ARBEIT

  1. Die Leistung bestimmt den Lohn! ... Die Frage ist nur: Welche Leistung?
  2. Wer trägt die Schuld an der zunehmenden Ungleichheit - Globalisierung oder technischer Fortschritt?
  3. Unterschiedliche Auswirkungen von Produktionssteigerung und Rationalisierung bei verschiedenen Branchen.
  4. Frauen wirtschaften anders als Männer
  5. Der Lohn des Kapitals
  6. Working Poor: Im Schweisse Deines Angesichts sollst Du - Dein Brot beim Arbeitsamt holen.
  7. Warum verdienen die einen zu viel, die andern zu wenig? Gibt es den gerechten Lohn?

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Wer trägt die Schuld an der zunehmenden Ungleichheit -

Globalisierung oder technischer Fortschritt?

[André Müller, Micheal Marti, Renger van Nieuwkoop: Globalisierung und die Ursachen der Umverteilung in der Schweiz. seco. Strukturberichterstattung No. 12. Bern 2002}

Vor einem Jahrzehnt mussten die Käufer den Gegenwert von 22 Wochenlöhnen für den Kauf eines neuen Autos aufbringen. Mitte der neunziger Jahre brauchte man für ein gleichwertiges Fahrzeug bereits den Gegenwert von 26 Wochenlöhnen.

Jeremy Rifkin: Access. Das Verschwinden des Eigentums. Campus Verlag. Frankfurt, New York. 2000. S.  101

Die Studie bestätig zwar auf Seite 7: Die Globalisierung führte zu einem leichten Auseinanderdriften der Löhne von niedrig und hoch qualifizierten Arbeitskräften - nimmt die Aussage aber später zurück, auf Grund einer Analyse des Gini-Koeffizienten.

Gemäss IWF hat die Globalisierung 4 Hauptaspekte: Handel, Kapitalbewegungen, Wissens- und Technologieverbreitung, Migrationen. Die wichtigsten Auswirkungen der Globalisierung sind (S. 34):

Wirtschaft

  • Wirtschaftswachstum
  • zunehmende Instabilität

Gesellschaft

  • zunehmende Ungleichheit zwischen Staaten
  • zunehmende soziale Ungleichheit innerhalb der Länder
  • Ökonomisierung der Politik
  • Umgehung staatlicher Institutionen durch multinationale Unternehmen
  • zunehmende Bedeutung internationaler Institutionen und Abkommen
  • kulturelle und gesellschaftliche Verarmung (Gleichschaltung, Dominanz des american way of life)

Umwelt

Abbau von Umweltvorschriften zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit (race to the bottom)

 

1 Die generelle Wirtschaftsentwicklung

1.1 Einkommen

Die Ärmsten sind etwas aufgerückt ans Mittelfeld. Allerdings sieht es danach aus, dass dies auf Kosten der Zweitärmsten ging  ... während sich die Reichsten noch deutlicher abgesetzt haben davon. [Tabelle 3-6, S. 64: Einkommensentwicklung]

Einkommensklassen> 10% ärmste 10%-25% 25%-50% 50%-75% 75%-90% 10% reichste
Einkommen 1990

Einkommen 1998

22'016

23'919

33'817

35'018

44'305

47'269

59'508

63'380

78'554

84'177

122'110

142'830

Veränderung in Fr.

Veränderung in %

1'903

8.6

1'201

3.6

2'964

6.7

3'872

6.5

5'623

7.2

20'724

17

Kritischer wird es allerdings, wenn man sich die Entwicklung der verfügbaren Einkommen betrachtet. Hier zeigt sich eine eindeutige Verschlechterung, also stark zunehmende Ungleichverteilung, die sogar statistisch belegt werden kann  (+ 3.5% Ungleichheit nach Gini (s.u.) für verfügbare Einkommen II). Dies liegt einerseits daran, dass die Preise für günstigen Wohnraum gestiegen sind, während sie für Luxuswohnungen einigermassen konstant blieben. Zweitens schöpft die Miete als Bodenrente bei den Armen das Potential voll aus, während es der Steuerwettbewerb der Gemeinden um gute Steuerzahler diesen ermöglicht, der Abschöpfung ihres Potentials auszuweichen. Zudem blieben auch die Kosten für Luxuswohnungen im betrachteten Zeitraum konstant. Bereits hier sehen wir, dass die Betrachtung der Einkommen alleine nicht ausreicht, um hinweise über zunehmende oder abnehmende Gerechtigkeit und soziale Unterschiede Auskunft zu geben.

1.2 Auskommen (= verfügbare Einkommen)

Die Graphik rechts zeigt allerdings, dass das Problem ungleicher Löhne enorm verschärft wird durch Ausgaben, die kaum zu beeinflussen sind. Unter Zwangsabgaben I. werden verstanden: AHV/IV, AL, Unfallversicherung, Krankenkasse u.a; Steuern. Unter Zwangsausgaben II: Miete, 3. Säule u. weitere Versicherungskosten.

Diese Zwangsabgaben sind zwar bei allen stark angestiegen -während der Anstieg der Steuern bei den Reichsten aber durch höhere Löhne gedeckt wurde, stiegen bei den Ärmsten die Kosten weitaus stärker als die Löhne. Darum hat das verfügbare Einkommen der Ärmsten seit 1990 stagniert oder ist sogar gesunken (volle 10 bis 15% bei den untersten 10%). Was dem Reichen die Steuern -  ist dem Armen die Krankenkasse. Dies spricht eindeutig für Steuererleichterungen und Entlastung bei den Kosten der Krankenkasse - allerdings bei tiefen, nicht bei  hohen Einkommen, denn der Reiche gibt ab vom Überfluss, der Arme gerät an die Grenzen der Existenz.  [Graph: Verfügbare Einkommen I (Zwangsabgaben) und II (Miete) Tab. 3-13, S. 73; Zwangsabgaben: S. 131-32].
Die CS [in:  Was den Haushalten unter dem Strich bleibt: Das verfügbare Einkommen in der Schweiz] ist netter und redet nicht von Zwangsab- und Ausgaben, sondern von obligatorischen und freiwilligen ... obwohl es sich nicht lohnt, die Freiwilligkeit des Bezahlens der Miete testen zu wollen, oder die Freiwilligkeit der Nahrungszufuhr.

 

Die Abbildung verdeutlicht jedoch, dass Steuervorteile alleine nicht ausreichen, um den Spitzenplatz beim verfügbaren Einkommen zu erreichen. Die hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien hatte in den Tiefsteuerkantonen Preissteigerungen zur Folge, welche sich in Form von überdurchschnittlich hohen Wohnkosten stark negativ auf das verfügbare Einkommen auswirken. Dennoch scheint es, dass die Immobilienpreise in den steuerlich attraktivsten Kantonen noch nicht ein Niveau erreicht haben, welches sie für bestimmte Haushalte unattraktiv macht.

Günstige Wohn- und Gesundheitskosten verhelfen allen voran dem Kanton Glarus zu einem Spitzenrang. Aber auch die Bergkantone Wallis und Graubünden können sich mit günstigen Immobilien, tiefen Krankenkassenprämien, Neben- und Elektrizitätskosten vorteilhaft positionieren. Die grosszügigen Walliser Familienzulagen wirken sich zusätzlich positiv auf die verfügbaren Einkommen der Familien aus. Der Kanton Jura ist mit dem 15. Rang im RDI-Indikator im guten Mittelfeld platziert. Wenn man allerdings bedenkt, dass der Kanton die mit Abstand tiefsten Wohnkosten in der Schweiz aufweist, hätte man ein besseres Resultat erwarten können.

Die Zentrumskantone Zürich, Bern, Waadt, Basel-Stadt und Genf liegen allesamt unter dem Schweizer Mittel, da sich die generell hohen Wohnkosten in Ballungsräumen stark negativ in den Haushaltsbudgets niederschlagen. Im Falle der Kantone Basel-Stadt und Genf führt dies in Kombination mit einer hohen Steuerbelastung zu den schweizweit tiefsten RDI-Werten der ansässigen Haushalte, wobei die Kleinräumigkeit dieser Stadtkantone das Ergebnis zusätzlich verschärft.

Trotz der hohen Wohnkosten kann sich Zürich mit seiner vergleichsweise tiefen Steuerbelastung sowie tieferen Krankenversicherungsprämien unter den Zentrumskantonen am bestenplatzieren.

 

Obige Graphik zeigt deutlich, dass man in Genf und Basel am wenigsten kriegt für sein Geld - und dass einem hier zudem auch am wenigsten bleibt, wenn man mehr arbeitet und mehr verdient. Am andern Ende stehen Zug, AI und die Zürcher Landschaft, die allerdings vor allem von Steuerflüchtigen leben. Zürich befindet sich, als grösste Stadt der Schweiz, eigentlich in einer komfortablen Position, was zur Frage führt: Warum jammern ausgerechnet die Zürcher dauernd über die Last der Städte? Sind ja schlimmer als die Bauern .. . Und Winterthur hätte noch weniger Grund zu klagen. Des weitern entspricht links und rechts auf der Graphik interessanterweise so ziemlich links und rechts auf der Karte, also West-Ost: Je näher bei Frankreich, desto höher der Glaube an die ausgleichende Kraft des Staates - und damit der Steuern. Was bei Basel wie Genf natürlich erschwerend hinzu kommt, sind die beengten Verhältnisse: eingekeilt vom Ausland - wo die Einheimischen billig Einkaufen - von wo die Grenzgänger eher hochwertige und teurere Wahren beziehen.

Der Trend wird, im Zeichen des Sparens, noch verschärft. Soeben hat Mr. Couchepin die Finanzierung der Alternativ- oder Komplementärmedizin aus den Verpflichtungen der Krankenkassen gestrichen. Obwohl gerade in dem Bereich Sparen eigentlich höchst löblich wäre ... hier wird billige Volksmedizin gestrichen - die teure Maschinen- und Klinikmedizin aber geschont. Als Argument dient meist die fehlenden wissenschaftlichen Beweise für die Wirkungsart - oder so was, denn dass sie wirken, weiss jeder, der Homöopathie oder was ähnliches schon mal versucht hat. Wir haben hier einen extremen Auswuchs der Wissenschaftsgläubigkeit: Billig und wirksam gestrichen, weil nicht wissenschaftlich belegbar - teuer und unwirksam (weil trotz aller Pharma und Kunst jeder mal sterben muss) weiter finanziert, weil nur das Beste und Modernste gut genug ist. Laut der Kunst des Marketing müssten hier eigentlich zwei Produkte angeboten werden, angepasst an Zahlungswilligkeit und Zahlungsfähigkeit:

  1. Teure Spitaltechnik und Kuren für die einen - die so lange bleiben sollen, wie es ihnen gefällt. Gesundheit als Hobby.

  2. Wirksame und günstige Behandlungen für die andern, die wieder an die Arbeit müssen oder wollen. Gesundheit als Notwendigkeit.

Postlethwayth: Ich kann diese wenigen Bemerkungen nicht abschliessen, ohne Notiz zu nehmen von der trivialen Redensart in dem Munde zu vieler, dass, wenn der Arbeiter (industrious poor) in 5 Tagen genug erhalten kann, um zu leben, er nicht volle 6 Tage arbeiten will. Daher schliessen sie auf die Notwendigkeit, selbst die notwendigen Lebensmittel durch Steuern oder irgendwelche andere Mittel zu verteuern, um den Handwerker und Manufakturarbeiter zu unausgesetzter sechstätiger Arbeit in der Woche zu zwingen.

Karl Marx: Das Kapital 1.1. S. 300

Dummerweise schraubt die Krankenkasse den Konsum beider Straten hoch, auch der zahlungsunwilligen und zahlungsunfähigen. Das System müsste aber eh nicht nach Geld, sondern nach Bedarf und Notwendigkeit unterscheiden, nicht das Maximum an Umsatz anstreben, sondern die beste (und kostengünstigste) Prävention oder Heilung - für diejenigen, die wirklich krank sind.  [Es ist zuzugeben, dass (auch) im Bereich Alternativmedizin viel Scharlatanerei betrieben wird. Den potentiellen Kunden wird alles Mögliche und Unmögliche an Krankheiten und Heilungen angeboten.]

Nebst den offiziellen Zwangsabgaben gäbe es noch "Zwangsabgaben III" (was kein offizieller Ausdruck ist): Die Mieten. In den letzten 10 Jahren konnten die Reichen auf günstigen Wohnraum ausweichen, oder die Steuern optimieren, bei meist etwas teurerem Wohnraum. Die günstigen Wohngelegenheiten wurden jedoch seltener, die Wohnkosten stiegen für die ärmeren Bevölkerungsschichten.

Ein weiterer Punkt der für die Entlastung tiefer Einkommensschichten spricht ist die Elastizität des Konsums. Die Ausgaben der Reichen haben von 1990 bis 98 nicht zugenommen, obwohl ihr Einkommen dies über alle Massen tat. Im Gegenteil, die Reichsten geben 1998 sogar weniger aus für Konsumgüter als 1990, trugen also nichts zur Förderung des Konsums bei. [Tabelle 3.8, S. 67]

Einkommensklassen: 10% ärmste 10%-25% 25%-50% 50%-75% 75%-90% 10% reichste
Ausgaben 1990

Ausgaben 1998

21'239

24'826

29'699

33'698

38'889

43'283

51'580

56'235

67'435

72'409

105'377

109'843

Veränderung in Fr.

Veränderung in %

3'533

16.6

3'999

13.5

4'394

11.3

4'654

9

4'975

7.4

4'465

4.2

Unter den für sie jeweils als normal geltenden Steuer-, Pacht- und Markt-Verhältnissen - die breiten Schichten der ländlichen Bevölkerung auch bei intensiver Arbeit ein nur geringes Geldeinkommen zu haben und keinen wesentlichen Vermögensgewinn zu erzielen pflegen. (www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Auditorium/LandwAlt/Kap5.htm) Dies ist keine Analyse der Situation unserer Bauern angesichts der Marktöffnung, sondern eine Beschreibung der Situation der Landbevölkerung des Römischen Imperiums vor 2000 Jahren. Es gab offensichtlich seither kaum einen Fortschritt in der Beziehung.

Cicero stellt in De re publica 2, 39 f. dar, wie ein Staat zu organisieren sei, so dass die Macht nicht bei der Masse, sondern bei den Besitzenden sei. Es wurden dazu Stimmrechtsklassen gebildet nach Einkommen. Die unterste Klasse waren die Proletarier/Proleten (von proletes: die Nachkommen), die zu nichts nütze sind, als für die Nachkommenschaft, also die Fortpflanzung der Gemeinde zu sorgen.

Damals waren die betuchten Bürger also daran interessiert, möglichst viel Steuern abzuliefern - um der entsprechenden sozialen Klasse anzugehören und sich entsprechenden Einfluss auch zu verdienen. Heute haben wir zwar ein generelles Stimmrecht - aber auf der einen Seite hat die Politik hat immer weniger Einfluss auf Wirtschaft wie Gesellschaft, auf der andern Seite gilt nicht mehr der am meisten, der am meisten für die Gesellschaft beiträgt, sondern der, dem es am besten gelingt, Abgaben an die Allgemeinheit zu vermeiden.

 

1.3 Die Entwicklung des Aussenhandels

Importe 1998  Zunahme in % Exporte 1998 Zunahme in %
in Mrd. Fr. seit 1990 in Mrd. Fr. seit 1990
Land- und Forstwirtschaft 9.3 14 3.8 27
Energieträger 3.4 -22 0.2 294
Textilien, Bekleidung, Schuhe 8.6 -2 4 -20
Papier, graphische Erzeugnisse 4.4 16 3 40
Leder, Kautschuk, Kunststoffe 3.9 11 3.2 43
Chemikalien 17.8 68 31.3 70
Steine und Erden 2.1 -1 0.8 30
Metalle 9.5 5 9.6 27
Maschinen, Apparate, Elektronik 24.7 25 31.9 25
Fahrzeuge 12.3 20 2.8 89
Präzisionsinstrumente, Uhren 6.8 18 16.7 25
Wohnungseinrichtungen 4.2 11 1.8 18
Edelmetalle, -steine, Kunst 9 33 4.9 -33
Total: 115.8 20 114.1 29

Seit 1990, vor allem aber seit 1996, haben Exporte wie Importe stärker zugenommen als das BIP. Das Verhältnis der Exporte zum BIP stieg von 32% auf 40%, dasjenige der Importe zur Inlandnachfrage von 33% auf 40%.

Der grösste Teil des Aussenhandels (85-90%) findet mit andern Industrieländern statt, besonders der EU. Aus der EU stammen 75-80% der Importe, in die EU gehen 60-65% der Exporte. Ein stark überdurchschnittliches Import- wie Exportwachstum verzeichnet die Chemie, während die Exporte der Textil- und Bekleidungsindustrie stark rückläufig waren.

Der Anteil der Industriebranchen und des Baus am BIP blieb gleich, allerdings bei fallender Anzahl an Beschäftigten (von 32% auf 27%). Der Anteil der Dienstleistungsbranche am BIP nahm von 63% auf 64% zu, der Anteil an Beschäftigten hier von 63% auf 69%. Der Anteil qualifizierter Arbeitsplätze hat in den 8 Jahren von 38% auf 42% 2000 zugenommen.

Zollabbau, Reduktion der Transportkosten und Marktintegration sind also schlecht für die Land- und Holzwirtschaft, wie für die Nahrungsmittelindustrie, aber gut für die Chemie, die ihre Rohprodukte ja importiert. Die steigenden Gesundheitskosten bringen Versicherungen und der Gesundheitsindustrie zusätzliche Umsätze. Der technische Forstschritt und der die dadurch notwendige Erhöhung der Arbeitsqualifikation wirken sich vor allem positiv aus bei den Nichtmetallen, Papier, Energie und Wasser.

 

1.4 Die generelle Wirtschaftsentwicklung

Veränderung 1990 bis 1998 in %
BIP  Beschäftigung 
Land- und Forstwirtschaft -4 -+           9
Nahrungs- und Genussmittel 13 -12
Textil- und Bekleidung -25 --        -28
Papierindustrie 3 -12
Graphik und Druck -18 -18
Kunststoff, Kautschuk, Leder 6 -26
Chemie 54 +-       -13
Steine, Erden, Bergbau -12 -29
Metallindustrie 0 -5
Maschinen, Apparate, Fahrzeuge 10 -22
Elektrotechnik, Feinmechanik, Optik 24 +-        -20
Uhren und Bijouterie 17 -13
Holz, Möbel u.a. Gewerbe -4 -26
Bauwirtschaft -18 -21
Total Industrie & Bau 4 +-        -18
Handel 6 -2
Banken 34 +0           3
Versicherungen 12 7
Verkehr und Kommunikation 2 0
Gastgewerbe -24 -0          -1
Gesundheitswesen 2 27
übrige Dienstleistungen -2 -+         19
Total Dienstleistungen 4 ++          9
Total 4 +0          0

Sie ersehen aus der Tabelle rechts, was Sie vermutlich eh wissen: Die Bauwirtschaft war schon die letzten 19 Jahre in der Baisse. In der Industrie haben die Chemie, Elektrotechnik, und Uhren floriert. Obwohl sich das BIP noch positiv entwickelte, gingen 18% der Arbeitsplätze verloren (gekennzeichnet durch +-), d.h. sie konnten "eingespart" werden. Trotz des generellen Trends von Industrie zu Dienstleistungen, waren es im letzten Jahrzehnt vor allem Banken, die "produzieren" konnten. Kapitalexporte (10.5% des BIP 1998). Kredite (30% des BIP 1998!) und Kapitalerträge aus dem Ausland nahmen seit 1996 stark zu. Arbeitsplätze entstanden allerdings mehrheitlich im Gesundheitswesen und den wenig rentablen "übrigen Dienstleistungen" [Wäscherei, chemische Reinigung, Coiffeur, Kosmetik, Sauna, Gymnastik, Partnervermittlung etcetc.] Mit -+ gezeichnet: weniger Umsatz, mehr Stellen, also vermutlich tiefere Löhne. s. Land- und Forstwirtschaft, die ja auch mehr und mehr zu Dienstleistungsbetrieben werden). Das Gastgewerbe hat weit weniger Stellen "einsparen" können, als es auf Grund der Einbussen hätte sollen (-0). D.h. die Löhne haben hier vermutlich ebenfalls nachgegeben. Falls Sie Zahlen haben, die das Gegenteil belegen, achten Sie darauf, ob es sich wirklich um alle Löhne handelt. Oft werden nämlich nur die Festangestellten einbezogen, die natürlich höhere Löhne haben als temporär, teilzeit oder Saison-Angestellte.

Der Dienstleistungssektor beschäftigte 1980 56% der Arbeitskräfte, 1990 63% und 1998 69%. Die Industrie gab entsprechend nach und verlor 150'000 Arbeitsplätze.                                                                                                                 [Tabelle 2-4, s. 48:]

So oder so, 4% Wachstum in 8 Jahren ist nicht berauschend. Lassen wir den 98-2000-Boom beiseite, der vor allem aus inzwischen geplatzten IT-Heissluftbalons bestand, dann stecken wir 2002 eigentlich immer noch in der selben äusserst wachstumsschwachen Phase der 90er. Stagnations- und insbesondere Deflationsphasen sind zwar für die wenigsten die rechte Zeit um reich zu werden. Deflationsphasen sind aber für die Reichen präzise die rechte Zeit um noch reicher zu werden. Wenn allen andern Schnauf und Geld ausgehen, können sie am billigsten einkaufen: Häuser, Land, Firmen, Aktien etc.  Da letztere nie so günstig sind wie während einer Baisse, ist dies der rechte Zeitpunkt um das Kapital zu mehren. Statt mit Gini eh nicht zu belegende Unterschiede der Lohndisparitäten (Ungleichheiten) zu untersuchen wäre es weitaus interessanter gewesen, mal zu sehen, untersuchen, wie die nun über zehnjährige Stagnationsphase die Vermögensverteilung beeinflusst hat. Finanzkrisen sind also für Leute und Betriebe mit Geld die beste Gelegenheit, ihr Kapital günstig zu vergrössern.

 

2 Gini

Einkommensverteilung in 50 Ländern - nach Gini
   
Westeuropa, Nordamerika und Ozeanien
Finnland 0.25
Schweden 0.25
Deutschland 0.28
Schweiz 0.31
Frankreich 0.31
Italien 0.31
Australien 0.32
Grossbritannien 0.34
USA 0.38
Portugal 0.39
Osteuropa und ehemalige UDSSR
Ungarn 0.24
Tschechei 0.25
Usbekistan 0.27
Slowenien 0.28
Ukraine 0.29
Albanien 0.31
Polen 0.31
Russland 0.32
Lettland 0.34
Georgien 0.38
Afrika  
Aethiopien 0.3
Aegypten 0.34
Algerien 0.35
Mali 0.39
Nigeria 0.41
Kenia 0.44
Elfenbeinküste 0.45
Simbabwe 0.57
Südafrika 0.58
Namibia 0.7
Asien  
Taiwan 0.24
Japan 0.25
Südkorea 0.32
Indien 0.33
Israel 0.35
Türkei 0.37
Thailand 0.4
Iran 0.43
China 0.45
Malaysia 0.49
Lateinamerika und Karibik
Trinidad&Tobago 0.39
Venezuela 0.42
Costa Rica 0.46
Peru 0.48
Mexico 0.49
Argentinien 0.51
Chile 0.51
Bolivien 0.58
Brasilien 0.59
Haiti 0.68

Der Gini-Koeffizient ist ein Mass für Ungleichheit. Ein Koeffizient von 0 zeigt völlige Gleichheit, z.B. dass alle das selbe Einkommen haben. Ein Koeffizient von 1 zeigt völlige Ungleichheit, d.h. einer besitzt alles, der Rest nichts. Für detailliertere, ausgezeichnete Erklärungen s. http://poorcity.richcity.org/e.htm. Für die eigentlich empfehlenswerten  Entropie-Koeffizienten, die sensibler auf Änderungen in den Randgebieten (ganz oben und ganz unten) regieren, wie Shannon-Boltzmann-Entropie, Kullback-Liebler Redundanz und weitere. s. http://poorcity.richcity.org/entkiss.htm.

Die Tabelle rechts (Zahlen aus M. Bauer: Welche Faktoren bestimmen die internationale Einkommensverteilung? Die Volkswirtschaft 80. 12. 07. S. 5) zeigen, wie erwartet, die gleichmässigste Verteilung in sozial orientierten Staaten wie Finnland, Schweden; Ungarn, Tschechei; Taiwan, Japan - die ungleichsten, also ungerechtesten, in Namibia, Haiti, Malaysisa, Portugal, Georgien.

In der gleichen Nummer wird aber auch von Jean-Daniel Gerber, Direktor des seco, so nebenher auf S. 21 erklärt, warum die Verteilung in der Schweiz (noch) mittelmässig und nicht extrem einseitig ist:

Die Einkommensverteilung hat sich von 1990 bis heute nicht wesentlich verändert,
weil in dieser Periode die Sozialabgaben gemessen am BIP stark zugenommen haben,
nämlich von 19.7 auf 29.4%.

Für die Periode 90-98 eine Veränderung der Wohlstandsverteilung mittels Gini beweisen zu wollen, ist fauler Zauber. Erstens stagnierten die meisten Löhne in der Periode, zweitens verlagerte sich die Wertabschöpfung immer mehr von der Arbeit zum Kapital. Um die Veränderungen relativen Wohlstands gerade in diesen Jahren zu erfassen, müsste man also die Veränderungen beim Vermögen erfassen. Dies ist äusserst schwierig, da diese auch durch die Steuererhebungen nur sehr, äh, "konservativ" erfasst werden. Zudem erhalten (vielleicht muss man heute langsam sagen: erhielten) gerade die oberen Kader häufig Vergünstigungen in Form von Beteiligungen, Aktien, Bezugsrechten und anderen Sondervergünstigungen, die von den Steuern und damit von der Statistik ebenfalls äusserst schlecht erfasst werden.

Sollten die Experten des seco darauf bestehen, was ich mal annehme, dass Gini geeignet ist und die Zahlen richtig, dann müsste man sich die Interpretation mal genauer ansehen. Unten stehende Tabelle zeigt deutlich, dass durch die Einführung der Mehrwertssteuer die Armen stärker betroffen wurden als die Reichen, während weitere Erhöhungen alle etwa gleich betreffen. Die Gesundheitskosten belasten alle. Der Einfluss auf Armen ist aber doppelt so hoch wie bei den Reichen. Ebenso deutlich ist, dass von der Erhöhung der Einkommensteuer der Mittelstand betroffen ist, die Reichen aber profitieren (sie lassen eben Geld arbeiten und beim Lohn des Geldes sind die Steuern etwas diffuser). Arbeitskräftemigration betriff wiederum die Armen, da die Schweiz zumeist wenig qualifizierte Arbeitskräfte importiert, was noch mehr Druck auf die Tiefstlöhne ausübt. Die wenig qualifizierten SchweizerInnen haben aber selbst kaum Chancen ihre Dienste im Ausland profitabel einzusetzen, was hingegen den Top-Kadern von Internationalen Firmen kein Problem ist und sein darf.

Sie brauchen nichts zu wissen, sie sind ein reicher Mann, aber ich bin ein armer Teufel, mir muss was einfallen.

Johann Nepomuk Nestroy, Eulenspiegel

Der technische Fortschritt betrifft alle gleich stark. Wenn man allerdings die Folge des Fortschritts in Betracht zieht, nämlich die Bewältigung des Fortbildungszwangs (s.u.), dann ist diese natürlich leichter wenn man Geld und Zeit hat.  Logisch ist, dass die Erhöhung der Arbeitsqualifikation viel zur Verbesserung der Situation bei den Armen beiträgt. Amüsant jedoch ist, dass sie bei den Reichen offenbar den gegenteiligen Effekt hat. Bildung ist offenbar dem Gelderwerb abträglich. Das erinnert mich an meinen ersten Job nach dem Studium in Saudi Arabien. Da wurde beim gemeinsamen Nachtessen jeweils die verschiedenen bekannten Expats (Emigranten, Ausländer, in dem Fall Schweizer, Engländer, Koreaner etc) durchgehechelt. Und immer wieder hiess es: Der ist ja sooooo blöd ... macht aber Geld wie Heu!

