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[Einblicke in die schweizerische Landwirtschaft.
Ausgabe 2004. BfS]| Einkommen der Bauern in Milliarden Fr. | |
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Produktionswert Direktzahlungen Einnahmen heute |
10.6 2.5 13.1 |
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Einbussen durch WTO-Runde Abbau von Importzöllen Abbau Exportsubventionen Abbau Inlandstützung Einbussen durch US-Abkommen Einbussen total |
2.8-3.1 |
| Einnahmen neu | ca. 8 (- 39%!) |
Bauern sind wirtschaftlich, sozial und politisch ein äusserst interessantes Stratum, obwohl sie nur 2 % der Bevölkerung, 1.4% des BIP - und nicht bloss weil sie trotzdem 15 % der Politiker stellen, denn:
Die Medien opfern wieder mal leichtsinnig und recht unbedarft, äusserst unbedarft, gewaltig unbedarft, den Bauernstand auf dem Alter des Gottes "Billig". Unbedarft, weil mit diesem Modell: Alles den Grossen und Wettbewerbsfähigen Herrschaften, nicht nur die Bauern, sondern bald jede bürgerliche, also kleinkarierte (im positiven Sinne) Wirtschaft flöten geht, und als Alternative, auf dem letzten Loch pfeifend, dafür noch mit dem Hut um etwas Münz bettelt.
Trotz der Stützmassnahmen verschlechtert sich die Einkommenssituation in der Landwirtschaft und entfernt sich immer weiter von der allgemeinen Einkommensentwicklung. Ein wesentlicher Grund dafür sind die sinkenden Preise: Im Mittel lösen die Landwirte aus ihren Produkten weniger als zu Beginn der 80er-Jahre.
Eine Trendwende ist unwahrscheinlich, insbesondere bei der anhaltenden Tendenz zum Abbau internationaler Handelsschranken.

Dazu kommt, dass auch die Absatzmengen nachgelassen haben, weil weniger konsumiert wird. Beim Hauptprodukt der Schweizer Landwirtschaft, der Milch, ging der Konsum seit 1960 fast auf die Hälfte zurück, während sich die Leistung der Kühe in der selben Zeit vermutlich mehr als verdoppelt hat. Kartoffeln verzeichnen einen starken Rückgang - und eigentlich nur Gemüse eine Zunahme. Wen wunderts, dass es nun den Gemüsebauern an den Kragen gehen soll.
Wenn Sie sich wundern, warum, trotz der enormen Anstrengungen der Bauern und der enormen bereits erfolgten Restrukturierung, die Milch immer noch so viel kostet in der Schweiz, dann prüfen Sie doch mal in Ihrem eigenen Betrieb, welche Kosten Sie ihren Kunden verrechnen müssten, wenn sich die Nachfrage halbiert.
Milch kann je länger desto weniger als Milch verkauft
werden. Sie muss zusätzliches Kalzium, Vitamine, Geschmäcker, Erlebnis,
Gesundheit und Gott weiss was für Schrott bieten, weil der durch Marketing
gebrainwashte Konsument keine Milch trinken, sondern Mehrwert und Adventures
sucht. Und den Scheiss sollen die Bauern mitmachen ... und die Milch zum
halben Preis dafür liefern? Da kann man sie genau so gut den Schweinen
füttern (Perlen vor die Schweine werfen) oder Kühe drin baden (die Schweizer
Variante der japanischen Kobe-Bierkuh).
1. Nutzfläche
Land- und Waldwirtschaft
Der Schweizer Wald
bedeckt 12'716 km2, also 31% der Fläche, die Landwirtschaft
9'873km2 (24%) (bis 15'251km2, 37%, vermutlich unter Einschluss
sämtlicher extensiv genutzter Alpweiden).
Der Anteil der gesamten
Primärproduktion an der Wertschöpfung betrug im Jahr 2000 weniger als
1.3%. Wald und Holzwirtschaft (2. Sektor) trugen 1.6% zum BIP bei, die
Landwirtschaft 1,5%. Die landwirtschaftliche Produktion sank in den
letzten 10 Jahren um ein volles Viertel, vor allem auf Grund fallender
Preise!
