ARBEIT

  1. Die Leistung bestimmt den Lohn! ... Die Frage ist nur: Welche Leistung?
  2. Wer trägt die Schuld an der zunehmenden Ungleichheit - Globalisierung oder technischer Fortschritt?
  3. Unterschiedliche Auswirkungen von Produktionssteigerung und Rationalisierung bei verschiedenen Branchen.
  4. Frauen wirtschaften anders als Männer
  5. Der Lohn des Kapitals
  6. Working Poor: Im Schweisse Deines Angesichts sollst Du - Dein Brot beim Arbeitsamt holen.
  7. Warum verdienen die einen zu viel, die andern zu wenig? Gibt es den gerechten Lohn?

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Der Weg zur Selbständigkeit ist kein Spaziergang.

Selbständig statt Arbeitslos?

Ideen haben alle,
Erfolg aber nur,
wer sich mit Innovationen
eine einzigartige Marktposition erschafft.

Persönlichkeit und Eigeninitiative sind entscheiden für Betriebsgründung und Führung, die profitable Marktnische für den kommerziellen Erfolg. Dies zeigen neue Studien zur Förderung der Selbständigkeit.  

Selbständigkeit war nicht nur während des vergangenen Rezessionsjahrzehnts eine beliebte, oft vielleicht leichtfertig abgegebene Empfehlung an Stellensuchende wie begabte Tüftler. Auch heute werden Existenzgründungen gefördert von vielen staatlichen und privaten Organisationen. Die Zürcher Fachhochschule (ZFH) schreibt noch im Mai 2000: «Immer mehr Junge werden freiwillig, Ältere durch Prozesse in den Unternehmen zu Selbständigen.»1 Die Zahlen des Bundesamts für Statistik (s. Graphik) zeigen allerdings ein etwas anderes Bild. Bereits seit 1997 stagniert die Anzahl der Selbständigen. Irene Meier  bemerkte bereits damals, dass deren Beitrag zum Bruttosozialprodukt rückläufig ist.2 Die zum Vergleich eingefügten Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung (SAKE)  zeigen die selbe Tendenz. Sie liegen etwa 4% höher, was darauf zurückzuführen ist, dass hier auch einige Tätigkeiten erfasst werden, welche die AHV nicht als selbständige wertet.

Die zunehmende Dynamik in der Wirtschaft fördert Arbeitszeitflexibilisierung und auch weitergreifende neue Arbeitsmodelle wie  etwa den Portfolio-Worker, den Lebensunternehmer, die Telearbeit, Desk Sharing und, mit 40% Wachstumsrate die am raschesten wachsende Branche, die Call-Centers. Vorteile für die Ausführenden sind mehr Zeitsouveränität, erhöhte Selbstverantwortung und  damit ein höherer Selbstwert. Vorteile auf Seiten der Unternehmen sind bei allen Modellen Produktivitätssteigerung und  effizientere Organisation. Von Angestellten wird mehr «Selbständigkeit” verlangt, indem immer mehr von direkter Kontrolle zu Leistungsbeurteilung übergegangen wird. Durch Outsourcing nur scheinbar selbständig gemachte ehemalige Mitarbeiter tragen dazu noch einen grossen Teil des unternehmerischen Risikos. Hier besteht eine Tendenz zu prekärer Beschäftigung, die berufliche Vorsorge ist oft nicht mehr sichergestellt, die gesellschaftliche Anerkennung ist äusserst mässig und das Beziehungsnetz kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Interessant auch zu wissen, dass beim Umstieg in die Selbständigkeit die Lohneinbussen laut der neuesten seco-Studie durchschnittlich 9% betragen.v  3

Restrukturierung bedingt Innovationen

Restrukturierung bedeutet den Abbau von Überkapazitäten. Der gegenwärtige Boom in der Bauindustrie zeigt die Folgen einer übermässigen Konkurrenz: Arbeit gibt es offenbar genug, aber verdienen lässt sich damit oft nicht viel. Das hat auch zur Folge, dass Arbeitskräfte zunehmend nur noch bei Bedarf und auf Zeit eingestellt werden. Die «alte», die «traditionelle Ökonomie” muss effizienter produzieren, d.h. mit weniger Kapital, Personal und Material auskommen. Die notwendigen Folgen sind: Weniger Betriebe, grössere Betriebe, bessere Organisation aller Prozesse von Produktion über Logistik bis hin zum Wissensmanagement.