Poetischer formuliert (Inge Schorisch, www.lesebuch.net/gaeste/gedichte/inge-schorisch/macht-und-geld.htm):

Zu ungerecht geht's meistens zu auf dieser runden Erdenwelt.

Hat einer Geld, fehlt ihm der Grips, hat einer Grips, fehlt ihm das Geld!

Wer ohne Grips sein Geld benutzt, sieht immer nur den eignen Nutzen

und lässt von dem, der Köpfchen hat, sich gerne seine Schuhe putzen.

Und also sieht sie aus, die Welt: Beherrscht wird meistens sie vom Geld,

und allzu oft geht der Verstand mit Macht und Geld nicht Hand in Hand!

Dies lässt sich auch mathematisch beweisen (Cal Poly. www.hotcity.com/~mwr/kpmlogic.html) :

power = work / time

time = money

knowledge = power

knowledge = work / money

money = work / knowledge

Je mehr sich knowledge (Wissen) also Null annähert, um so besser vermehrt sich das Geld - unabhängig vom Arbeitseinsatz. Es zeigt sich auch, dass um so härter einer arbeitet - wenn er dazu noch lebenslänglich lernt, um so mehr alles beim Gleichen bleibt.

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Massnahmen

 Effekte

Veränderung des Gini-Koeffizienten (Ungleichheit) <10% 10%-25% 25%-50% 50%-75% 75%-90% >90%
Einführung Mehrwertsteuer 0.13 -0.3% -0.2% 0.1% 0.1% 0.1% 0.1%
Erhöhung Einkommensteuer .05 -0.3% -0.3% -0.6% -0.8% -0.6% 0.2%
Erhöhung MWSt 0.01 -0.5% -0.4% -0.4% -0.4% -0.4% -0.4%
Gesundheitskosten 0.13 -1.6% -1.3% -1.1% -1.1% -0.9% -0.7%
Arbeitskräftemigration 0.15 -0.7% -0.6% -0.3% -0.2% 0% 0.2%
Erhöhung Arbeitsqualifikation -0.83 4% 3.1% 1.6% 0.9% 0.3% -0.8%
Technischer Fortschritt 0.06 4.7% 4.6% 4.3% 4.5% 4.8% 4.7%
Total -0.33 6.9% 6.3% 4.9% 4.4% 4.9% 4.8%

[Tab. 4-9, S. 116: Veränderung des Gini-Koeffizienten]

3.1 Für Kinder sind weiterhin die Armen zuständig, die Proletarier, die nichts haben als die Nachkommen.

Ein Kind kostet zwischen 1286.- bei tiefen Einkommen und 2271 Fr/Monat bei hohen Einkommen, d.h. 300'000 bis 550'000.- in 20 Jahren. Im Kampf Kinder oder Karriere/Kapitalanhäufung scheint der Kapitalismus zu siegen ... womit er nicht nur den Menschen verhausschweint, sondern ihn gleich noch eliminiert (: Die Zahl der Kinder nimmt mit zunehmendem Lebensstandard ab, eine Erscheinung die aus Entwicklungsländern bekannt ist. Dass sich dies aber offenbar bis zur Selbstvernichtung einer Population fortsetzen kann, scheint unglaublich.

Ein verstärkender Effekt ist die Auflösung der Familien. Die Anzahl Einpersonenhaushalte hat in der Periode um 3% zugenommen, die Anzahl der Haushalte ohne Kinder um 2%.

Ein besonderes Problem bilden hier wiederum die Zwangsausgaben, insbesondere die Krankenkasse!!! Da die Ärmsten 4 x mehr Kinder haben als die Reichsten, haben also 4 x so hohe Aufwendungen für Kindererziehung.

Hier gäbe es zwei Strategien um Abhilfe zu schaffen:

[Tabelle 3-2, S. 60:]

Nach der Abstimmung vom 5. Juni 2005 sind allerdings Zweifel berechtigt. Da offenbar 58% der SchweizerInnen schwul sind, werden wir das Problem kaum lösen.

Eine etwas seriösere Analyse des Problems liefert Surprise (Nr. 109, 2-14, 9.05, S 16-17. Felizitas Ammann: Die Uhr tickt.):

Offizielle Theorie: Zu hohe Hürden bei Familienbildung, junge Mütter möchten (und sollten ... wegen Überalterung, Wachstumsschwäche, fehlender Profite etc) mehr Arbeiten. Wir brauchen Krippenplätze.

Gesellschaftliche Probleme:

Männerprobleme (oft das Selbe bei gebildeten Frauen):

Alter 25: Ich möchte auf jeden Fall einmal Kinder haben.

Alter 30: ... ich werde beruflich gerade enorm gefordert.

Alter 35: Ich kann diese Verantwortung jetzt nicht übernehmen

Alter 40: Ich werde mich bald damit auseinandersetzen.

Männer haben nur Pflichten, keine Rechte:

Eine Onlinedebatte des Tagesanzeigers brachte einige Meinungen ans Licht, die man nur selten an der Öffentlichkeit hört, die aber auch was für sich haben. Hier zwei Auszüge aus So viele Fragen und keine Antwort [Tagesanzeiger, 30.5.06. S. 10]:

Ich bin ein Mann, 29, und somit wäre es langsam an der Zeit, mich der Kinderfrage zu stellen. Nur, es kommt mir nicht im Traum in den Sinn, Kinder zu zeugen. Der Mann ist vor dem Gesetz vollkommen entrechtet, hat keinerlei Rechte am Kind. Von der Kinderfrage über die Abtreibung zur Illegalität von Vaters Wunsch nach einem Vaterschaftstest. Kinder werden dem Mann weggenommen, um den Mann für immer und permanent von den Kindern zu entfremden und zum Zahlmeister zu degradieren. Alles nicht so schlimm, wenn Beziehungen heute noch funktionieren würden. 50% der Ehen scheitern im Schnitt nach 13 Jahren. Sehr oft ist der Mann nur zum Zwecke der Finanzierung der Kinder und der Bedürfnisse der Frau toleriert, für den Spass sind andere Männer da. ... Zeigt doch jede neuere Untersuchung, dass es nicht die Frauen sind, die keine Kinder mehr wollen, sondern die Männer. Und ich kann's sehr gut verstehen. K.

 

Der Mann, der Vater wird, kann jederzeit von seinen Kindern getrennt werden. Der Wille der Frau allein genügt, und er wird als Vater entsorgt. Das Verfügungsgewaltsmonopol der Frau über die Kinder soll nicht angetastet werden, allem Gleichberechtigungsgeschwätz zum Trotz. Leider fehlt immer noch die Pille für den Mann. Dann würden Männer nicht mehr wider Willen Väter werden ... I.

Eine ähnliche Warnung hat Sören Kierkegaard bereits vor 150 Jahren ausgesprochen. Die von ihm verstossene Verlobte Regine Olsen hat es ihm allerdings in selber Münze heimgezahlt in ihren Memoiren. Zudem, statt von ferne dem hohen Geiste anzuhängen, heiratete sie einen reichen Diplomaten und reiste in die Ferne.

Nie lasse man sich auf eine Ehe ein. ... Die Freundschaft ist bereits gefährlich, die Ehe ist es noch mehr; denn das Weib ist und bleibt des Mannes Ruin, sobald man ein dauerndes Verhältnis zu ihr eingeht. Nimm einen jungen Menschen, feurig gleich einem arabischen Renner, lass ihn sich verheiraten, er ist verloren. Zuerst ist das Weib stolz, dann ist sie schwach, dann fällt sie in Ohnmacht, dann fällt er in Ohnmacht, dann fällt die ganze Familie in Ohnmacht. Eines Weibes Liebe ist nichts als Verstellung und Schwäche.

Der Hauptgrund für Kinderlosigkeit liegt nach der (nicht referenzierten) Studie bei: zu alt. Im Durchschnitt werden Kinder bei einem Alter von 28 Jahren zur Welt gebracht. Jenseits von 35 wird die Chance, Kinder zu erzeugen, nicht nur für Frauen geringer (aus biologischen Gründen), sondern auch für Männer. Chancen haben dann nur noch die gut gebildeten - und vor allem, die gut verdienenden. Wer weniger als 1500 Euro verdient, kann nur noch auf einen Verhütungsunfall beim One-Night-Stand hoffen. Wer monatlich über 2500 Euro netto (in Deutschland) verfügen kann, dem verzeiht frau auch Stirnglatze oder Bierbauch. Fast 90 % von ihnen können - irgendwann einmal - mit einem Stammhalter rechnen.

3.2 Wird Bildung zur nächsten grossen Zwangsabgabe oder zum Ausbildungszwang?

[s. auch: Karl-Heinz Wedel: Der Mensch als Unternehmer seiner Arbeitskraft. Bildungsdiskussion zwischen Leistungswahn, Standortkonkurrenz und Individualisierung]

Die seco-Studie eruiert als Ursachen für die Lohnunterschiede (s.S. 18) vor allem Ausbildung und technischen Forstschritt. Dies auf Grund der Tatsache, dass die Nominallöhne für hoch qualifizierte um 17% gestiegen, für niedrig qualifizierte um 11%.

Es wird aber ebenfalls erwähnt, dass die Einwanderung billiger Arbeitskräfte den Lohn für niedrig qualifizierte gedrückt hat. Das Selbe passiert allerdings auch den Hochqualifizierten, denn je mehr sich in der Schweiz selbst qualifizieren, desto tiefer die Löhne - je mehr sich im Ausland qualifizieren, desto tiefer auch die Preise für die von Ihnen produzierten Güter, was wiederum auf die inländischen Löhne drückt.

Eine steigende Anzahl höher Qualifizierter führt also auch bei diesen zu relativ sinkenden Löhnen. Bildung erfordert also zunehmend höheren Aufwand, ohne dass die Kosten dafür im Lohn später abgegolten werden.

Die in Tabelle 4-9 (Gini) verzeichnete positive Auswirkung der Bildung auf die Lohnverteilung enthält ein Problem, das offensichtlich noch wenig ins Bewusstsein getreten ist. Bildung fällt nicht einfach so an, gratis, weil die Globalisierung sie fördert. Bildung kostet Zeit und Geld, was die Komputerei betrifft auch ziemlich Nerven.

Der Erfolg der Bildung wird traditionell an den höheren Löhnen gemessen. Ausgespart bleiben dabei meist diejenigen, die zwar für Bildung investiert haben, denen es aber nicht gelungen ist, sie an den nur beschränkt vorhandenen, gut bezahlten Stellen einsetzen zu können. Ehrlicherweise müsste der "Erfolg" von Bildung an der Gesamtzahl der Absolventen gemessen werden, nicht nur an den freiwillig antworteten. Hier liegt ein statistischer Bias bei vielen Angaben von Schulen und Kursen, da die Erfolgreichen (Nobelpreis & Co. Apropos Nobelpreis, amüsanter ist der IgNobelPreis http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Tr%C3%A4ger_des_Ig-Nobelpreises, der die absurdesten Forschungsvorhaben belohnt.) sich natürlich lieber befragen lassen, als diejenigen, die trotz Bildung am unteren Rand der Einkommensskala ums wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen. Falls Sie also eine Ausbildung anstreben bei einer Schule die sich mit den hohen Erfolgen ihrer Absolventen brüstet, achten Sie vor allem darauf, welcher Anteil der Befragten bei der entsprechenden Erhebung geantwortet hat.

Während zur Schulzeit des Autors konnten die Lehrer diese Weisheit noch verkaufen: Reichtum kann man verlieren - Wissen bleibt. Heute hat sogar Wissen nur noch eine äusserst beschränkte Haltbarkeit. Die Halbwertszeit des Wissens sei bei 2 Jahren angelangt. Wenn da eine(r) also 5 Jahre für seine Ausbildung investiert, dann muss er/sie am Ende gerade wieder vorne anfangen, da die vor 5 Jahren erworbenen Grundlagen schon wieder überholt sind. Wenn dann noch einige Jahre vergehen, bis die Bildung am richtigen Ort eingesetzt werden kann, ist der Absolvent weg vom Fenster. Ausbildung wird so, da immer mehr notwendig, zur Zwangsabgabe IV, bei der man (und frau) sich jedoch je länger desto weniger darauf verlassen kann, durch Bildung der Lotterie des Arbeitsmarktes entgehen zu können.

Soweit die Hypothese: Bildung als Zwangsabgabe. Prüfen wir diese Hypothese an der Statistik, so zeigt sich, dass zwischen 1990 und 98 die Ausgaben für Bildung weder bei den Privaten noch beim Staat zugenommen haben. 1998 gab die Schweiz für Bildung genau so viel Geld aus wie für Zinsen. Zudem werden 70% der Ausgaben von 10 Milliarden für Forschung und Entwicklung werden von der Privatwirtschaft geleistet. Weitere 8 Milliarden gibt die Privatwirtschaft dafür im Ausland aus. Von 10 Erwachsenen Personen bleiben 5 der Weiterbildung fern, 1 hat keine Berufsbildung, 3/4 der Schweizer Betriebe bilden keine Lehrlinge aus - helfen aber gerne mit den Eindruck zu fördern, Arbeitslosigkeit sei ein Problem fehlender Ausbildung. Offenbar fallen aber die wenigsten darauf herein, denn Bildung an und für sich  ist ohne Einfluss auf den Lohn, solange sie nicht in einem entsprechenden Netzwerk (traditionell eher Filz genannt) eingesetzt und zu Cash gemacht werden kann. Hier wäre ebenfalls das Problem der Flexibilität mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Meist wird den Arbeitnehmern vorgeworfen, sie seien zu wenig flexibel. Wenn Sie sich aber überlegen:

  1. dass Flexibilität bei Bewerbungen bestraft wird (Warum haben Sie so oft die Stelle gewechselt?)
  2. dass der grösste Widerstand gegen Flexibilität von denen kommt, die Mitarbeiter auswählen, z..B als: Sie sind doch Forstingenieur. Gehen Sie in den Wald. Was wollen Sie denn in einem Büro?
  3. wie teuer Flexibilität zu stehen kommt: Zeitbedarf für Arbeitsplatzsuche, Anpassung an soziale und technische Anforderungen des neuen Arbeitsplatzes, Lernaufwand

Auch hier wird klar, dass das, was uns als "Leistung" verkauft wird, viel mehr mit List zu tun hat:

Unsere Topverdiener, also Verwaltungsräte und CEOs (Betriebsleiter), erhalten ja nicht so viel Geld, weil sie so viel wissen. geschweige denn, weil sie so viel leisten würden (leisten im normalbürgerlichen Verständnis von Arbeitsleistung). Topsaläre werden bezahlt, weil diese Leute  bewiesen haben, dass sie List profitabel für den Betrieb einsetzen können.