37% oder 15’251 km2 der gesamten Fläche der Schweiz (41’285 km2) sind landwirtschaftliche Nutzflächen. Diese wird laut landwirtschaftlicher Betriebszählung 2003 von ca. 66'000 Betrieben bewirtschaftet, Tendenz rasant sinkend. 1990 waren es noch 92'800 Betriebe. Im Jahr 2000 wies der 1. Sektor (Primärproduktion in Minen (Salz z.B.), Wald- und Landwirtschaft) noch 150'000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze auf. Die Forstwirtschaft allerdings nur noch 6000 davon. Auch hier ist die Tendenz mit ca. 25% Abbau in 10 Jahren rapide sinkend. Hat das neue Waldprogramm (s. WAP) eine Reduktion auf die Hälfte gefordert, wurde diese Forderung also ohne Massnahmen bereits erfüllt. Wie es oft so geht mit unbedarften Forderungen, könnte der Prozess, einmal in Gang gekommen, sich derart rapid fortsetzen, dass er massiv über das Ziel hinaus schiesst und qualifiziertes Personal sich nicht mehr auf eine solche Joblotterie einlassen will.
Was heute von Bauern wie Waldwirtschaft im Überschwang spätneoliberaler Ideologie verlangt wird, ist eine Reduktion des Aufwands, also mehr Arbeit für weniger Geld.
statistische Kennzahlen der Land- und Forstwirtschaft
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http://www.wsl.ch/projects/WaSAlp/55_WH05_Waldausdehnung.pdf |
Diese
Restrukturierungsprozesse sind nicht bloss ein Problem für die Arbeitnehmer der
betroffenen Sparten, sondern im Falle von Land- und Forstwirtschaft, ein Problem
der Landschaftsveränderung durch unterlassene Nutzung. Der Naturschutz
schreit hier zwar Heureka, um dann jahre später zu merken, dass die natürliche
Sukzession etwas gaaaanz anderes produziert, als man eigentlich wollte, was man
dann durch teures Biotopmanagement zu korrigieren sucht. Biotopmanagement
produziert aber nur zu entsorgende Abfälle - während bewirtschaftete Weiden
Fleisch, Milch, Käse und Butter produzierten, bewirtschaftete Wälder Bau-,
Möbel-,. Industrie- und Brennholz.
Dass fehlende Nutzung gerade in der Berglandwirtschaft zu Problemen führt, wissen wir: Vergandung, zunehmende Lawinen auf ungemähten Wiesen, Verwaldung. So weit so gut. Über Waldeinwuchs wäre die Sache wieder in Ordnung ... würden die Baumarten freiwillig wachsen, die natürlich angepasst, also erwünscht sind, was unter ehemaligen Fichtenaufforstungen selten der Fall ist, was im Tessin teilweise durch mediterrane Immigranten verhindert wird; andererseits, durch die natürliche Ueberlegenheit der Buche, die Kastanie verdrängt, würde der Wald nicht flächenhaft gleichaltrig aufwachsen sondern gestuft. Da die Vorgänge aber in sehr kurzer Zeit auf grossen Flächen passieren, funktioniert das nicht. Ebensowenig sind die alten Aufforstungen, die nach Erlass des ersten Forstgesetzes erstellt wurden, heute stufig. Es handelt sich vielfach um einförmige und damit recht anfällige Bestände,die gepflegt werden müssten, zumindest "gepflegt" durch Nutzung zu dicht stehender Bäume und die Öffnung kleiner Ansamungsflächen.
Die von Städtern dominierte Politik ignoriert dies und träumt, wenn links, von neuen Urwaldreservaten; wenn rechts, von extensiven Reservezonen der Nutzungsmaximierung.
Dummerweise bedeutet
Extensivierung für die Bauern, dass sie den aufwändigen und ertragsschwachen
Obstbau, Rebbau und Gartenbau links liegen - und dafür mehr Kühe auf die Weide
lassen.
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Be-Merke:
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Die Schweizer Bauern zahlen für die selben Geräte im Durchschnitt 18% mehr als ihre Kollegen in den Nachbarländern. Ein Miststreuer ist in Frankreich sogar zur Hälfte dessen zu haben, was Bauern in der Schweiz dafür berappen müssen. Hier sind mehrere Faktoren am Werk:
Nutzen die Verkäufer natürlich die höhere Kaufkraft in der Schweiz (aus, was aber legal ist. Wer bezahlen kann, soll das auch. Grundprinzip der Differenzierung von Kaufkraftklassen im Marketing - Grundproblem der Inflation).
Der Schweizer Markt ist, besonders im Vergleich zu Frankreich, klein, also erhalten bereits die Generalimporteure kleinere Rabatte.
Werden für die Schweiz bestimmte Maschinen luxuriöser ausgerüstet - auch dies entspricht der unter 1. erwähnten Marketingregel.
Treibt ein dichtes Netz von Anbietern die jeweiligen Absatzmengen runter, die Preise rauf - also ein Grössenproblem auch bei den Anbietern der Bauern.
Ist der Markt kein Kinderspielplatz sondern ein Schlachtfeld: Reklamationen der Bauern bei den Landmaschinenfirmen haben nicht zu tieferen Preisen geführt, aber dazu, dass jene ihre Inserate in der bäuerlichen Presse stornierten, also die simple Anfrage wirtschaftlich bestraften.
[Anetta Bundi: Traktor ist nicht gleich Traktor. Tagesanzeiger, 26. Juli 2005, S. 23]
Im Spiel der freien Marktwirtschaft sind die Bauern, genau wie im Schach, zwar an der Fron, aber nur um um etwas im Weg rumzustehen um den Feind zu blockieren, etwas nach rechts und (vor allem) links auszuschlagen um schlussendlich zugunsten wichtigerer Figuren, geopfert zu werden. In der rein wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft geht es, wie im Schach, um Strategie und Taktik - und um den König, d.h. um viel viel Geld. Mit harter Arbeit, guter Ausbildung, und Sparen, hat das wenig zu tun. Hier gibt es Freiheit nur für Könige. Obwohl ... wenn man rechnet, was das pro Kopf eines Mitarbeiters ausmacht, dann sind das bei 11'000 Mitarbeitern im Inland + 70'000 im Ausland eigentlich bloss etwa 100'000 pro Kopf. Einerseits. Andererseits haben in der Schweiz nur 30% der Bevölkerung überhaupt ein Vermögen von 100'000 oder mehr, nur ca. 3% ein Vermögen von über 1 Million, das ihnen erlaubt, auch Risiken einzugehen. wzbw.
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Die durchschnittliche Betriebsgrösse in den
USA beträgt 179 ha!
Die Kosten von 1 ha Landwirtschaftsboden betragen:
Der Grund? Spekulation.
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Jaime Roldos, president of Equador, and Omar Torrijos, president of Panama, were assassinated, because the opposed that fraternity of corporate, government, and banking heads whose goal is global empire.
John Perkins: Confessons of an Economic Hit Man. Berret-Koehler Publishers Inc. San Francisco. 2004

Wir sehen
anhand der Tabelle, dass sich der Median der Betriebsgrösse heute bei 10 bis 20
ha befindet - während "Experten", vor allem in den Medien, das Doppelte fordern,
also 30 ha.
Wird eine durchschnittliche Betriebsgrösse von 30 ha angestrebt, heisst das, dass die Hälfte der Betriebe verschwinden oder zusammengelegt werden muss.
Sehen wir uns den Trend an, so geht der tendenziell in die Richtung, aber eigentlich doch mehr in Richtung Abbau: Die kleinen Verschwinden, Grosse entstehen kaum. Der Vorgang wäre also präziser als Destrukturierung, nicht als Restrukturierung zu bezeichnen.
Liesse sich das Problem wirklich durch höhere Betriebsgrössen lösen, so wäre dies auch ohne Übergang zu Grossbauerntum zu bewerkstelligen, nämlich durch eine vermehrte Bildung von Genossenschaften und Kooperativen.
Landwirtschaftspolitik war
schon nicht einfach mit einer engagierten Bauernlobby, sie wird es noch weniger,
mit einer unqualifizierten reinen Ideologie der Produktivität.
Diese Zahlen sind deutlich. Die Politik der Direktzahlungen konnte die Einkommenssituation in den Berglagen verbessern (Einkommen oft weit unter 2000.- pro Monat). Grosse Betriebe in den Hügellagen profitieren von der gegenwärtigen Entwicklung, nicht aber in den Bergregionen. Hier wird die Betriebsgrösse durch die beschränkte Einsatzmöglichkeit von Maschinen limitiert. In der Bergzone ist eine höhere Betriebsgrösse nicht unbedingt produktivitätsfördern, da Mechanisierung stärker durch die Umwelt behindert wird als durch mangelndes Kapital oder Auslastung. Die Erhöhung der Betriebsgrösse löst hier also weniger Probleme als im Flachland.

Wir sehen einen beträchtlichen Schwund bei Betrieben von der Grösse 1-15 ha - die vermutlich zu klein zum Überleben, zu Gross für Nebenerwerb sind. Wir sehen aber nur relativ geringen Zuwachs bei den Grossen. Im Saldo wurden also Existenzen vernichtet, vor allem in Wallis, Tessin und am Nordrand der Alpen.
Vor hundert Jahren waren 1-3 ha zu wenig zum Überleben, weshalb genau diese Grösse an Mitarbeiter grosser Höfe abgegeben wurde, da sie so bereits durch die natürlichen Bedingungen gezwungen waren, ihre Arbeitskraft den Grossen (oder der Industrie) günstig anzubieten. Bereits damals brauchte es für einen spannfähigen Hof (ein Hof, der sich Pferd und Wagen leisten kann) 7-8 ha mittleren Bodens mit ausreichend Wiesen. (s. Max Weber: Die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland ) Diese Hofgrösse hatte den Vorteil, dass sie durch die Familie bewirtschaftbar war, also unabhängig von den "Spiränzen" des (Arbeits-)Marktes betrieben werden konnte. Viel mehr als Selbstversorgung lieferte das allerdings auch damals nicht.
Weiteres zur Betriebsgrössse von Bauernhöfen: Die (optimale) Grösse von Landwirtschaftsbetrieben. Ein weltweiter Vergleich
Die Primärproduktion,
eigentliche Grundlage der Existenz, verliert gegenüber der Überflusswirtschaft
so weit an wirtschaftlicher Bedeutung, dass sie zu verschwinden droht.
Wachstum findet praktisch nur
noch im tertiären Bereich statt, bei den Dienstleistungen. Dienstleistungen sind
per Definitionem Luxus, den sich nur leisten kann, wer selbst keine Zeit, dafür
aber Geld hat, eben diesen Dienst zu leisten.
Ein genereller Wirtschaftskurs der Sparsamkeit, insbesondere bei Löhnen, wird gerade hier das möglich, in dem Bereich sogar meist qualitative, mit wenig Aufwand an Rohstoffen, Boden, Energie erzielbare, Wachstum vernichten.
Auch in Absoluten Zahlen ist
die Schweizerische Landwirtschaft unbedeutend, insbesondere gegenüber Frankreich
... Italien und Deutschland.
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| Dieser bereits sehr tiefe Anteil der Primärproduktion ist nicht bloss ein Nachteil, da die wirtschaftliche Entwicklung weg von primärer und industrieller Produktion zur Tertiarisierung, also - den totalen Dienstleistungen - schreitet. So betrachtet ist der tiefe Anteil der Wertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft am Schweizerischen BSP ein Vorteil - der aber nicht in der Richtung interpretiert werden darf, dass der letzte Rest eigentlich auch noch überflüssig sei, sondern im Gegenteil so, dass dieser letzte Rest wegen der Landschafts- und anderer nichtmonetärer Funktionen die er erfüllt, die aber nicht im BSP erfasst werden, zu erhalten ist. | |
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Der französische Landwirtschaftsökonom
Jean-Marc Boussard macht auf
weitere wirtschaftliche Effekte aufmerksam, die bei der Destrukturierung nicht
vergessen werden sollten. Während garantierte Landwirtschaftspreise zwar
leicht zur Produktion von Überschüssen führen, darf man nicht vergessen, dass
unplanbare und unkontrollierbare klimatische und biotische Ereignisse öfters zu
massiven Ernteausfällen führen. Können diese nicht durch eine gewissen
Überproduktion andernorts ausgeglichen werden, führen sie zu echter Knappheit
und damit zu massiv steigenden Preisen (s. Gemüsepreise 2003, Kaffeepreise
nach Frostschäden, etc). Es lassen sich also obere Grenzen bestimmen für die
Produktion - es wäre aber, ganz im Interesse der Konsumenten, äusserst
fahrlässig und teuer, durch einen wilden Abbau die Versorgungssicherheit über
eine gewisse Toleranz hinaus zu gefährden.
