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Von Acker- und Waldbauern zu Stadt-, Export und Kapitalwirtschaft: Warum Bauern sooo billig produzieren, dass sie ihre eigene Existenz gefährden. Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters. Was ist Wohlstand, wer bestimmt darüber, wer verfügt darüber? Welche Faktoren bestimmen die Zufriedenheit? Bauern, Boden und Herrschaft |
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Bauer sein hiess und heisst nicht nur Pflügen, Sähen und Ernten, sondern meist auch Zimmern, Schmieden und mehr. Man kann auch kaum je von DEN Bauern reden, z.B. den Bauern die arm und unterdrückt waren. Es gab damals wie heute gleiche und gleichere. Waren damals 10% arm und konnten sich lediglich von Früchten, Zwiebeln und Brot von schlechter Qualität nähren, so stehen heute diejenigen 10.8% der Bevölkerung, die weniger als 2000.- Fr. pro Monat verdienen, bei einem Existenzminimum von rund 1800, vermutlich auch nicht viel besser da. Die Abgabelasten waren von Fürst zu Fürst und Stadt zu Stadt unterschiedlich und die Rechtsstellung als Unfreier, der zwar Eigentum erwerben konnte, dieses aber nicht aber an seine Nachkommen vererben durfte, sorgte über Jahrhunderte für einen ausreichenden Bestand an billigen Söldnern und Arbeitskräften. Viele "arme Bauern" sahen und sehen aber immer noch auf Landlose, Knechte, Mägde und Tagelöhner herab! (Träfe Beispiele zu jeder Gattung sind bei Jeremias Gotthelf zu finden).
Das Bild des Bauern steht zwischen Neid und Spott. Neid weil sie praktisch immer in der Lage waren, auf sich selbst gestellt zu überleben und auch als Untertanen den Staub für andere bearbeiteten, aber nicht darin krochen wie die Höflinge. Sie, die Rustici, konnten rustikal bleiben und mussten sich nicht dem kultivierten Gehabe der Städter und Hofleute unterwerfen. So wurde die Stadt (civis) zivilisiert und Kultur, die ihren Ursprung eigentlich im Umgang des Menschen mit der Natur (Agri-Kultur) hatte, wurde zu künstlich (nicht immer künstlerisch) gestaltetem Verhalten, Reden (Theater) und Abbilden (Malerei).
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Literatur Rösener, Werner: Agrarwirtschaft, Agrarverfassung und ländliche Gesellschaft im Mittelalter. Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 13. R. Oldenburg Verlag, München 1992. Brunner, Karl & Jaritz, Gerhard: Landherr, Bauer, Ackerknecht. Der Bauer im Mittelalter: Klischee und Wirklichkeit. Hermann Böhlhaus Nachf. Wien, Köln, Graz. 1985 Franz, Günther: Geschichte des deutschen Bauernstandes vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1970. Alltagsgeschichte des Mittelalters: Alles von sozialen Strukturen, über Essen und Trinken, Justiz, Erziehung bis zum Kloster. |
In Rom hatte sich diese Trennung (= Diskriminierung) schon anderthalb Jahrtausende vor der "Kultivierung" der Kelten und Germanen herausgebildet. Nebst der Trennung bestand auch schon die Unterwerfung des Landes und der Landleute unter die Stadt, ein Verhältnis, welche die europäische Geschichte vom frühen Mittelalter bis zur Französischen Revolution prägt. Die unfreien hiessen servi, liti, mancipia, die Landbewohner rustici im Unterschied zu den zivilisierten Stadtbewohnern, den cives oder burgenses. Mancipia waren die "unmündigen", die bei der Hand zu führenden, Hörige, Abhängige - und zwar unabhängig davon, ob sie einen eigenen Hof bewirtschafteten oder den Hof eines Herren. Da das Römische Recht im Deutschen Reich wie in der Schweiz sich im Laufe des Mittelalters durchsetzte (ab 13. JH)., wurde manches Gewohnheitsrecht abgeschafft. Das neue Recht begünstigte die Grundherren und Städte, deren Rechtsgrundlage eher das Recht der Händler als das der Handwerker und Bauern war. Ebenso wurde das traditionelle Dorfgericht durch die Gerichtshoheit der Grundherren und deren Amtmänner abgelöst.
Bauern waren lange nicht als Träger wichtiger geschichtlicher Entwicklungen, oder gar als geschichtslos betrachtet worden. Als Quellen der Geschichtsforschung stehen vor allem Urbare, Beraine, welche Eigentumsrechte und Einkünfte der Grundherren beschreiben und Gerichtsurkunden zur Verfügung. Prominente Bauernforscher sind Franz Gschwind (CH), Marc Bloch (Fr) und Günther Franz (D). Weiteres zur Wirtschaftsgeschichte der Region Basel ist bei Mireille Othenin-Girard zu finden.