Eine der wichtigsten Hinter-Listen des kapitalistischen Systems ist die Pareto-Verteilung, durch  die 80% "ausgemünzt" werden, weil sie am wirklich lukrativen Geld- und Finanzmarkt gar nicht mitspielen können.

dann wird deutlicher, dass uns der Slogan "mehr Flexibilität" nicht viel weiter bringt, genau so wenig wie der mit der Leistung. Der Arbeitsmarkt belohnt nämlich weder Flexibilität noch Leistung (s. Die Leistung bestimmt den Lohn! ... Die Frage ist nur: Welche Leistung?). Der wichtigste Faktor im Arbeitsmarkt ist nach wie vor Vitamin B, die Beziehungen. Es geht in erster Linie darum, in einem bestimmten (das ist wichtig, man muss identifizierbar, kartierbar, fichierbar und einzuordnen sein, sonst sieht's übel aus) Filz, pardon, in einer bestimmten Berufsgruppe, Firmengruppe, Innung, Zunft, Verband, anyhow, in einer bestimmten sozialen Gruppe eingebettet und vernetzt zu sein. Ansonsten können Sie Bildung und Leistung als bestimmende Grundlage von Lohn glatt vergessen. Als extremstes Beispiel können wir den Intellektuellen nehmen, der verschiedene Sprachen nicht nur spricht, sondern in verschiedenen Sprachen zu denken und in verschiedenen Kulturen zu leben und zu agieren vermag - aber mit allen auf Kriegsfuss steht, da er aus Berufung immer die Schwachstellen des jeweiligen Systems sucht und kritisiert.

Fazit

Die seco-Studie bringt einige Ergebnisse die richtig und interessant sind, auch für sozial orientierte. Es ist nicht zu widerlegen, dass pro-Kopf-Abgaben wie die Krankenkasse, der Steuerwettbewerb und die Mieten einen weitaus grösseren Einfluss auf die wirtschaftliche Situation der Familien haben als die Globalisierung. Es ist eigentlich auch nichts neues, dass Strukturwandel vor allem durch technischen Fortschritt verursacht wird. So sind auch die wachsenden beruflichen Anforderungen eine Folgen des technischen Fortschritts. Allerdings fördert der internationale Wettbewerb diesen Druck natürlich stark - auch wenn die Studie "stark" auf 13% relativiert.

Schief liegt die Studie allerdings mit der Verwendung des Gini-Indexes, denn der ist unsensibel auf Vorgänge in den untersten (< 10%) und obersten (> 90%) Rängen. Wir haben also zwei Möglichkeiten im Umgang mit der Studie:

  1. Wir halten daran fest, dass der Gini-Koeffizient sich nur eignet um Veränderungen der Verteilung zu zeigen, wenn man auf Veränderungen ganz oben und ganz unten keinen Wert legt - und Pfeifen auf die Studie.
  2. Wir lassen den Gini in der Flasche und nehmen die doch interessanten Resultate der Untersuchung zur Kenntnis:

Bildung droht zur Zwangsabgabe IV zu werden, da nur Bildung den Zugang zu gut bezahlter Arbeit erlaubt, die Anforderungen und das Wissen aber bald schneller ändern als es braucht, eine Ausbildung abzuschliessen. Auch Bildung ergibt nur einen äusserst mässigen Vorsprung beim Kampf um die Sesterzen. Die beste Grundlage ist wie eh und jeh das Kapital selbst, das sich um so stärker vermehrt, je grösser es bereits ist. Diesem nützt auch der freie Markt am besten, da es sich, unbehindert durch fehlende Sprachkenntnisse, Visa oder Arbeitserlaubnis, überall einsetzen lässt.

Dass es sich hier nicht um das übliche vorzeitige Gejammer von Links handelt, zeigen die neusten Vorgänge, welche diese Befürchtung dick unterstreichen: Im Kanton Zürich (dem SVP-Kanton) wird ein neues Berufsbildungsmodell geschaffen, bei dem die Absolventen keinen Lehrlingslohn erhalten, sondern 50'000 an Ausbildungskosten bezahlen sollen [Global Communication Technology, GCT; Max Holliger]. Obwohl bereits bekannt ist, dass sich das Studium an Hochschulen nicht rentiert, wenn man nebst Kosten auch den entgangenen Verdienst in die Berechnung mit einbezieht, sollen nun also auch einfache Lehrlinge in die Ausbildungsschuldenfalle gelockt werden.

Sehr deutlich zeigt sich dabei, dass universitäre Ausbildungen mit 3.6% für Männer und 4.5% für Frauen besonders niedrige Bildungsrenditen abwerfen, welche unter Berücksichtigung von Steuern, dem Risiko eines Studienabbruchs sowie der direkten Ausbildungskosten sogar geringer als die einer risikolosen Kapitalanlage sein dürften. Die Ertragsraten für höhere Berufsausbildungen und Fachhochschulen von zwischen 7.5 und 10%. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind die Bildungsrenditen der ausseruniversitären Ausbildungen in der Schweiz durchaus als hoch zu bewerten (siehe auch Weber/Wolter 1999). http://www.edk.ch/PDF_Downloads/oecd_tert/d/OECD9D.pdf 

Die selben Autoren belegen auch, eben so deutlich wie wissenschaftlich, dass Lehrlinge für die Betriebe mehr einbringen als sie kosten. Es geht bei dem Ansatz also nicht um die Lösung wirtschaftlicher Probleme, noch weniger um das Schaffen neuer Freiräume, sondern um Machtausübung im Dienste der Abschöpfung weiterer Renditechancen. Die Wirtschaft der wir uns verschrieben haben ist nicht mal mehr gewillt, für die Kosten ihrer eigenen Ressourcen aufzukommen. Die Chancengleichheit wird abgeschrieben. Die Existenz zur Lotterie gemacht. Ein Recht auf Existenz hat nur noch, wer dafür bezahlen kann. Wie lange dauert es wohl, bis wir dafür zahlen müssen, arbeiten zu dürfen?

Korrektur (20. August 04): Die Bewilligung wurde entzogen. Es mangelte auch nicht an Zahlungswilligen ... aber an den Qualifikationen der zahlungsfähigen, was uns ein weiteres Problem aller marktwirtschaftlichen Lösungen zeigt: Das Leistungsprizip bevorzugt regelmässig finanzielle Leistung, geistige wie körperliche Leistung kommen erst weit dahinter. Als Lösungsvorschläge werden Ausbildungscluster erwogen, also die Kooperation mehrerer Kleinbetriebe zur Ausbildung eines Informatiklehrlings. Als nächsten Schritt müsste man sich dann vieleicht auch mal die Anstellung im Cluster überlegen, die sich auch für andere Kleinstbetriebe empfiehlt, wie insbesondere die Not leidenden Forstbetriebe.

Kinder sind eine Angelegenheit der Armen. Dies gilt nicht nur für die 3. Welt, sondern auch für die Schweiz. Die Reichen sparen hier Zeit und Geld. Soll sich die reiche Gesellschaft nicht selbst eliminieren, ist eine bessere Familienförderung ein dringendes Anliegen.

Dienstleistungen: Obwohl die Primärproduktion 2/3 der Schweizer Landesfläche bewirtschaftet lässt sich ihr Anteil am BIP bald auf 0 runden. Der 2. Sektor ist ebenfalls dauernd am Schrumpfen, allerdings eher was Arbeitsplätze betrifft. Die Umsätze wachsen immer noch. Arbeitsplätze nehmen vor allem im Dienstleistungsbereich zu, allerdings viel stärker als die Umsätze, was bedeutet, dass die Löhne hier eher mässig sind. Der Entwicklung dieses Bereiches ist mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die klassische Wirtschaftstheorie, auf die sich die Neoliberalen berufen, behauptet, dass Erfolg des Einzelnen immer auch für die Gesellschaft ein Vorteil und dem Staate förderlich sei: Der Reiche hat keine Zeit mehr, dafür Geld, also stellt er Gärtner und Köche an, geht öfter zum Schneider und fördert also auch bei andern den Wohlstand. Heute, das belegen die Zahlen des seco, gibt der Reiche immer weniger für Konsum aus. Er versucht, sein Kapital an der Börse zu mehren. Solange das Ziel der Börse noch war, Geld für Investitionen bereit zu stellen, hatte dies sicher eine positive Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung. Angesichts der Börsenaktivitäten der  letzten Jahre sind hier aber einige Zweifel angebracht. Haben die Börsengurus noch vor zwei Jahren sich selbst und die Börse gelobt, als Peitsche der Wirtschaft, welche Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität vorantreiben, so ist 4 Jahre später klar, dass ausser heisser Luft nicht viel produziert wurde (Bild aus: http://informer2.comdirect.de/de/finanztools/_pages/charts/main.html?sSymbol=NMDP.ETR&sTimeframe=5Y&useSettings=0&sid=) und dass man sich das ganze Getue und Getöse genau so gut hätte sparen können. Der gesamte "Mehrwert" des New Market ist weg - und das alte "Problem" des Nullwachstums wieder da. Es wäre vielleicht mal an der Zeit, nach einer Wirtschaftsform zu suchen, die der allgemeinen Zufriedenheit dienlicher ist und mit weniger Getöse und "Materialverschleiss" an Umwelt wie Menschen auskommt.

Auf die meisten Fragen, welche die Globalisierung aufwirft, gibt die Studie keine Antwort. Sie betont, dass es nicht die Globalisierung sei, die zu grösseren Unterschieden führe, sondern der technische Fortschritt. Sie betont ebenfalls, dass die Globalisierung nicht zu grösserer Ungleichheit, sonder zu mehr Wohlstand für alle führe.

Wir haben gesehen, dass es, ganz egal welchen Anteil die Globalisierung daran hat, massive Probleme gibt mit unserer Wirtschaft. Diese Probleme lassen sich weder mit mehr noch mit weniger Globalisierung oder Wettbewerb lösen, sie brauchen politische Lösungen. Sich einfach darauf zu verlassen, dass Konkurrenzdruck und Markt alle Probleme lösen ist irrig. Eben so wenig bringt's allerdings, wenn wir einfach "DIE GLOBALISIERUNG" an den Pranger stellen. Manchmal ist das Gegenteil von Globalisierung und Liberalisierung nicht der soziale lokale Markt, sondern eher die Filzokratie (s. Elektrizitätsmarkt).

Globalisierung ist also nicht per se schlecht. Ohne globale Wirtschaft gäbe es unsere Chemie und Pharmazie nicht, die Spinn- und andern Maschinen hätten wenig Absatz gefunden, die St. Galler Spitzen wären nicht auf der ganzen Welt bekannt - und unsere Schokolade, Emmentaler, Uhren wären allenfalls Objekte für Liebhaber. Ohne globale Wirtschaft würden unsere Banken durch Finanzgeschäfte das Handelsdefizit nicht mehr decken. Ohne globale Märkte gäbe es manche ganz sympathische KMU nicht, die ihre Spezialprodukte nie herstellen könnte, wäre sie auf die Schweiz als Markt beschränkt.

Es gibt allerdings einige Wirtschaftszweige, speziell die Primärproduktion, also Land- und Forstwirtschaft, denen die Globalisierung spezielle Probleme bereitet, da sie weder Standort noch Ihre Produkte (gross) ändern können.

Globalisierung ist für die einen gut, für die andern schlecht. Daraus ein Emblem für schlechte, asoziale oder gute, liberale Wirtschaft zu machen bringt zwar den Parteien Stimmen - aber keine Lösungen. Hier passiert das Selbe wie mit dem Begriff Liberalisierung. Da einige Firmen damit Schindluder getrieben haben, konnte die Klüngelwirtschaft die im Elektrizitätsmarkt offensichtlich herrscht, profitieren. Das Gegenteil von Liberalisierung ist nicht immer sozial, sondern oft verfilzt. Das Gegenteil von Globalisierung ist nicht immer lokale Subsistenz und Nachhaltigkeit, sondern oft schlichtwegs Feudalismus, Lokalhonoratiorentum.

M. Herzog, Dipl. Ing. ETH, Webdesign, Rheinfelden, 5.10.02

Dazu das denk-Mal des Tages [WOZ Nr. 25, S. 6, 19. Juni 03], von Ch. Mörgeli, SVP-Nationalrat, Zürich:

Soziale Gerechtigkeit

ist ohne totalitären Staat unmöglich

und vernichtet jede Freiheit.

* so haben Sie natürlich recht. Es fehlt hier das Alter. Reichtum häuft sich natürlich bei den meisten erst mit zunehmenden Alter an, gleichzeitig nimmt die Anzahl der Kinder in Ausbildung ab. Da die Abwesenheit von Kindern das Sparen weiter erleichtert, beschleunigt sich der Vorgang des reich Werdens dann noch zusätzlich. Dennoch bleibt die Kritik bestehen. Zwar wäre eine enorme Erhöhung der Geburtenziffer für Gesellschaft wie Wirtschaft nötig, um die wirtschaftlichen Strukturen, insbesondere AHV, in Schwung zu halten. Andererseits ist aber Kindererziehung ein extrem aufwändiges Geschäft, das voll zu Lasten Privater geht. Eine national-egoistische Politik schiesst hier also voll ein Eigentor.

Dass die oben (Abschnitt 3.1) verwendete Graphik zwar masslos übertreibt, der Sachverhalt aber stimmt, zeigt die Studie "Wohlstand und Wohlbefinden" http://www.statistik.admin.ch/stat_ch/ber20/publ-rev/dpub01-01.htm:

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