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Von Acker- und Waldbauern zu Stadt-, Export und Kapitalwirtschaft: Warum Bauern sooo billig produzieren, dass sie ihre eigene Existenz gefährden. Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters. Was ist Wohlstand, wer bestimmt darüber, wer verfügt darüber? |
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Bevor Kartoffeln geerntet werden können, müssen sie gepflanzt werden. Die Kosten für das Pflanzgut belaufen sich auf rund Fr. 3 100.- je ha bei einem Saatgutpreis von Fr. 115.- je 100 kg. und einer benötigten Saatgut-menge von 2 700 kg je ha. Wenn man die Kosten je ha auf die Kosten je 100 kg Speisekartoffeln umrechnet, ergeben sich Kosten von Fr. 9.52. je 100 kg Charlotte. Dann kommen anschliessend die Kosten für Düngung, Pflanzenschutz, Hagelversicherung und Waaglohn dazu, so dass sich das Total der Direktkosten auf Fr. 14.01 je 100 kg. Pro ha können durchschnittlich etwa 43 Tonnen geerntet werden, davon sind aber nur 3/4 zum Verkauf geeignet, der Rest dient für Futterzwecke.
Wenn man die Gesamtkosten dem Bruttoankaufspreis gegenüberstellt, so ergibt sich ein Reinverlust von Fr. 1.83 je 100 kg. Hochgerechnet auf eine Hektare resultiert ein Reinverlust von rund Fr. 600.- je ha. Dieses Ergebnis zeigt auf, dass der Kartoffelanbau in der Schweiz nur dank allgemeinen Direktzahlungen möglich ist und dass zusätzlich Handlungsbedarf besteht. Durch verbesserte Rahmenbedingungen sind die Kosten unbedingt zu senken.
Anteile der Kosten auf Stufe Lagerhalter / Abpackbetrieb in %



Es resultiert ein Verlust von 80 Rappen / 100 kg. Zwei Drittel des Verkaufserlöses gehen an die vorgelagerten Stufen. §
Heute verdient NIEMAND an der Kartoffel !
Eine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der “Agrarplattform” ist jedoch glasklar: Die Konsumentinnen und Konsumenten halten zusammen mit der Politik das Heft ganz allein in der Hand. Wir sind gespannt auf ihre künftigen wegweisenden Entscheidungen an der Ladenkasse, im Parlament und an der Wahlurne!
Marktbericht 2004 Gemüsepreise http://www.blw.admin.ch/rubriken/00692/unterseite00041/index.html?lang=de
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Reiche Böden und ein ausgeglichenes Klima schaffen in Tasmanien perfekte Bedingungen für eine Vielzahl an Gemüse - aber die lokalen Produkte verschwinden aus den Geschäften. Billige Importe setzen die Produzenten unter Druck.
Die Gemüseindustrie Tasmaniens liefert die Hälfte des einheimischen Bedarfs, der bereits zu Produzentenpreisen einem Wert von 180 Millionen $ entspricht. Kartoffeln machen 70% der Gemüseproduktion Tasmaniens aus!
85% des tasmanischen Gemüses, 90% der Kartoffeln, geht direkt an die verarbeitende Industrie. Die grössten darunter, Simplot und McCain Foods, begannen kürzlich aber sogar frischen Broccoli aus China zu importieren, da die hohen Kosten und das knappe Angebot an tasmanischen Arbeitskräften die einheimische Produktion "zu" teuer machen.
Die Importe beeinflussen Tasmanien auf zwei Arten. Erstens schaffen sie ein Überangebot und drücken so die Preise, zweitens beliefert China in den letzten Jahren immer mehr Länder, die zuvor von Tasmanien beliefert wurden, was zu noch mehr Überschüssen und noch tieferen Preisen führt. Die Bauern erhalten heute weniger als 10% des Detailhandelspreises - produzieren aber immer noch die selbe Menge wie vor 40 Jahren. Dies war möglich durch bessere Bewässerung, Technologie und Mechanisierung. Heute erfordert die Produktion der selben Menge Kartoffeln wie 1960 noch einen viertel so viel Land - oder umgekehrt ausgedrückt: Die Flächenerträge wurden auf das Vierfache gesteigert! Tasmanien könnte also mit Leichtigkeit die Produktion ankurbeln, würden die Preise diese erlauben. (Man sieht auch hieraus deutlich, dass die Sache mit dem Hunger nichts mit der Knappheit an Nahrungsmitteln zu tun hat, sondern viel mehr mit einer seltsamen Form von Wirtschaft, einer Wirtschaft, die ausschliesst).
Da die Bauern von den beiden Grossproduzenten abhängen, denen sie oft bis zu 1/3 ihrer Produktion verkaufen, sind sie nicht in der Lage, hart zu verhandeln. Sie sind vom Oligopol abhängig. (Also so ähnlich wie in der Schweiz). Die Margen sind inzwischen aber so dünn, dann ein bisschen schlechtes Wetter oft den gesamten Gewinn gleicht weg frisst.
Während für junge Kartoffeln noch 1000 $ pro Tonne bezahlt werden, fällt der Preis in der Hochsaison auf 600 $. Viele Bauern erhalten aber bloss 200$, also den Preis für Chips- und andere verarbeitete Kartoffeln. Zu diesem Preis lohnt sich der Kartoffelanbau aber auch in Tasmanien nicht.
Die Argumente sind natürlich präzise die selben wie hierzulande. Wie Philippe Gaydul, seines Zeichens Chef von Denner, kürzlich in einer Diskussion sagte (in etwa):
Die Margen sind allerdings beträchtlich, insbesondere bei Kartoffelchips. Erhält der Bauer im Durchschnitt 220$ für eine Tonne Kartoffeln, kostet diese in Form von Pommes Frites 18'000 $. Anders ausgedrückt: Für eine Tüte Pommes Frites, für die der Konsument 2$ bezahlt, erhält der tasmanische Bauer 4c. Je globaler diese Firmen agieren, desto ärger wird es werden, sagt auch Mr. Babcock. Obwohl Tasmanien eigentlich dafür prädestiniert wäre, die nördliche Hemisphäre während des Winters mit Gemüse zu beliefern, müssen auch dort viele Bauern bereits auf seltsame Alternativen umsatteln wie die Produktion von Blumen für die Parfümerie, Blumenzwiebeln, Mohn, Pyrethrum etc.
Fazit, das selbe wie hierzulande:
If people took the time to learn a bit about the food they are buying,
they would probably buy more locally.
Ian Young, East Sassafras farmer and Tasmanian Farmers and Graziers Association vegetable council chairman
Allerdings wird in Tasmanien nicht auf Zollschutz, sondern auf Innovation gesetzt (auch wenn noch niemand weiss, wo und wie die stattfinden soll). Also, liebe Bauern, ihr steht nicht alleine da. Am andern Ende der Welt herrschen präzise die selben Probleme - und präzise die selben unausgegorenen Lösungsvorschläge. Ich denke, wenn ein Bauernhof und eine Familie nicht mehr von 20 bis 40 Kühen leben kann, dann ist nicht die Struktur des Bauernhofs falsch, weil zu klein, sondern die Struktur des Marktes. (s. economy of scale).
23. Januar 2005
Man kann allerdings nicht alle Probleme auf die Chinesen abschieben. Beim Mais z.B. sind es die USA und sogar die Schweizer, die Probleme verursachen, und dann noch in einer ganz anderen Grössenordnung als bloss eine Preisverzerrung. [s. Probleme der Gentechnologie.]
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Gemüseproduzenten in der Schweiz geht es auch nicht viel besser. Eine enorme Chance böte hier das Konzept für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln: