|
ARBEIT
|
| Ein Pessimist, ein Optimist und ein Controller sitzen in
einer Kneipe vor einem Glas. - Halb voll, sagt der Optimist. - Halb leer der Pessimist. - Das Glas ist für seinen Zweck um 50% zu gross dimensioniert, der Controller. |
Soeben ist der Bericht der Kommission für Konjunkturfragen erschienen: Jahresbericht 2002. Bericht vom 6. September 2002. 381. Mitteilung. Beilage zu Volkswirtschaft, Magazin für Wirtschaftspolitik. unter http://www.kfk.admin.ch/2dpubl.htm als pdf abrufbar.
Dieser zeigt (unter anderem, er ist recht umfassend) anhand verschiedener Branchen, was bei der Rationalisierung alles passieren kann. Wichtig ist dabei die Entwicklung des Konsums/Verbrauchs. Folgende Graphik zeigt deutlich, dass der Konsum in der Schweiz mit der Produktivität nicht mithält und dass vor allem für den Export produziert wird. Als ganzes gesehen ist die Schweiz also nicht ein Land das unter der Globalisierung leidet - im Gegenteil, sie gehört zu den Tätern, zumindest was Banken, Chemie und z.T. auch Lebensmittel betrifft (Nestle, als Global Player).

Die Arbeitsproduktivität, obwohl von einer Mehrzahl der Wirtschaftsauguren dauernd geschmäht, stieg in 20 Jahren auf das Doppelte. Die Bruttowertschöpfung hielt, wie im Falle der Holzproduktion kritisch angemerkt, allerdings bei weitem nicht mit - und völlig auf der Verliererseite stehen die Entlassenen. Hier gilt es sich bewusst zu machen, dass betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösungen Volkswirtschaftlich oft zu absurden Ergebnissen führen: Eingesparte Arbeitskräfte verbilligen zwar die Produktion - aber sie fehlen dann als Konsumenten.

Viel günstiger für die Firmeninhaber (Aktionäre, Shareholder) liegen die Verhältnisse bei der exportorientierten (!) Chemie. Hier hielt die Bruttowertschöpfung beinahe mit mit der Rationalisierung. Bezahlt haben aber auch hier einige mit Stellenverlust, was unter anderem die Begeisterung der Basler für IHRE Chemie in den 90ern ziemlich gedämpft hat..

Maschinen und Fahrzeugbau, erfuhr eine kräftige Entwicklung der Produktivität, eine eher mässige der Wertschöpfung und, obwohl gewerkschaftlich stark organisiert, einen kräftigen Rückgang der Arbeitskräfte.

Baugewerbe, ebenfalls gewerkschaftliche stark organisiert, zeigt eine ganz andere Entwicklung. Hier stieg die Wertschöpfung stärker als die Produktivität, und damit auch die Anzahl an Stellen. Dies war allerdings vor 1990. Seit 1995 läuft auch beim Bau alles "normal": mehr Arbeit - weniger Stellen.

In einer eher grässlichen Situation ist das Gastgewerbe, bei dem es eigentlich nur abwärts geht: Produktivität sinkt, Wertschöpfung sinkt, Stellen verschwinden - mit einer gewissen "Normalisierung" seit 1)96.

Sonderfall Schweiz, pardon, Landwirtschaft, noch ärger: Produktivität sinkt, Bruttowertschöpfung sinkt, Erwerbstätigkeit steigt (bis neutral) - was eindeutig zu sinkenden Löhnen führt.

Aufgefangen wurden die sinkenden Löhne etwas durch Subventionen, seit 1993 zunehmend ersetzt durch Direktzahlungen. Da diese offenbar an eine Schmerzgrenze stossen, wenn sie 1/4 des Betriebserlöses ausmachen, bleibt heute offenbar nur die Restrukturierung, d.h. die Vernichtung von Betrieben.

Aktuelle Probleme der Produktionssteigerung und Rationalisierung aus der Waldwirtschaft s. www.diskussonsforen.ch/WAP/Beitraege.htm, insbesondere Probleme der Restrukturierung über Grössenvorteile (Economy of Scale) am Beispiel Grosssägewerke: www.brainworker.ch/WAP/holzmarkt.htm
Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, webdesign, Rheinfelden, September 02