Die Gründung von Bäckereien, kleinen Baugeschäften, Tante Emma-Läden, Bauernhöfen, lokalen und regionalen Kleinbanken und dergleichen läuft der Rationalisierung entgegen - und kann nur funktionieren, wenn attraktive und zumindest neuartige (modische, «trendige») Produkte angeboten werden. Denn nur neue Produkte und Dienstleistungen schaffen neue Chancen und neue Arbeitsplätze.

Die American Telephone and Telegraph Corporation (AT&T), schätzt, «dass 60% der Jobs, die in 10 Jahren den Arbeitsmarkt bilden, heute noch gar nicht existieren.». Betriebsgründer und ihre Berater stehen da immer vor der Frage: Kann das rentieren? Ist ein Betrieb mit dem Angebot konkurrenzfähig? Ist das Angebot wirklich günstiger oder besser als andere?

Jan Gurtner von der Outplacement and Training Partners AG (MOA-OTP) bestätigt diese Notwendigkeit: «Alle Neugründungen finden in Nischen statt». Bei der Betrachtung der von MOA zusammen mit dem KIGA-Aargau präsentierten und sehr informativen Dokumentation zu Neugründungen im Aargau 4, 5geht einem so durch den Kopf: «Wie soll denn davon jemand leben können?» Aber eben, wo dem Durchschnittsmenschen solche Gedanken kommen, sieht der Unternehmer - in besserer Kenntnis des Marktes - eine Chance. Er weiss (er muss es wissen!) was, wo und wie verkauft werden kann. In den 90ern waren die Nischen für neue, innovative Kleinst-Unternehmungen vor allem die Bereiche Dienstleistung und Informatik (IT, Software). Der Spitzenplatz wird zwar nach wie vor vom Gastgewerbe belegt, jedoch mit abnehmender Tendenz. Der Trend geht dahin, dass vor allem Wissensarbeiter, inklusive Aus- und Weiterbildung, zahlenmässig stark zulegen werden.

Wenn das alles bloss so einfach wäre! Denn die ach so notwendigen Neuheiten werden vom Markt nicht gerade mit Hurra begrüsst. Der «Ratgeber Selbständigkeit» (s. Lit. 7)  warnt: «Als Neuunternehmer müssen Sie sich bewusst sein: Kein Kunde wartet auf Sie. Noch schlimmer: Die meisten Kunden misstrauen neuen Produkten und neuen Anbietern und halten sich lieber an Bewährtes.» 7

Beratung und Selektion durch staatliche Förderungsprogramme.

 Die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit (wie jede neue Betriebsgründung) stellt immer ein Risiko dar. Laut seco-Bericht:

·         Von zwanzig neugegründeten Firmen in der Schweiz verschwinden dreizehn wieder durch Konkurs. Das sind 5000 Betriebe pro Jahr und damit 25'000 Arbeitsplätze.

·         70% der neue Selbständigen verdienen weniger als an der früheren Anstellung.

·         76% arbeiten mehr als 60 Stunden.

 Durch Beratung und Selektion kann dieses Risiko bedeutend gemildert werden. Immerhin haben im Aargau 88% der durch AMM (arbeitsmarktliche Massnahmen) gestützten Gründungen überlebt, gesamtschweizerisch sind es laut seco 64% der zwischen 1996 und 98 gegründeten Betriebe. Zwei Drittel derjenigen, die Aufgeben mussten, taten dies aus finanziellen Gründen.

Dass die GmbH-Mitarbeiter für die AHV als Angestellte gelten, wird wohl der Hauptgrund sein, dass diese Betriebsform immer immer häufiger gewählt wird. So besteht beim Scheitern doch eine minimale Absicherung, was ihnen gegönnt sei, denn etwa die Hälfte der GründerInnen riskiert auch ihre Pensionskasse, die als Startkapital eingelegt wird. MOA-OTP rät klar davon ab, die Pensionskasse aufs Spiel zu setzen. Tiefere Investitionen haben auch den Vorteil, dass rascher  gewinnbringend gearbeitet werden. Andererseits haben 55000 KMUs in der Schweiz das Problem, dass sie über eine völlig ungenügende Eigenkapitalquote von weniger als 20% verfügen. Dies kann leicht zu Liquiditätsengpässen und damit zum Scheitern führen.