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| Mehr Maschinen heisst, mehr Geld wird, insbesondere über Zinsen, abgeführt an Kapitaleigner - weniger bleibt der Arbeitskraft. Aber das ist nicht das einzige Problem der Entwicklung. Mehr Traktoren heisst Mehrbelastung der Böden, schwerere Traktoren bedeuten raschere Zerstörung der Bodenstruktur - und mittelfristig ein Verlust der Produktivität. Dies dürfte insbesondere die USA hart treffen, aber mit ihr auch eine Welt, die inzwischen von den Exportüberschüssen der US- Landwirtschaft abhängig geworden ist. Auch aus der Perspektive ist eine übereilige Vernichtung der letzten Resten landwirtschaftlicher Strukturen, auch wenn zur Zeit mit höheren Ausgaben als Einnahmen belastet, aus Gründen mittel- bis langfristiger Versorgungssicherheit nicht zu empfehlen. (s. Selbstversorgungsgrad, unten) | |

2.1.1 Alternativen! - Nebenerwerb
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| Nebenerwerb wird also von der Hälfte der Bauern eh betrieben - aber meist in Branchen mit ähnlichen Problemen: Forstwirtschaft, Tourismus, einfache Dienstleistungen .... Der Bauer hat, wie die meisten von uns, keinerlei Zugang zur "Produktivität" von Pharma, Bankwesen oder Stromhandel. Wenn's ihm davon träumt, nachwachsende Energie zu produzieren, Wind- oder Solaranlagen aufzustellen, fällt er in die selbe Grube der fehlenden Grösse, die ihn bereits als Bauer verschluckt hat. In Deutschland kam es durch Subventionierung von Kleinenergieanlagen bereits zu derart absurden Verhältnissen, dass Weizen oft mehr bringt als Brennstoff denn als Futter- oder Nahrungsmittel. | |
2.2. Staatliche Unterstützung / Subventionen
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| Subventionen sind für die Marktfreunde das,
was das Weihwasser für den Teufel und dieser für den lieben Gott: der
marktwirtschaftliche Antichrist. Wie vorgehende Tabelle zeigt, manchmal zu
Recht). In absoluten Zahlen steht die Schweiz
zwar hinter Frankreich, Spanien, Deutschland etc. nicht mal so schlecht
da, in relativen jedoch kann man sie dumm aussehen lassen. Dies allerdings
vor allem dadurch, dass unterschiedlich genutzte
Unterstützungsmöglichkeiten nicht vollumfänglich aufgezeigt werden. Landwirtschaft und Ernährung kosten uns zur Zeit also rund 4 Milliarden. Bevor wir nun diese 2% der Bevölkerung in die Wüste schicken, sollte man sich fragen, ob man die Leistungen, die die Landwirtschaft nebenher erbringt, einfach weil es sie gibt, günstiger haben kann. Wenn wir 1 oder 2 Millionen ha Wald und Wiesland den Ökologen zur Bewirtschaftung von Biotopen übergeben, dürfte das teurer zu stehen kommen - wenn wir sie einfach "extensivieren", noch teurer. |
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2.3 Der Selbstversorgungsgrad - nicht bloss eine Frage der Sicherheit, sondern auch der pfleglichen Nutzung natürlicher Ressourcen
Selbstversorgung, insbesondere unter dem Titel Subsistenz, wird meist entweder als utopische Träumerei von Aussteigern beschrieben oder als Relikt aus kriegerischen Zeiten, die wir natürlich längst hinter uns hätten, wären da nicht die Terroristen ... Unter dieser Propaganda des freien Marktes geht aber ein wichtiger Aspekt verloren: Der primäre Wirtschaftssektor, zumal in der Schweiz, liefert nicht nur zu teure und zu wenig nachgefragte Rohstoffe, er bewirtschaftet 2/3 der Fläche der Schweiz, die Fläche, auf der sich nachhaltig und organisch Biomasse erzeugen lässt. Dort wo der freie Welthandel dieses Potential so weit unternutzt, dass mehr Kosten als Gewinn entstehen, ging eindeutig etwas schief. Als Mass dafür könnte man in einem ersten Schritt den Grad der Selbstversorgung heranziehen, oder umgekehrt, den Anteil an nachwachsenden Rohstoffen, speziell Nahrungsmitteln, der pro Land importiert wird.

Vergleichen wir Produktionskapazität und Verbrauch in der Schweiz, so sehen wir, dass die Schweiz sich mit Milch, Milchprodukten (Butter, Käse) und Fleisch selbst versorgen könnte - dank der ausgedehnten Weideflächen. Und dieses gilt es weiter zu nutzen. Eine ganzheitlich denkenden Landwirtschaftspolitik müsste also dort helfen, wo nachhaltige Nutzung bedroht ist, und dort den Markt wirken lassen, wo industrielle landwirtschaftliche Produktion, ev. gar mit importiertem Futter, am Werk ist. Tönt logisch - verläuft aber vermutlich quer zu dem, was DER MARKT entscheiden würde, da die industrielle Tierproduktion vermutlich "billiger" ist.
