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Von Acker- und Waldbauern zu Stadt-, Export und Kapitalwirtschaft: Resultate der Agrarplattform: Kein Gewinn mit Fleisch und Kartoffeln und auch Käse dient eher als Frequenzbringer Warum Bauern sooo billig produzieren, dass sie ihre eigene Existenz gefährden. Religion und Städte – die treibenden Wirtschaftsfaktoren des Mittelalters. Was ist Wohlstand, wer bestimmt darüber, wer verfügt darüber? |
| Agrar-Subventionen: Die Enthüllungen die
Andreas Flütsch als neueste Resultate der Agrarplattform am 20. Januar 2007
im Tagesanzeiger [S. 25], und die so auch prompt von den Nachrichten
übernommen wurden, sind agrarpolitischer Analphabetismus.
Sie sehen das an der Tabelle unten: a) sind betragen die lamentierten Subventionen, die nicht direkt an Bauern gehen, gerade mal 15% des gesamten Beitrages. Diese können als Überbleibsel der alten Maximalproduktionspolitik verstanden werden, als man versuchte, die Bauern was verwertbares produzieren zu lassen, und diese Produkte einer möglichst optimalen Nutzung durchzuführen. Wie aus der Agrarplattform, deren Funktion eigentlich war
landwirtschaftliche Probleme zu lösen, eine Organisation wurde, die den
Bauern Probleme verursacht, können Sie im Detail nachlesen unter: Roland Wyss-Aerni:
Die Agrarplattform bringt
viel Wirbel und wenig Nutzen.
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| Dafür, dass die Konsumenten
Kartoffeln erst essen wenn sie zerschnipselt, gesalzen und in heissem Oel
gebadet - und infolgedessen zwar schmackhaft aber äusserst ungesund sind,
kann der Bauer ja nix. Dafür dass Joghurt offenbar Gesundheit, Jugend und
Schönheit garantieren soll, und nicht einfach Joghurt sein kann, eben so
wenig. Sie können mit dem Preis den sie für ihre Güter erhalten aber für
diesen Marktschabernack nicht auch noch bezahlen, also übernimmt der Staat
einen Teil dieser PR-Kosten. Diese Marktunterstützung kostet 600 Millionen,
was 15% der gesamten Agrarkosten ausmacht.
Hier kommen wir gleich zum zweiten Punkt. Subventionen = Bundesverwaltung, Forschung? Ja mei, dann läuft das seco, das Justizdepartement etc. unter Subventionen für die Wirtschaft? Landwirtschaftliche Forschung unter Subventionen? Ja mei, also wenn die Ausgaben für landwirtschaftliche Forschung gescheiter den Bauern direkt zukommen, dann sollte vielleicht Novartis die Löhne um 30% erhöhen und die Forschung einstellen? Der Artikel ist ein Witz, der Report der Agrarplattform, falls diese wirklich so was ausgetüfltelt hat (auch zu Lasten der Steuerzahler?) auch. Und dass SF idée suisse diese Furzidee so unkritisch auch noch gleich verbreitet, zeigt deutlich, auf welchem Niveau die politische Diskussion in der Schweiz heute angekommen ist: Auf dem Niveau auf dem der Bauer bald den Mist zettelt, nämlich am Boden. |
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Am Montag, 22.1.07, geht's im präzise selben Ton weiter: Landwirte paktieren mit der Industrie. Ja mei, wenn sich ein anderer Wirtschaftsbetrieb ähnlich organisiert, nennt man das supply-chain-management, und es wird sofort von der Börse honoriert. Bei den Bauern natürlich nicht, denn die sollen gefälligst ihren Job als Hobby tun und den armen Angestellten und Städtern die Nahrungsmittel möglichst billig zur Verfügung stellen, damit diesen noch was bleibt, womit sie an der Börse spekulieren können. Weder der Tagesanzeiger noch die SP sind in dem Bereich neutral, objektiv, gerecht, sachlich. Sie vertreten einseitig die Interessen ihrer Clientel. Präzise hier liegt der Grund, weshalb die Bauern, obwohl sie zu den ärmsten gehören, nicht bei der SP sondern bei der SVP ihr Glück versuchen (womit sie allerdings meist genau so besch... dastehen.) Natürlich zieht es da die