Bei Projekten zur Selbständigkeit, die von Arbeitslosen vorgeschlagen werden, ist die Selektion enorm. Von Irene Meier wurde geschätzt, dass  sich weniger als drei Prozent der Erwerbslosen für Unternehmensgründungsprogramme qualifizieren. Die Idee, selbständig zu werden, kommt gemäss seco-Studie zu 91% von den Beteiligten selbst. Anregungen durch Familienmitglieder erhielten 36%, durch Freunde 27%, Kollegen 14% und Vorgesetzte 9%, vom RAV 13%. Mindestens die Hälfte der Teilnehmer hätte sich allerdings auch ohne staatliche Hilfe selbständig gemacht.

Wir stossen hier auf den entscheidenden Faktor bei einer Neugründung - die Persönlichkeit des Gründers: «Die Stärken und die Schwächen der GründerInnen machen ebenfalls Stärken und Schwächen ihres Unternehmens aus, so dass der Erfolg wesentlich von der Persönlichkeit der GründerInnen mitbestimmt wird», so Irene Meier. Verbinden wir diese Aussage mit derjenigen von Eveline Wälti, einer Teilnehmerin der MOA-Kurse - «Eigenmotivation ist das A und O» - so haben wir hier die kürzestmögliche Beschreibung der entscheidenden Bedingung für eine Neugründung.

 

Die Einflüsse von Geschlecht, Alter und Bildung

Äusserst interessant sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Gemäss seco bilden die Männer mit 81.5% die Mehrheit der Gründer. Die überwiegende Anzahl (56.9%) der begünstigten Personen ist verheiratet mit einem beruflich ebenfalls tätigen Partner.

Während der Anreiz für Männer meist eine wirtschaftliche Zwangssituation ist, so ist es bei Frauen der Reiz einer neuen Herausforderung. Gemäss Harabi und Meier sind die Gründungen von Frauen im allgemeinen bescheidener und damit auch weniger Kapitalintensiv.8 Obwohl sie einerseits nur halb so viele Arbeitsplätze schaffen wie die Männer, könnten sie wohl als Modell dienen für die weitere Ver­breitung der Selbständigkeit. Dies insbesondere im Hinblick auf eine  nachhaltiger Entwicklung, die eine Ökonomie auf bescheidenerem, subsistenznahem Niveau erfordert. Wir werden diesen Fragen in der nächsten AM-Agenda detaillierter nachgehen.

 Was das Alter betrifft, so werden Frauen eher in der Altersklasse 25-45 (bei Durchschnittsalter 41.3), Männer bei 40-55 (bei Durchschnittsalter 45.5) selbständig. In der Altersklasse der 40-55jährigen Männer und Frauen ist die Erfolgsquote am höchsten.

 Last not least war in den vergangenen Jahren der Faktor Bildung für alle AMM entscheidend. Nach vielen Ökonomen wird er dies auch weiterhin bleiben. Allerdings gibt es auch hier ein Optimum. Während bei den 58% der neuen Selbständigen, die das Ausbildungsniveau der Berufslehre haben, ein Nachdiplom oder ein höheres Berufsdiplom noch mehr zum Erfolg beitragen kann, scheitern die Inhaber der Maturität oder eines Hochschulabschlusses verhältnismässig mehr. Den stärkeren Einfluss als das effektiv vorhandene Wissen scheint so die Selbstsicherheit zu haben. Die Zahlen des seco zeigen, dass die Misserfolgsquote um 50% steigt, wenn das Gefühl von Bildungsbedarf vorhanden ist.

Wie steht es also mit der Selbständigkeit an der höchsten der Schweizer Schulen, der ETH? Der Anteil der Absolventen, die den Wunsch äusserten eine eigene Firma zu gründen, stieg von etwa 5% (1994/95) auf ein Maximum von 16% (1996) und fiel darauf auf ca. 10%. Da die Berufsziele häufig in Richtung Forschung, Management oder Entwicklung gehen (Produktion nur 4%), ist dies verständlich.  Zudem bieten Grossbetriebe interessante Forschungsprojekte an. Des weiteren lassen die Löhne der Absolventen, zumindest in den technischen Bereichen, kaum zu wünschen übrig. Es gibt so wenig Anlass, Risiken, hohen Aufwand und geringeres Einkommen der Selbständigen auf sich zu nehmen. Eine überdurchschnittliche Veranlagung zur Selbständigkeit zeigen Frauen an der ETH in Architektur, Maschinenbau, Chemieingenieurwesen und Pharmazie, die Männer ebenfalls in Architektur und Pharmazie - sowie die Forstingenieure. Bei letzteren handelt es sich allerdings wegen der enormen Restrukturierung in den letzten 20 Jahren eher um Outsourcing – und aufgrund der starken Abhängigkeit von Kanton und Gemeinden als Auftraggeber um eine Scheinselbständigkeit.

 

Der Faktor Zeit: In drei Monaten lässt sich kein Geschäft gründen.

 Die Sterblichkeitsquote der über AMM geförderten Unternehmen ist mit 15% bedeutend unterhalb der allgemein anerkannten von 50%. Die mittlere Dauer der Arbeitslosigkeit befindet sich unterhalb der Schwelle zur Langzeitarbeitslosigkeit. Diesbezüglich waren die Massnahmen effizient.

Was sich hier genau so wenig erfüllt hat wie bei den von Irene Meier beschriebenen Projekten «Marktplatz-Arbeitsplatz», sind die Erwartung von Innovationsschüben oder die Hoffnung auf eine starke Beschäftigungswirkung.

Eine kleine Mehrheit, nämlich 55.5%  beurteilen die Massnahmen als ungenügend, bei 69% derselben hatten diese Mängel Auswirkungen auf den Gang des Unternehmens.

Kritisiert werden heute also immer noch die selben Probleme wie für die Phase 1990-95 bei Irene Meier:

·         Fehlende wirtschaftliche Unterstützung in der Startphase.

·         Zu kurze Dauer der Taggelder

·         Unklarheit, wozu denn genau diese maximal 60 Tagegelder genutzt werden sollen.

Die durchschnittliche Vorbereitungszeit betrug immerhin ein Jahr. Irene Meier war hier sehr deutlich: «Die schweizerische Lösung ist international mit Abstand die knauserigste, andere OECD Länder zahlen mindestens doppelt so lang, einige bis zu einem Jahr.» Nützlich wären die besonderen Taggelder als Starthilfe für die Aufbauphase. Das hiesse aber, dass während der Planungsphase die Absicht selbständig zu werden dem RAV verschwiegen werden müsste. Derartige Empfehlungen wurden kürzlich in einigen Zeitungen verbreitet, unter anderem in der Handelszeitung. Die Zeit wäre günstig, diese Probleme zu lösen, bevor die nächste Rezession anrollt.

 Nichtsdestoweniger haben auch die AussteigerInnen, heute wie vor 5 Jahren, eine überwiegend positive Einstellung zur Selbständigkeit. Irene Meier fasste diese bereits 1997 so zusammen: «Die GründerInnen lieben das spannende Leben als Selbständige, die Herausforderungen und die Verantwortung, auch wenn sie zuviel arbeiten für wenig Geld, zeitweise überfordert sind und von Existenzängsten geplagt werden.»

Auch laut seco gilt im Jahr 2000 immer noch, dass auch ein abgebrochener Versuch zur Selbständigkeit sehr wertvoll sein kann: «Zu guter Letzt gilt es zu bemerken, dass 36% der Begünstigten, welche gescheitert und nicht mehr selbständig sind, jedoch wieder eine Arbeit gefunden haben, die Erfahrung als Selbständiger nicht missen möchten, weil sie für ihre jetzige Anstellung eine entscheidende Rolle gespielt hat.»

 Verwendete Literatur:

1.        Peter, D. Rosenecker, M.; Meierhöfer, W.: Neue Arbeitsformen in der kaufmännischen Berufswelt. Pressedokumentation. Kurzausgabe. (25. Mai 2000). Zürcher Fachhochschule, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Verwaltung. Studienbereich Wirtschaft und Verwaltung. Sch. Inst. für Betriebsökonomie SIB.

2.        Meier, I.: Erwerbslos? Selbständig! Chancen und Risiken von Unternehmensgründungen. Orell Füssli Management. Zürich 1997.

3.        seco: PrIma Information. Nationales seco-Programm für Praktika. Elmahdi Ahmed, Avila Alberto, Leutert Franz: Wirksamkeit der arbeitsmarktlichen Massnahmen zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit. seco. 12.3.2000.

4.        M.O.A: Pressedokumentation zum Informationsanlass vom 6. Juli 2000: «Von der Erwerbslosigkeit zur Unternehmerin, zum Unternehmer». OTP Outplacement & Training Partners AG. www.otp.ch

5.        Züttel, R: Erwerbslose werden Jungunternehmer. Erfolgsauswertung über Unterstützungsleistungen an selbständig gewordene Arbeitslose zwischen 1996 und 1998.  KIGA Aarau. 6.7.2000.