Dieser Hochmut der Städter gegenüber dem Land war und ist nicht begründbar, denn es waren die Bauern, nicht die Juristen, welche die Sozialisierungsarbeit geleistet haben und die Einzelhöfe zu Weilern und Dörfern zusammenfügten, dabei auch die sozialen Grundlagen und Normen für eine gemeinsame Nutzung von Wald, Weide und Anger entwickelten. Brunner und Jaritz liegen hier richtig, wenn sie die dörfliche Demokratie höher schätzen als die Demokratie der Aristokraten in Athen und Rom (S. 137): Das kostbarste Erbe, das Bauern hinterlassen haben, ist die genossenschaftliche Autonomie.
![]() Auf Grund ungeschickter Flächensubventionen geht es zur Zeit grad den schönsten Weidewäldern der Schweiz an den Kragen, denen des Jura. Da die Bäume und Baumgruppen als Wald gerechnet werden, verringern sie die Fläche für die Subventionen bezahlt wird ... was ihr Todesurteil ist. |
Landwirtschaft war der wichtigste Wirtschaftszweig des Mittelalters. Er beschäftigte 4/5 der Bevölkerung und erzielte damals noch den selben hohen Anteil am BSP. Während der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Personen bis ins 18. JH. hoch blieb, nach der Anteil am Wirtschaftsprodukt kontinuierlich ab
Um 500 lag die Bevölkerungsdichte bei ca. 2.2 Bewohnern pro km2. Die Siedlungen bestanden meist aus drei bis vier Höfen von 2.5 bis 4 ha Grösse, die 20 bis 30 Bewohner ernährten. Um die Gehöfte lag ein Gürtel aus Feldern (Gemüse, Ackerland), dann Weiden und Getreidefelder, der Hofwald und der Weidewald, der nach und nach in den zunehmend dichteren und undurchdringlichen Urwald überging.
Die bäuerliche Gemeinde, als Basis von Dorf und Stadt, entstand also erst im 12./13. JH, nach jahrhundertelanger Sozialisierung und parallel mit der Auflösung des Frohnhofsystems.
Für die Herren gab (und gibt) es zwei Arten, Landeigentum und Gefolgschaft zu sichern:
Villifikation - Bei den Germanen war die Herrschaft über Untertanen auf persönlichen
Beziehungen begründet, bei den Römern auf der Herrschaft über den Boden.
Mit der Ausbreitung des Königtums breitete sich die
römische Rechtsauffassung von Frankreich her immer weiter nach Norden und Osten aus. Der König
sicherte seine Herrschaft, indem er aus dem Königsgut Lehen an seine Vasallen
vergab. Diese sicherten ihr Lehen durch die Errichtung von Festungsanlagen, Burgen, Dörfern, Städten
und Fronhöfen. Karl der Grosse hatte bereits Steuern erhoben auf Grund des
Bodenbesitzes. Der Grundsatz: Nulle terre sans seigneur
löste die dörfliche Allmend ab.
Da bei diesem Modell der Unterwerfung der Herrscher zugleich die Verantwortung und Kosten für Verwaltung und Infrastruktur zu tragen hat(te). besteht ein ökonomischer Nachteil in der Form hoher Investitions- und Verwaltungskosten. Dieses Modell wurde also bald durch das wirtschaftlichere der Grundherrschaft ersetzt. Dieses verringerte zwar die direkte persönliche Gewalt über Menschen, verlagerte aber auch wirtschaftliche Verantwortung, Kosten und Risiko für die Bewirtschaftung völlig auf die Untertanen. (Falls Sie darin eine Parallele zu den in Rezessionsphasen immer lauter werdenden Forderungen der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität und Eigenverantwortung bei den Arbeitnehmern, liegen Sie richig.)
Dieser Übergang war positiv für diejenigen Unfreien, die nun nicht mehr von Herren persönlich drangsaliert werden konnten, sondern bloss noch Abgaben zu leisten hatten. Weniger befreiend war er für diejenigen, die zuvor den Boden, der Allgemeinbesitz war, frei bewirtschaften konnten. Da dieser nun plötzlich von Königen und Vasallen als Eigentum beansprucht wurde, hatten sie jetzt dessen Nutzung zu bezahlen.
Feudalismus: Für die Bodenherren waren ergiebige Renteneinkünfte äusserst wichtig, da sie diese ohne die demokratische Zustimmung der Stände, also nach Belieben, einsetzen konnten. Meist ging es auch nicht bloss um den berühmten Zehnten, sondern eher um 1/3 oder sogar 1/2 der Produktion. Wo Klein- und Kleinstbetriebe bereits Abgaben von 30 - 50% bezahlen, ist es logisch, dass keine Mittel für Investitionen und Entwicklung übrig blieben und die Bauern sich nie aus ihrer misslichen Lage befreien konnten. Deswegen waren dazumals auch die Bauernaufstände wohl eben so häufig wie heute gewerkschaftliche Streiks. Der Dreissigjährige Krieg war der Anstoss zur Auflösung des Mittelalters. Grössere Unruhen begannen 1356 mit einem Aufstand der Bauern in Flandern (Jacquerie) gegen Kirche und Adel. Der Kampfruf der Englischen Bauern von 1381 ist heut noch geläufig: Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?