Konsumenten immer öfter ins Ausland ... aber warum können sie dort günstiger einkaufen? In Deutschland, weil die ihre Agrarprodukte vor allem aus Österreich und (andern) Ostländern beziehen, wo die Bauern für noch weniger Geld arbeiten als unsere (s. Landwirtschaft Oesterreich). In Frankreich, weil dort die Regierung seit Louis XIV weiss, ein satter Bürger ist ein zufriedener Bürger. Hat er am Sonntag sein Huhn im Topf, kann die Regierung sonst wursteln was sie will. Und wer will es da den grenznahen Schweizern verbieten, an diesen kulinarischen Reichtümern, die zu äusserst günstigen Preisen zu haben sind (Entrecôtes für 13 Euro das Kilo z.B.), etwas mit zu naschen? Beide "Lösungen" sind aber ganz offensichtlich eben auch keine. |
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Am Samstag 27.1.06 geht's noch weiter. Nun beweisen die Schweizer Ökonomen ihre Exzellenz im Denken [Marcel Speiser: Schüler statt Bauern unterstützen. Tagesanzeiger 27.1.06. S. 23]:
Weder die Kosten für 40'000 Arbeitslose noch die Kosten für Um- und Rückbau sowie auf biotoppflegerische ökologische Flächenbewirtschaftung werden auch nur am Rande erwähnt ... Warum? Ganz einfach, weil sie mit einiger Sicherheit deutlich höher sein werden, als 4 gesparten Milliarden. Wenn Sie die Arbeit von 40'-60'000 Bauern die für ein Butterbrot arbeiten durch hochqualifizierte Biotopfleger ausführen lassen, geht's vielleicht schneller, aber sicher teurer. Zudem wird dann bloss noch "zu Entsorgendes" produziert statt verwertbarer Lebensmittel. Eine besondere Frechheit ist der Ansatz gegenüber den am meisten benachteiligten Bergbauern, die auch durch Zusammenschlüsse nicht viel produktiver arbeiten können. Es handelt sich um eine Denkweise, nach der Geld aus Geld gemacht wird, ausser Geld uns seinen Verwaltern, in den Städten, also eigentlich fast alles überflüssig ist. (s. global cities). Was denken Sie, wie viele dieser Bauern bei einer Bank eine Anstellung fänden? Bitterer Scherz beiseite, Bauern, Land-Bauern und Wald-Bauern bewirtschaften 2/3 der Fläche der Schweiz - und können kaum davon leben. Stimmt da was mit der Land- und Forstwirtschaft nicht ... oder mit dem Wirtschaftssystem? Antwort s. avenir suisse: Der befreite Bauer Mit Vollgas zurück ins 19 JH ... oder besser gleich ins feudalistische Mittelalter.
Dass es hier nicht bloss um das Schicksal von ein paar Bauern geht, sondern um ein grassierende Fehlkonzeption der gesamten Wirtschaft, wird erklärt in: Mit dem Bauern-Opfer - verschwindet die Urform einer selbständigen, eigenständigen, eigenverantwortlichen Produktions- und Lebensstils. Der neoliberale Uebergang von der freien Marktwirtschaft zur Machtwirtschaft, konzentriert Einkommen und Vermögen in immer weniger Händen, schliesst immer mehr Menschen von der Beteiligung aus, da sich das Kapital in Netzwerken organsiert, die primär der Dominanz einerseits, dem Ausschluss andererseits dienen. Die Knotenpunkte der Netzwerke werden zu hochbezahlten Pfründen - wer aber durch diese selektiven Netze fällt, zum Sozial-Fall. Das hat System. Das System nennt sich Selektion durch Bildung, wird aber getarnt durch ein Wort dass über breite Akzeptanz verfügt, nämlich Meritokratie, Lohn nach Leistung, obwohl gerade die höchsten Löhne längst belegen, dass das so nie funktioniert hat. p.s: Der Tagesanzeiger sollte ein etwas stärker gerippeltes Papier verwenden, damit man gleich weiss, dass er aufs Klo gehört. Wie schnell aus einem unterbezahlten, überflüssigen Produkt Hunger, Volksaufstände und noch mehr Kosten entstehen, zeigt sich zur Zeit ja grad exemplarisch beim Mais. |
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Bestandteile:
Neuer Beitrag, 24. Juli 2005:
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Seit längerem dauern die Streitereien zwischen Bauern und Grossverteilern. Bauern warfen diesen vor, auf ihre Kosten zu profitieren, günstig Rohstoffe einzukaufen, teuer zu verkaufen. Die Migros hat sich dem Vorwurf gestellt und über den Prozess der Agrarplattform, an dem Konkurrenten (Repräsentanten der gesamten Ernährungswirtschaft), kompetitive Wertschöpfungsstufen, Konsumenten und Regulierungsbehörden beteiligt sind, Transparenz geschaffen:
Mit Ausnahme der Projektleitung wurden keine externen Experten in den Prozess involviert. Wir alle waren rund 10 Monate an der Arbeit. Mehr als 100 Unternehmen und Organisationen engagierten sich direkt und indirekt in den Projekten. Ihre Mitarbeiter- innen und Mitarbeiter haben sich in 15 Arbeitsgruppen integriert und rund 100 operative Funktionen erfüllt. Dokumentiert sind 55 Arbeitssitzungen, vorsichtige Schätzungen sprechen aber von der doppelten Zahl. Bei einer Hochrechnung kommt man auf die realistische Zahl von 11’500 geleisteten Einsatzstunden. Hauptsächlich verantwortlich für diesen exorbitanten Aufwand war die hohe Zahl der aktiv Beteiligten, das mehrstufige Konsensverfahren und der Anpassungsbedarf der pro Wertschöpfungsstufe unterschiedlichen Datenparameter an das Vollkostenmodell der “Agrarplattform”.
Das Resultat liegt nun vor und zeigt: Die Bauern werden nicht von Zwischenhändlern, Transporteuren und Grosshandel über den Tisch gezogen - sondern die Preise für Nahrungsmittel decken auf allen Stufen kaum die Kosten.
Die Preise sind nicht nur für die Bauern ungenügend, die als selbständig Erwerbende mit beträchtlichem Risiko bloss Löhne von 5 bis 14 Fr. pro Stunde erzielen (Ausnahme: Grossbetriebe der Talregionen), die sie eindeutig als working poor ausweisen.
Im selben Schlamassel stecken aber auch ehemals wohlhabende Mittelständler wie die Metzger. Die Inhaber von vorläufig weiter bestehenden Familienbetrieben bescheiden sich gleichermassen mit Einkommen, welche verglichen mit denjenigen von Lohnnehmern in anderen Wirtschaftszweigen als ungenügend bezeichnet werden müssen. Für viele Betriebe ist eine Weiterexistenz nicht gegeben und die entsprechenden Schliessungen werden in gleich bleibender hoher Kadenz schon seit etwa 1970 beobachtet. Innert der letzten 10 Jahre sind ganze 26% der gewerblichen Metzgereibetriebe verschwunden.
Eine exzellente Analyse deckte viele wichtige Gründe auf, warum trotz vergleichsweise hoher Kosten von Fleisch auf dem Schweizer Markt, verglichen mit den Nachbarländern, keinerlei Abzockerei vorliegt: Das vergleichsweise hohe Preisniveau für Frischfleisch in der Schweiz ist teilweise auch im hohen Qualitätsstandard begründet. Angebot und Zuschnitt richten sich auf hohe Kundenansprüche und die hierzulande viel beachteten Ernährungsempfehlungen aus. Die Wertigkeit von Wurstereiprodukten oder anderen verwertenden Erzeugnissen ist dadurch tief. Deren Verkaufspreise sind deshalb im Vergleich zum übrigen deutschsprachigen Raum sehr niedrig, die Deckungsbeiträge an die Frischfleisch-Kalkulation entsprechend gering und die Fleischpreise um so höher.
FLEISCH
Mit Frischfleisch lässt sich heute kaum mehr Gewinn erzielen !
MILCH
Milchprodukte dienen vor allem als Freqenzbringer
KARTOFFELN
Als Grundnahrungsmittel wird die Kartoffel im Detailhandel bewusst knapp kalkuliert.
Heute verdient NIEMAND an der Kartoffel !
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich mit Wettbewerb alleine noch keine optimale, freie und gedeihliche Marktwirtschaft begründen lässt, welche die Versorgung der Gesellschaft mit allen wichtigen Gütern und Leistungen garantiert. Das Hauptproblem der Euphorie bezüglich der wohltuenden Wirkungen eines globalen Wettbewerbs liegt vor allem bei den Löhnen, also beim Gut des "Sich-Leisten-Könnens".