Im Durchschnitt beträgt der Selbstversorgungsgrad 61%. 39% werden also bereits importiert.
Kein Land Europas importiert im gleichen Masse Landwirtschaftsgüter, wie die Schweiz.
Ähnliche Probleme haben natürlich auch die andern Länder. So ist etwa die Selbstversorgung beim Getreide fast bei allen europäischen Ländern gegeben, vermutlich sehr zum Ärger der USA. Frankreich erreicht sogar eine Überproduktion, womit es, dank Subventionierung, allerdings auf dem Weltmarkt einige Probleme verursacht. Ich denke, Subventionierung im Rahmen einer gemässigten nationalen merkantilistischen Politik ist zulässig, aber nicht, wenn sie Auswirkungen auf den Weltmarkt hat und dort die Preise unter die reellen Kosten drückt. Ein Land muss das Recht behalten, sensible Bereiche schützen zu können - das grosse liberale Vorbild USA tut das genau so - darf aber natürlich nicht unter dem Vorwand des Schutzes eigener vitaler Strukturen den Weltmarkt über Dumpingpreise ruinieren.
Auch Kartoffeln produzieren die meisten Länder selbst in ausreichendem Masse.
Ein ernstes Problem haben wir beim Zucker. Wie die Entwicklung der Zuckerversorgung der Schweiz (s. Graphik oben) zeigt, entwickelte sich die Produktion stark zwischen 1960 und 80, dank zunehmender Subventionierung. Hier haben wir nun aber viele Länder, die Zucker viel günstiger und auch natürlicher produzieren können, und noch weniger Alternativen haben als wir, nämlich Tropenländer der Dritten Welt, mit Rohrzucker. Ein gewisser Anbau scheint aus Gründen des Fruchtwechsels notwendig. Darauf wäre die eigene Zuckerproduktion zu beschränken.
Gemüse ... sollte man frisch essen, also vom lokalen Markt oder vom lokalen Bauern, nicht aus dem Fernhandel. Punktum.
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Eine enorme Chance böte hier das Konzept für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln: |
Wein gibt's wie Milch zuviel ... Ein träfes Argument gegen die Al Qaida.
Eier und Hühner ... könnten ausreichend auf den vorhandenen Höfen unter huhngerechten Bedingungen produziert werden.
Fleisch und Milch: Die drei grossen Überproduzenten Irrland, Dänemark und Holland können sich mit fast eben so viel Recht wie die Schweizer Bauern darauf berufen, dass es sich um die Nutzung natürlicher Ressourcen handelt. Zudem sind dort die Ressourcen flacher, also günstiger zu nutzen als in der Schweiz. That's the problem. Ein Teil davon wird sich lösen, da Irrland sich gegenwärtig rasch zum Dienstleistungsbereich entwickelt, was zu einem Abzug von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft führen wird, der anderswo bereits vor 150 bis 200 Jahren stattgefunden hat. Irrland ist eher ein temporäres Problem. In Sachen Holland und Dänemark müsste der Konsument besser in der Lage sein, zwischen industrieller Produktion in Ställen und der Nutzung natürlicher Ressourcen unter kuhgerechter Haltung unterscheiden zu können. Das dürfte auch hier einen beträchtlichen Teil der Überproduktion eindämmen.