6.        Niggli, R: Von der Arbeitslosigkeit zur beruflichen Selbständigkeit. Eine Erfolgsauswertung der zwischen 1993 und 1995 selbständig gewordenen Arbeitslosen im Kanton Aargau. KIGA Aarau 1996.

7.        Winistörfer, N.: Ich mache mich selbständig.  Beobachter Ratgeber. Zürich 1999

8.        Harabi, Najib; Meyer, Rolf: Die neuen Selbständigen. Forschungsbericht. Fachhochschule Solothurn. Februar 2000.

 

Weitere Bücher zum Thema Selbständigkeit:

  • Brückner, M; Przyklenk, A: Alternative: Selbständigkeit. Ein Testbuch für Arbeitslose und Umsteiger. 1998 rororo sachbuch. ISBN: 3-499-60432-9. Rowohlt TB. 02/1998.

  • Hohmeister, Frank: Goretzki, Susanna: Verträge über freie Mitarbeit. ISBN: 3-8005-3053-8. Reihe:  Schriften des Betriebs-Beraters. Verlag Recht und Wirtschaft GmbH. 2. neubearb. Aufl. 04/2000 .

  • INTERHOGA: Leitfaden für Existenzgründer im Gastgewerbe. 7/2000. Loew, H. G. & Partner. Hrsg.: Deutscher Hotel- u. Gaststättenverband. ISBN: 3-933128-55-2. 6. überarb. Aufl. 07/1999.

  • Pfiffner, M.; Stadelmann, P.: Wissen wirksam machen. Wie Kopfarbeiter produktiv werden. ISBN 3-258-25828-9. 2. unver. Aufl. 1999. Paul Haupt. Bern.

  • Wikner & Scheid: Existenzgründung für junge Leute. Beck-Wirtschaftsberater. DTV TB Nr 50839. München 2000.

  • Worzalla, M.: Arbeitsverhältnis - Selbständigkeit, Scheinselbständigkeit. 6/2000. Reihe:  APP - Arbeitsrecht für Personal-Praktiker. ISBN: 3-472-02667-7. Luchterhand Verlag. 1996

M. Herzog, AM-Agenda, Herbst 2000


 

Ergänzungen Juni 2003 / Oktober/November 2004

 

WARNUNG: Nach 4 Jahren intensiven Engagements im Bereich des Webjournalismus (s. http://www.brainworker.ch/webdesign/ ) , heute meist Internetjournalismus genannt kann ich die hier vor 2.5 Jahren geäusserte Kritik an zu kurzfristigem Engagement nur bestätigen. Für Messen, wie z.B. Orbit, gelten Sie bis zu 5 Jahren als Jungunternehmen (auch wenn Sie bald 50 sind). Von Banken kriegen Sie keinerlei Kredit, bevor Ihre Firma sich nicht zwei bis drei Jahre am Markt bewährt und Gewinne erzielt hat. Von einer Bank erhalten Sie erst Kredit, wenn Sie eigentlich keinen mehr brauchen, weil Sie bereits bewiesen haben, dass Sie Geld selbständig vermehren können. Folglich werden 80% der Gesuche abgelehnt. Ebenso ist es eine Illusion zu glauben, dass die Kunden auf Ihr Angebot nur gewartet haben und Ihnen nachrennen. Irrtum. Neue Märkte müssen geschaffen werden, denn die alten sind durch übermässige Konkurrenz unrentabel geworden. Der Aufwand ist beträchtlich, die Unterstützung kaum Vorhanden, der Widerstand gegen Neuerungen gross. (s. Situation in der Waldwirtschaft).

Wer sich selbständig macht, muss zuerst den Graben der sunk costs überwinden. Die Aussage von Alexandra Stühff (Jonglieren mit der Selbständigkeit. CASH 25. Nov. 2004, S. 39,41) trifft den Zeit und Geldbedarf weitaus besser als die Vorstellungen  des RAV mit 60 Taggeldern:

 

Ideal ist ein Finanzielles Polster von dem sich ohne weiteres Einkommen zwei Jahre leben lässt!

 

2004 wird zum Rekordjahr der Selbständigkeit. Bereits bis Ende Oktober wurden 7.6% mehr Unternehmen eingetragen als in den ersten 10 Monaten des Vorjahres. Man rechnet mit 34'000 Neugründungen. Seit 2001 haben sich nicht mehr so viele selbständig gemacht.