Zusätzlich zum Zehnten wurden die Bauern auch noch per Handel über den Tisch gezogen. Da der Getreidepreis, zu dem Steuern und Schulden bezahlt wurden, zur Zeit des Ueberangebots nach der Ernte immer tief liegt, zahlten die Bauern drauf, wenn sie nach einem langen Winter ihre eigenen Vorräte verbraucht hatten und wieder kaufen mussten, mit beträchtlichem Zuschlag. [Hier hat auch das Modell der Freiwirtschaft seinen grössten Bock, um den es einen grossen Bogen macht. Freiwirte verlangen ja, dass Geld genau so entwertet werden soll, wie gelagerte Güter. Sie unterschlagen dabei aber, dass Güter zumeist gelagert werden, um zum rechten Zeitpunkt eben so viel Geld abzuwerfen, dass nicht nur die Lagerschäden, sondern sogar noch ein Gewinn damit bezahlt wird.]
Aber auch die Bauern waren nicht auf den Kopf gefallen. Sie sortierten ihr Getreide in gutes, mittleres und schlechtes; verkauften das gute, behielten das Mittlere, und zinsten mit dem schlechten, das, laut Klagen der Abnehmer, oft nicht mal mehr die Schweine fressen wollten.
Mit der Feudalisierung nahm die Zahl der feien Bauern ab, aber dafür entstanden, nebst den Frohnhofverbänden, auch relativ freie Dorfgemeinden, welche die Nutzung von Wald und Weide kooperativ organisierten. Der Unterschied zwischen Freien und Unfreien löste sich auf, d.h. er wandelte sich in Boden-Eigentümer und Boden-Lose. An Stelle des Rechtsstandes wurde die Wirtschaftskraft bestimmend für den sozialen Stand. Um den zunehmenden Grundlasten zu entgehen, wanderten immer mehr Bauern ab in die Stadt oder neu zu erschliessende Rodungsgebiete (Ostsiedler, Siebenbürger Sachsen z.B.). Solche Grundlasten blieben bis zur Französischen Revolution bestehen. Daran hatte auch die Reformation nichts geändert, denn Luthers wie anderer Kirchenfürsten Meinung war in etwa: Dienst ist von Gott auferlegt und wer sich dagegen sträubt ist ein Ketzer. Melanchton begründete dies mit den Sprüchen Salomonis (26) und Jesus Sirach (33, 25): Einem Esel gehören Futter, Geisel und Bürde, also einem Knecht Nahrung, Straf und Arbeit. Es wundert wenig, dass so die freie Wahl des Pfarrers immer wieder ein nachdrücklich verteidigtes Interesse von Städtern wie Bauern war.
Diese Grundlasten wurden von Vögten erhoben. Diese waren also zumeist nicht fremden Herren, sondern Vertreter des eigenen Feudaladels und er Städte. Im übrigen stammt das Wort Vogt von Advokat, und die erheben ja bis heute beträchtliche Gebühren selbst für geringe Dienste. Auch hier zeigt sich, wie wenig sich eigentlich seit dem Mittelalter verändert hat.
Die Rechtssprechung spielte hier eine wichtige Rolle bei diesen Prozessen, da sich die Herren (wenn auch meist Vasallen von Vasallen) nicht nur das Land, sondern gleich auch die Aufsicht über die Rechtssprechung aneigneten. Diese Aneignung der Allmend durch die Aristokratie, die Verteilung des Bodens an die Herrschenden, sowie die Trennung von Besitz und Nutzung, bilden eine 1. Stufe des Kapitalismus und sind ganz offenbar eine Geschichte der Verteilung von Pfründen. Gemeinsames Eigentum (Boden, Allmend) ging an die Herrschenden, die es an ihre getreuen Vasallen für einen Gefolgschaftseid als Lehen abgaben. Auch diese Geschichte der Verteilung von Pfründen setzt sich ungebrochen bis heute fort: Wer gehorcht, Treue schwört und sich loyal verhält, erhält Arbeit oder Aufträge. Dies gilt nicht nur auf den Teppichetagen, sondern auf allen bis hin zu Hilfsarbeitern. Nahm nicht die Strenge der Beurteilung von Untergebenen von Oben nach Unten sogar zu, bei der internen gegenseitigen Beurteilung der SBB-Mitarbeiter 2001? Hier liegt der Hase im Pfeffer, wenn wir davon reden, "das System sei schuld" an irgend einer Misere. Es ist nicht DAS System, egal ob es sich nun Kommun- oder Kapital-Istisch nennt. Es sind solche Handlungs- und Verhaltensnormen die sich von zuoberst bis zuunterst durch das ganze System durchziehen, welche es zum Horror machen können. Durch die primäre Orientierung an Macht und Pfründen wird übrigens nicht nur das Wirtschaftssystem, sondern auch eher wirtschaftsferne Bereiche wie Forschung und speziell Nonprofit-Organisationen, EZ, Vereine, AGs, IGs oft recht zynisch und asozial.
