV Lyons nach 8 Jahren wieder verliess, bemerkte Cardinal Hugo: Als wir kamen, gab es nur drei oder vier Bordelle. Heute lassen wir nur ein einziges hinter uns.  Am Konzil von Konstanz 1414 nahmen auch1500 Freudenmädchen teil ... die in einer Nacht bis zu 800 Dukaten verdienen konnten bei dieser kirchlichen Elite. Für das Konzil von Basel wurden Auf der Lyss spezielle Bordelle für diesen Zweck eingerichtet.

Mit dem Protestantismus wurde Arbeit zur Pflicht und Freude zur Sünde. Wer Geld und Erfolg hat, ist Gott wohlgefällig, wer versagt und arm bleibt, ist des Teufels. Bordelle wurden reihenweise geschlossen ... allerdings nicht für die Ewigkeit - aber doch für ca. 200 Jahre. 1556 wurde sogar die Todesstrafe verlangt für Ehebruch .... man sollte also über Islamischen Fundamentalismus nicht strenger Urteilen als über den christlichen.

Im 18. Jahrhundert übernahmen die Tavernen wieder ihre alten Dienste, nebst dem Alkoholausschank Staat und Wirtschaft entwickelten sich. In Paris gab es nun 20'000 Prostituierte auf 600'000 Einwohner, also 1 für 15 Männer, eine sonst nirgends erreichte Dichte. Dafür war auf der einen Seite der Hof verantwortlich, wo sich alleine 1500 Prostituierte tagtäglich promenierten - auf der andern die zunehmende Verarmung der (Land-)Bevölkerung, die immer mehr Frauen in die Prostitution trieb.

Dies wurde durch die weitere Entfaltung der Industrialisierung noch mehr verstärkt im 19. JH. - auf der Luxusseite wie auf der Armutsseite der Prostitution. "Oben" wurden z.B. in den USA  500 bis 1000 $ pro Nacht verdient, unten war es immer noch, oder wieder, der Obolus oder die Drachme, also ein Pfifferling. Insbesondere in der doch eher verlogenen viktorianischen Zeit blühte das Geschäft der Nacht wieder voll auf. Unter den "grandes cocottes" ist besonders Lola Montes zu erwähnen, deren Künstlernahme ihre irische Herkunft verdeckt. Sie war die Mistress von Franz Liszt, Alexandre Dumas Père, die Geliebte von Ludwig I. von Bayern.

Ebenso war die grösste der grandes horizontales in Frankreich Cora Pearl, eine geborene Engländerin, Namens Emma Crouch, liiert mit Jérome Bonaparte, einem Cousin Napoleons III, der ihr zu einer Villa im Wert von 80'000 £ verhalf. Die "Begleiterin" Napoleons III selbst allerdings, Elizabeth Howard, erhielt von demselben ein Schloss im Wert von 1 Million £.

Beide allerdings wurden noch geschlagen von Marie Duplessis, alias Marguerite Gautier, der Dame aux Camelias.

Eine der ersten Feministinnen, die sich gegen den Abolitionismus und die Schuldzuschreibung/Verachtung der Prostituierten wandte, die zumeist ja ein Produkt der Armut waren, war Josephine Butler - während dem die härtesten Vertreterinnen des Puritanismus halt eben auch Frauen waren. So wandte man sich etwa dezidiert gegen die Einführung eines halben freien Samstags, da dieser bloss für Tanz und andere niedere Vergnügungen genutzt würde, und gar zu Mord und Totschlag führen könne.

Mit der Prohibition in den USA wurde das Geschäft dann von der Maffia übernommen. Motzie Di Nicola machte 2.5 Millionen $ pro Jahr mit einem Bordellring in Conneticut, Al Capone 1 Million mit "Hotels" zwischen Chicago und Seattle. Die Kunden zahlten 2 bis 25$, kriegten eine Seife und ein Handtuch, und konnten aus etwa 50 Prostituierten auswählen, von denen jede ein kleines Zimmer belegte. Jede die keinen zufrieden stellenden Umsatz erzielte, wurde ausgewechselt.  Und so ähnlich läuft's ja heute noch in den Eroszentren  ...

 

Herkunft der Prostituierten - meist aus Armut

Die meisten Huren kommen aber aus dem normalen Volk und haben wenig Bildung. Viele kommen vom Land in die Stadt, nach Wien, und werden da von Zuhältern eingebraten, die sich bei ihr einraunzen. [Girtler]

Die meisten Dirnen stammen eigentlich aus drei Berufsgruppen, nämlich aus Friseurinnen, Krankenschwestern und vor allem Serviererinnen.  [S. 34]

Auch im Elsass des Mittelalters stammten mehr als die Hälfte der Prostituierten aus einfachen Dienstleistungsberufen wie Zimmermädchen, Haushälterinnen etc.  Würde ich nicht die Pflute, die Hure machen, würde ich nicht auf dem Trottoir arbeiten mit den vielen Luden die es in Strassburg gibt und die mich bezahlen, könnte ich meine Kinder weder kleiden noch nähren. [Elsass. S. 109]

Präzise so läuft es auch in New York, wo geschätzt wird, dass jährlich etwa 50'000 junge Frauen ankommen, die ausser dem Geschäft dem "Arbeitsmarkt" nichts anzubieten haben - und damit immer noch besser verdienen, als mit Tiefstlohnarbeit: I never tried to get a job because if you are black you can't get much of a job beyond cleaning a shit-house and I can make a lot more pushing my ass. [Roberts. S. 318]

Girtler schätzt, dass biss zu 3/4 der Prostituierten aus Familien stammen, die unvollständig sind oder in denen die Beziehungen massiv gestört sind. Häufig verbrachten sie zumindest einen Teil ihrer Jungend in Erziehungsheimen oder bei Pflegefamilien

Die Kindheitsgeschichte vieler Prostituierter ist ganz wesentlich von massiven Gewalterfahrungen geprägt. Auch sexuelle Viktimisierung scheint fast zwangsweise dazu zu gehören. Das Alter, in dem erste sexuelle Erfahrungen (wenn auch der unerfreulichen Art) gemacht wurde, liegt so meist sehr tief.

Vor allem sind es aber auch ehemalige Heiminsassinnen, die hierfür eine gewisse Disposition zeigen - oder leichter in das Milieu verführt werden können. Es mangelt ihnen an Kontakten, sie sind arbeitslos. Sie stammen oft aus Familien mit schwierigen sozialen Verhältnissen.

Als Servierkraft verdienten sie damals (Anfang der 80er Jahre) um die 290 € pro Monat - als Sexverkäuferinnen 26-29 Euro pro 20 Minuten für Standardservice (Ficken oder Blasen). Der Konkurrenzdruck war allerdings damals schon enorm, so dass Osteueropäerinnen einen Service ohne Gummi schon ab 14€ anboten - und "die Hackn verschissen" (die Preise am Strich ruinierten). Noch tiefer allerdings lagen und liegen die Preise bei Drogenabängigen (Giftlerinnen). Am lukrativsten (2-300 €) war "die strenge Kammer", also sado-maso-Praktiken, die vor allem, ja fast ausschliesslich von gut betuchten Mitgliedern der Oberschicht gewünscht wurden. Das selbe galt auch ganz extrem im Frankreich des 19. JH., wo die Kenntnis der deutschen Sprache besonders lukrativ war, da es die Oberschicht. (und nur diese, die immer die seltsamsten Gelüste pflegt) schätzte, von einer Domina auf Deutsch erniedrigt zu werden.

Die Einführung in den Beruf erfolgt meist durch Mitinsassinnen im Heim oder Gefängnis, Freundinnen, die schon im Beruf tätig waren, oder Zuhälter, die ihnen die Vorteile des leichten Gelderwerbs und die Probleme der Arbeitslosigkeit schildern. Dann folgt eine Testphase - aber erst durch die Registrierung, das Beantragen der Karte, erfolgt die Selbststigmatisierung, die Selbstdeklaration als Hure.

Dass Huren meist nymphomanisch veranlagt seien ist eben so eine Mär wie eine genetische Veranlagung. (Was nicht heisst, dass es unter den Huren nicht einige Nymphomaninnen gibt. Wenn Ihnen noch keine begegnet ist, haben Sie Pech gehabt ...) Prostitution und Hurerei spielen sich zwar in einem bestimmten <Milieu> ab, werden ja oft gleich als DAS MILEU bezeichnet, sind aber nicht vererblich ... vermutlich mit Ausnahmen. Im Irak z.B. gibt es ein Dorf, das für solche Angebote berühmt war, in der jemenitischen Tihama eine Familie, und dort dürfte sich das Milieu also quasi per Tradition genau so weiter vererben, wie in vielen Familien der Beruf.