Allerdings - nach 2 Jahren sind erfahrungsgemäss gerade noch 20% davon selbständig.

Was die sunk costs betrifft, so müssen Sie sich unbedingt überlegen, wie Sie im Falle der bei den meisten auftritt, dem Falle nämlich, dass Sie mehr Rechnungen zu bezahlen haben als Sie stellen können, aus- oder umsteigen. Bleiben Sie offen für einen Widereinstieg in eine Anstellung, denn Grosse haben Ihnen gegenüber den Vorteil der Economy of Scale. Auf dem Schlachtfeld Markt wird mit sehr ungleich langen Spiessen gefochten. Infos wie "In 15 Minuten, oder in Rekordzeit, zur Selbständigkeit" können Sie gleich vergessen. Sie müssen sich Ihren Platz erobern. Die Waffe heisst Geld. Je mehr Sie davon haben, desto schneller können Sie Ihr eigenes Reich errichten, je weniger sie davon haben, desto mehr Zeit und Geduld werden Sie aufwenden müssen. Achten Sie also darauf, dass Sie mit den sunk costs nicht gleich selbst untergehen (Pensionskasse!).

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Investitionen auch bei Abbruch des Versuchs verwerten können:

  1. also dass im besten Falle Ihr finanzieller und zeitlicher Aufwand durch Verkauf gedeckt wird,

  2. dass Sie Ihr Geschäft ev. auch teilzeit/Nebenwerwerb weiterführen können -

  3. oder, im schlimmsten Fall, dass Sie mindestens so viel verwertbare Erfahrungen sammeln, dass sie das Experiment als Ausbildungskosten abbuchen können.

Löhne hängen ab vom erzielbaren Mehrwert, vor allem auch, mit wie vielen Mitarbeitern und Konkurrenten Sie den Erlös teilen müssen. Ertragreich sind vor allem einige Branchen des tertiären Sektors, also der Dienstleistungen. Ohnehin geht die Primärproduktion so langsam aber sicher vor die Hunde (Waldwirtschaft s. Wirtschaftspolitik / Landwirtschaft). Mehr als willkommen wären Sie hier, wenn Sie eine gute Idee haben, was neue Produkte und Marktchancen betrifft. Ebenfalls eher auf dem Rückzug befindet sich die Sekundärproduktion, also die industrielle Fertigung:

 

Die dort freigestellten Arbeitskräfte fanden bis anhin grossenteils neue Chancen in der  Tertiärproduktion, dem Dienstleistungsbereich.

Einige traditionelle Branchen sind hier allerdings auch schon überbesetzt. Zu viele Betriebe bedeuten zu viel Konkurrenz. Wenn auf Grund der Konkurrenz keine ausreichenden Gewinne mehr erzielt werden können um den Betrieb regelmässig erneuern und so langfristig sichern zu können, bedeutet dies das Aus.

Viele die sich Selbständig machen, stehen vor dem Problem, dass sie dies möglichst ohne Kapital und ohne viel Personal tun wollen oder müssen. Mit relativ geringem Kapital landen Sie meist in Detailhandel, Gastgewerbe oder Beratung. Die Graphik rechts zeigt, dass im Detailhandel offenbar bereits eine Flurbereinigung stattfindet. Boomende Branchen sind Dienstleistungen für Unternehmen und Informatikdienste - wobei diese allerdings oft nur ausgelagerte Dienstleistungen sind (outsourcing).

Trotz eines Einbruchs in diesem Bereich herrscht immer noch hohe Konkurrenz - was allerdings hier noch lange kein Grund ist, nicht mitzuspielen, denn die Möglichkeiten des Internets sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Allerdings müssen hier entsprechende Märkte für spezielle Produkte und Dienstleistungen erst geschaffen werden.
 

Die untenstehendeTabelle zeigt Ihnen, von wie vielen Einwohnern Betriebe getragen werden. Diese Werte machen die enorme Konkurrenz bei Detailhandel, Gastgewerbe, Dienstleistungen für Unternehmen - aber sogar im Bereich Gesundheit und Soziales deutlich. Im Gesundheitsbereich, der meist auf der Suche nach Arbeitskräften ist, werden vermutlich Grenzen gesetzt werden müssen, da die Finanzierung über Krankenkassen offensichtlich nicht in der Form weiter gehen kann.

Der Quotient "Angestellte pro Betrieb" zeigt eine weitere Grenze, da Sie sich kaum vom Start weg Dutzende von Angestellten leisten können, es sei denn, Sie seien ein Team und verfügen über grosszügige finanzielle Unterstützung.

Bei den Extremen auf der andern Seite sind die Ursachen zur Zeit vermutlich jedem klar (Luftfahrt ... Swissair ... / Schiffahrt begrenzt). Das Kreditgewerbe ist, nach dem die New Economy zu viel heisse Luft verkauft hat, am Schrumpfen und eh kaum geeignet für Selbständigkeit, es sei denn, man habe eine Bank geerbt. Nebst grossem Kapital sind hier grosse Teams erforderlich, da viel Wissen aus unterschiedlichsten Wirtschaftsgebieten nötig ist.

Forschung und Entwicklung ist offenbar ein seltsamer Bereich. All die letzten 10 Jahre, die ganze Rezession hindurch, wurde F&E als treibender Motor der Innovation und der Zukunftsgestaltung über alle Masse gelobt. Nichtsdestoweniger scheint der Bereich ganz offensichtlich unterdotiert. Ein Problem mag sein, dass Forschung an Hochschulen meist mit Lehre verbunden ist. In der Schweiz kommen auf 18 Einwohner 1 Lehrkraft! Die gesamte Schweizer Bevölkerung liesse sich also bequem in Kleinklassen belehren. Allerdings kommen auf 16 Lehrer, die offenbar bereits wissen, nur 1 Forscher, der sucht.

 

Wenn Sie was anzubieten haben, dass sich so gut verkaufen lässt, dass Sie vom Erlös leben können, wenn es Ihnen nichts ausmacht, für die Hälfte des Geldes doppelt so viel zu arbeiten, wenn Sie lieber selber Fehler machen als für die eines Chefs auszubaden, wenn Ihnen die Erfahrung, die Sie unter Umständen als einziges Resultat der Selbständigkeit bleibt, höher schätzen als Ersparnisse, wenn Sie sich lieber selbst aufregen als sich von andern rumhetzen zu lassen - dann stehen Sie sich eigentlich höchstens noch selber im Wege. Legen Sie los!

 

Betriebe Angestellte Angestellte / Betrieb Einwohner/Betrieb Einwohner/Angestellte
 Automobilhandel, Reparatur, Tankstellen                15,462               83,807 5.4 466 86  
 Handelsvermittlung und Grosshandel                20,641              184,325 8.9 349 39  
 Detailhandel                51,453              323,835 6.3 140 22  
 Gastgewerbe                28,095              231,023 8.2 256 31  
 Landverkehr/Rohrfernleitungen                  8,549               91,895 10.7 842 78  
 Schiffahrt                     107                 2,126 19.9 67,290 3,387  
 Luftfahrt                     241               13,798 57.3 29,876 522  
 Hilfs- und Nebentätigkeiten für den Verkehr                  4,348               60,134 13.8 1,656 120  
 Nachrichtenübermittlung                  5,308               92,252 17.4 1,356 78  
 Kreditgewerbe                  4,483              125,689 28.0 1,606 57  
 Versicherungsgewerbe                  2,927               57,770 19.7 2,460 125  
 Mit Kredit-/ Versicherungsgew. verb. Tätigk.                  3,731               23,895 6.4 1,930 301  
 Immobilienwesen                  4,447               22,301 5.0 1,619 323  
 Vermietung beweglicher Sachen                  1,005                 4,837 4.8 7,164 1,489  
 Informatikdienste                11,574               67,452 5.8 622 107  
 Forschung und Entwicklung                     561               14,534 25.9 12,834 495  
 Erbringung v. Dienstleistung f. Unternehmen                59,307              321,429 5.4 121 22  
 Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung                  9,242              142,179 15.4 779 51  
 Unterrichtswesen                15,701              224,907 14.3 459 32  
 Gesundheits- und Sozialwesen                25,715              395,807 15.4 280 18  
 Abfallbeseitigung/-entsorgung                  2,053               16,561 8.1 3,507 435  
 Interessenvertr. u. sonstige Vereinigungen                  5,671               35,785 6.3 1,270 201  
 Unterhaltung, Kultur, Sport                  7,462               52,518 7.0 965 137  
 Persönliche Dienstleistungen                14,251               43,014 3.0 505 167  