Auszüge aus der Pressemappe Agrarplattform, verteilt am 28.4.03, inkl. einige kurze Kommentare des Webbetreibers, Martin Herzog, 8.5.03.
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Ergänzungen vom 13. August 2004, basierend auf Marlène Schnieper: Keine Chance gegen Tomaten aus Polen. [Tagesanzeiger, S. 26.]
Die WTO hat beschlossen, die Agrarmärkte zu öffnen. Linke wie Entwicklungsexperten begrüssen dies normalerweise, allerdings muss man auch als solcher die Befürchtungen der Bauern teilen, wenn man sich ansieht, was "Öffnung" bedeutet:
Erstens gehören Bauern schon so zu den am schlechtesten verdienenden und am härtesten arbeitenden working poor der Schweiz. (s. Lohnsystem Schweiz).
Zweitens garantiert das Importsystem der Schweiz, dass jede Nachfrage gedeckt wird. Durch Kontingente und Zölle schützt es bloss die eigenen Produzenten, die mit internationalen Preisen nicht mithalten können. Marlène Schnieper liefert dazu ein paar eindrückliche Beispiele:
Erdbeeren kosten im Migros Genf 11.60 pro Kilo, das dem Produzenten 6.40 bringt. Eingeführte Erdbeeren kosten den Importeur 3.90 das Kilo. Von 18'000 Tonnen Erdbeeren die in der Schweiz pro Jahr konsumiert werden stammen, trotz Kontingent, lediglich 5000 Tonnen aus heimischer Produktion, da vor und nach der Saison nur 3 Rappen pro Kilo an Zollgebühr anfallen, während der Saison, für Mengen die das erlaubte Kontingent überschreiten wären es allerdings 4.50. Für Trauben, Pfirsiche, Südfrüchte und exotische Früchte gibt es keine Einfuhrbeschränkungen.
Für Sellerie beträgt der Schutzzoll 3.50, für Tomaten 1.50.
Schweizer Produzenten erhalten für ein Kilo Karotten 0.50 Fr., bei einem Verkaufspreis von 1.80. Europäische Kollegen können Karrotten für bloss 0.20 anbieten.
Ein Westschweizer Bauer erhält für ein Kilo Tomaten, das die Migros Genf für 2.30 anbietet, 1 Franken. Polnische Tomaten werden für 0.40 angeboten. Sogar wenn hier der volle Zoll von 1.50 darauf geschlagen wird, also über 300%, liegt der Preis immer noch tiefer als der für Schweizer Tomaten.
Während der Zoll von 1550% auf Rindsleber eh ein Witz ist, da sich niemand für Rindsleber interessiert, beträgt der Zoll für Filet im Kontingent 1.50. Ohne Kontingente und Zollschutz würde dieser Markt völlig zusammenbrechen, da Brasilien Filetstücke für 20.- pro Kilo liefert! Wer nun denkt, toll, sollte man den Konsumenten doch gönnen, vergisst zwei Dinge:
Für ein Kilo Butter braucht es 20 Liter Milch zum Produzentenpreis von 0.70 Fr. Das Kilo sollte also mindestens 10.-Fr einbringen ... Neuseeland verkauft aber das Kilo Butter für 2.- Allerdings handelt es sich dabei offenbar um eine Quersubvention. Allerdings könnten wir vermutlich auch ohne diese Quersubvention nicht konkurrieren, da Neuseeland ein recht grosses, aber sehr dünn besiedeltes, Land ist. Derart grosse Bauernhöfe und eine derart extensive Viehwirtschaft lässt sich hier schlichtweg nicht betreiben.
Da bei uns zwar nicht die Kühe heilig sind, dafür aber die Marktwirtschaft, traut sich natürlich keiner zu sagen, dass da mit dem Markt irgend was nicht stimmt, und man trampelt auf den Bauern rum, die gefälligst effizienter produzieren sollen. Das selbe in Grün was Holz und Waldwirtschaft [http://www.brainworker.ch/Wald/] betrifft. Wenn wir aber unsere Rohstoffe, die auf 69% unserer Landesfläche nachhaltig nachwachsen, günstiger aus dem Ausland beziehen, was geschieht dann mit diesen 7/10 der Schweiz? Geben wir dann das im Konsum gesparte Geld für Landschaftspflege aus? Noch deutlichere Zeichen, dass die Sache mit der Selbstregulierung des Marktes ziemlich grosse Haken hat, gibt es wohl kaum.