Fortschritt und Innovation: Im Frühmittelalter wurden nicht nur das Bewirtschaftungsmodell der Dreifelderwirtschaft und der Schwerpflug entwickelt, sondern auch der Räderpflug mit Jochanspannung. Eisen wurde vermehrt für Werkzeuge und Waffen verwendet und Wind- und Wasserenergie nutzbar gemacht für Mühlen. Im Hochmittelalter (12/13. JH:) wurde die Nockenwelle erfunden und die Wasserkraft so zum Walken, Hämmern, Holz sägen und zum Antrieb von Blasebälgen nutzbar. Grosse Fortschritte erzielten auch Bergbau, Bauwesen (Lastkräne, Schubkarren > Kathedralen!!!) und die Textilindustrie (Walkmühlen, mehrschäftiger Horizontal-Trittwebstuhl). Das Hochmittelalter schuf die Baumwollindustrie, das Flügelspinnrad, entwickelte die Landmesstechnik - und, als Ursprung der Wissensindustrie - den Buchdruck.
Apropos Buchdruck: Dieser wurde zwar im 15. JH. von Johannes Gensfleisch zu Gutenberg zur technischen Perfektion entwickelt. Das erste Buch, die Diamant Sutra, war aber bereits 868 in China gedruckt worden. China und Indien praktizierten Holzdruck bereits seit dem 6. JH. Das älteste erhaltene Werk wurde 751 wurde im Pulguk-sa-Tempel östlich der alten Königsstadt Kumsong in Korea hergestellt. Der berühmteste Holzdruck Koreas ist ein 6791 Rollen umfassender, zwischen 1236 und 1251 erstellter Kanon buddhistischer Schriften. Zu dieser Zeit soll auch der Druck mit Metallettern bereits bekannt gewesen sein. Ein Zeuge dafür , "Über das direkte Aufzeichnen der inneren Gliederung des Geistes durch die Buddhas und Patriarchen, befindet sich im Besitz der französischen Nationalbibliothek. Zur Massenware wurden Zeitungen und Druck erst mal nachdem Gottlob Koenig 1810 eine mit Dampfdruck betriebene Druckerpresse patentiert hatte und die London Times 1814 diese Technik einsetzte. In den 60er Jahren des 20. JH. brachten erst die Rotationsmaschinen, dann der Offsetdruck eine gewaltige Beschleunigung ... und eine Dezimierung der Arbeitsplätze bei den Druckern. Danach setzte allerdings das Fernsehen und heute das Internet der Presse zu.
Der Boom: Das Mittelalter war, zumal bis zu den grossen Pestepidemien im 13. JH., eine Zeit der Umstrukturierung, des Wachstums und Booms, wie sie erst wieder mit der Industrialisierung wiederkehren sollte. Die Bevölkerung Englands wuchs von 2 Millionen im 12. JH. auf 5 Millionen in der ersten Hälfte des 14. JHs. Diejenige Frankreichs von 6 auf 19 Millionen. Nicht nur die Landwirtschaft hatte enorme Produktivitätssteigerungen erzielt (s. Schwerpflug & Dreifelderwirtschaft, letztere in St. Gallen bereits 763 erwähnt) Insbesondere in den Städten entstanden neue Wirtschaftszweige, die in der bäuerlichen, auf Selbsterhaltung eingestellten Kultur, keinen fruchtbaren Boden gehabt hatten. Es war auch die Zeit, in der die Geldwirtschaft mit Krediten und Zinsen entstand, damit die Zeit in der man sich der Zeit und ihrer Kosten bewusst wurde (Zeitpacht, Zinsen), was auf grosse Widerstände bei der Kirche stiess, die das Argument vertrat, die Zeit sei Gottes und nicht handelbar.
Die Rezession: Im 14. und 15. Jahrhundert brach die Land-Wirtschaft völlig ein. Durch die Pest starb etwa ein Viertel der Bevölkerung, was zu einem entsprechenden Nachfrageeinbruch bei den Nahrungsmitteln führte. In Deutschland verschwanden 40'000 von 170'000 Siedlungen. Dieser Zerfall der Getreidepreise hielt an bis zum Ende des 15. JH! Nicht betroffen von diesem Einbruch waren allerdings Metalle, Textilien, Baumaterial, Vieh und Fleisch. Die Städte gediehen also weiter prächtig und konnten sich günstig mit Lebensmitteln versorgen. Nur die stadtnahen Viehbauern konnten noch von dieser Entwicklung profitierten - während in den Städten die Löhne generell stiegen. Die heute noch problematische Preisschere zwischen Handwerkserzeugnissen und Lebensmitteln öffnete sich also bereits vor 600 Jahren und führte zu mehr Milchviehaltung und der Produktion von Fleisch. Obst, Wein, Flachs und Hopfen.
Einen ähnlichen Einbruch gab es nochmals während des Dreissigjährigen Krieges, als wiederum 30 bis 40% (Elsass, Breisgau, Schwaben 40-50%, Württemberg > 50%) der Bevölkerung umkamen, zumeist durch Hunger oder Seuchen. Die Süddeutschen Regionen wurden damals von der wenig betroffenen Schweiz her wiederbesiedelt. In der Schweiz hatten die Bauern ebenfalls politische Forderungen gestellt nebst den wirtschaftlichen, wurden aber geschlagen. Viele der ländlichen Oberschicht verloren dabei Kopf und Hof. Zwar waren die Schweizer Bauern nicht einem absolutistischen Staat unterworfen, aber den aristokratischen städtischen Herren.
Die Bauern die eigenes Land bebauten gerieten immer weiter in die Minderheit. G. Franz zeigt das anhand von Zahlen aus Sachsen. Nebst den Vollbauern gab es immer mehr Halb- und Viertelbauern (auch Kärntner oder Einspänner genannt), sowie Handbauern (Hintersättler, Hindersiedler, Kötner, Kotsassen, Kossäten, Gärtner.)
| 1550 | 1750 in % |
1843 | |
|
Bürger Inwohner in Städten |
27 5 |
20 16 |
16 18 |
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Bauern Gärtnern und Häusler Inwohner in Dörfern |
50 5 13 |
25 30 8 |
14 47 5 |
|
Geistlichkeit Grundherren (Adel) |
0.9 0.6 |
0.4 0.5 |
0.2 0.3 |
Als Gärtner wurden diejenigen bezeichnet, die nebst der Taglöhnerei am Rande des Dorfes, und meist in Stadtnähe, Gemüseanbau betrieben. Diese und die Häusler waren auch in Handwerk, Dorfhandel und Bergbau tätig, unterliefen also zunehmend das Handwerksmonopol der Städte. Da nebst den Städtern nur diese Gruppe am zunehmen war, und zugleich auch Geistlichkeit und Adel einen immer geringeren Prozentsatz der Bevölkerung ausmachten, wird deutlich, wie sich das Kapital bei Herren und Städtern und einigen wenigen Grossbauern zunehmend konzentriert.
Wer sechs Rosse im Stall stehen hat, ist ein Bauer und sitzt im Wirtshaus beim Bürgermeister und beim Ausschuss. Wenn er das Maul auftut und über die schlechten Zeiten schimpft, gibt man Acht auf ihn ... Wer fünf Ross und weniger hat, ist ein Gütler und schimpft auch. Aber es hat nicht das Gewicht und ist nicht wert, dass man es weitergibt. Wer aber kein Ross hat und seinen Pflug von ein paar mageren Ochsen ziehen lässt, der ist ein Häusler und muss das Maul halten. Im Wirtshaus, in der Gemeindeversammlung, überall.
Ludwig Thoma: Der heilige Hies. 1913
Für das Herzogtum
Württemberg zeigt eine Schätzung, erhoben für die Türkensteuer im Jahre 1544,
dass 10 - 25% der Bevölkerung zu besitzlosem Gesinde gehörten, 13 - 25% zu
vermögenslosen Taglöhnern und Handwerkern und 15 bis 22%, die über geringe
Ersparnisse verfügten. Auch hier zeigt sich heute wenig Verbesserung. Immer noch
besitzen 50% % der Bevölkerung keinerlei Vermögen, 70% über weniger als 100'000
Fr, während die reichsten 10% über mehr als 400'000 und über 2/3 des
Gesamtvermögens der Schweiz verfügen. Dieser Bereich hat sich im Liberalismus
eindeutig am "besten" entwickelt.
Franz, S. 235: Zwei Strömungen laufen im 18. Jahrhundert nebeneinander her. Der Merkantilismus sieht im Menschen einen Bestandteil der Wirtschaft, der seine Zeit und Kraft bestmöglich zur Erzeugung neuer Güter und Werte zu nutzen suchen müsse. Die Erziehung soll sich auf das praktische Berufsleben richten. .... Niemand darf .. ein unnützes Glied des Gemeinwesens sein. Entscheidend wird nun auch die Bildung. Dieser merkantilistischen Haltung entgegen steht Rousseaus Überzeugung, dass Gelehrsamkeit nur eine Sache weniger sein könne, das Volk aber durch Gelehrsamkeit nicht zu einem glücklichen Leben komme. Nach seiner Meinung ist der Bauernstand die dem Menschen eigentlich gemässe Lebensform, während in der Stadt und der Gesellschaft die körperlichen und sittlichen Kräfte verfallen. Er neigte also deutlich der Physiokratie zu.
Der Fortschritt machte aber zunehmend auch für die Landwirte eine eigene Bildung notwendig.
Die Französische Revolution stiess auch Unruhen an in der Schweiz, zuerst im Kanton Zürich, wo 10'000 Stadtbewohner über die 200'000 Landbewohner regierten. Obwohl ein Viertel der Landbewohner eines der bestentwickelten Industriegebiete Europas betrieben, durften sie nicht selber Handel treiben. Die Aufstände die 1795 in Stäfa begannen, wurden zwar mit Waffengewalt niedergeworfen. Die Stadt erwirkte sich damit aber nur einen geringen Aufschub.
In Süddeutschland wollten die Bauern ebenfalls keine Novitäten wie Demokratie oder Zentralstaat, aber sie bestanden darauf, bei der Rechnungslegung konsultiert zu werden und die Verwendung der Steuern überwachen zu können. Ein offenbar gewichtiges Problem waren die Wildschäden, verursacht durch Wildschutzgebiete mit überhöhten Wildbeständen, zugunsten herrschaftlicher Jagd.
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Gott, der des Menschen Würde kennt bei Adam uns dort alle nennt, herrscht über Vieh und Feld und Wald. Ich schuf's zu Eurem Unterhalt, Hier liest man nichts von Sklaverei, Gott schuf den Menschen völlig frei. Freiheit ist ihm von Gott gegeben, Darüber lässt er Leib und Leben. Wir schreiben uns von Adam her, Wer ist's, der nicht von Adam wär? Kommt her, ihr stolzen Edelleute! Wir haben Gottes Wort zur Seite! |
Hier ein Gedicht das in der sächsischen Schweiz den Aufstand anheizte:
Die Bauern wollten ihre verbrieften Rechte zurück - und sie wollten ihren Glauben behalten. Die eindrücklichsten Widerstände auf dieser Basis erfolgten in Flandern und Brabant, aber auch im Tirol (Andreas Hofer).
Wie den Schweizern generell, so wurde den meisten Bauern die "Befreiung" durch Frankreichs Macht und Napoleons Gnaden aufgedrückt. Auch die Revolution von 1848 war eine Revolution der Bürger, die ihre Pfründe beanspruchten, keine Revolution der Bauern. Damit verschwand die alte Agrarverfassung, die Grund- und Gerichtsherrschaft, die Leibeigenschaft, die Vorherrschaft der Kirche und der (oft mehrfache) Zehnten, die über fast ein Jahrtausend Gesellschaft und Wirtschaft kontrolliert und geformt hatten. Der Bauer war nun selbständig, aber Schutzlos, oft ohne Kapital, und darum handkehrum an den neuen Ketten des privaten Kapitals (der ehemaligen Grossgrundbesitzer und Adeligen) und damit in Zinsknechtschaft. Seither kämpft er um Marktanteile und Preise und mit dem immerwährenden technischen Fortschritt, der nichts und niemandem Ruhe lässt, um eine ausreichende Produktiviät und Auslastung.
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| nach: Dorothee Rippmann: Bauern und Herren. Rothenfluh im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte der ländlichen Gesellschaft im Mittelalter. Forschungsstelle Baselbieter Geschichte 1996 |
Rothenfluh feierte 1996 sein 800-jähriges Bestehen, das belegt wird durch eine von Papst Coelestin gezeichnete Besitzurkunde des Basler Domstifts. Rothenfluh hat eine Fläche von: 1098 ha, wovon die Hälfte auch heute noch bewaldet ist.
Es war bereits zur Zeit der Entstehung nicht alleiniger Besitz
des Bistums Basel. Rudolf von Rheinfelden (Herzog von Schwaben und Gegenkönig
Heinrichs des IV., gefallen 1080), besass ausgedehnte Güter die vom St. Bernhard und der Saane
bis in den Oberargau reichten. Diese fielen nach seinem Tode, über den Grafen vom Homburg, dessen
Geschlecht 1220 ausstarb, an die Oedenburger, in deren Besitz auch Wenslingen,
Frick, Wölflinswil, Gipf, Obermumpf, Hellikon, Lausen und Wil standen. Da der
Rheinfelder Besitz in Rothenfluh beim Erbgang halb dem
Frickgau (den Habsburgern) und halb dem Sisgau (Basel-Stadt) zugeschlagen
wurde, befand sich Rothenburg im 13. Jahrhundert in einer nicht all zu
komfortablen Lage als Schnittpunkt dreier Herrschaften und deren Vogteien: Farnsburg (Bild
rechts. Sisgau: Sissach),
Alt-Homburg (Wittnau) und Alt-Thierstein (Frickgau: Gipf-Oberfrick). Die Verwaltung war
entsprechend nicht eben einvernehmlich, denn: Die drei
Herren sollen an der Gerichtsstätte gesessen und einander den Rücken zugekehrt
haben. Diese Situation blieb 150 Jahre in der Erinnerung der Bevölkerung
haften.