Ergänzung Oktober 04                             Zielsetzung

Die Situation ist generell die selbe, ich lebe immer noch von knapp 1000.- Fr. pro Monat und hangle mich dementsprechend immer noch von Betreibungsandrohung zu Betreibungsandrohung. Die vereinigten Königreiche www.brainworker.ch und www.diskussionsforen.ch sind allerdings in der Zwischenzeit zu einer beachtlichen und beachteten Streitmacht, einem virtuellen Powerhouse, herangewachsen.(s. Marktposition). Jeder substantielle Beitrag landet in zwei bis drei Tagen bei Google auf der ersten Seite, unter entspr. Stichworten, und einige Tage bis Wochen später auch bei den andern. Ich kann damit das gesamte deutschsprachige Internet, nicht bloss die Schweiz, als Forum nutzen.

Dies dürfte einem beachtlichen, leider zur Zeit ebenfalls virtuellen, Wert entsprechen, der sich allerdings auch realisieren lassen sollte, da virtuell-geistiges doch oft beträchtliche reelle Auswirkungen zeitigt. Darum neu der Ansatz mit Bannerwerbung, der Ihr Web quasi zum Juniorpartner von brainworker/diskussionsforen machen kann. 

Ergänzung September 2007

Selbständigkeit ist ein prioritäres Ziel der Mehrheit der Bevölkerung - kann allerdings nur von einer kleinen Minderheit verwirklicht werden. Sie sehen anhand der Graphik rechts (, dass über die Hälfte der Arbeitskräfte eigentlich von Selbständigkeit träumen, nur 15% aber diesen Traum verwirklichen (können). Besonders ausgeprägt ist dieser Traum in Polen, Portugal, den USA und Italien - aber sogar am andern Ende, in Norwegen, sind es rund 27% die lieber selbständig wären. Am häufigsten Verwirklicht wird das Ziel in Italien, Polen und Japan. In Italien noch oft aus Tradition, in Polen und Japan leider eher unter Zwang und Armut. Ach nee, Japan und Armut sagen Sie? Na dann sehen Sie sich die Verhältnisse in Japan an: Extrem hohe Kosten, gut laufende international tätige Grossbetriebe und zentrale Städte- aber enorme Probleme für ländliche Gebiete und Kleinbetriebe ... also etwa so wie in der Schweiz.

 Selbständigkeit ist aus unterschiedlichsten Gründen schwierig:

  1. Economy of scale - die Übermacht der Grösse

    1. Restrukturierung: Tod den Kleinen!

  2. sunk costs - Der Bedarf an Kapital, das unter Umständen verloren geht

  3. exklusive Netzwerke

  4. ...

Selbständigkeit wurde und wird bei Arbeitslosen gefördert <> Selbständigkeit wurde und wird den selben dann verboten, wenn sie, nachdem sie alle Reserven verbraucht haben und am Rand, beim Sozialamt gelandet sind.

Selbständigkeit wird von Firmen gefördert. Man nennt das Outsourcing. Dabei werden allerdings vor allem die Risiken auf die Selbständigen übertragen, nicht aber die Prämien dafür.

Diese Art von "Selbständigen" hat weder Dispositionsfreiheit noch Gewinnchancen. Er wird vom Arbeitnehmer zum Auftragnehmer, mehr oder weniger ein Heimarbeiter, der dem Arbeitgeber seine Pflichten erspart.


[Heitzmann/Schmidt (Hrsg): Wege aus der Frauenarmut. Europäischer Verlag der Wissenschaften. Peter Lang. Frankfurt a.M. 2004]

Martin Herzog, Dipl. Ing.ETH, WEBDESIGN für Wissensanbieter

Links: s. auch umfangreiche Sammlung unter http://www.awa.zh.ch/stellensuchende/selbstaendig/navitation.asp (Standortsbestimmung, Verträge, Versicherung, Weiterbildung, Businessplan, Liquiditätsplanung (!!!) etc.

Die wichtigsten Stichworte für Google-Suche, zu verbinden mit dem gewünschten Kanton, da jeder für sich selbst was wurschtelt. Zusätzlich kämen da noch Banken, Versicherungen, Kursanbieter, Beratungsfirmen etc. hinzu: Firmengründung, Gründungsplattform, Impulsprogramm, Innovation, Innovationszentrum, Jungunternehmer (gilt bis ca. Alter von 68, bedeutet bloss: neu auf dem Gebiet), Netzwerke, Selbständigkeit,   spin-off, startup (start-up), Techno(logie)zentrum, Unternehmensgründung, Wirtschaftsförderung.