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Wer kriegt den Schwarzen Peter nach dem Bauernopfer? Die Bauern sind nur mit eines der ersten "Bauernopfer". Tante-Emma-Läden, Detailhandel, Bäckereien, Metzgereien, kaufmännisches Gewerbe, Lokalzeitungen, kleine Baugeschäfte, Sägereien, Möbelkleinhandel, Haushaltsgeräte, Verkäufer, Händler, Büropersonal sind zum Teil bereits vorausgegangen, werden zum andern Teil noch folgen. Wurden die Kleinen bis anhin verdrängt durch Super-, Mega-, Giga-Märkte, sind nun die Category-Killers auf dem Weg über den Ozean. Ohne Korrektur führt der Weg, wie oft und von vielen beschrieben, über die 3/4, zur 2/3 und 1/5 Gesellschaft, in der wenige sich als Herren fühlen können, den meisten aber nur noch die Unterwerfung unter Sach- und Betriebszwänge bleibt. So richtig die weit verbreiten Meinungen über Kosteneinsparungen, Effizienz und Produktivität in betriebswirtschaftlicher Hinsicht sind, ebenso führen sie zu gänzlich unerwünschten Strukturen, nämlich zu einer totalen sektoriellen Durchorganisation und Beherrschung des Marktes durch Grossfirmen, also damit durch das Kapital. Volkswirtschaft lässt sich aber nicht durch Betriebswirtschaft ersetzen. Die verträumte Idylle der Physiokratie hat sich längst selbst erledigt. Die nationalistische Wirtschaftform des Merkantilismus war Gesamtwirtschaftlich eher hinderlich und wurde, zu Recht, abgeschafft. Aber - beide hatten einen wahren Kern. Der der Physiokratie heisst: Non olet - aber schmecken tut's auch nicht. Der des Merkantilismus heisst: Globale Gewinne + lokaler Hunger, Degradierung, Deklassierung der Mehrheit = Revolution. Durch die Forcierung einer generellen Globalisierung gingen der Wirtschaft Augenmass und Massstab verloren. Was ein wettbewerbsfähiger Betrieb ist, wird nun durch Grösse bestimmt, wie sie im gigantischen, fast monokulturellen und fast einsprachigen Wirtschaftsraum der USA und Kanadas möglich sind ... und demnächst vielleicht sogar von China. Eine an Welthandel angepasste Grösse und Macht von Firmen führt zu betriebswirtschaftlich diktatorischer Deklassierung finanziell weniger produktiver Branchen und Menschen. Erträglich sind die sich so ergebenden Strukturen nicht, denn sie gehen über die 2/3-Gesellschaft nach und nach über in die 3/4, 4/5, 5/6 etc. Gesellschaft.
Das Hinterlistige daran ist, dass es eben zwischen dem obern Drittel, Viertel oder Fünftel und der unteren Mehrheit keine Grenze gibt. Wo wollen Sie die "bösen" Kapitalisten orten? Dort wo 50% alles Vermögen besitzen? Dort wo 10% 70% des Vermögens besitzen? Dort wo 3% die Hälfte des gesamten Vermögens besitzen? Dort wo der Chef mehr als das Zwanzigfache des Mitarbeiters verdient, oder das Dreissigfache? Damit wurde die für die Revolution nach marxschem Modell notwendige Klassendifferenz abgeschafft und durch ein gesellschaftsumfassendes System von "beneiden und beneidet werden", "treten und getreten werden" ersetzt. Hier ist fast jede Klassenbildung relativ künstlich, also leicht zu durchschauen und rhetorisch zu erledigen, also untauglich. Sie können übrigens in der Graphik rechts Vermögen auch durch Lohn ersetzen, durch Aktieninhaber, Bodenbesitz, Hausbesitz, Bildungsqualifikation, jede Pareto-Verteilung ... Sie haben immer diese stetige, zwar schiefe, aber nie disjunkte Kurve, also keine Trennung in Klassen. Dass soll nun nicht heissen, dass es keine Klassen gibt. Die Trennung zwischen städtischer Oberschicht und Land ist scharf, auch im selbsternannten Vaterland der Demokratie, den USA. Der Zugang zur Oberschicht erfolgt oft über Eliteschulen (ENA, Cambridge-Oxford, Yale-MIT-Harvard-Stanford ...) und exklusive elitäre Gesellschaften wie Skull&Bones, Kiwanis, Servicegesellschaften, Yachtclubs ... aber auch dort sind die Interessen der Mitglieder ähnlich verteilt wie das Geld, von denen etwa denen es wirklich um Sport, Soziales, Politik oder was immer der offizielle Inhalt ist, geht, und denen, die bloss den Einstieg in eine gehobene Gesellschaft suchen. Im Kapitalismus DIE führenden Köpfe zu isolieren ist drum genau so unmöglich, wie die Enthauptung der Al Qaida. Drum waren Anarchisten genau wie die RAF zum scheitern verurteilt, weil sie das Böse personalisierten, dachten, es wegbomben zu können. Dies obwohl sie's besser wussten. Es hiess immer: Das System ist das Problem. Das