Spass ist das überhaupt nicht, was ich mache, ich habe nicht die geringste Beziehung zu dem Job. Mir gefällt er weder, noch bin ich von ihm begeistert. Er ist für mich die einzige Möglichkeit, auf schnellem Weg zu Geld zu kommen. [eine 23-jährige attraktive Prostituierte. S. 49]

Minderjährige: Ältere Untersuchungen (Borelli/Starck 1957) kamen zur Annahme, dass ein Viertel bis zu einem Drittel der Prostituierten ihre Tätigkeit vor dem Erreichen der Volljährigkeit aufnehmen. Reng/Redhaldt nahmen 1968 gar an, es handle sich um 76% . Eine wissenschaftlich fundierte Analyse von Röhr 1972 kam in Frankfurt jedoch "bloss" auf 12%, die mit dem Gewerbe bei einem Alter von weniger als 18 Jahren anfingen.

Strrichjungen sind Mitglieder einer tradierten Subkultur mit festen Normen, Orten und Verkehrsformen. Sie kommen ohne Zuhälter aus und arbeiten ohne Zuhälter, ohne Zwang (es sei denn die finanzielle Notlage) unkontrolliert auf eigene Rechnung - wobei sie mit den erzielten Einkünften allerdings kaum je Zukunftssicherung betreiben. Der Gewalt sind sie ebenfalls weniger ausgesetzt ... denn sie schlagen zurück. Wenn der natürliche Feind, das Alter, es ihnen nahe legt, können sie meist aus eigener Kraft aussteigen.

 

Luxusweibchen, Kurtisanen, Konkubinen, Mätressen, Hetären, Geishas (Gesellschaftsdamen) E  - Triebfedern des Kapitalismus

Kurtisanen sind in erster Linie Unterhalterinnen und Darstellerinnen. Sie beherrschen das Spiel von Musik, Flöte, Harfe, Tanz, Gesang - das anspruchsvolle Gespräche, witzige Anekdoten, die Kunst des Dialogs - und verfügen über ein ausgeprägtes psychologisches Verständnis.

Kurtisane (von französisch courtisienne bzw. courtisane: ursprünglich „Hofdame”, später „Mätresse”), ursprünglich Geliebte eines Adligen, später allgemein Geliebte eines Mannes (oder mehrerer Männer) aus der Oberschicht. Die Kurtisane ließ ihren für gewöhnlich sehr aufwendigen Lebensstil von ihrem Geliebten finanzieren und zeichnete sich meist durch Schönheit und Talent zur geistreichen Unterhaltung aus. Sie wurde je nach Zeit und Ort gesellschaftlich keineswegs gering geachtet und war auch nicht ohne Einfluss auf Politik und kulturelles Leben. Kurtisanen unterhielten häufig elegante Salons, in denen sich hochrangige Vertreter von Politik und Wirtschaft mit Dichtern und Lebemännern ein Stelldichein gaben. Im 19. Jahrhundert, als die Kurtisanenwelt in Paris ihre Hochblüte erreicht hatte, wurden die Kurtisanen auch zu einem beliebten Gegenstand der Literatur, so etwa in Alexandre Dumas’ Roman Die Kameliendame (1848), in Stendhals Novellen und insbesondere in Balzacs Splendeurs et misères des courtisanes.

Sie besassen grosse Häuser mit exquisiten Möbeln, Teppichen, Haustieren, Dienern, Musikinstrumenten, luxuriösen Schuhen, Malereien ... und oft Bibliotheken., waren begabt in Musik und witziger Unterhaltung. Die Beherrschung der Schrift war weder im Altertum noch im Mittelalter eine weit verbreitete Kunst. Ebenso die der Musik und Literatur. Die Kurtisanen wiesen also oft eine Bildung auf, die diejenige der andern Schreibfähigen, der Notare, weitaus übertraf. Das Metier erreichte in der Renaissance höchste Bedeutung - als die Kurtisanen als "Musen" (Luxusgroopies") von Michelangelo, Leonardo, Titian, Tintoretto, Raphael und vielen mehr wirkten.

Wie die hellenistische Hetäre, ist die Kurtisane der Renaissance mehr als eine literarische Phantasie. Sie ist auch ein kulturelles Phänomen der städtischen Gesellschaft der Renaissance, speziell in Rom und Venedig. In der Tat erreichte das Phänomen der cortegiana honesta ihr erstes Goldenes Zeitalter im Rom der Renaissance - als Antwort auf den zunehmenden Anteil an gebildeter Bevölkerung,  der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er ledig und religiös ist. Raffinierte und gebildete cortegiana honeste erüllten mehrere Funktionen in den urbanen Gesellschaften der Renaissance; sie boten ihren reichen und mächtigen Freunden  nicht bloss die Erfüllung sexueller Wünsche, sondern "disziplinierten" sie auch in sozialer und kultureller Hinsicht (eine Funktion die .. sogar dazu veranlasste, der Tempelprostitution in Mesopotamien und Griechenland als Tradition der Göttin zu sehen, über die Männer erst zu sozialen Menschen gemacht werden. Etwas übertrieben ... aber von der Idee nicht ganz so daneben, was jeder weiss, der Jahre in einer Gesellschaft gelebt hat, die Männer und Frauen strikt trennt); sie repräsentierten also nicht bloss als Symbol der Macht und des Reichtums (ihrer Unterstützer), sondern auch als Symbole der Kultur und des Prestige (immerhin hat ... eine ganze ökonomische Theorie, die Oekonomie des Luxus, auf dem Wunsch aufgebaut, sich eine Hetäre halten zu können, höfischen Lebensstil sich leisten zu können. (s. Sombart: Liebe, Luxus und Kapitalismus. Über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung Aehnlich Veblen); während dem sie angenehme und stimulierende Begleitung boten, funktionierten sie oft als Ersatz für die Frau. ´[Carmen Hsu. S. 2]

Die Kurtisane besuchte auch die Kirche, die die beste Bühne bietet, ihren Charme, ihre reiche Kleidung, generell ihren Reichtum und Erfolg zu demonstrieren ... also das selbe, was die wohlständigen Bürger im Sonntagsanzug auch tun.

Durch die Wahl ihrer Liebhaber erhob sie diese quasi mit in einen höheren Stand (obwohl diese natürlich für den ganzen Dekor bezahlen mussten ... geht ja den meisten verheirateten Männern heute nicht anders ..) Sie stimulierten und polierten die Gewohnheiten der Männer der Oberklasse. Ihr Job war also nicht auf Bumsen beschränkt, sondern eigentlich primär, "den Gentlemen" zu formen, so dass er sich konform der Regeln des Benehmens und des Sprechens verhalten konnte.

Die Kurtisane wird nicht "bezahlt", lässt sich also auch nicht kaufen, sondern wird durch Geschenke verwöhnt, allerdings Geschenke die oft die Form von Häusern, Wagen, jahrelangen Unterhaltszahlungen etc annehmen, sich also von einer Ehe, Liebschaft, Konkubinat wenig unterscheiden.- Sie sahen sich eher als Künstlerinnen, nicht als Prostituierte.

Allerdings entwickelt auch manche Kurtisane ihr Geschäft erst aus der Not heraus. Carmen Hsu weist darauf hin, dass es in einer Gesellschaft in der Frauen entweder verheiratet oder Nonnen, also ehrbar, oder arm (ohne Mitgift), von schmutziger Herkunft, also jüdisch oder arabisch (Nordafrikanisch) - als nicht "heiratbar" waren. Viele dieser zogen sich ebenfalls in strenge Orden zurück, andere wurden Näherinnen, Dienerinnen - und einige wurden zu "Herrinnen" (Mistress) grosser Männer.

Die Urbanisation des 16. JH. förderte den Hunger nach Geld. Geld präsentierte nun Macht, Ehre, Wert, Privilegien, Dignität der sozialen Position. In dieser Hinsicht waren die Kurtisanen nicht schlimmer als die andern Mitglieder der höfischen Gesellschaft.

 

Die Kunden - Bedeutung und Funktion der Prostitution - "Prostitutionsdichte"

In Byzanz waren die wichtigsten Kundenkreise Soldaten, Militär, Pilger, Studenten, Handelsreisende, Touristen, Jünglinge, Würdenträger und Mönche (dtv Lexikon des Mittelalters: Prostitution. Bd. VII, S. 267-68)

In Korinth, wie den meisten Hafenstädten Seeleute.

Heute dürften es die Söldner und Prediger der Wirtschaft sein: Vertreter, Konsulenten, Wirtschafts-Kapitäne und -Matrosen fern der Heimat, auf den schwankenden Wellen der Konjunktur reitend ...

Funktion der Prostitution:

Prostitutionsdichte:

St. Louis um 1860: 1/1000 (60/60'000 Einwohner, d.h. 1 auf 500 Männer, also besser als die ärztliche Versorgung).

 12-14'000 werden für die gesamte Schweiz geschätzt (Bundesamt für Polizei, 2000). In Deutschlandrund 400'000, die einen Umsatz generieren von 14.5 Milliarden ... auf den der Staat nun gerne Steuern erheben würde. Da aber die meisten dieser Geschäfte im Schummerlicht gemacht werden, sieht auch hier die Statistik und der Steuervogt nicht all zu deutlich.

Amüsant scheint der Job nicht gerade, denn laut Bericht des Tagesanzeigers vom 5.2.2010, S. 19, leidet die Hälfte der Prostitutierten Zürichs an psychischen Störungen, 30% an Depressionen (Gesamtbevölkerung 12%/6%). Der Grund dafür liegt in der Angst vor Ansteckung und - im Doppelleben, das viele führen müssen. Jede 5. wurde schon mal vergewaltigt. 40% sind allerdings mit ihrem Job zufrieden, 30% geben als Grund sogar Altruismus an, wollen also den armen Männern aus ihrer Not helfen. Eben. Dienstleistung.

Diese Zahlen erscheinen hoch, sehr hoch ... sind allerdings gemessen an der Realität vermutlich meist zu tief. Eine Untersuchung des Anteils Prostituierter an der weiblichen Bevölkerung ergab immerhin für Westeuropa 1/100 (allerdings bloss erwachsene Bevölkerung), für den als fundamentalistisch verschrienen Nahen- und Mittleren Osten sogar 1.5 auf 100, was nur noch von Afrika, allerdings deutlich, übertroffen wird.

Der Anteil an commercial sex workers (csw) und die Verbreitung von Aids

http://www.plosone.org/article/fetchArticle.action?articleURI=info:doi/10.1371/journal.pone.0000543

 

Erich Rauschenbach: Geh'n wir auf deine Homepage oder auf meine? Eichborn. Frankfurt a.M. 2002.

Die Zuhälter

Der Zuhälter ist im Idealfall nicht bloss Abzocker, sondern schützt die Prostituierte vor Übergriffen der Kunden, vor Wettbewerb, d.h. Schutz des Standplatzes. Er macht dazu quasi das Marketing und verschafft ihr bessere Kontakte im Milieu, zu Portiers, Taxifahrern (die auch an Orten wo es keine Prostitution gibt wie etwa Bagdad, nie gegeben hat, nie geben wird, Ihnen präzise sagen können, wohin sie müssen ...) und Barkeepern. Das weitere Kontaktnetz der Prostituierten umfasst auch Kolleginnen, Wirtschafterinnen, Etablissementbetreiber / Anwälte, Ärzte / Polizei, Ordnungsamt, Gesundheitsamt.

Der Zuhälter ist für die Prostituierte, was sie für ihre Kunden. Der Zuhälter ist die Hure der Hure.

Er zeigt ihr, dass er sie akzeptiert, trotz ihres Berufes, dass er sie liebt, obwohl sie ständig sexuellen Kontakt mit andern Männern hat. Er gibt ihr emotionale Zuwendung - und die sexuelle Befriedigung, die sie mit Kunden nicht finden kann oder darf, da dies das Geschäft enorm erschweren würde.

Die Hur hat das Verlangen nach Zärtlichkeit. Sie will spüren, dass der Zuhälter das, was sie macht, vergisst und sie als ganz normale Frau liebt und behandelt. Die Sexualität hat hierin einen vorrangigen Platz. Der Kunde ist für die Prostituierte uninteressant, da sie in der kurzen Zeit von ihm nicht befriedigt werden kann und soll. [S. 120]

Während dem die bürgerliche Mittelschichtsfrau oft das "Aushängeschild" der wirtschaftlichen Potenz ihres Mannes ist, sind hier die Verhältnisse umgekehrt. Der mit Auto und Anzug gut ausstaffierte Zuhälter belegt die Begabung, Tüchtigkeit und Attraktivität seiner Dirne. Der Zuhälter wird für die Zuneigung bezahlt, die er seiner Hure entgegenbringt, was quasi einer kontrapunktischen Prostitution entspricht.

Der Zuhälter braucht einiges psychologisches Geschick und Einfühlungsvermögen, um dem Mädels das Geschäft schmackhaft - und abhängig von sich zu machen. Die rein finanzielle Abhängigkeit von Schleppern, die junge Frauen illegal in ein Land bringen und sie danach auf Grund von Schulden wie fehlender Papiere in der Hand haben und weidlich ausnutzen, sind neuere Auswüchse des ebenfalls globalisierten Gewerbes.

Dass sich die Prostituierte an den Zuhälter auch emotional bindet - was sie bei Kunden peinlichst vermeidet - erschwert den "Ausbau des Stalles", der der Zuhälter die Einwilligung der Hauptfrau braucht, wenn er sich weitere Nebenfrauen zulegen will:

 

Soziale und gesundheitliche Probleme

Mathias Grunewald: Syphilis

Obwohl, oder gerade weil, die Prostituierte eine "öffentliche Frau" (metrix publica, scorta) ist, trennt sie ihr Privatleben meist streng vom Beruf. Oft wissen nicht mal eventuell vorhandene Ehemänner davon oder Eltern, am wenigsten aber die Kinder, die oft in Heime gegeben werden ... womit sich der Kreislauf allerdings trotzdem schliessen kann, da es gerade Heime sind, die für den Job prädisponieren.

Bleibt diese abweichende Tätigkeit nicht geheim, werden familiäre Bindungen geschwächt oder aufgelöst, Partner, Vermieter, Nachbarn, Behördenvertreter verhalten sich ablehnend bis feindselig.

Ich sag den Leuten, ich arbeite in einer Bar. Soll ich ihnen sagen: Ich bin eine Hure?

  1. Schwangerschaften
  2. Geschlechtskrankheiten: Siphilis (Lupus) . trat das erste mal auf 1495 unter französischen Söldnern in Neapel, Tripper, Schanker ... Aids
  3. Ausschluss aus Gesellschaft <> oder Romantisierung: Irma la Douce
  4. bevorzugte Objekte religiöser Retter vor dem Bösen ... oder heute der Sozialhelfer

Prostituierte nutzen angebotene Hilfe meist nicht, denn sie wollen ja Karriere machen, nicht den Job wechseln oder gar aufgeben. Die Sozialberatung stösst hier also auf beträchtliche Resistenz.

Sie können allerdings wenn sie wollen, auch ohne Betreuung aussteigen. Wenn diese Art der Einkommenserzielung für sie den Lebensunterhalt auf dem gewünschten Niveau sichert und sie sich die Fähigkeit weiterhin zuschreiben, zum gewünschten Zeitpunkt etwas anderes tun zu können, findet die Sozialarbeit keinen Angelpunkt die Prostitution auszuhebeln. Der Anspruch auf "sittliche Rettung musste aufgegeben werden.




Puffgeographie der (Deutsch-)Schweiz:

Das Schweizer Sexgewerbe nach Sexführer No 66 (April-September 2007)

Die oben gestellte Frage, ob nun Basel oder Zürich DAS Hurenhaus der Schweiz sei, lässt sich hier leicht beantworten. Zürich gewinnt den Rang haushoch. Interessanterweise kommt Basel erst unter "ferner liefen", denn auch in den ländlichen Gemeinden ist das Gewerbe reichlich verbreitet, einfach besser verteilt als in den Städten, so insbesondere in den Kantonen Bern, Luzern und Aargau, die offensichtlich flächendeckend bedient werden. Dass hier ein paar kleine Innerschweizer Kantone fehlen, bedeutet noch lange nicht, dass dort nichts läuft in der Beziehung, denn entweder gehen sie einfach nach Zürich oder Luzern ... oder es ist noch versteckter als hier.

  Anzahl         Anzahl          Anzahl   
Kanton Stadt/Gemeinde Betriebe Total   Kanton Stadt/Gemeinde Betriebe Total   Kanton Stadt/Gemeinde Betriebe Total
ZH Adliswil 1     AG Aarau 3     SG Abtwil 1  
Affoltern 1       Aarburg 1       Au 2  
Birmensdorf 1       Baden 1       Bad Ragaz 3  
Brüttisellen 1       Baden-Dättwil 2       Bazenheid 1  
Bülach 1       Bremgarten 1       Kirchberg 1  
Dietikon 5       Brugg 1       Niederuzwil 1  
Dübendorf 8       Gebensdorf 1       Oberbüren 2  
Feuerthalen 1       Gontenschwil 1       Rapperswil 1  
Glattbrugg 6       Hunzenschwil 1       St. Gallen 3  
Kemptthal 1       Killwangen 1       Staad 1  
Neerach 1       Kirchdorf 1       Steinach 1  
Oberengstringen 4       Menziken 1       Trübbach 1  
Oberglatt 1       Murgenthal 1       Uznach 1  
Pfäffikon 1       Neuenhof 1       Will 3 22
Regensdorf 2       Oberentfelden 1     TG Amriswil 1  
Rüti 1       Oberrüti 1       Arbon 1  
Schlieren 2       Oftringen 6       Diessenhofen 1  
Schwerzenbach 1       Reinach 1       Egnach 1  
Stäfa 1       Rothrist 4       Felben-Wellhausen 1  
Urdorf. 2       Safenwil 1       Frauenfeld 2  
Uster 1       Schafisheim 1       Guntershausen 1  
Volketswil 6       Schinznach-Bad 1       Herdern 1  
Wallisellen 1       Sins 1       Kreuzlingen 1  
Wetzikon 4       Unterentfelden 1       Märstetten 1  
Winterthur 7       Wettingen 1       Matzingen 1  
Zürich 83 144     Windisch 1       Müllheim 1  
BE Aarwangen 1       Wohlen 1       Opfersdorf 1  
Pieterlen 1       Zofingen 1       Romanshorn 5  
Bargen 1       Zurzach 1 40     Sitterdorf 1  
Belp 1     BS Basel 39 39     Unterschlatt 1  
Bern 19     SO Balsthal 1       Weinfelden 1 22
Bettenhausen 1       Derendingen 1     SZ Altendorf 2  
Biel 20       Dulliken 2       Arth 2  
Burgdorf 1       Egerkingen 1       Freienbach 1  
Einingen 1       Grenchen 2       Küsnacht 1 6
Höchstetten 1       Hauenstein 1     BL Grellingen 1  
Interlaken 4       Klus-Balsthal 3       Münchenstein 1  
Kirchberg 1       Luterbach 1       Muttenz 1  
Lengnau 1       Oberbuchsiten 1       Zunzgen 1 4
Lyssach 1       Oensingen 6     GR Chur 1  
Münchenbuchsee 1       Olten 2       Zizers 1 2
Nidau 1       Recherwil 2     SH Neuhausen 1  
Niederbipp 2       Rickenbach 1       Schaffhausen 1 2
Ostermundigen 2       Selzach 1     GL Näfels 1 1
Schönbühl 1       Solothurn 3            
Signau 1       Starrkirch 1            
Spiez 1       Trimbach 2            
Steffisburg 2       Wangen 1 32          
Thun 11                      
Zollikofen 2                      
andere 1 79                    
LU Adligenswil 1                      
Emmen 1                      
Emmenbrücke 1                      
Eschenbach 1                      
Horw 1                      
Kriens 3                      
Littau 2                      
Luzern 25                      
Reussbühl 2                      
Pfeffikon 1                      
Rickenbach 1                      
Root-Gisikon 1                      
Rothenburg 1                      
Sempach 1                      
St. Erhard 1 43                    
                         

Martin Herzog, Basel 13.10.07

Ach ja, Sie wollten vielleicht doch noch wissen, warum es Prostitution gibt. Also die Sache ist relativ einfach:

  1. Marktwirtschaftlich ausgedrückt: Enorme Nachfrage nach Sex (bei Männern) - geringe(re)s Angebot bei Frauen
  2. Physiologisch begründet: Die Clitoris wird beim "normalen" Sex zu wenig gereizt. Sie ist zu weit weg vom "Ort des Geschehens". Die Frau erhält nicht den selben unmittelbaren Lustschub wie der Mann sondern braucht etwas länger, etwas mehr Zeit, etwas mehr Aufwand.
  3. Psychologisch begründet: Sex ist für Männer etwas vom wichtigsten im Leben, einer der höchsten Lustgewinne und Freuden.
  4. Evolutionsmässig begründet: Fortpflanzung ist präzise der Punkt, an dem Selektion geschieht (natürlich nebst der brutaleren durch den Tod). Der etwas weniger direkte und drängende Lustgewinn der Frau erlaubt ihr, dabei etwas besonnener zu bleiben, die Vielzahl der sich um Begattung bewerbenden Männer kritisch zu beurteilen - und zu wählen.

Details s. Warum gibt es Prostitution?