Ein starker Herr war auch jener von Eptingen, dem Sissach, Eptingen, Pratteln gehörten und der die höchste Gerichtsbarkeit, das Blutgericht, beanspruchte. Diese war äusserst interessant, da hohe Bussen, und bei Todesurteilen das Erbe, an das Gericht fiel.
Das Interesse dieser Grundherren galt vor allem der Blutgerichtsbarkeit, den Zöllen und Abgaben, denn davon lebten sie. In stadtnahen Gebieten waren damals 2/3 der Bewohner abgabepflichtig.
1470/80
(die Datierung war mässig zuverlässig) erschrak ein Zigeuner die Bevölkerung
und der Heide (alle Dunkelhäutigen wurden damals so bezeichnet) wird von einem
Einwohner mit der Armbrust angeschossen. Nach längeren Rechtsstreitigkeiten
setzt sich Farnsburg durch als rechtmässiges Gericht. Basel und Rheinfelden
werden in die Schranken verwiesen. Es wird nur eine Geldbusse erteilt, da der
Schütze einen Vogelbolzen verwendet hat, der stumpf ist und dazu dient, Vögel
zu betäuben. Wäre Blut geflossen hätte die Sache anders ausgesehen und eine
Körperstrafe wäre ausgesprochen worden.
Genau
so wie heute Firmen, konnten damals die Besitztümer der Herrschaften die Hand ändern,
allerdings meist gar nicht auf Grund einer Willensäusserung des
Volkes, sondern eher auf Grund finanzieller Probleme der Eigentümer. So wurde die Farnsburg
und ihr Besitz in Rothenfluh, aus
Geldnot 1449 an Österreich verpfändet, 1459 wieder ausgelöst und ging 1545, aus
dem
Eigentum der Münch,
vollständig an Basel über.
Besitz umfasste auch Menschen, die Leibeigenen. Da diese aber damals wie heute mobil waren, fanden sich etwa in Basel 70 Österreichische Leibeigene und in Rheinfelden 470 Basler Leibeigene. Im Vertrag von 1534 wurde gegenseitig auf diese verzichtet, nach dem Prinzip: Des Bann - des Mann.
Leibeigenschaft war übrigens nur von Belang was Erbschaft und Steuern, nicht aber was die Ehre betraf. Leibeigene wurden oft Bürgermeister oder Stadtschreiber. Da die eingesetzten eine doppelte Loyalitätspflicht hatten, gegenüber dem Herrn und gegenüber der Gemeinde, ergaben sich immer wieder Spannungen, so ähnlich derer eines Betriebsleiters, der für die Firmenbesitzer einen maximalen Gewinn erwirtschaften, für die Belegschaft aber möglichst gute Löhne und Arbeitsbedingungen schaffen sollte. Auch Managementprobleme waren offensichtlich dem Mittelalter nicht fremd. Der Meier, als Gemeindevorsteher, musste auch PR-Aufgaben wahrnehmen, und mit seinen Leuten die Mark (statt Marktanteile) Rothenfluhs gegen Lauffenburg, Säckingen, Rheinfelden und Liestal verteidigen.
Der Dorfvorsteher besass nicht den grössten Hof, aber die Mühle, die auch Abgaben (Pfründe) schuf. Er war zudem Vorsitzender des Gerichts, Zuständig für den Einzug der Bussen und Pfründen, die Ernennung des Bannwarts, den Einzug der Steuern, Zinsen, Fasnachtshühner und des Bergzinses aus dem Erzabbau.
Seine Pflicht war, dem Herrn bei Bedarf Herberge zu bieten. Er sollte auch des Schreibens kundig sein. Da dies offenbar nicht immer der Fall war, wurde dann der Notar von Liestal beigezogen. [Die Gebühren der Notare stammen also offenbar aus einer Zeit, in der Schreiben noch eine gesuchte und gut bezahlte Kunst war.]
Das Dorfgericht versammelt sich 1 x pro Jahr. Da es 8 Mitglieder hatte waren folglich beinahe die Hälfte der Haushalte vertreten, offensichtlich eine recht demokratische Lösung.
Weniger demokratisch waren die Verhältnisse zwischen Herrschaft und Dorf: Der Zwingherr hatte das Recht und die Pflicht, Gebote und Verbote zu erlassen - die Gemeinde war zu Gehorsam verpflichtet.
Da auch auf Holzverkauf eine Abgabe geleistet werden musste, war ein Bannwart einzustellen, der die Rechte des Grundherren sicherte, und noch lange nicht den naturnahen Waldbau.
Grössere Probleme entstanden im 15 JH. vor allem durch Reisläufer (Söldner), Täufer (eine Sekte) und die Reformation: Täufer mussten abschwören oder wurden mit Geldbussen bestraft. Im Wiederholungsfalle wurden sie vom Gemeindebann verwiesen.
Im ausgehenden Mittelalter war in unserer Region der Landesausbau durch die Gründung von Siedlungen im wesentlichen abgeschlossen. Einige kleine Siedlungen verschwanden oder gingen in grösseren auf.
1545 kauft Basel die ganze Dorfherrschaft über Rothenfluh von den Münch (von Münchenstein) und die Grenze zu Österreich (Fricktal) wird festgelegt. Die Münch waren damals eines der reichsten Oberrheinischen Rittergeschlechter und verwalteten manch basel-bischöfliches Lehen. Ebenso waren die Thiersteiner (Farnsburg) ein bedeutendes Hochadelsgeschlecht. Diese hatten nicht nur Rechte auf Zinsen, sondern auf die Einsetzung von Pfarrern und im Falle von Rothenfluh sogar des Tavernenbetreibers und Bannwarts. Es ging also nicht primär um Macht und Herrschaft, sondern um Pfründen.
Haushalte und Familien
In Rothenfluh wurden Getreide, Vieh, Flachs, Reben, Baumgärten, Wiesen und Gärten bewirtschaftet. Die Gemeinde bestand um 1500 aus 8 Haushalten im Lehen derer von Münch, 10 Haushalten im Lehen der Tiersteiner, und 3 Haushalten von Eigengütern sowie des Kirchgutes. Die minimale Betriebsgrösse lag bei 2-3 ha, das grösste umfasste 23 ha. Einige Bauern bewirtschafteten auch (bereits damals!) zusätzliche Güter im Elsass.
Rothenfluh war zu dieser Zeit mit 17-23 Haushalten ein mittelgrosses Dorf. Zum Vergleich: Waldenburg bestand aus 34 Haushalten, Sissach aus 36, Muttenz aus 80, die Stadt Liestal aus 104, und Basel, offensichtlich eine andere Kategorie, aus ca.: 10'000. [Die Geschichte von Stadt und Land, aus der Perspektive der Stadt Basel]
23% waren Einpersonenhaushalte, 18% von Alleinerziehenden bewirtschaftet, 59% von Kernfamilien (Eltern und Kinder). Die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Familie betrug damals 2.3.
Heute finden sich im Baselland 27% Einpersonenhaushalte, 5% Alleinerziehende (also, entgegen den Erwartungen, stark rückläufig, was allerdings darauf zurückzuführen ist, dass das Recht sich zu verheiraten gerade bei Unfreien recht beschränkt war), 29% Familien ohne Kinder, 34% Eltern mit Kindern (Kernfamilie), 3% andere Formen.
Durchschnittliche Anzahl Kinder pro Familie in der Schweiz:
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1500 2.3 1950 2.4 1970 2.1 1980 1.6 1999 1.5 |
Wir sehen also, dass das Mittelalter also gar nicht so weit weg ist von der heutigen Situation, wie wir es wohl gerne hätten. Waren damals 3 von 21 Gütern im Privatbesitz, so sind heute 3 von 10 Häusern und Wohnungen im Privatbesitz. Die Anzahl Alleinerziehender hat sich um den Faktor 3 verringert, die Anzahl traditioneller Kernfamilien halbiert - zu Gunsten kinderloser Familien, und zu Ungunsten einer nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung, denn dafür wären 2.2 Kinder pro Haushalt nötig. 1.5 bedeuten längerfristig die Selbstzerstörung einer Gesellschaft.
Industrialisierung
1860 fanden sich in Rothenburg 150 Haushalte und 145 Webstühle. Rothenburg hatte sich zum Posamenterdorf entwickelt, in dem die Bauern durch Heimarbeit für die Band- und Seidenwebereien in Basel, Liestal und Rheinfelden einen mässigen Zusatzverdienst erwerben konnten. Es zeigt sich deutlich, dass die Herren, trotz Revolution und neuer Bundesverfassung, immer noch am selben Orten sitzen.
Hunger und Armut führten hier wie im gesamten Süddeutschen Raum zu Massenauswanderung in die USA. Nicht alle gingen allerdings aus eigenem Antrieb, denn für viele Gemeinden war es weitaus günstiger, einem Armengenössigen die Überfahrt in die USA, an Stelle von Unterstützung, zu bezahlen. So wiederholten die Nachkömmlinge der mittelalterlichen Bauern nun den selben Vorgang, durch den sie 700 Jahre vorher durch die Edlen des Bodens enteignet worden waren, an den "Wilden" Nordamerikas.
Martin Herzog, Webdesign, Rheinfelden (seit 1.4.05 nach Basel ausgewandert), 2.1.2003