Wie kam sie abhanden, was bedeutet Gute Arbeit und wo können wir sie wieder schaffen?
Arbeitsteilung ist nichts Neues, denn bereits Platon sah darin beträchtliche Vorteile [http://www.gottwein.de/grthem/arbeitsteilung.htm ]
Das wichtigste Ziel, das die Herrschenden verfolgen müssen, ist die Einheit der Polis. Den wichtigsten Beitrag dazu leistet das Prinzip der "Arbeitsteilung", das die Polis zu der Summe differenzierter und sich mosaikartig ergänzender Individualleistungen statt zu einer "verfilzten" amorphen Masse werden lässt.
Xenophon begründet die Erwartung, dass das Essen aus der Küche des Großkönigs besser schmeckt als das normaler Küchen damit, dass dort spezialisierte Fachleute am Werk sind.
| In demselben Masse, wie die Teilung der Arbeit zunimmt, vereinfacht sich die Arbeit. Die besondere Geschicklichkeit des Arbeiters wird wertlos. Er wird in eine einfache, eintönige Produktivkraft verwandelt, die weder körperlich noch geistige Spannkräfte ins Spiel zu setzen hat. Seine Arbeit wird allen zugängliche Arbeit. Es drängen daher Konkurrenten von allen Seiten auf ihn ein, und überdem erinnern wir, dass, je einfacher, je leichter erlernbar die Arbeit ist, je weniger Produktionskosten es bedarf, um sich dieselbe anzueignen, desto tiefer der Arbeitslohn sinkt, denn wie jede andere Ware wird er durch die Produktionskosten bestimmt.
In demselben Masse also, worin die Arbeit unbefriedigender, ekelhafter wird, in demselben Mass nimmt die Konkurrenz zu und der Arbeitslohn ab. Je mehr er arbeitet, um so weniger Lohn erhält er. Karl Marx. Das Kapital. VI Kleinere ökonomische Schriften: 1: Lohnarbeit und Kapital Das tönt leicht absurd, liegt aber am selben Problem wie der Effekt jeder Produktivitätssteigerung:
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Spezialisierung und Arbeitsteilung, von Marx beklagt (s. Textfeld rechts), von Max Weber gelobt, sind definitiv zweischneidige Schwerter. Sie ermöglichen es vielen Menschen, dem atomistischen Wettbewerb zu entgehen und einen Beruf zu wählen können, der ihnen einen kleinen persönlichen Vorsprung gibt. Nach Durkheim ist Arbeitsteilung also eine Folge der Konkurrenz um die Ressourcen.: "Die Arbeitsteilung ändert sich im direkten Verhältnis zum Volumen und zur Dichte der Gesellschaft; schreitet sie ständig im Laufe der sozialen Entwicklung fort, so sind die Gesellschaften regelmäßig dichter und im allgemeinen umfangreicher geworden." (S. 302). "Wenn sich die Arbeit in dem Maß mehr teilt, in dem die Gesellschaften umfangreicher und dichter werden, dann nicht darum, weil die äußeren Umstände mannigfaltiger sind, sondern weil der Kampf um das leben heißer ist." (S. 306)
Die Folgerungen in der Tabelle rechts oben lassen sich schön belegen anhand von Walmart. Jeder US-Haushalt spart zwar jährlich 2300 Dollar wegen der Tiefstpreise des Handelsriesen. Dieser hat aber auch den Wohlstand von fast 2 Millionen Mitarbeitern, ohne die von diesem Betrieb verdrängten zu rechnen, nach China verschoben. Im Falle "Vlasic", der führenden und beliebtesten Marke an Essiggurken in den USA, die für knapp 4 Dollar per Gallone (3.79 Liter) verkauft wurden, wollte Walmart den Preis unter 3 Dollar drücken. Die Gurken wurden zum Hit - aber der wirtschaftliche Erfolg war eine Katastrophe. Zwar konnte der Absatz um 30% gesteigert werden, aber der Gewinn sank dennoch um 25%. Vlasic wurde zum Begriff der Billigmarke - und ging bankrott."Der Arbeitsteilung kommt die Aufgabe zu, das "Problem der Konkurrenz" zu lösen bzw. es zu mildern (ermöglicht Koexistenz von SiegerIn und Besiegtem/r.; S. 311) Die "Logik" hinter der These: Es kommt erst dann zu Konkurrenz, wenn sich gleichartige Individuen um gleiche (ähnliche) Ressourcen bemühen (müssen). Sind gleichartige Individuen in ihren Bedürfnissen (nach Ressourcen) verschieden, so gibt es keinen "rationalen" Grund, sich zu bekämpfen. Sie sind aber dann verschieden, wenn sie bezüglich der Ressource Arbeit ihre Bedürfnisse ändern, teilen, sich spezialisieren - es kommt zur Arbeitsteilung. (S. 310)
Die Arbeitsteilung führt zu gegenseitigen Abhängigkeiten unter den Individuen - führt zu organischer Solidarität. Auf Grund dieser Abhängigkeiten steigt die moralische Integration; das Kollektivbewußtsein verliert seine Bedeutung.>
Jedes Subsystem bildet eigenen, spezifische Handlungslogiken, Rationalitätsmuster, und Motivlagen aus. In prozessualer Hinsicht bedeutet dies, daß das eigene Feld nun von allem "Fremden" gereinigt werden muß - die Beseitigung traditioneller Mischverhältnisse. Die Handlungslogiken sind zwischen den einzelnen Teilsystemen nicht austauschbar ("strukturell blockiert")
http://infosoc.uni-koeln.de/fs-soziologie/texte/MakroWS97/AT_Soz_Konfl/AT_soz_Diff.html
Im Falle des Garten-Sprinkler-Riesen L.R. Nelson wollte Walmart den Sprinkler, der jahrelang erfolgreich für 5.97 Dollar verkauft worden war, für weniger als 2 Dollar anbieten. Nelson wurde von Walmart gezwungen, in China zu produzieren und tausende von Arbeitsplätzen wurden exportiert.
1995 kamen noch 94% der Produkte bei Walmart aus den USA. 2003 waren es bereits weniger als 40%. Die Billigpreise haben der Mittelschicht die Arbeit weggenommen.
Eine Person die ein Kind unterstützen muss, braucht in den USA ein Existenzminimum von 27984 Dollar. Der Durchschnittslohn bei Walmart liegt bei 9.68 Dollar die Stunde, 17'000 Dollar pro Jahr
So kam es zur Entwicklung der Industrie bei gleichzeitiger starker Reduktion der in der Landwirtschaft Tätigen. So kam es zur starken Entwicklung des Dienstleistungssektors, bei eben so starker Reduktion des Industriellen Sektors und so ist nun ebenfalls für einen Ersatz im Dienstleistungssektor zu suchen, da sich auch hier die Automatisierung zwecks Rationalisierung durchzusetzen beginnt.
Diese Bedeutung der Spezialisierung, als Milderung des atomistischen Wettbewerbs in dem jede(r) jede(n) bekämpft, zeigt einen weiteren verbreiteten Denkfehler in aktuellen Diskussionen zum Welthandel auf. Der Schutz unserer Landwirtschaft wird als schädlich für die 3. Welt hingestellt. Ein moralisches Argument. Ein Argument dem kaum jemand zu widersprechen wagt. Dem entgegen stehen allerdings mehrere Tatsachen:
begünstigt ein Absenken von Zollschranken für Landwirtschaftsgüter vor allem den grössten industriellen Landwirtschaftsproduzenten, nämlich die USA, und nicht die 3-Weltländer.
geht die Landwirtschaft der USA immer noch derart rücksichtslos mit der Umwelt, vor allem dem Boden, um, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit starken Rückgängen der Ernte zu rechnen ist.
nimmt im Bevölkerungsreichsten Land der Erde, in China, nicht nur Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu, sondern damit auch der Fleischkonsum. Fleisch verbraucht aber ca. das zehnfache an Input (Weizen, Getreide u. andere Futtermittel). Von daher ist mit einem starken Anstieg der Nachfrage zu rechnen.
Fazit 1: Wir sollten also nicht die landwirtschaftliche Infrastruktur opfern, weil kurz- bis mittelfristig die Rendite nicht stimmt.
So weit sind die Argumente eigentlich geläufig. Eben so geläufig dürfte den Kennern zumindest sein, dass die meisten Menschen in den Ländern der Dritten Welt noch zum grössten Teil von einer subsistenzorientierten Landwirtschaft leben. Falsch (nicht völlig, aber doch zumindest teilweise) jedoch ist die Ableitung daraus, dass man diesen Ländern mehr Chancen geben müsse für den Export ihrer Landwirtschaftsgüter. 3-Weltländer sollten eigentlich, gerade durch Entwicklungsorganisationen, nicht zu Agrarexportländern verdammt werden, da die Margen und Profite in der Landwirtschaft sehr tief liegen. 3.-Welt-Länder sollen nicht unsere Arbeiter durch das Liefern billiger Tropenfrüchte und -Gemüse subventionieren. Sie müssen ihre archaischen Strukturen zu komplexeren, spezialisierteren, wettbewerbsdämmenden Strukturen entwickeln, die Arbeitsteilung erst eigentlich ermöglichen. Die erste Stufe der Entwicklung von einer Agrarwirtschaft zu einer städtischen Dienstleistungswirtschaft lässt sich überall beobachten: Ein Krämerladen steht neben dem andern, einer wie der andere mit dem selben Angebot. Man schreitet also von der atomistischen Konkurrenz in der Landwirtschaft solidarisch weiter zur atomistischen Konkurrenz im Detailhandel ... bis dieser von Grosshändler übernommen und dominiert wird. Der Weg zur Spezialisierung ist ein harter und schwieriger, der viel Zeit in Anspruch nimmt.
Hier greifen auch die Rezepte von Weltbank, IWF & Co zu kurz, die sich meist auf Sparen, Defizite vermindern und Exporte erhöhen beschränken, womit meist der Export von Landwirtschaftsgütern und Rohstoffen gemeint ist. All dies will wohl diese Länder in unsere Wirtschaft integrieren - aber bloss als Lieferanten billiger Rohstoffe. Für die Entwicklung dieser Länder ist aber eine Ausweitung der eigenen Märkte, des internen Angebots- wie Nachfrage- und Stellenmarktes. Dies kann nicht durch Einsparen von dem wenigen Geld geschehen, das in solch traditionellen Ökonomien vorhanden ist, auch nicht durch das zugiessen grosser Mengen an Geld, um Wirtschaftskreisläufe in Schwung zu bringen (s. ...). Auch Gunnar Myrdals Empfehlung taugt hier kaum mehr: What would be rational is above all to increase productivity, incomes and living standards in the larger agricultural subsistence sectors, so as to raise the supply price of labour, and in manufactoring industry. This would engender economic development and raise incomes. [Myrdal, Gunnar: Economic Theory and Under-Developed Regions. Gerald Duckworth & Co. LTD. London 1957
Es handelt sich bei Myrdal um einen klassisch nachfrageorientierten Ansatz. Obwohl ich den generell mehr schätze als den angebotsorientierten (s. Says Theorem), geht er hier am Problem vorbei, denn diese höheren Löhne können nur nachhaltig bezahlt werden, wenn damit höherwertige Produkte erzeugt werden, also gerade nicht die selben alten Landwirtschaftsgüter! Es gilt also, nebst der traditionellen Aufgabe der Ökonomie, der Deckung reeller Bedürfnisse, neue nützliche und attraktive Güter zu schaffen, also Überfluss. Dazu ist weniger Sparen, als Kreditschöpfung, nötig, die wohl kaum ohne eine gewisse Eigentumsgarantie möglich sein wird. Dabei sollten diese Länder nicht alle unsere Fehler zum Vorbild nehmen. Insbesondere sollten sie den Grundsatz: - Zeit ist Geld - besser interpretieren als wir, denn, richtig gesehen, sind in der Beziehung fast alle reicher als wir.
Fazit 2: Wir tun den Ländern der 3. Welt keinen Gefallen, wenn wir sie zu Billiglieferanten von Agrargütern machen. Sie müssen nämlich ihre agrarische Struktur überwinden und komplexere, arbeitsteilige, den Wettbewerb ums Überleben mindernde, Wirtschaftsformen schaffen.
Unsere komplexe Wirtschaft bietet ein weitaus breiteres Feld an Tätigkeiten als es in einer Gesellschaft möglich wäre, die nur aus Kleinbetrieben aufgebaut ist. In der Schweiz kennen wir (na ja, das BBT zumindest) heute 250 Berufsausbildungen und 330 höhere Ausbildungen. Wenn alle Spezialisierungen mit einbezogen werden, dürfte es etwa das Dreifache sein. Diese Spezialisierung hat aber nicht nur Vorteile, wie die Wettbewerbsbeschränkung.
Eine Wirtschaft die Arbeitsteilung, also auf der Arbeit von Spezialisten beruht, benötigt für den reibungslosen Ablauf einen Grundstock an Arbeitslosen. Während meiner ersten Kurse zur Wirtschaftslehre [Würgler] an der ETH, so etwa 1976, wurde noch gelehrt, dass ein Grundstock an 0.2% Arbeitslosen nötig sei. Wir fanden das damals recht zynisch, heute wären wir froh um einen solch geringen Anteil. Allerdings dürfte sich auch der theoretisch notwendige Grundstock an Arbeitslosen, parallel zu den zunehmenden Diplomen, erhöht haben, insbesondere aber durch die generelle Flexibilisierung. Ein grosser Teil der Arbeitslosen der Schweiz ist seit jeher auf klimatisch bedingte saisonale Entwicklungen bei der Bauindustrie, Tourismus, Gastgewerbe, Land- und Forstwirtschaft wie Gartenbau zurückzuführen. Etwas gedämpft findet sich daher diese zyklische Freistellung/Wiederanstellung auch bei der Holz und Metallbranche. Da sich heute offenbar kein Professor mehr traut, solche Zahlen zu publizieren, müssen wir schätzen. In den Jahren 2000-2001 lief der Arbeitsmarkt ziemlich heiss und es wurde lauthals nach höheren Kontingenten an Fremdarbeitern und Informatikern gerufen. Der Bestand an Arbeitslosen war also offenbar zu tief, mit damals 1.5-1.7% angemeldeten (SAKE 2.5-2.7, inkl. nicht angemeldeten). Eine effiziente Wirtschaft braucht einen Bestand an Arbeitslosen als Wechselarbeiter, zum saisonalen Ausgleich wie zur Verkürzung des (Zeit-)Aufwands bei Stellenbesetzungen, als friktionale Arbeitslosigkeit von mindestens 2.5%. In den USA scheint dieser Prozentsatz noch etwas höher zu liegen. Die Arbeitslosigkeit erreichte dort ihr Maximum mit 10.8% nach 1981-82, 7.8% nach der 1990-91-Rezession und "bloss" 6.5% nach der Rezession von 2000-2001. 6% Arbeitslosigkeit wurden in den USA lange Zeit als optimaler Wert angesehen! UBS-Chef Peter Wuffli spricht bei 3.5% Arbeitslosigkeit von Vollbeschäftigung - und liegt so betrachtet nicht mal sooo daneben.
https://www.targetglobalcampus.com/news/2003_11_17.cfm
Zynisch? Nicht unbedingt, solange man das als wirtschaftliche Notwendigkeit akzeptiert und diesen, auf der Ersatzbank wartenden, zumindest eine gesicherte Existenz gewährt. Richtig zynisch wird's erst, wenn, trotz der wirtschaftlichen Notwendigkeit dieses Grundbestandes, die Betroffenen mit "Selbstverantwortung" beworfen werden, obwohl aus der saisonalen Entwicklung eigentlich bereits klar ist, dass nicht jeder äussere Einfluss (wie etwa das Klima) sich durch Selbstverantwortung neutralisieren lässt. Wenn das schon den Firmen nicht gelingt, wie soll es den Einzelnen gelingen? Je weiter sich die Ausbildung spezialisiert, je flexibler die Wirtschaft auf die Nachfrage antworten will, desto höher wird dieser Grundstock werden - und er kann nichts dafür.
Jeder Spezialist arbeitet in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft wie ein Organ in einem Organismus. Kann sich jedoch ein Herz nicht mal für 2 Minuten erlauben, mal lieber als Fettgewebe auf der faulen Haut zu liegen, kann sich ein Hirn nicht darauf umstellen, lieber mal ein knuspriges Hühnchen als unvergorene Gedanken zu verdauen, so liegen die Dinge bei der Arbeit doch etwas besser. Unser Bildungssystem ist heute so flexibel, dass es beinahe vollständig durchlässig ist. Man kann also mit minimalem Aufwand an Zeit und Geld zusätzliche Qualifikationen erlernen. Schwieriger sieht es allerdings mit den dazu verlangten Erfahrungen aus. Und hier wird leider von Stellenanbietern ziemlicher Schabernack getrieben. Oftmals hab ich Ausschreibungen gesehen, bei denen sofort klar war (weil ich den Chef kannte), dass der Stelleninhaber einfach seine Ausbildung und das, was er selbst in den letzten 20 oder 30 Jahren gemacht hat, zu Papier brachte, und das Selbe nun von Neubewerbern verlangte. Da ein Dreissigjähriger aber nie die selbe Erfahrung und das selbe Wissen haben kann wie ein Fünfzigjähriger, gewinnt der, der die beste Show bietet. [Wer älter oder intelligenter ist als der Chef, also mehr "Autorität" ausstrahlt, hat eh kaum eine Chance].
| Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind die Prinzipien, nach denen ein Staat geführt wird, doch nicht die Armee; Opportunismus und Flexibilität dagegen sind militärische und keine zivilen Tugenden.
Sun Tsi (Sunzi): Die Kunst des Krieges: Das Schwert in der Scheide. |
Die erste Aufgabe des Spezialisten ist es, in einer Organisation zu funktionieren, wie ein Rädchen, sich zu drehen im Einklang mit den andern Rädchen, nicht schneller, nicht langsamer, aber verlässlich. Tönt schrecklich - zeigt aber eigentlich auch, dass die Sache mit Wettbewerb und Leistung sogar hier irgendwie nicht aufgeht, denn Rädchen die schneller drehen wollen als der Rest führen unweigerlich zu Störungen im Betrieb. Seltsam ist auch die Forderung nach Flexibilität. Obwohl von Rädchen absolute Loyalität erwartet wird, sie sich also ohne Kritik in die Betriebsamkeit des Betriebes einspannen lassen sollen, wir gleichzeitig auch noch erwartet, dass sie auf Befehl einen Zacken zu- oder ablegen, sich vom Rädchen zur Pleuelstange oder sonst was wandeln. Die Anforderungen der Wirtschaft sind zynisch - denn Flexibilität untergräbt die Leistungsfähigkeit, denn Leistung wird an einem, vom Betrieb meist durch Benchmarking festgelegten "Leisten" gemessen, eben dem berühmten Leisten, bei dem der Schuster bleiben soll. Tut er das nicht, wird notgedrungen seine Leistung sinken. Profitabel ist Flexibilität nur für diejenigen, die sie (meist selbst) als Leistung definieren und sich dafür bezahlen (lassen) können, also Manager, die alle 9 Minuten eine andere Aufgabe angehen (s. Mintzberg).
Es wird offenbar beim Ruf nach immer mehr Flexibilität nicht bedacht, dass der flexible Mensch der ersetzbare, und, im Fall von Ersatz durch Maschinen, damit oft, der überflüssige Mensch ist. Hier hat die freie Marktwirtschaft, eine Marktwirtschaft ohne "sozial", ihr schwarzes Loch, in das sie versinken wird. Der heutige Mensch findet sich bestimmt durch Wirtschaftsfaktoren. Sein Tagesablauf wird durch den Betrieb bestimmt, sein Wochenablauf, der Monatsablauf und der Jahresablauf. Sein Schicksal als Kranker, sein Schicksal im Alter. Sein freies Aktionspotential wird durch den Lohn bestimmt, den er als Untergebener erzielt (ist er selbständig, als Untergebener der Marknachfrage). Der heutige Lebenskampf ist ein Kampf darum, etwas meist überflüssiges produzieren zu dürfen um etwas, meist eben so überflüssiges, konsumieren zu können. Je härter der Wettbewerb um Sinnlosigkeit wird, um so mehr Menschen dürfte auch die Lüge vom Wohlstand durch immer mehr bewusst werden, da in all dem produktiven Getöse der Sinn des Ganzen sich längst klammheimlich verzogen hat. Was macht der Mensch, der vor einem Tinguely steht, wenn ihm plötzlich einfällt: Hey Mann, das ist ja präzise mein Job! Was macht die Wirtschaft, wenn diese Erkenntnis plötzlich breitere Kreise erfasst? Sie wird, wie der Tausendfüssler, der sich bewusst wird, wie viele Beine er hat, plötzlich über das stolpern, was bisher selbstverständlich war, und in das riesige schwarze Loch von Unsinn und sinnlosen Gütern fallen, dass sie selbst erzeugt hat.
Die Frage nach der Guten Arbeit führt aber auch zur Erkenntnis, dass, Gottseidank, eine solche, auch wenn es sie gäbe, für jede(n) etwas anderes bedeutet. Nebst den charakterlichen Stärken und Schwächen, wie den persönlichen Zielen, die uns unterscheiden, besteht nach wie vor immer noch ein beträchtlicher Unterschied zwischen dem was Frauen und dem was Männer als GUTE ARBEIT betrachten:
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78.00 CHF |
Photos von M. Herzog: Tinguely-Brunnen. Basel. |
Wenn ich goss werde, möchte ich Beamter werden ... ein korrupter Beamter, denn die besitzen ganz viele Sachen. eine Erstklässlerin in China, |
Bekanntlich erfolgt die Berufswahl immer noch sehr geschlechtsspezifisch: Viele Berufe werden fast nur von jungen Männern, andere fast nur von jungen Frauen gewählt. 1995 - 2000. Hier ist kritisch anzumerken, dass ein beträchtlicher Anteil der tieferen Löhne bei Frauen auch auf diese Wahl weniger rentabler Branchen zurückzuführen ist. Bei den Frauen dominieren z.B. folgende Tieflohnbranchen: Verkauf, Coiffeuse, Pflege, Service, Gartenbau; während bei den häufigsten Männerberufen eigentlich bloss Gärtner mit relativ bescheidenen Durchschnittslöhnen rechnen müssen (wobei es sich aber immer noch um eine sehr Gute Arbeit handelt, was die andern Aspekte des Berufs betrifft!).
http://www.bbaktuell.ch/pdf/bba57a.pdf
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Ansprüche
Eine Frau glücklich zu machen ist einfach...
http://www.frauenfeindlichesarschloch.de/ansprueche.html
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Zum typischen Frauenberuf hat sich die Ausbildung auf Vor- und Primarschulniveau entwickelt. Auf der Vorschulstufe sind 95% der Lehrkräfte Frauen, auf der Primärstufe immer noch 78%. Dies macht nun bereits den Kinderpsychologen sorge, da "männliche Einstellungen" in diesem Frauenbiotop nicht mehr vermittelt werden. Für die Sozialisierung wäre der Umgang mit männlichen wie weiblichen Autoritäten von Nöten - für beide Geschlechter. Da Buben und Mädchen etwas unterschiedliche Denkstrukturen haben, erstere meist auch stärkerer Disziplinierung bedürfen (na ja ...), haben die Jungs nun eher Probleme. Auch hier dürfte es sich um ein Beispiel der Hausfrauisierung handeln, da 40 Jahre vor der Wandtafel zu stehen als Vollzeitkarriere für Männer wenig attraktiv scheint. Hier hätten wir also zur Abwechslung mal einen Bereich, in dem die Beteiligung der Männer gefördert werden müsste!
CASH und L'Hebdo haben bei MIS Lausanne eine Umfrage in Auftrag gegeben, und unter andere die Graphik rechts publiziert (Speckert, Baumann: Die Berufe der Zukunft. CASH 18. Mai 2006, S. 55). Zwei Dinge sind schockierend, denn, wenn die Leader das so sehen, muss ja daraus fast eine self-fulfilling-prophecy werden:
Als "Berufe der Zukunft" führen die Autoren auf (S. 55-57);
Informationsbroker, die aus den immer umfangreicheren Wissensbeständen das erwünschte heraussuchen und verständlich präsentieren. Als berufliche gibt's das erst in den USA. Die Ausbildung basiert vor allem auf der von Dokumentations- und Informationsspezialisten. Der Job ist nicht so weit weg von dem, was ich hier tue, obwohl ich es vorziehe, mich als "knowledge broker" zu bezeichnen. Brainworker belegt unter dem Stichwort Platz 2 von 19 Millionen! [zur Unterscheidung von Information und Wissen]. Dazu braucht es noch eine gehörige Prise Wissenschaft und Philosophie, um überflüssige oder gar falsche Informationen mit einiger Verlässlichkeit aus dem Informationsmüll aussortieren zu können. Ich denke, dass diese Art der Informationsverarbeitung nach und nach den klassischen Journalismus ersetzen wird, wo es um die Vermittlung von Wissen geht, das für die Allgemeinheit von Bedeutung ist, wenn auch nicht unbedingt dort, wo's um Tagesaktualitäten, die Interpretation von Geschehnissen und Meinungen geht - obwohl auch dort diverse Blogs beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. [s. Internet-Journalismus Vor Nachahmung ist zur Zeit allerdings noch zu warnen, da kein Schwein für so was zahlt. [Werbeeinnahmen über Google adsense bei 200'000 Besuchern/Monat gerade mal rund 200.- Fr.. Stand Mai 06].]. Das Internet hat, was die Präsentation von komplexen Sachverhalten betrifft, doch einige Vorteile gegenüber Zeitungen wie Büchern. Einzelne Aspekte lassen sich kurz und verständlich darstellen - aber dennoch in ein grosses Ganzes einbinden. (s. Webphilosophie) Dieses "Einbinden" hat einen grossen Vorteil, denn Wahrheit agglutiniert, sie klebt, sie aggregiert leicht, während Lügen und unhaltbare Meinungen Löcher in ein Denknetz reissen, was dessen Nutzung doch stark beeinträchtig. [Scheisse fällt natürlich (nicht nur beim Teufel) meist auch in Haufen an. Diese lässt sich allerdings nur in geschlossenen Gefässen halten, durch offene Denk-Netze fällt sie durch. - Ausser, sie sei gut gelagert, also alt, trocken und hart. Dann haben wir das Problem das Kuhn beim Wechsel wissenschaftlicher Paradigmen behandelt hat: Die vergehen erst, wenn diejenigen die davon leben gestorben sind. Darum die drei Grundsätze auf der Homepage von http://www.diskussionsforen.ch/, die sich so ziemlich mit meinen Erfahrungen in Gremien der Forstwirtschaft decken und die von P. Heusser anlässlich der Evaluation der Komplementärmedizin ebenfalls gemacht, und detailliert beschrieben wurden.]
Chat Supporter: Sorgt als Community Manager für anregende und angenehme Atmosphäre (sowie Ruhe und Ordnung) in Chats und Foren (gentil animateur des Internet). Unterstützt neue Mitglieder. Heute vor allem ehrenamtlich. Wenn sich Chats, die eigentlich bloss Unterhaltungswert haben, dann mal zu konstruktiven Diskussionsforen weiter entwickeln, dann dürfte der Job auch für Akademiker (Philosophen, Psychologen, Soziologen, Lehrkräfte, ...) anspruchsvoll und interessant werden. Könnte aber noch dauern. Ich wart' schon seit 5 Jahren drauf. [s. Bedingungen, Probleme und Chancen von Diskussionsforen]. In dem Bereich öffentlicher Dialog gäb' es eine ganze Menge zu tun. Leider ist dieser meist finanziell von Sponsoren abhängig, endet also meist als Propaganda ... oder fängt bereits dort an, wie z.B. economiesuisse. (s. Think-Tanks & Think-Clubs]
Micro- und Nanotechnologie: Ausbildung in Basel, Neuchatel und Biel. [Biotechnologie scheint ihre beste Zeit hinter sich zu haben, kommt hier nicht vor]
Game Designer: Videospiele schlagen den Film. Die Produktion ist äusserst kompliziert und erfordert nebst Programmierern auch Leute, die Ideen haben und Skripte schreiben können, sowie Designer mit Phantasie. Noch keine Jobchancen in der Schweiz ... dafür Ausbildungsmöglichkeiten: Studiengang Game Design, Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst.
Veranstaltungstechniker: Da sich jede(r) und alles verkaufen muss, werden Events jeglicher Art weiter boomen. Das braucht Techniker, die Bühnen aufbauen, für Spezialeffekte sorgen etc. Ausbildung gibt's. 2005 wurde der eidg. Ausweis von 2 Personen erworben ...
Relocation Specialist: Darf man nicht mit Zügelmännern verwechseln, denn die helfen bei Wohnungssuche (bei Umzug ins Ausland z.B), Integration und bürokratischem Krimskrams. Seltsam ist, dass in der selben Nummer des Cash belegt wird, dass Leader wie Fussvolk eigenlich "null Bock" auf einen Job im Ausland haben, aber .... sich darauf gefasst machen, dazu gezwungen zu werden. Als Voraussetzung für diesen Job gelten somit nicht muskulöse Oberarme, sondern ein Studium in Wirtschaftswissenschaft, Kultur- oder Sozialwissenschaft, allenfalls Psychologie oder Pädagogik.
Systemgastronom: Zeit ist Geld. Fett frisst Zeit: Nix mit 3 oder gar 5-Gangmenüs, oder gar Irakischer Küche, mit 3 Stunden Garzeit. Schnell, leicht, gesund und arbeitsfördern essen. hopp hopp.
Gesundheitswesen (vor allem Hausärzte und Pflegepersonal, jung, billig, frustrationsresistent ... nicht Genmanipulatoren ...), das wegen Ueberalterung zwangsweise weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Case Manager: Betreut Verunfallte oder Kranke in Sachen Spital, Medikamentenversorgung, Versicherungen, Arbeitsplatz (Mediation).
Schönheitschirurg: Mehr scheinen als sein ... dafür wird gerne bezahlt.
Zur Zeit (Sommer 07) nicht zu empfehlende Berufe:
Sie sehen leicht, wie absurd der Arbeitsmarkt ist. Alles jammert, man müsse mehr verkaufen. Alles jammert über die schlecht erzogene Jugend und generell den problematischen Wissensstand der Bevölkerung - aber die entsprechenden Berufsleute werden nicht eingesetzt, obwohl vorhanden. |
Zur Zeit grassierend: Vertreter/Hausierer für Telecom-Firmen. So wie früher Seifen und Bürsten, versuchen diese verzweifelt, jedem und jeder ein neues Telefon- oder Fernsehsystem anzudrehen. Auffällig hier in Kleinhüningen ist in letzter Zeit insbesondere Tele 2. So alle 3 bis 4 Wochen kommt (meist) eine Zweiergruppe, die voller Elan alle Mieter zu einem gratis-moonlight-Vertrag überreden will. Die Leute sind nicht darüber informiert, wie oft und wer sonst noch die selben Quartiere bearbeitet. Nach Kleidung und Einsatz zu urteilen arbeiten die auf Provision - womit sie also echt besch... dastehen.
Keine dieser neuen Arbeiten deutet auch nur im geringsten auf eine Lösung hin, wie die wegrationalisierte Handarbeit (Mechaniker, Industriearbeiter, Handwerker) zu ersetzen sei, d.h., wovon die 50% der Bevölkerung mit einem IQ von unter 100 leben sollen (heute meist bürokratische Auftragsempfänger und Bearbeiter bei Staat und Wirtschaft, sowie andere einfache Hilfsdienste). Dieses Problem ist weder durch mehr Wettbewerb noch durch mehr Bildung (für bildungsschwache) beizukommen. Je mehr sich die Seite des Kapitals darauf einstellt, einseitige Aneignung überproportionaler Anteile am Reichtum seien rechtens, auch wenn dies für immer grössere Teile der Bevölkerung zum Ausschluss aus dem Erwerbsleben, also eigentlich zur Verneinung der Existenzberechtigung führt, dann dürften diese Ausgeschlossenen mindestens eben so viel "Recht" haben, sich in den unternutzen Wäldern Haselruten zu schneiden, und den Führern mal wieder einzubläuen, dass die Anwendung wirtschaftlicher "Gesetzmässigkeiten" die zu Ausschluss führen, genau so wenig tolerierbar sind, wie Ausschluss durch Grossgrundbesitz. In einer Welt in der 20% die Produktion für 100% übernehmen - und nur sie dafür bezahlt werden, wird Randale, die Zerstörung von Überschuss, zum Wirtschaftsfaktor. Je weiter der Vorgang schreitet, desto wahrscheinlicher wird es, dass Unruhen wie in Paris, oder Fussballfehden wie in Basel, nur leise Vorboten des neuen Mittelalters sind, das uns erwartet, laue Frühlingslüftchen sozusagen.
Unter dem Aspekt sollte der extreme Liberalismus, speziell in der Form des Neoliberalismus, die Brauchbarkeit seiner Maximen (Noziks Berechtigungstheorie) vielleicht doch mal durchdenken:
In der Annahme, dass die bestehende Verteilung rechtens sei, ist daraus zu schliessen, dass:
- Eine Person, die Eigentum erwirbt in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Rechts, hat ein Recht auf dieses Eigentum.
- Eine Person, die Eigentum erwirbt von einer anderen Person, in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Rechts, hat ein Recht auf dieses Eigentum.
- Niemand hat ein Recht auf Eigentum, ausgenommen durch Anwendung von a. und b
Will Kymlicka summiert die Argumente wie folgt:
Die Stanford Ecyclopedia of Philosophy kommt aber zum selben Schluss, wie Brainworker zumeist auch:
Zusätzlich zu den Argumenten des Selbst-Eigentums, und der Forderung, Menschen selbst als Zwecke zu betrachten, war der übliche Ansatz um ausschliessende Eigentumsrechte zu begründen das Argument, dass diese nötig sind für die Maximierung der Freiheit und/oder die Minimierung der Verletzung derselben (Hayek). Dies scheint empirisch falsch. Wenn wir Länder mit weniger exklusiven Eigentumsrechten betrachten (z.B. mit höherer Besteuerung), sehen wir keinen systematischen Vorteil in Freiheiten bei den andern. (Natürlich besteht ein Unterschied in der Verteilung: Die Reichen haben in liberalen Ländern mehr, die Armen weniger, während in weniger liberalen Ländern das Eigentum etwas gleichmässiger verteilt ist.) Wenn nun Liberale die Bedeutung dessen was als Freiheit zählt beschränken (und andere Freiheiten der Menschen ignorieren), folgt daraus, dass exklusive Eigentumsrechte nötig sind um die Freiheit zu maximieren oder Einschränkungen der Freiheit zu minimieren. Aber die Herausforderung für diese Liberalen ist es, zu zeigen, warum nur die von ihnen bevorzugten Freiheiten von Wert sein sollen und nicht diejenigen, die durch ein System exklusiver Eigentumsrechte beeinträchtigt werden. Tja, tschäboing. Mehr ist dazu nicht zu sagen. (Tönt etwas kompliziert, lesen Sie's nochmals, falls Ihnen schwummerig geworden ist.)
"Gute Arbeit" steht leider nicht im Fokus der gegenwärtigen Entwicklung, sondern die unendliche Vermehrung von Reichtum, das dauernde, exponentielle Wachstum des Kapitals, das zu einem nachhaltigen stilisiert wird, obwohl "exponentiell" und "nachhaltig" im selben Satz schon ein recht absurdes Paradoxon darstellen.
Im ganzen grandiosen Welt-Markt, in dem das Kapital frei verkehrt, wachsen die Mauern wieder, die Menschen daran hindern, ebenfalls frei zu verkehren. Sie wachsen in Israel, sie wachsen in den USA, sie wachsen im Irak, sie wachsen an der Grenze Spaniens ... sie wachsen in den Städten (gated communities). Und vor diesem Hintergrund zunehmenden Ausschlusses die Städte zu alleine förderungswürdigen Modellen der Wirtschaft zu machen, ist reine Raubritterideologie. Je intensiver der Ausschluss, desto grösser die (durch Sozialarbeiter und "Integrationskurse" gemanagte) Slums in den Städten, und desto grösser der Anteil derjenigen, die, trotz völlig fehlender Rendite, alleine um der Existenz willen, weiterhin oder wiederum auf dem Land ihr Auskommen suchen müssen. Diesen grad auch noch die Infrastruktur unter den Füssen wegzuziehen, grenzt an Verrat.
Gute Arbeit lässt sich z.B. anhand der Bedürfnishierarchie nach Maslov beurteilen:
Wir sehen hier bereits, dass der Aspekt, der für mich einer der wichtigsten ist, nämlich die Freiheit (Selbstachtung, Selbstverwirklichung), für die Mehrheit offenbar erst an vierter oder fünfter Stelle kommt.
1. Der wichtigste Aspekt ist die Deckung physischer Bedürfnisse, d.h. eine Arbeit haben, welche die Existenz garantiert.
Dazu gehören die angemessene und gerechte Entlohnung für die Arbeitsleistung (Bezahlung, Höhe des Lohnes), das Übereinstimmen von Können - Belastung, geistig wie körperlich http://www.fhl.li/mitarbeiter/sge/skripten/personal2000_teil3.pdf.
2. Fast eben so wichtig und motivierend ist die Sicherheit, womit vor allem die Sicherheit vor Arbeitsplatzverlust gemeint ist.
3. Soziale Bindungen: Zwischenmenschliche Kommunikation ist entscheidend für Lernen und persönliche Entwicklung.
Hier sind nun eine ganze Reihe von Faktoren von Bedeutung. Einer der wichtigsten ist die richtige soziale Steuerung, d.h. dass der Mitarbeiter von Kollegen, dem Team, Vorgesetzten und Kunden erfährt, wie er und seine Leistung eingeschätzt wird. Aus Fehlern lernt man ... aber nur, wenn man sie erkennt, oder sie einem mitgeteilt werden, und man die Chance hat, Alternativen zu entwickeln. Hier liegt ein Schwerpunkt von Arbeitsorganisation und Training. Hier lassen sich allenfalls einige Aspekte der Betriebsherrschaft abfangen und demokratisieren und das Selbstbewusstsein stärken, was insbesondere zur Bekämpfung von Mobbing wichtig ist. Die Tatsache aber, dass insbesondere Grossbetriebe aber hierarchisch organisierte Zwangsorganisationen und Kampfverbände sind, lässt sich so nicht wegreden. Oft wird das allerdings gar nicht versucht, im Gegenteil. Man erinnere sich an einige Trainingsbeispiele für Drücker aus dem Bereich Finanzberatung, wie sie vor einigen Jahren publik wurden: Der Kunde ist ein Schwein. Der Kunde hat Dein Geld. Du wirst ihm zusetzen, bis er es rausrückt!
http://www.checkbox24.de/zufriedenheit/arbeitszufriedenheit.html
Weitere Aspekte zu diesem Thema wären Sozialkompetenz, Organisationsstruktur, Betriebsnormen/Betriebsphilosophie, Führungsstil und Kommunikationskultur.
4. Selbstachtung: Sinnvolle Arbeit motiviert - Mobbing schadet Mitarbeitern und Betrieben heute vermutlich mehr als Streiks.Obwohl dieser Punkt bei Maslov erst an vierter Stelle kommt, kann er eben so überlebenswichtig sein wie auch entscheidend für die Qualität der Mit-Arbeit, der Kooperation im Betrieb. Es ist anzunehmen, dass der/die MitarbeiterIn einigen Aufwand getrieben hat, bis er/sie durch Ausbildung und Erfahrung in den Stand kam, einen Arbeitsplatz besetzen zu können. Viel Zeit und Geld wurden investiert. Der Job sollte nun dem eigenen Persönlichkeits- und Ausbildungsprofil möglichst gut entsprechen - aber auch endlich die Rendite bringen. Dazu gehört auch, dass die Aufgabe als wichtig wahr genommen wird, dass die Arbeit sinnvoll ist und Gehalt hat.
Mobbing liesse sich, leicht zynisch, wie folgt definieren: Mobbing ist die Rache der Untergebenen an Kollegen und Kolleginnen dafür, dass man selbst Untergebene(r) ist. Durch Mobbing versuchen sich einzelne in eine höhere Position zu stellen, da sie dadurch zeigen können, dass auch sie jemanden beherrschen, also Chef sind. Mobbing ist damit eines der Mittel mit dem sich das Kapital die Macht erhält, ohne selbst in Erscheinung treten zu müssen. Mobbing ist ein systemischer Effekt, der Herrschaft erhält und Freiheit untergräbt ... von unten, nicht von oben. Mobbing ist Dummheit, die regiert, denn durch solche Machtkämpfe verlieren nicht nur die direkt involvierten, sondern auch die Betriebe. Da selbe gilt für Bossing, also wenn der Chef zwar befiehlt: Ihr führt aus, ich ordne an! - also offenbar nicht begriffen hat, dass "Diensts nach Vorschrift" eigentlich eine Streikmethode ist.

http://www.mirko-wendland.de/skripte/aundo/aundo03.html
Selbstverwirklichung
Dieser Punkt dürfte unter der Spezialisierung am meisten gelitten haben. Kreativität, Verantwortung, Selbständigkeit sind zwar als Schlagworte in vielen Stellenausschreibungen enthalten. Beim dritten oder vierten kreativen Vorschlag zur Arbeitsgestaltung der vom Chef mitleidig im Papierkorb oder in der Schublade entsorgt wird, schwindet aber bei den meisten eben die Lust an Kreativität. Auch die Sache mit der Selbständigkeit ist eine lästige. Je mehr Arbeitslose, je härter die Zeiten für Arbeitnehmer, desto mehr machen Chefs auf Härte: Ich bestimme - Sie führen aus! [Wie damit umzugehen ist?] Sobald allerdings was schief geht, heisst es dann schon: Mitdenken, Selbstverantwortung. Aber meist ist diese leider erst dann erwünscht. Die Balance zwischen Auftrag ausführen und selbständig Denken ist in den meisten Betrieben mehr als Suboptimal, zu Lasten von Unternehmen wie von Angestellten..
Eine erfüllende, ganzheitliche Arbeit, ohne Entfremdung, ist die beste Motivation: Spezialisierung führt leicht dazu, dass der Einzelne seinen Beitrag kaum mehr als Beitrag zu einem ganzen und geschlossenen Werk (Produkt) sehen kann. Dem wird zum Teil heute mit Produktions- oder Planungsinseln begegnet. Der Ermüdung durch die Monotonie immer gleicher Arbeit wird durch job enlargement begegnet. D.h. vor- und nach gelagerte Arbeitsschritte werden integriert. Beim job enrichment werden auch Entscheidungsbefugnisse an die Ausführenden übertragen. Durch job rotation ergibt sich eine dritte Möglichkeit, der Monotonie der Spezialisierung ein bisschen zu entrinnen.
Autonomie: Die Möglichkeit der Autonomie (4. Sektor), also selbst über die Ausführung der Arbeit zu entscheiden (was, wann, wie, ...) wird als starker Motivator angesehen - sofern die Mitarbeiter tatsächlich Wert auf Autonomie und die damit oft verbundene größere Verantwortung legen. Fertigungs-Segmentierung, teilautonome Gruppenarbeit und andere arbeitsorganisatorische Konzepte betonen diesen Faktor. Auch die Übertragung von indirekten Tätigkeiten, wie z. B. Wartung oder Instandsetzung erhöhen die Autonomie (neben dem Anforderungswechsel). Führen Mitarbeiter diese indirekten Tätigkeiten selbst durch, dann können sie damit den reibungslosen Ablauf ihrer produktiven Kernaufgaben besser beeinflussen.
http://www.uni-muenster.de/Biologie/Main/aktuell/SozKompArbeitszufr.pdf
Da die hierarchische Organisation der Grossbetriebe dort eh meist versagt, wo es um Selbstwert und Selbstverwirklichung der Angestellten geht, da die hierarchisch organisierte Wirtschaftskampforganisation aber auch immer mehr die wichtigsten Bedürfnisse, also physische Existenz und Sicherheit der Mitarbeiter zur Disposition stellt, ist die Entwicklung des 4. Sektors dringend.

Dass mehr Bildung kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit ist, sondern eher die Folge davon, wurde bereits in http://www.brainworker.ch/Bildung/bildung&arbeitslosig.htm dargelegt. Mehr Bildung erhöht den Konkurrenzdruck und die Weiterbildungskosten - nicht aber die Zahl der Arbeitsplätze, oft zwar den Lohn, aber selten die Rendite.
Bildung verringert sicherlich das persönliche Risiko arbeitslos zu werden ... aber eben nur individuell, für Einzelne, nicht für die Gesamtwirtschaft. Besser qualifizierte verdrängen weniger Qualifizierte, that's all the secret: http://www.finance.gov.mk/gb/bulletins/07-08-04/statii5.pdf
In http://www.brainworker.ch/Bildung/weiterbildung_CH.htm wurde zudem belegt, dass nur wenige Betriebe Weiterbildung finanzieren. Die Arbeitnehmer haben durch den zunehmenden Zwang zur Flexibilität auch immer höhere Kosten zu tragen. [s. auch Bildungszwang/Bildung als nächste Zwangsabgabe].

Die ILO (International Labour Organization) hat dies das Trainings-Paradoxon genannt. Da die Arbeitskräfte aus dem 1. Sektor bereits abgewandert sind und seit längerem nun auch aus dem 2. Sektor in den 3. wandern, stellt sich die Frage, wer die Kosten dieser Umbildung bezahlt. Während aber durch Globalisierung, Strukturänderung und Flexibilisierung die Anforderungen an die Ausbildung immer höher werden, sinken gleichzeitig die Einnahmen. Dies ist nicht nur bei den Unternehmen, auf Grund des schärferen Wettbewerbs, der Fall, sondern auch bei der öffentlichen Hand, dort vor allem auf Grund des Steuerwettbewerbs.
Dieses Trainings-Paradoxon verursacht nun nicht bloss den Arbeitskräften individuelle Probleme, sondern auch der Volkswirtschaft. Die Anreize in Bildung zu investieren sind gering, da die Kosten (direkte Weiterbildungskosten + Einkommenseinbusse + Freizeitverzicht + Belastung familiärer Beziehungen) recht hoch sind, die Rendite aber eher tief (zumeist so tief, dass sie nirgends publiziert wird). Die Schweiz kennt im Gegensatz zu Deutschland auch kein Recht auf Bildungsurlaub. Ebenso ist die Anzahl an Betrieben die Weiterbildung fördern unterdurchschnittlich für europäische Verhältnisse (negativer Sonderfall Schweiz in dem Falle).
Ein weiteres massives Problem ist die fehlende Orientierung. Wer kennt die Weiterbildungsbedürfnisse? Wer weiss, was in zwei oder drei Jahren an Wissen gefragt ist? Niemand. Erinnern Sie sich, wie unisono die gesamte Wirtschaft der Schweiz vor 3 bis 4 Jahren den Mangel an Informatikern beklagt hat. Diejenigen die damals ins Studium eingestiegen sind, können sich heute ihr Diplom gleich vom Arbeitsamt stempeln lassen.
Die Bildungsrendite ist minim, da die Stellensuche für viele Akademiker einer Lotterie gleicht
Konjunkturflauten bekommen heute alle Studienrichtungen zu spüren, nicht nur die exotischen. Gerade bei Wirtschaftswissenschaftlern, die eigentlich am besten wissen müssten, wie man sich verkauft, ist die Arbeitslosigkeit eigentlich immer überdurchschnittlich. Von denen die 2002 ihr Diplom erhalten haben, waren ein halbes Jahr später immer noch ein Drittel ohne Stelle die ihren Qualifikationen entspräche. Bei Juristen waren es 20%, bei Medizinern 15% und bei den Sozial- und Geisteswissenschaften 10%. Sechs bis acht Prozent der Hochschulabgänger sind auch noch nach einem Jahr ohne Job, trotz Ausland- und Praktikumserfahrung, trotz der Kenntnis mehrerer Fremdsprachen. Gerade wenn der Staat auf die Sparbremse tritt, bezahlen dies viele Akademiker mit ihrem Job, den sie häufig in Forschung, Lehre und Verwaltung fänden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei Akademikern also, genau wie bei den wenig Gebildeten, beträchtlich über dem Durchschnitt. Im Beitrag: Hilft Bildung gegen Arbeitslosigkeit? Nein - denn sie verschiebt sie auf die Schwächeren, wurde ebenfalls gezeigt, dass eine höhere Bildungsquote nicht mit tieferer, sondern, im Gegenteil, mit höherer Arbeitslosigkeit verbunden ist. Diese Tatsachen wirken sich auf die Bildungsrendite doch deutlich negativ aus.
http://www.unifr.ch/ieo/praxistransfert/arbeitsmarkt/d_artikel_uniabsolventen.htm
Die Tabelle rechts/oben (Daten BfS, Wolter, Weber) zeigen die höchste private Rendite für Fachochschulen - die tiefste für Universitätsausbildung. Wir sind ein Volk von Tätern, nicht von Denkern. Je stärker die Schweiz jedoch zugepflastert ist, je negativer sich rationalere, billigere und schnellere Produktion auf den Wohlstand auswirken, um so besser die Chance, dass wieder gedacht wird vor dem Machen. Für Frauen lohnt sich offensichtlich der Aufwand für Berufsschule oder Matur weitaus besser als für Männer. Frauen gelingt es also irgendwie, das dort erworbene Wissen produktiver einzusetzen.
Die Untersuchung von Kienbaum zu Kadersalären 2010 zeigt eindeutig, dass sich ein Hochschulstudium, vor allem gegenüber der Fachhochschule, eigentlich nur noch dann rentiert, wenn es den Absolventen gelingt, auf die höchste Ebene des Managements zu gelangen. Eine "gute Schule" (inklusive Name derselben) ist dort zwar Zutrittsmöglichkeit - aber mehr nicht, vor allem keine Berechtigung auf einen hohen Lohn und eine tolle Stelle (was vermutlich eh selten zusammen geht)..

Die fiskalische Bildungsrendite, als Erhöhung der Steuererträge durch das entsprechende Ausbildungsniveau, zeigt, dass für den Staat vor allem die höhere Berufsausbildung einträglich ist, da hier mit kurzer Ausbildungszeit und relativ wenig Ausbildungskosten deutlich höhere Löhne und damit Steuern einfahren. Die soziale Bildungsrendite fasst individuelle und staatliche Kosten und Erträge zusammen. Auch hier schneiden Fachhochschulen und höhere Berufsschulen am besten ab.
Das wissenschaftliches Wissen eigentlich nicht gefragt ist, sondern Anwendungswissen, zeigt der Lohnvergleich zwischen Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen. Erst nach 5 Jahren, wenn sie bewiesen haben, dass sie sich trotz ihres Wissens integrieren, d.h. von Banausen befehlen lassen, steigen die Löhne der Hochschulabsolventen, in einigen Fällen, leicht über die der Fachhochschulabsolventen. Also Vorsicht mit dem lebenslangen Lernen: Wer mehr weiss als der Chef - hat ein Problem.
Das ist aber nicht wirklich ein Problem, denn, wer will dass seine Bildung wirklich rentiert, muss eh alles daran setzen, selbst Chef zu werden. Das wird deutlich aus den wirtschaftlichen Ergebnissen der teuersten und "besten" Wirtschaftsschulen der Welt:
| Rang (MBA) | Schule | zu erwartender Lohn in den nächsten 20 Jahren nach Abschluss / pro Jahr - in $ |
1. |
Harvard Pennsylvania (Wharton) Columbia Stanford Dartmouth College (Tuck) Northwestern (Kellog) MIT (Sloan) Chicago (Booth) California (Haas) New York (Stern) |
3'867'903 / 193'000 |
Da sind die Kosten von 100'000$ schon fast nebensächlich - aber nur, wenn man dann effektiv an einen Job kommt, der die Erträge bringt. Der Durchschnitt aller MBA-Studenten beträgt 2.5 Millionen $ in 20 Jahren, also 125'000$ pro Jahr. Am Wissen kann's nicht liegen, denn der Durchschnittslohn für Professoren beträgt in den USA relativ mickrige 73'000 $.
Es bestätigt sich hier eine Beobachtung, die bereits unter dem Titel Intelligenz formuliert wurde: Was die Arbeitsplatzsicherheit betrifft, so sind es nicht die Spitzenleute, Spezialisten mit Top-Wissen und hoher Intelligenz, die am Arbeitsmarkt einen Vorteil haben, sondern die normalen, die in normalen Jobs normale Arbeit erledigen und denen ein möglichst breiter Sektor des Arbeitsmarktes zur Verfügung steht. Hier liegen die praktischen Grenzen der Spezialisierung und Restrukturierung:
Diese Argumentation hat leider noch keinen Eingang gefunden in die Diskussion um Zehnders Restrukturierung der ETH, die neuerdings auch von Stefan Michel (Professor für Marketing) mit seiner rein betriebswirtschaftlichen Begründung der Berechtigung höherer Studiengebühren gestützt wird. Laut Michel haben hohe Studiengebühren folgende positiven Auswirkungen:
Fazit:
Man sollte Marketingexperten eben nicht danach fragen, was die Aufgabe einer Universität ist, sonst kriegt man als Antwort logischerweise: Profit.
Nebst der Orientierung schwindet aber auch die Haltbarkeit des Wissens. Wenn Sie eine Ausbildung von 5 Jahren absolvieren (Bachelor + Master z.B.), dann sind die Dinge die sie in den ersten 2 Semestern gelernt haben, gerade noch etwa 1/4 wert, d.h. zum grossen Teil veraltet.
F. Haselbeck. ZfU Thalwil empfiehlt: Am Anfang jeder Ausbildung müssen die grundlegenden Fähigkeiten erarbeitet werden, die ein Leben lang gebraucht werden: lesen, schreiben, rechnen und allgemein bildende Fächer wie Lernen lernen, Probleme lösen, Kreativität, Flexibilität, Teamwork oder Denkarbeit. In einer zweiten Phase der Ausbildung gilt es herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen, um dort ein Basiswissen zu erarbeiten. Heute - und in Zukunft verstärkt - wird die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Ausbildungsprofilen und Berufen bedeutend besser sein als im Vergleich zu früher. Auf Grund von Untersuchungen wird angenommen, dass im Schnitt künftig jeder Mensch vier verschiedene Berufe bis zu seiner Pensionierung ausüben wird.
Empfehlung: Die Grundausbildung verkürzen und berufsbegleitendes Weiterbilden wesentlich verstärken. So wird die «lernende Organisation» im Unternehmen Realität. Für den Stelleninhaber ist in der Regel eine am Bedarf orientierte Just-in-time-Weiterbildung am sinnvollsten. Längere Lernblöcke bieten sich an, wenn grössere Veränderungsschritte (Berufswechsel) zu bewältigen sind. Die vertikale Karriere tritt allmählich in den Hintergrund und wird von der Know-how-Karriere abgelöst. Zusätzliches Wissen auf unterschiedlichen Gebieten erleichtert den Aufstieg auf der sozialen Leiter und bewegt das Salär mit nach oben.
http://www.zfu.ch/service/fartikel/fartikel_01_alpha.htm
Ein weiteres Problem ist die Verstärkung sozialer Ungleichheit durch Bildung.
Intelligente fahren (meist) besser, und für Kinder aus Akademikerfamilien ist es z.B. 13 x wahrscheinlicher ist als für Kinder von Eltern ohne nachobligatorische Ausbildung, dass sie selbst ein Studium abschliessen Dafür ist es für Kinder, mit Eltern, die selbst keine nachobligatorische Ausbildung erworben haben, 13 mal wahrscheinlicher als für Kinder aus Akademikerfamilien, dass sie ebenfalls ohne Ausbildung durchs Leben gehen müssen werden. Auf der einen Seite stehen jene mit schwacher Grundausbildung, die auch während der Arbeit kaum weitergebildet werden. Auf der anderen Seite jene mit einer hoch qualifizierten Grundausbildung, die sich kontinuierlich während ihres gesamten Arbeitslebens weiterbilden. Solche "Kastensysteme" sind einer Demokratie aber eigentlich unwürdig.
Die schwach Ausgebildeten erfüllen jene Arbeiten, die reine Hilfsarbeiten sind. In wenigen Tagen ist man dafür angelernt. Häufig sind dies Tätigkeiten, bei denen Mitarbeiter durch neue Technologien später freigesetzt werden. Das bedeutet ein ständiger Kampf an der untersten Skala der Einkommen. Der Working-poor balanciert sich so an der Überlebens-Grenze entlang.
Soziale Ungleichheit im Bildungswesen: http://www.studienwahl.de/fmg.htm
s. auch: Neoliberalismus nutzt Ausbildung als Selektions- statt als Befähigungs- und Förderungsinstrument

Positiv zu vermerken wäre hier allenfalls noch, dass die Durchlässigkeit bei de r Bildung heute recht optimal gelöst ist. Wer also sein Studienziel ändert oder später seine Bildung erweitern will, dem steht ein recht offenes und ziemlich umfassendes Bildungssystem zur Verfügung.
Wissenschaftler als Manager[gekürzt nach: Vorsicht Praxisschock. Monika Clausen. ALPHA, Kadermarkt der Schweiz. 21./22. Oktober 2006] Alle Akademiker werden wissenschaftlich ausgebildet - aber nur 3% erhalten die Chance auf eine Professur. Die andern müssen sich meist, oft in mittlerem Alter, in dem die Karriere bereits gelaufen ist, auf dem ausseruniversitären Arbeitsmarkt bewähren. Sie haben dann zwar eine Menge zum akademischen Erkenntnisprozess beigetragen, ihre Fähigkeiten beim Entwerfen und Durchführen/Managen von Forschungsprojekten bewiesen. Wissenschaftler sind gewohnt unabhängig von Vorgaben eigenverantwortlich ihre Zeit und Mittel zu organisieren (managen). Sie verfügen über äusserst hohe Selbstmotivation, Frustrationstoleranz und Selbstvertrauen (solange sie auf ihrem Gebiet bleiben können ...). Sie haben sich an die akademischen Umgangsformen und Normen angepasst, das rechte Mass zwischen Selbstbehauptung und Selbstdisziplin gelernt. Wissenschaft ist für die meisten eine persönliche Leidenschaft, deren "Nutzen" allerdings eher in der Erkenntnis als in der Nutzung gesehen wird. Wahrheit - nicht Wirksamkeit, Allgemeingültigkeit - nicht Anwendbarkeit, sind die Massstäbe des Wissenschaftlers. (Für den Ingenieur, der ja ebenfalls Akademiker ist, liegt das etwas anders, da muss die Sache, egal ob Theorie oder Praxis, in erster Linie funktionieren). Positive Merkmale, Stärken von Wissenschaftlern:
Vorbehalte der Praxis gegenüber Wissenschaftlern:
Die Praxis der Praxis Manager sind Angestellte, d.h. sie haben einen Auftrag zu erfüllen, vorgegebene Ziele zu erreichen, sich dem Unternehmensalltag anzupassen. Präzise das also, was als Leistung definiert wird. Sie haben meist wenig Einfluss auf strategische Entscheide. Entscheidungsfindungsprozesse sind oft langwierig und instabil - entsprechen also präzise dem, was des Forschers alltägliches Brot ist. Allerdings (s. Martin Suters Business Class) wird ein grossteil der Energie für die Absicherung der eigenen Position und die Bildung von Allianzen verbraucht. Kurzfassung des Problems:
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Dies zeigt sich auch klar statistisch: Chefs sind:
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Ich habe hier einen grossen Teil der Arbeit: Möglichkeiten und Grenzen der Technisierung der Arbeitswelt. Tom Schneider. März /April1998 http://socio.ch/arbeit/t_tschneid1.htm direkt übernommen, weil sich hier zufällig eine äusserst interessante Parallele zu den Überlegungen unter Freiheit, Macht, Herrschaft und Gewalt wie Politik und Wirtschaft: Management der Kollektivgüter ergibt. Dort wurde die Entwicklung des freien 4. Sektors empfohlen, eine rein zufällige Übereinstimmung, denn ich hätte die Sektoren gerade so gut anders herum nummerieren können, aber sinngemäss sind sie trotzdem sehr nahe verwandt, als freie, eher künstlerische Tätigkeit, mit dem Schwerpunkt auf dem Werk, nicht der Organisation.
Tom Schneider analysiert das Rationalisierungspotential der 3 Sektoren und entwickelt einige interessante Perspektiven zum 4. Sektor (gekürzt. Kommentare in unterschiedlicher Schrift):
Die aktuelle Entwicklung zeigt eine relativ ungehemmte Rationalisierung in allen Bereichen. Das Rationalisierungspotential ist insbesondere im Bereich der unflexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten verhältnismässig hoch.
Primärer Sektor: Land- und Forstwirtschaft: Der moderne Bauernhof ist relativ stark automatisiert, der menschliche Arbeitseinsatz beschränkt sich häufig auf die Kontrolle und Steuerung der automatisierten Prozesse; als Beispiele seien das Melken der Kühe oder das Ernten von Weizen angeführt. Das Beispiel der "Tierfabriken" sowie die grossen Landwirtschaftsbetriebe z.B. der USA zeigen weiter die Möglichkeiten der Massenproduktion von Lebensmitteln. Auch wenn in solchen Betrieben das Rationalisierungspotential bereits zu einem grossen Teil ausgeschöpft ist, könnte für die Zukunft durch die Verfeinerung der Produktionstechniken die Möglichkeit einer leichten Verminderung des Arbeitsangebotes vor allem im unteren Qualifikationsbereich erwartet werden.
Einen Einblick in die heutige Lage des Angebotes höher qualifizierter Arbeit im primären Sektor bietet das Vorlesungsverzeichnis der Eidgenössischen Technischen Hochschule; die ETH bietet Lehrgänge zu den Agrar- und Lebensmittelwissenschaften (Abteilung VII) und den Forstwissenschaften (Abteilung VI) sowie weiteren verwandten Gebieten an; wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich somit auch im primären Sektor eine Erhöhung des Niveaus bei der Ausübung der entsprechenden Berufe. Dieses hoch stehende Ausbildungsangebot und die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung auf diesem Gebiet sind mit ein Grund für das heutige, - auch bezüglich der Technisierung - hohe Niveau im primären Sektor, gepaart mit der relativen Bedeutungslosigkeit im Beschäftigungsmarkt.
Weitere Verluste des Arbeitsangebotes könnten durch die weitergehende Forschung im Agrarbereich, vor allem im biochemischen, gentechnologischen Bereich erzielt werden: Durch eine weitere Ertragssteigerung könnte die Nachfrage nach Agrarprodukten in noch höherem Masse durch die grossen, wenig personalintensiven Landwirtschaftsbetrieben befriedigt werden. [s. Texte zu Bildung: Forstingenieur/Kulturingenieur]
Zahlen: Von 2001 bis 2004 hat die Anzahl Erwerbstätiger im Primärsektor von 175'000 auf 156'000 abgenommen, also um 8.1%. Keine andere Branche weist derart starke Veränderungen auf!
Für den SEKUNDAER-SEKTOR (Industrie) ist einerseits die sehr weitgehende Automatisierung, andererseits der nicht zu unterschätzende Unterhalt von Bedeutung. Die Automatisierung könnte eine zusätzliche Steigerung erhalten, indem die zunehmend verfeinerte Robotik und die künstliche Intelligenz (KI) konsequent angewendet würde - wobei unter künstlicher Intelligenz nicht die Nachbildung der menschlichen Kreativität verstanden werden darf, sondern vielmehr die Fähigkeit zur selbständigen logischen Entscheidfindung, gegebenenfalls unterstützt durch eine audiovisuelle Eingabemöglichkeit. Mit einer kombinierten Anwendung von Robotik und KI könnte innerhalb eines Produktionsprozesses gegenüber heute ein grösserer Teil der anfallenden Arbeiten maschinell erledigt werden, Kontrolle, Reparatur und Wartung eingeschlossen. Der Anteil der von Menschen durchgeführten Arbeiten könnte sich im Extremfall auf die reine Kontrolle des Prozesses, das Eingreifen bei nicht vorhergesehenen Störungen sowie bei Arbeiten, zu welchen die Robotik noch nicht imstande ist, beschränken - letzteres sind zumeist Unterhaltsarbeiten, welche eine grosse Flexibilität verlangen, wie z.B. das Entfernen von sporadisch anfallenden Ablagerungen/Verschmutzungen, welche nur unter grösserem Aufwand entfernt werden können. Ein anschauliches Beispiel für die Möglichkeiten der Automatisierung bietet die Raumfahrt; im Weltraum muss gezwungenermassen weitestgehend auf menschliche Arbeitskräfte verzichtet werden.
Für den Menschen beschäftigungspolitisch von Bedeutung würden also in erster Linie die Entwicklung des Produktionsprozesses sowie analytische Aufgaben bleiben, welche ein grösseres Mass an Kreativität verlangen. Qualifikationsmässig niedrigere Arbeiten sind zwar kurz- und mittelfristig für den reibungslosen Betrieb von grosser Bedeutung, könnten aber relativ einfach durch Maschinen ersetzt werden, sofern sich die Arbeit auf einen spezifischen Einsatzzweck beschränkt. Arbeiten niedriger Qualifikation, welche eine hohe Flexibilität verlangen, werden erst längerfristig, aber kaum vollständig ersetzbar sein.
TERTIAER-SEKTOR (Dienstleistungen): Zu dieser Kategorie ist beispielsweise das Schalterpersonal zuzählbar. Diese häufig routinemässig ausführbaren Arbeiten werden bereits heute von den Arbeitgeber stark rationalisiert und wenn möglich maschinell ausgeführt. Als Beispiel sind die auf der Strichcode-Erkennung basierende Kassen und die automatische Kleingeldausgabe zu nennen, welche den Aufwand an einer von Menschen bedienten Kasse auf ein Minimum beschränkt. Weiter sind Kassen möglich, bei denen der Kunde die eingekauften Waren selber registriert; hier sind zusätzlich Diebstahlsicherungen, welche zeitgleich mit der Registrierung deaktiviert werden, ebenso denkbar wie die mittels eines Automaten durchgeführte Bezahlung. Weitere heute automatisierte, ehemalige Schalterarbeiten wie die Geldausgabe bei Banken werden von den Arbeitgebern häufig aktiv gefördert, indem beispielsweise bei Schalterauszahlungen eine Gebühr gefordert, oder beim elektronischen Zahlungsverkehr gar ein Bonus gutgeschrieben wird, in Form eines Geldbetrages (z.B. Zürcher Kantonalbank) oder in Form von Sammelpunkten (z.B. Schweizerischer Bankverein). Ähnliche unflexible niedrig-qualifizierte Arbeiten wären in analoger Form automatisierbar.
Weiter in die Kategorie der flexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten zu zählen sind Berufe wie z.B. Chauffeure. In Bereich des Schienenverkehrs wäre dieser Beruf theoretisch komplett automatisierbar; bereits seit geraumer Zeit werden solche Systeme bei Metros angewandt und vielerorts geplant (VAL z.B. in Lille oder Météor der Pariser Metro). Beim Flugverkehr sind vollautomatische Lenksysteme in vielen Bereichen bereits die Regel, weitergehende Entwicklungen sind auch hier denkbar.
Bei den Arbeiten im Produktions- und Unterhaltsbereich innerhalb von Dienstleistungsbetrieben gelten die gleichen Aussagen wie im sekundären Sektor. Vor allem bezüglich den Reinigungsdiensten werden im Bereich der Robotik relativ grosse Anstrengungen getätigt, mit zum Teil viel versprechenden Entwicklungen, die bei entsprechender Forcierung der Bemühungen schon bald Marktreife erlangen könnten. Dies würde bezüglich den niedrig-qualifizierten Arbeiten gewisse Auswirkungen auf den Beschäftigungsmarkt im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen mit sich ziehen.
Bei den höher-qualifizierten Arbeiten muss der Begriff der Flexibilität durch den Begriff der Kreativität ersetzt werden, da Berufe höherer Qualifikation bereits meist eine gewisse Flexibilität voraussetzen, nicht aber Kreativität.
Zu den unkreativen höher-qualifizierten Berufen können die meisten Ingenieurberufe gezählt werden, da hier bei variierender Aufgabenstellung ein - geregelter - Lösungsweg gefunden werden muss. Mit Ausnahme der Ingenieurwissenschaften, welche zu den kreativen Arbeiten zu zählen sind, könnten die in Ingenieurberufen im Alltag anfallenden Probleme in der Regel durch logische Entscheidfindung gelöst werden; ein Programm mit KI wäre also theoretisch in der Lage, aufgrund eines vorgegebenen Problems selbständig zu einer Lösung zu gelangen . Als hierfür geeignete Berufssparten seien die Beispiele Bauingenieurwesen oder Verfahrenstechnik genannt. Menschliche Arbeitskräfte wären hier noch bei ausserordentlichen Problemen und zur Kontrolle des Prozesses nötig.
Weitere unkreative höher-qualifizierte Berufe sind die Geologie, das Archivwesen, Finanzbuchhaltung sowie die Jurisprudenz; in letzter Sparte werden seit geraumer Zeit relativ weitgehende Versuche durchgeführt, wobei allerdings die Erwartungen - im gesamten Bereich der unkreativen höher-qualifizierten Arbeiten, und speziell bei der juristischen Entscheidfindung - nicht allzu hoch angesetzt werden dürfen. Der Mensch hat immer die abschliessende Bearbeitung durchzuführen, doch kann bereits heute in einem gewissen Rahmen eine erste Beurteilung durch den Computer erstellt werden, was für den Menschen eine Entlastung vor allem von Routinefällen darstellt
Ebenfalls zur Kategorie der Berufe mit geringen Möglichkeiten zur Automatisierung können solche Berufe gezählt werden, welche ein Einfühlungsvermögen in andere Menschen verlangen, also zum Beispiel die Pädagogik oder die Psychologie.
Quartiärer Sektor (Freie Dienstleister für Soziales, Kunst und Kultur)
Zwischen den Branchen und Arbeitsmärkten wird es beträchtliche Verschiebungen geben. Es bestehen Prognosen, wonach im Jahre 2020 nur noch 1% der Beschäftigten in der Agrarwirtschaft, 15% in der Produktion und 34% in den uns bekannten Dienstleistungen arbeiten werden. Das heisst: 50% der Beschäftigten können dann im sozialen Bereich oder in Kunst und Kultur eingesetzt werden. Dies ist möglich, weil die Informatik zunehmend mehr Leute in den klassischen, jetzt vor allem administrativen Arbeitsplätzen freisetzt. Es ist eine ähnliche Bewegung im Gang wie das früher in der Landwirtschaft war: die Traktoren kamen, die Pferde verschwanden.
Unter dem Begriff des quartiären Sektors sollen im Folgenden Berufe verstanden werden, welche nicht direkt einsehbar als materiell produktiv charakterisiert werden können. Dieser Begriff umfasst somit sämtliche künstlerischen Berufe: Schauspieler, Musiker, Literaten, aber auch Philosophen, Theologen, Architekten und weitere.
Im Unterschied zum tertiären Sektor ist nicht nur der Dienst am Kunden (oder im Falle der Wissenschaften der Dienst an der Gesellschaft), sondern auch die eigene Erfüllung wichtig. Die Produkte des quartiären Sektors können zwar wie diejenigen der anderen Sektoren konsumiert werden, doch ist das Produkt im quartiären Sektor untrennbar mit dem Ersteller verbunden.
Somit kommt der quartiäre Sektor dem Idealbild der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung von selbst aus am nächsten. In unserer Diskussion um die Technisierung der Arbeitswelt ist dieser Bereich deshalb insofern interessant, als dass er möglicherweise ein Auffangbecken bilden könnte, wenn sich die Beschäftigungslage durch weitergehende Rationalisierungen in zu hohem Masse nicht nur vom primären und sekundären in Richtung des tertiären Sektors, sondern weiter eben in Richtung des quartiären Sektors bewegen würde.
Eine ökonomische Schranke im Produktionsprozess bildet die bei der Technik-unterstützten Produktion gegenüber der von Menschen durchgeführten Arbeiten verringerte Flexibilität. Dieser Sachverhalt prädestiniert in erster Linie die Massenproduktion für maschinelle Produktionsabläufe, während bei kleineren Serien weiterhin (flexiblere) menschliche Arbeitskräfte eingesetzt werden
Niedrig-qualifizierte Arbeiten könnten längerfristig weiter rationalisiert und automatisiert werden, wobei diese Tendenz durch die Widerstände der Gewerkschaften, der bezüglich der Technik skeptisch eingestellten Bevölkerungsteilen, sowie kurz- (aber nicht länger-) fristig auch durch ein eventuell in weiteren Staaten eingeführte ökologisch-motivierte Steuersystem gehemmt würde. Von weitergehenden Automatisierungen betroffen wären in erster Linie unflexible, niedrig-qualifizierte Arbeiten. Nur zu einem Teil automatisierbar sind flexible niedrig-qualifizierte Arbeiten, wobei besonders flexible Arbeiten weiterhin annähernd gänzlich von Menschen durchgeführt werden müssen. Aus psychologischen Gründen wird auf Berufe, in welchen der zwischenmenschliche Kontakt gewünscht wird, ebenfalls nicht verzichtet werden können, auch wenn in diesem Bereich weitere, allerdings nicht umfassende Bestrebungen zur Automatisierung befürchtet werden müssen.
Das Ziel, die Arbeit zu einem Mittel der individuellen Entfaltung umzugestalten, konnte bis heute nicht erreicht werden. Insbesondere in wirtschaftlichen Krisenphasen werden viele Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität gezwungen oder verlieren ihre Stelle. Für die Zukunft kann zwar eine Verlagerung hin zu den kreativen höher qualifizierten Arbeiten erwartet werden, was als grundsätzlich positiv gewertet werden darf, da diese Arbeiten einen grösseren Spielraum für die individuelle Entfaltung bieten. Doch kann durch eine fortschreitende Technisierung und Rationalisierung auch eine allgemeine Verknappung des Arbeitsangebotes nicht ausgeschlossen werden, was den Druck auf die Arbeitnehmer erhöhen und somit das Wohlbefinden im Beruf schmälern würde.
1. Lösungsansatz: Keine ProduktionsmachtWie im Kapitel II.4 beschrieben, kämen die unter dem quartiären Sektor zu verstehenden Berufssparten - die künstlerischen Berufe - am ehesten dem Ideal der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung nahe. Eine Vergrösserung des Beschäftigungsangebotes in diesem Sektor würde für viele die Möglichkeit bieten, einen sie selbst erfüllenden Beruf ausüben zu können. Gleichzeitig würde diese Gruppe, welche heute meist zweitberuflich im primären, sekundären oder tertiären Sektor tätig ist, den Arbeitsmarkt in eben diesen Sektoren entlasten.
Heute werden Grossveranstaltungen mit namhaften Beiträgen gesponsert; kleinere Veranstaltungen hingegen müssen mit wenig oder gar keinen privaten Mitteln auskommen, meist ist es der Staat, der kulturelle Institutionen unterstützt. Beispielsweise mittels einer ausgebauten Möglichkeit der Steuerabzugsmöglichkeiten könnten Firmen, aber auch wohlhabende Private zu vermehrtem Sponsoring bzw. zu mehr Spenden an künstlerische Organisationen bewegt werden, wobei durch grössere Abzugsmöglichkeiten kleine kulturelle Institutionen bevorzugt behandelt werden sollten. Dadurch könnte der quartiäre Sektor eine Expansion erfahren, womit der allgemeine Arbeitsmarkt entlastet würde. Ausserdem könnte eine Erhöhung der Zufriedenheit der entsprechenden Berufstätigen - was ein wesentliches Anliegen der Gesellschaft sein sollte - gesteigert werden.
Das Konsumverhalten beeinflusst in hohem Masse die gesellschaftliche Entwicklung. In vielen Fällen beherrscht die Gewohnheit das alltägliche Verhalten, womit Richtungswechsel in der Frage der zukünftigen Entwicklung nur schwer durchsetzbar sind. Dennoch zeigen sich in manchen Fällen soziale Bewegungen, welche zu einem grundsätzlichen Wandel der Verhältnisse führen können. Ein bemerkenswerte Beispiel ist die Rückkehr vieler Konsumenten zu Bio-Produkten. Da biologisch orientierte Landwirtschaftsbetriebe in der Regel mehr Arbeitskräfte benötigen als vergleichbare konventionelle Betriebe, könnte dieser Wechsel des Konsumverhaltens eine leicht positive Wirkung auf die Beschäftigungslage zeitigen.
Nach der Fusion der Grossbanken SBV und UBS und den damit verbundenen organisatorischen Rationalisierungsmassnahmen konnte eine Welle der Entrüstung beobachtet werden, welche in der Aufforderung gipfelte, das Geld bei kleineren Banken anzulegen, als Protest gegen den fusionsbedingten Arbeitsplatzabbau.
Es kann gemutmasst werden, ob in der Bevölkerung das Potential vorhanden wäre, um eine breite Konsumentenbewegung auszulösen, welche das Ziel der Arbeitsplatz-Erhaltung hätte. Konkret könnten die Konsumenten bewusst kleinere Betriebe unterstützen, welche im Vergleich zu grossen Unternehmen (u.a. durch die bescheideneren finanziellen Möglichkeiten) weniger technisiert und rationalisiert arbeiten, und somit eine grössere Beschäftigungsnachfrage haben (vgl. Dicke 1995). Eine solche Unterstützung käme heute kleineren, wirtschaftlich unter Druck stehenden Betrieben zugute, womit bestehende Arbeitsplätze gesichert würden und unter Umständen sogar neue Stellen geschaffen werden könnten. Eine solche Bewegung würde in der Initialphase von Bio-Konsumenten und von gewerkschaftlich- und (im Sinne von Kapitel III.5.3) konservativ-denkenden Kreisen getragen. Mit einer breiten Unterstützung der KMU durch die Konsumentenschaft könnte die Tendenz zu weiteren Rationalisierungen eventuell abgeschwächt werden.
Empfehlungen:
Wenn Ihnen die Erhaltung des brasilianischen Urwalds wichtig ist, lassen Sie brasilianisches Filet, Palmöl und ähnliches im Geschäft liegen, auch wenn es vier mal billiger ist als einheimische Produkte. Es ist nicht so billig, weil effizienter produziert, sondern weil seine Produktion Umwelt, d.h. Urwald, zerstört.
Wenn Ihnen freie Meinung und generell die Vielfalt der Presse wichtig sind, kaufen Sie deren Produkte und Dienstleistungen. [z.B. www.brainworker.ch/webdesign.htm ]
Der dümmliche Versuch, mit dem Werbeslogan "Geiz ist Geil" moralische Wertung per se zu untergraben, zeigt vielleicht am deutlichsten, dass das Ende der Dominanz des Kapitals über Natur, Gesellschaft und Moral nahe ist; womit endlich auch Kapitalismus, Plutokratie und Macht der Grösse ihrem Brüderchen, dem autoritären Kommunismus, ins Grabe folgen; womit Geld seine Macht als alleiniges Steuer- und Werthäufungsmittel abgeben muss und wieder zum banalen Tauschmittel wird; womit auch der Wachstumszwang ein Ende hat.
Konsumieren wird also in Zukunft komplizierter - dafür wird das Produzieren im 4. Sektor amüsanter.
* Das Fragezeichen im Titel steht für gewisse, vermutlich nicht ganz unberechtigte, Zweifel, dass "der/die Konsument(in) gewillt und fähig ist, zukunftsorientiert und nachhaltig zu konsumieren. Eine übermässige Befreiung von Politik dürfte also kontraproduktiv sein.
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Ein bekannter Ansatz ist der von Frithjof Bergmann, der als alternative zum herrschenden System die "neue Arbeit" propagiert. Dabei geht es um:
Der Ansatz wird oft reduziert auf mehr Selbstversorgung (Gemüse von Balkon, Dach und Garten), mehr Eigenarbeit, ist also ein Konzept der Subsistenz, das wieder eingeführt werden soll. Positiv daran ist die Idee, dass wir uns, bevor wir wie wild zu Wirtschaften und zu produzieren beginnen, und nach immer mehr Wachstum schreien, dass wir uns fragen: Was wir wirklich wollen. Was wir wirklich wirklich wollen, wie Bergmann das gerne ausdrückt.
Was dem Konzept fehlt, ist die Berücksichtigung der realen Wirtschaft, die ja nebenher läuft, über Wachstum, Merger, Aufkauf, Vernichtung der Kleinen, zunehmende Monetarisierung, zunehmende "Bedeutung" der Finanzindustrie (Bedeutung nur insofern, als sie immer grössere Anteile am Bruttosozialprodukt beansprucht, Anteile, die seit über 5 Jahren höher sind als das, was uns der Staat abzwackt - was aber geflissentlich übersehen wird. Diese neue Subsistenzökonomie dürfte sich von der alten nur in den Produkten unterscheiden, nicht aber in ihrer wirtschaftlichen Situation, nämlich der, dass sie in der Defensive ist gegenüber der Macht-Wirtschaft, dass sie eine Wirtschaft ist für Aussenseiter und Randständige, dass es eine Wirtschaft ist, die die Mieten im kapitalistischen System nicht bezahlen kann. Bergmann, wie die Freiwirtschaft, annulliert die Finanzmärkte (was ja schön und richtig wäre ...), gibt aber keine Lösungen für die dabei entstehenden Probleme der Rentner an, denn eben diese, auch die kleinen, leben ja von den Rentenmärkten. Ei verbibsch ...
Wenn wir einen monopolnahe, mächtige, neofeudalistische Produktions-, Handels- und Herrschaftsstruktur für die 20% Reichen, mit einer Subsistenzökonomie für die Armen verbinden, dann hätten wir ... das Mittelalter. Wirtschaftliche Entwicklung, wie politische Entwicklung, ist eine Machtfrage. Ein Konzept, das sich mit der Macht nicht auseinander setzt, liefert nur Teillösungen. Die Strategie ist zudem rhetorisch und politisch riskant, da sie einerseits als sozialutopisch lächerlich gemacht wird, anderseits aber leider auch riskiert, bloss einen Beitrag zum tittytainment zu leisten. Auch in der Subsistenzwirtschaft ist die Frage der Nutzungsrechte (Grossgrundbesitz, Bodenreform) existenziell und nicht durch "Aussteigen" zu lösen.
Eine ähnliche Kritik hat Volker Hildebrandt formuliert in: Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte rückwärts. Von der »Neuen Arbeit« zurück zur »Alten Arbeit«
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Zum bisher eher mässigen Erfolg des 4. Sektors s.: Kulturindustrie, Kreativwirtschaft ...Kultur ist etwas, das sich verkauft ...
neuster Beitrag zum Thema "gute Arbeit" vom 14.4.06: From "Economy of Power" to a sustainable "Wise Economy"
Post-Kapitalismus: Effiziente Netzwerke statt teuerer Strukturen auf der einen - Motivation durch Sachzwang und Angst auf der andern Seite.
Ein radikaler Ansatz ist der von Prof. P. Ulrich, Uni St. Gallen. Da "der Markt" immer mehr Menschen die ihnen per Verfassung eigentlich zustehende Würde, ja sogar das Existenzrecht, abspricht, fordert Ulrich den Grundlohn *, der beides wieder garantieren würde. Details s. Publikationen - Der Kapitalismus hat nicht gesiegt.
Reale Freiheit heisst, im Lebensalltag über konkrete Wahlmöglichkeiten oder Optionen zu verfügen. Nur wer real wählen kann, kann wirklich ein selbstbestimmtes Leben führen. Die reale Freiheit hängt nun aber in einer mehr oder weniger durchökonomisierten Gesellschaft wesentlich von der verfügbaren Kaufkraft ab: Nicht mehr allein „Stadtluft macht frei", wie die frühbürgerlichen Vorkämpfer zu sagen pflegten, sondern genügend Geld macht frei und unabhängig.
Zivilisierte" Marktwirtschaft – oder: Welche Bedeutung kommt der materiellen Gleichheit in der republikanisch verfassten Gesellschaft zu?
* Dummerweise ist aber der Grundlohn ein Konzept des Hardcore Neoliberalismus von Milton Friedmann, und dient vor allem dem Erhalt und der Dressur einer gefügigen und billigen Arbeiterschaft.

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