System bedeutet aber eben nicht ein paar Wirtschaftsführer oder Politiker, DAS SYSTEM funktioniert über das alltägliche, als normal empfundene Verhalten einer Mehrheit. Im Falle des Kapitalismus also die Einordnung in die gegebene schiefe Verteilung, streben nach oben, treten nach unten. Das System sind wir alle. Durch die Einführung der Pensionskasse wurden wir zudem noch alle zu kleinen Kapitalisten gemacht. Gehen die Zinsen runter, wird geschrieen: Rentenbetrug. Dass wir diese Zinsen selbst bezahlen über Mieten, tiefere Löhne, teurere Güter, geht vergessen. Marx und Lenin lagen also falsch mit der Arbeiterklasse, denn die gab es vermutlich nie und gibt es nicht. Vermutlich wurde auch die internationale Solidarität übertrieben, in Anbetracht der Tatsache, dass Solidarität ja bereits national fehlt. Die meisten Menschen orientieren sich an ihrer Umgebung: Wer steht über mir: Dort will ich hin. Wer steht unter mir: Hier bin ich Chef. Restrukturierung schichtet die Arbeitnehmer immer wieder um, auch das Kapital, das dabei aber erhalten bleibt. Auf der Arbeitnehmerseite wird dadurch das verhindert, was das Kapital auszeichnet: Akkumulation und Klassenbildung die quer zur Berufsbildung eine Klasse der Nichtshabenden und ihre Interessen zusammenfasst. Natürlich kann nicht jeder serbelnde Bereich mit Subventionen erhalten werden. Einerseits. Andererseits ist es aber eine völlig absurde Illusion, alleine von weltmarktgerechten Preisen als Resultat auch lokal funktionierende und zumindest erträgliche (die Suche nach dem Glück scheint zur Zeit eh abgesagt) Strukturen zu erwarten. (s. Funktionspolitik) Antwort: Wir alle, eine(r) nach de(r)m andern. Die Bauern stehen bloss zur Zeit am untersten Ende der wirtschaftlichen Nahrungskette - aber das Fressen geht weiter.
Das prosaische Ableben eines Bauern: aufi gstiegn, oba
gfall'n, hin gwös'n
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Neueste Entwicklung:
Die bis anhin stark verschmähten Aufforstungen boomen in China, das alleine im Südwesten Flächen von der Grösse der Schweiz aufforstet, d.h. das Dreifache des Schweizer Waldes. Auch in Australien, Neuseeland und insbesondere Tasmanien boomen Energieplantagen, und zwar so, dass sich einzelne Gemeinden bereits gegen solche Aufforstungen wehren. Man muss allerdings hier berücksichtigen, dass Pflanz-, Pflege- und Ernteverfahren sich der gröbsten und rücksichtslosesten Mittel bedienen, Erntereste mit Napalm zerbombt werden, Pflanzlöcher gesprengt und Unkraut chemisch vernichtet - was oft zur Vergiftung von Grundwasser geführt hat.) Bei unsern Antipoden werden Landwirtschaft und Weide nicht durch Wald verdrängt, weil sie nicht mehr rentieren, brach gelassen werden und verwalden, sondern weil die Holzproduktion besser rentiert als die Landwirtschaft! Die wachsenden Widerstände in den betroffenen Gemeinden, sogar gegen private Pflanzer (was in einem Kernland des Liberalismus äusserst erstaunlich ist), zeigen, dass die Tiefstpreisphase beim Holz vorbei sein dürfte, denn diese Preise waren nur möglich durch Plünderung von Wald und Umwelt. Zur Zeit steht also auch in der Schweiz wieder massiv Geld im Wald.
Martin Herzog, Basel, 23. Juli 2005
Die Lösung des Geheimrat Thiel, die Max Weber und der Deutsche Socialverein vor 100 Jahren noch empfahlen ... womit sie allerdings gescheitert sind:
Wenn wir finden, dass wir einen gesunden Bauernstand nur behalten können, wenn wir auf die höchstmögliche Produktion verzichten, so würde ich wegen der grossen Bedeutung des Bauernstandes für unser ganzes Volkstum mehr Wert darauf legen, dass wir einen tüchtigen Bauernstand haben, als dass pro Morgen ein Scheffel mehr gewonnen wird. Das ist ganz im Sinne von Friedrich List gesprochen: "Man ist," bemerkt er, - "unter der Anleitung der Schule der Tauschwertstheorie imstande zu unterscheiden, welche Art des Gutsbesitzes, der grosse, mittlere oder kleine oder die Zwergwirtschaft den meisten Brutto- oder Reinertrag gewähre. Damit ist aber noch gar nicht gesagt, welche Art des Besitztums den tüchtigsten und ehrenhaftesten Bürger, den besten und dauerhaftesten Staat und die mächtigste und angesehenste Nation produciere. [S. 90]
Max Weber: Die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland. 1892
Die ideale Kuh für Zuhause, ohne Milchverwertungszwang oder Kuhpflutter: